Gedanken zum Monatsspruch April 2026

Liebe Schwestern und liebe Brüder,

jetzt Anfang April feiern wir wieder Ostern. In unseren und den Nachbargemeinden bieten zahlreiche Gottesdienste die Möglichkeit, gemeinsam an Jesu letzte Tage hier auf Erden und all die Ereignisse, die damals auf ihn zu kamen, zu gedenken. Auch vielleicht die Menschen in den Blick zu nehmen, die ihn dabei begleiteten. Ob nun sein letztes irdisches Gebet zu seinem himmlischen Vater im Garten Gethsemane, der Prozess, sein schmerzhafter Weg hoch zum Kreuz, die Kreuzigung und dann seine Auferstehung. Aber eben auch z.B. die beiden Marias, die mit ansehen mussten, wie ihr Sohn und Meister gekreuzigt wurde. Oder die Jünger, die dachten, er sei für immer fort und die dann von seiner Auferstehung erfuhren.

Die Kirchen erwarten dann wieder den einen oder anderen Gottesdienstbesucher, der vielleicht im Laufe des Jahres aus unterschiedlichen Gründen nicht regelmäßig zu den Gottesdiensten kommt. Für Manche ist es auch Gelegenheit, die eigene oder andere Kirchen mal wieder zu besuchen. Sich Zeit für den eigenen Glauben zu nehmen, der im Alltag oft „zu kurz kommt“.

Auf den Altären sehen wir dann den Gekreuzigten. In manchen Kirchen doch sehr realistisch dargestellt, in anderen vielleicht abstrakt. Aber alles eint die Darstellungen: Sie machen uns diesen für ihn letzten Moment auf Erden mehr als deutlich sichtbar.

In ettlichen Gärten oder auch an Brunnen ist es ein liebgewordener Brauch, Sträucher, Bäume oder eben auch Brunnen mit Eiern in unterschiedlichsten Farben und Mustern zu schmücken. Für viele sind es die ersten bunten Tupfer in all dem doch eher noch dominierenden Braun und Grau ringsum.

In den Bäckereien werden dann Hefegebäcke in Form des Osterlamms verkauft, auch diese Art von Gebäck ist ja in manchen Regionen Deutschlands fest mit dem Osterfest verbunden.

Wir merken: Gerade zu Ostern gibt es ganz viele Dinge, die wir mit unserem Glauben verbinden. Eigentlich ja eine schöne Sache. Doch dann kommt unser Monatsspruch, wir finden ihn bei Johannes im 20. Kapitel:

Jesus spricht zu Thomas: Weil du mich gesehen hast, darum glaubst du? Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!

Nichts mit: Symbole, die uns an Ostern erinnern lassen. Nichts mit: schöne althergebrachte Bräuche. Sondern eher: Das was du nicht siehst, ist wahrer Glauben.

Doch schauen wir uns erstmal an, an wen die Wort gerichtet sind: Thomas war beim ersten Mal nicht dabei, als Jesus sich nach seiner Auferstehung seinen Jüngern zeigte. Als sie ihm dann davon berichteten, wollte er es ihnen nicht glauben. Nach allen menschlichen Erfahrungen schien es ihm unmöglich. Thomas hatte bei Jesus schon viele Wunder erlebt. Vermutlich war er dabei, als Jesus den jungen Mann von Nain wieder zum Leben erweckte und auch als er den verstorbenen Lazarus aus dem Grab wieder ins Leben rief. Trotzdem äußerte Thomas sich jetzt in dem Sinn, wie es heute etliche Menschen nach dem Zeitalter der Aufklärung tun: Ich glaube nur, was ich sehen und anfassen kann. Jesus gewährte ihm damals dieses Sehen und Fühlen, was bei Thomas den Glauben bewirkte: „Mein Herr und mein Gott!“ So betete er Jesus an. Aber für ihn und alle späteren, die erst aufgrund von handfesten Erfahrungen glauben wollen, sagte Jesus: „Glücklich können sich die schätzen, die glauben, obwohl sie nicht sehen.“

Ja, es ist wichtig, das wir durch das Kreuz auf dem Altar, die bunten Ostereier, Osterlämmer und vieles mehr immer wieder an Jesus und sein Leben erinnert werden. Doch noch wichtiger ist es, dass wir Vertrauen haben. Darauf, dass es mit Gott, Jesus und dem Heiligen Geist etwas gibt, dass wir zwar nicht sehen können, dass uns aber trägt. Was immer in uns, um uns, neben uns, über uns ist. Uns Kraft und Halt gibt. Auf das wir hoffen können.

Seien wir ehrlich, immer ist es gar nicht so einfach, manchmal auch schier unmöglich, auf etwas zu vertrauen, oder zu hoffen, was wir nicht mit eigenen Augen sehen, mit unseren Händen anfassen oder mit den Ohren hören können. Helfen kann uns dann eventuell das Beginnen mit einer täglichen Routine. Wenn wir uns jeden Abend beim Zubettgehen vornehmen, Gott zu danken für etwas Gutes, das im Laufe des Tages uns geschehen ist. Irgendwann können wir dann auch Menschen, die uns am Herzen liegen vor ihn bringen und für sie beten. Vielleicht bietet gerade der Gang in die Kirche zu Ostern eine Möglichkeit, in Gemeinschaft, wieder Gott und Jesus in unser Herz zu lassen.

Ich wünsche Ihnen und euch von Herzen einen gesegneten April,

eure Manuela Schmidt.

Gedanken zum Monatsspruch März 2026

Da weinte Jesus Joh. 1135

Liebe Schwestern und Brüder,

wir sind mitten in der Fastenzeit. Viele nutzen die Zeit und verzichten auf Dinge, die sonst so selbstverständlich sind, aber auch viel Zeit und Energie kosten. Sie wollen sich stärker auf sich besinnen, auf das, was im Leben wirklich zählt. Doch was zählt wirklich im Leben? Jeder setzt da seine eigenen Prioritäten. Der eine betont Familie und Freundschaften, dem anderen sind Bildung, moralische Werte und ein gutes Auskommen wichtig, dem dritten ist die eigene Fitness und Gesundheit das Wichtigste. Was es auch sein mag, es tut gut, sich hin und wieder zu hinterfragen, neu auszurichten. Dafür ist es sinnvoll, dass es solche Vorbereitungszeiten wie die Fastenzeit immer wieder gibt.

Für uns Christen sollten Nächstenliebe, ein barmherziger Blick aufeinander und die Hoffnung auf Gottes Wirken wichtige Dinge sein, die uns im Leben Sinn und Halt geben. Im Alltagsstress mit all seinen Verpflichtungen geht das leider oft unter und wir messen ihm keine Bedeutung bei. Geschehnisse aus aller Welt verunsichern uns genauso wie unsere Mitmenschen, obwohl uns die Zusage Gottes gegeben ist, da nicht allein durchkommen zu müssen. Wir sind oft getrieben zwischen Terminen, dem jahreszeitlichen Wechsel, zwischen Arbeit und Freizeitaktivitäten. Für Freunde, Familie und den Menschen neben uns bleibt meistens nur wenig Zeit. Selbst wenn man bestimmte Aufgaben für andere macht, so fühlt es sich manchmal so an, dass man einander aus den Augen verliert. Meist merkt man erst, wie getrieben man ist, wenn man durch Krankheit oder Schicksalsschlag zum Innehalten gezwungen wird. Das kann aus der Bahn werfen, obwohl wir wissen, dass wir von Gott getragen sind. Darum ist es gut, sich die Fastenzeit zu hinterfragen, ob man das richtige Maß an Zeit und Liebe für sich und den Nächsten aufbringt, ob man den richtigen Dingen nachgeht oder ob man vielleicht etwas ändern sollte. Man kann zum Schluss kommen, dass alles gut ist, wie es ist und man vielleicht nur ein wenig barmherziger auf sich selbst und andere schauen sollte. Dann darf man dankbar sein und mit fröhlichem Herzen den Frühling genießen. Vielleicht traut man sich aber auch nicht, wirklich in sich hinzuhören, weil manche Erkenntnis weh tut, weil Veränderungen schmerzen, mühsam und die Konsequenzen nicht absehbar sind. Eine Zeit lang kann man dem entgegen, es ignorieren, aber oft holt es einen ein.

Die Zeit vor Ostern, die Passionszeit, ist für unseren Glauben aber nicht nur deswegen entscheidend, weil wir in uns aufräumen, Frühjahrsputz machen. Als Christen nutzen wir die 40 Tage vor Ostern in besonderer Weise, um den Weg von Jesus nachzugehen. Konsequent trat er für seine Botschaft der Nächstenliebe und der Liebe zu Gott ein. So konsequent, dass er damit die eingefahrenen Wege der Mächtigen seiner Zeit herausforderte und sie ihn schließlich loswerden wollten und töteten. Er hat Prioritäten gesetzt, die wir heute vielleicht nur noch schwer nachvollziehen können. Die Prioritäten waren sein liebender himmlischer Vater und seine Nächsten und hier vor allem die, die es gebraucht haben: Kranke, Schwache, Ausgestoßene.

Für sie hat er sich eingesetzt, damit sie wieder Anteil haben an der Gemeinschaft, an Gottes Plan eines gelingenden Miteinanders hier auf Erden und der gemeinsamen Ewigkeit.

Auch unser Monatsspruch für März 2026 „Da weinte Jesus.“ trägt in diesem Sinne eine tiefe Bedeutung. Es ist übrigens der kürzeste Vers in der Bibel. Aber gerade in der Kürze liegt die Würze. Er verdichtet viel von dem, was Jesus ausgezeichnet hat. Jesus zeigt Mitgefühl und Anteilnahme am Leid seiner Freunde Maria und Martha, nachdem ihr Bruder Lazarus gestorben war. Obwohl Jesus wusste, dass er Lazarus bald auferwecken würde, ließ er sich von der Trauer der Schwestern bewegen und weinte mit ihnen. Der Vers verdeutlicht, dass Gott die menschlichen Gefühle ernst nimmt und Anteil am Schmerz der Menschen hat. Er zeigt auch, dass Trauer und Mitgefühl natürliche Reaktionen sind und dass selbst Jesus, der Sohn Gottes, diese Emotionen teilt. Für uns kann das eine Ermutigung sein, unsere eigenen Gefühle zuzulassen und zu wissen, dass wir im Leid nicht allein sind.

Früher war es üblich, dass man Nachbarn und anderen Dorfbewohnern bei einem Trauerfall zur Seite stand, ihre Trauer gemeinsam aushielt, an Trauerfeiern teilnahm, gemeinsam weinte. Spätestens seit und vor allem durch die Pandemie 2020 bis 2022 muss man feststellen, dass sich die Trauerkultur grundlegend verändert hat. Trauerfeiern werden immer mehr zu rein familiären Angelegenheiten im engsten Kreis. Man meint, den Schmerz allein besser aushalten zu können, andere nicht damit belasten zu wollen. Ist das wirklich so? Schafft man so, besser auszuhalten, dass wir endlich sind und nacheinander erst andere und schließlich selbst loslassen zu müssen? Gleichzeitig scheinen sich viele nicht mehr zu öffentlichen Verabschiedungen hingehen zutrauen oder den einfachen Weg zu nehmen, das Thema einfach zu ignorieren. Sei es aus Scham, aus Unsicherheit vor dem richtigen Umgang, aus Gleichgültigkeit oder weil Alltagsaufgaben wichtiger sind. Auch zum gemeinsamen Gedenken am Volkstrauertag oder am Ewigkeitssonntag, an dem nochmal allen Verstorbenen gedacht wird, kommen nur noch wenige. Es hat an Bedeutung verloren, gemeinsam zu tragen, was wir allein nur schwer schultern können. Dabei könnte es durchaus helfen, auch gegen die viel beschworene Vereinsamung. Gott hilft tragen – diese Erfahrung haben jahrhundertelang Menschen gemacht, davon handeln unzählige Trauerlieder. Gott hilft auch dadurch, dass sein Sohn dazu auffordert und vorlebt, als Christen das Leben gemeinsam zu tragen. Das schöne und das schwere, Freude und Kummer.

Es ist auch nicht übergriffig, Interesse aneinander zu haben, am Leben anderer Anteil zu nehmen, Interesse zu zeigen. So wichtig Privatsphäre ist, keiner lebt sich selber. Daher ist dieser kurze Satz der Monatslosung eine Einladung, jetzt in der Fastenzeit darüber nachzudenken, ob wir vielleicht wieder mehr Mitgefühl füreinander haben und wie Jesus auch miteinander weinen sollten, wenn es sein muss. Tränen können das Wischwasser sein, dass beim Frühjahrsputz unserer Seele hilft. Gereinigt und befreit können wir dann mutig angehen, was dieses Jahr noch auf uns wartet.

In diesem Sinne eine gesegnete Fastenzeit

Chris Schönefeld

Gedanken zur Jahreslosung

Gott spricht: „Siehe ich mache  alles neu“

Offenbarung 21,5

Liebe Brüder und liebe Schwestern,

wenn auch ein bisschen verspätet, so möchte ich euch/Ihnen für das Jahr 2026 alles Gute wünschen. Gesundheit und Zufriedenheit, Glück und Erfüllung – aber ganz besonders möge Gottes Segen auf allen Wegen und bei allem Tun bei Ihnen sein.

Jedes neue Jahr ist wie ein weißes Blatt Papier – unbeschrieben und unbenutzt und irgendwie hoffen wir doch immer wieder, dass ein neuer Anfang machbar ist. Vielleicht gab es auch gute Dinge und Entwicklungen im alten Jahr. Vielleicht war da aber auch viel Schmerz, viele Sorgen, Ausweglosigkeit, Angst oder Schuld. Was gut war sollten wir bewahren und mitnehmen. Wunden müssen heilen, Sorgen und Ängste lassen sich nicht einfach abschütteln. Manchmal braucht es dafür auch Hilfe von außen, die man suchen und annehmen sollte. Schön wäre es ja, wenn jemand meinen „Resetknopf“ drücken würde und alles neu beginnen könnte.

Wie in jedem neuen Kalenderjahr, so gibt es auch für das Jahr 2026 wieder eine Jahreslosung. Das ist eine gute Tradition, die es schon seit über 95 Jahren gibt. Damals wollte man in schwierigen Zeiten ein klares biblisches Zeichen setzen. So wird heute durch eine ökumenische Arbeitsgemeinschaft drei Jahre im Voraus ein Bibelvers ausgewählt, so dass Christen einen gemeinsamen Leitvers für das gesamte Jahr zur Hand haben.

Der Leitvers für 2026 ist aus der Offenbarung entnommen. Die Offenbarung des Johannes von Patmos ist in der Bibel als letztes Buch zu finden. Johannes hat die Zerstörung seiner Heimat durch die Römer erlebt. Der Tempel ist gebrandschatzt und ausgeraubt. Christen werden konsequent von den Besatzern verfolgt. Aus Verzweiflung flieht Johannes auf die Insel Patmos. Dort findet er Ruhe zum Schreiben. Er beschreibt die Zustände in seiner Heimat. Er benutzt Bilder, die in seiner antiken Zeit verstanden worden. Seine Worte sind inspiriert. Er klagt nicht nur an; er hat eine tiefe fundamentale Hoffnung, dass eine neue Zeit anbrechen wird.

Dass der Gott der Liebe und der Barmherzigkeit, der selbst als Mensch auf dieser Erde gelebt, geheilt und gepredigt hat, weinen und leiden musste, gefoltert und getötet wurde und auferstanden ist und lebt, diese Erde verwandeln wird aus einem Chaos von Not, Elend, Machtmissbrauch, Kriegen, Zerstörung und Tod in ein Reich des Friedens und der Freude, des Lebens und der Herrlichkeit.

Johannes hört Gottes Wort: „Siehe ich mache alles neu.“ Es wird nichts bleiben, was euch niederdrückt, euch das Leben so unendlich schwer macht. Es wird eine Zeit anbrechen in der Gott alle eure Tränen abwischen wird. Euer Schmerz und alle eure Leiden, selbst die größte Todesangst werden Vergangenheit sein. Eure Freiheit wird Realität! Endgültig, für immer!

Das ist seine Botschaft, die er den Menschen damals und uns heute geben will. Es sind Gottes Worte, die er hört und niederschreibt.  Und Gottes Plan ist unumstößlich.

„Siehe ich mache alles neu.“ Das ist uns auch heute zugesagt. Gott verspricht bei den Menschen zu wohnen. Das tut er bereits jetzt in jedem und jeder.

Hören wir seine Stimme? Können wir uns einlassen auf das, was er uns ans  Herz legt? Werden wir tätig, wenn es um die Liebe geht, die Jesus uns vorgelebt hat? Lassen wir uns verwandeln von ihm und können Hass, Egoismus, Neid, Selbstsucht,  Habgier ablegen und stattdessen dem vertrauen, der unsere Wege so wunderbar leiten möchte?

Lasst uns untereinander Frieden stiften, lasst uns Gemeinschaft bauen, lasst uns aufstehen gegen Ungerechtigkeit, gegen jede Art von Gewalt und Zerstörung! Lasst uns unsere Hoffnung und unseren Glauben bewahren! Solange wir Gott in unseren Herzen spüren, werden wir auch in diesem Jahr getrost leben.

Das wünsche ich euch! Bleibt behütet!

Uta Baumfelder

Monatsspruch Januar 2026

„Du sollst den HERRN, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft“

Liebe Schwestern und liebe Brüder,

„alle Jahre wieder“…nein, damit meine ich diesmal nicht das bekannte Weihnachtslied. Sondern das, was ganz viele Menschen zum Jahreswechsel tun: Sich Dinge für das kommende Jahr vornehmen. Der Eine will endlich aufhören mit rauchen, der Nächste soundso viele Kilos abnehmen und der Dritte auf Schockolade verzichten. Einige können das auch noch eine Zeitlang nach dem ersten Januar durchhalten, doch andere merken schon nach kurzer Zeit: „Der innere Schweinehund ist doch stärker.“
Alles in allem merken wir: Die Gewohnheiten abzugelegen, Neues im täglichen Ablauf einzubauen oder auf die ein oder andere, liebgewohnene Seelentröstung zu verzichten, fällt doch arg schwer. Und so gibt es wohl kaum Jemanden unter uns, der ein zum Jahreswechsel selbst „verordnetes“ Vorhaben über Monate, Jahre oder gar für immer beibehält.

Von einem Vorsatz der ganz anderen Art hören wir im Monatsspruch für den Monat Januar. Dieser ist kein typischer Jahreswechsel-Vorsatz. Er steht im fünften Buch Mose: „Du sollst den HERRN, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft“

Dieses 5. Buch des Propheten Mose, auch Deuteronomium genannt, ist voll von Zusagen und auch von Ermahnungen. Mose will das Volk Israel noch einmal an alles erinnern, damit sie auch ja nichts vergessen. Sie sollen sich daran erinnern, was Gott getan hat auf ihrer langen Reise durch die Wüste. Sie sollen sich daran erinnern, was Gott ihnen an Segnungen zugesagt hat. Sie sollen sich daran erinnern, mit wem sie unterwegs waren, sind und auch sein werden: mit dem HERRN, ihrem Gott.

All die Zusagen sind eng verbunden mit der Ermahnung, diesem Gott unbedingt treu zu bleiben, ihn zu ehren und nicht auf die Verlockungen der anderen Völker hereinzufallen. 
Doch hierbei geht es nicht allein um blinden Gehorsam. Mose sagt: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben!“ Aber nicht irgendwie sondern voll und ganz. Um das besser verstehen zu können, müssen wir uns die 3 wichtigen Punkte des Verses anschauen:
Mit ganzem Herzen (lebab): Im biblischen Verständnis ist das Herz nicht nur der Sitz der Gefühle, sondern auch des Denkens, Wollens und Entscheidens. Es fordert eine bewusste Ausrichtung des Willens und der Absichten auf Gott.

Mit ganzer Seele (nefesch): Hier ist das gesamte Leben bzw. die Lebenskraft gemeint. Es impliziert die Bereitschaft, Gott mit dem gesamten Sein und notfalls unter Einsatz des eigenen Lebens treu zu bleiben.

Mit ganzer Kraft (me’od): Das hebräische Wort bedeutet wörtlich „Sehrheit“ oder „Vielheit“. Es umfasst alle Ressourcen eines Menschen: physische Stärke, Besitztümer, Zeit und soziale Stellung. 

Wir merken: Das ist ne ganz schöne gewaltige Aufgabe, die der Prophet da von den Gläubigen verlangt. Ein unlösbare?
Auch wir Christen heute, tausende Jahre später, stellen uns sicher das eine oder andere Mal die Frage: Wie ist das eigentlich mit meinem Glauben? Bin ich zwar noch in der Kirche Mitglied, aber so wirklich intensiv „glaube“ ich nicht mehr? Oder ist da schon noch so ein Gefühl, dass die Glaubensflamme zwar in mir zwar flackert, aber doch nicht mehr so intensiv wie vor Jahren? Kann ich wirklich sagen, ich liebe Gott mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele, mit ganzer Kraft?

Vielleicht kann uns dabei auch die Losung für das Jahr 2026 helfen: „Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu!“. Wir finden sie in Offenbarung 21,5. Sie bildet quasi einen Bogen zur Schöpfungsgeschichte. Als Gott die Welt schuf. Wir merken, Gott ist immer wieder darauf bedacht, seinen Weg mit uns Menschen zu gehen. Auch wenn wir selbst diesen aus den Augen verlieren, uns verirren. Verzetteln im großen Ganzen. Er lässt uns nicht „im Stich“.
Dann merken wir, gerade am Übergang von einem Jahr zum anderen: Manchmal ist es gar nicht so schlimm und schlecht, sich zuerst mit dem eigenen Glauben zu beschäftigen und dann mit dem, an den man glaubt. Wir sind damit auch nicht allein auf weiter Flur. Sondern Gott wird uns helfen. Immer und immer wieder.

Ich wünsche Ihnen und euch von Herzen einen gesegneten Januar,
eure Manuela Schmidt.

Monatsspruch November 2025

Gott spricht: Ich will das Verlorene wieder suchen und das Verirrte zurückbringen und das Verwundete verbinden und das Schwache stärken.

Hesekiel 34,16

Liebe Schwestern und Brüder,

es ist schon ein paar Jahr her, als das letzte Mal ein Schäfer mit seiner Herde hier durch Hasenthal zog. Auch sonst sieht man im Landkreis Sonneberg keinen Schäfer mehr, der mit einer hunderte Tiere – umfassenden Herde über die Wiesen und Felder zieht. Eigentlich schade, dass dieser Berufszweig nicht mehr so „in Mode“ ist. Schließlich kümmerten sich viele Jahrzehnte und Jahrhunderte Schafe auch um die natürliche Pflege ganzer Landschaften. Schön anzusehen war es allemal, wenn da diese wolligen Tiere gemütlich auf den Wiesen standen.


In der Matthäuskirche in Spechtsbrunn finden wir auch Worte über einen guten Hirten. Sie stammen aus dem Psalm 23. Was verbinden nun wir mit dem Hirten? Seien wir ehrlich, als erstes kommt uns da ja schon das romantische Bild vor Augen, dass ein Schäfer mit seinem Hütehund auf einer frischen, saftigen Wiese steht, von morgens bis abends, bei Wind und Wetter. So stellen wir Laien uns das sicherlich oft vor. Die Realität schaut mittlerweile sicherlich anders aus. Wenn Zuchtpläne am Computer erstellt werden, es dank Statistiken einfach nur noch um die Rentabilität geht usw. Doch ein wenig dürfen wir ja sicherlich noch unseren nostalgischen Vorstellungen hinterherträumen, oder?

Auch im Monatsspruch für den Monat November lesen wir von einem Hirten. Auch da keimt so ein „Ideal-Bild“ in uns auf: Da hat sich so ein niedliches Schäfchen, warum auch immer, von der Herde entfernt. Irgendwie hat es sich dann an einem Strauch verletzt. Der Schäfer geht auf die Suche, sucht solange, bis er es findet, kümmert sich. Und bringt es zurück zur Herde.

Kann das Bild jetzt nicht einfach so stehen bleiben? Irgendwie hoffen wir doch insgeheim ganz sehr es uns. Doch ich muss euch enttäuschen. Denn vor dem Vers, der uns für den November gegeben ist, klagt Hesekiel die miserablen Hirten an. Er meint damit nicht die, die Schafherden vorangehen und sie weiden.
Gemeint sind die Führer des Volkes, die ihre Macht missbrauchen.


Die Herrschenden damals ließen sich nämlich gerne ‘Hirten’ nennen, auch die Despoten, denn das klingt gut. Hirten, die scheinbar fürsorglich für ihre Herden eintreten, in Wirklichkeit aber nichts anderes treiben als ihre Macht auszunutzen.

Wenn wir uns so auf dieser Welt umschauen, dann fallen sicherlich auch uns ein paar Menschen ein, die sich insgeheim null darum kümmern, wie es jedem Einzelnen in ihrem Volk geht. Denen es nur wichtig ist, dass sie gut dastehen. Das sie durch unnötige Kriege so viel wie möglich an Land wieder für sich einnehmen können , ohne Rücksicht darauf zu nehmen, wieviele Opfer diese Kriege fordern. Oder sich, in völliger Selbstüberschätzung, im Vorfeld schon als Gewinner des Friedensnobelpreises sehen.

Wir merken, so sehr unterscheiden sich die Themen damals und heute nicht.

Doch der Prophet stellt den politischen Machthabern jemanden entgegen: Gott. Er ist derjenige, der sich um die Menschen kümmert. Gott wird dabei auch mal etwas schärfer im Ton, wenn er den Machthabern droht: ‭So spricht GOTT, der Herr: Siehe, ich komme über die Hirten, und ich will meine Schafe von ihren Händen fordern und will ihrem Schafeweiden ein Ende machen, und die Hirten sollen nicht mehr sich selbst weiden; denn ich will meine Schafe aus ihrem Maul erretten, dass sie ihnen künftig nicht mehr zum Fraß dienen sollen. Aber er will sich eben nicht nur um das Körperliche, sondern auch um ihre Seele kümmern. Wenn er da schreibt mit Worten Gotts: ‭Ich selbst will meine Schafe weiden und sie lagern, spricht GOTT, der Herr. Ja, Gott selbst möchte uns Ruhe schenken. Zeiten, in denen wir wirklich zur Ruhe kommen können. Auszeiten für die Seele.

Gerade in diesen Tagen jetzt im November, wo die Tage eh schon trüb und regnerisch oft sind. Der ein oder andere sich innerlich auch schon auf die beiden Sonntage vorbereitet, in denen es um das Gedenken Verstorbener oder der Opfer der weltweiten Kriege geht. Da ist es wichtig, dass auch wir uns immer wieder daran erinnern und erinnern lassen, das es da Jemanden in unserem Leben gibt, der „das Verirrte zurückbringt auf den richtigen Weg, die Wunden verbindet und das Schwache stärkt“.

Ich weiß, es fällt uns oft nicht leicht, runterzukommen. Aber vielleicht sollen auch wir uns immer mal wieder die Zeit geben, uns einzulassen. Auf Gott, auf sein Wirken in unserem Leben. Einen Schritt dahin habt ihr jetzt eben schon getan – indem ihr euch diese Zeilen bis zu Ende durchgelesen habt.

Ich wünsche uns allen einen gesegneten November,

Ihre und eure Manuela Schmidt

Monatsspruch Oktober 2025

Jesus Christus spricht: Das Reich Gottes ist mitten unter euch. Lukas 17,21

Liebe Brüder, liebe Schwestern!

In einem Abendlied im evangelischen Gesangbuch unter der Nummer 490 heißt es in der dritten Strophe:

„So mögen Erdenreiche fallen, dein Reich, Herr, steht in Ewigkeit und wächst und wächst, bis endlich allen das Herz zu deinem Dienst bereit.“

So viele Weltenreiche hat unsere Erde im Verlaufe der Zivilisation schon erlebt. Imperien wuchsen, hatten lange Zeit Bestand und sind schließlich alle untergegangen. Aus der Antike sind uns  große Weltreiche überliefert. Das Babylonische Reich existierte von 626 bis 539 vor  Christus. Unter König Nebukadnezar, der uns im Alten Testament begegnet als Eroberer und Zerstörer von Jerusalem, wurde das Reich stark. Doch nach seinem Tod zerfielen die stabilen Strukturen und die Perser hatten leichtes Spiel, Babylon zu erobern. Das Perserreich, das um 500 vor Christus existierte gilt als das größte der Antike, denn es hatte ca. 44% der Weltbevölkerung unter sich. Auch das Reich des Alexander des Großen im 4. Jahrhundert vor Christus war durch seine Eroberungszüge sehr groß, zerfiel aber auch nach seinem Tod. Das antike Griechenland existierte von 800 bis 30  vor Christus. Stadtstaaten wie Athen und Sparta entstanden. Die Grundlagen der Demokratie, der Philosophie und der Wissenschaft und der Kultur wurden entwickelt und prägten die europäische Zivilisation. Das Römische Reich war das größte Weltenreich nach seiner Ausdehnung, denn es umfasste drei Kontinente. Es existierte zwischen 200 vor Christus bis 476 nach Christus. Vieles aus der hat die Zeit überdauert. Geblieben sind Straßen, Aquädukte, Kolosseum, Amphitheater. Romanische Sprachen sind in Europa entstanden. Latein wird in der Schule unterrichtet und ist für Biologie und Medizin notwendig. Recht und Staatswesen in Europa sind vom römischen Recht geprägt. Das Römische Reich mit seinen vielen Sprachen, Völkern, Religionen war nicht nur eine Gesellschaftsform, sondern die Idee eines grenzenlosen Reiches. Dennoch zerfiel es in zwei Teile, als ein germanischer Heeresführer den letzten Kaiser absetzte.

Viele weitere große Weltenreiche folgten. Das Mongolenreich unter Dschingis Khan war das größte zusammenhängende Reich der Weltgeschichte. Das größte Reich der Welt mit Kolonien auf der ganzen Welt war das Britische Empire zwischen 1920 und  1936 mit 35 Millionen Quadratkilometer Fläche.  Die Liste der Weltenreiche ließe sich weiter fortsetzen, denn auch in unserer Zeit und unserer neueren Vergangenheit haben immer wieder Staatsoberhäupter versucht sich zu etablieren. Auch was gegenwärtig geschieht zwischen den sogenannten Großmächten gehört in diese Kategorie.

Als Jesus die Frage von den Pharisäern nach dem Kommen des Reiches Gottes gestellt bekommen hatte, war da eine große Sehnsucht zu spüren. Auch damals gab es große Erwartungen, Gedanken, Vorstellungen und Wünsche. Das Reich Gottes muss doch irgendwie greifbar, sichtbar und vorausschaubar sein! Eben so wie alles, was uns täglich umgibt. So wie eine Prognose, so wie unser Wetterbericht, der heute ziemlich exakt dank wissenschaftlicher Methoden erstellt wird. Oder so wie die jährliche Vorausschau der Wirtschaftsweisen zur Entwicklung oder zur Rezension der Wirtschaft. Oder wie die Erstellung von Szenarien über die  Auswirkung des Klimawandels. Wir wollen doch unsere Zukunft planen oder noch besser vorhersehen! Ungewissheit erzeugt doch Angst! Angst lähmt und macht uns kaputt. Wie sollen wir leben ohne gesicherte Zukunft?

Jesus redet vom Reich Gottes – eigentlich immer solange er als Wanderprediger in Galiläa und Judäa unterwegs ist. Er erzählt den Menschen in Gleichnissen wie das Reich Gottes ist. Etwa das Gleichnis vom Senfkorn, das so winzig klein ist. Aber wenn es zu keimen beginnt und wächst, dann wird es so groß, dass Vögel auf seinen Zweigen wohnen. Auch das Gleichnis vom verlorenen Sohn, der es satt hatte, auf dem Hof seines Vaters zu schuften und lieber sein Erbe in der Welt verprassen wollte. So tat er und als das Geld aufgebraucht war, wusste er  sich nicht anders zu helfen, als nach Hause zurück zu kehren und den Vater reumütig zu bitten, ihn als Knecht einzustellen. Aber der Vater vergab ihm und er feierte ein großes Fest, weil sein verloren geglaubter Sohn zurückgekehrt war.

In der Bibel gibt es noch viele weitere Hinweise, wie Gottes Reich sein wird. Aber Jesus sagt auch, dass es nicht möglich ist, das Reich Gottes im Voraus zu bestimmen, weil menschliche Erkenntnis dabei an ihre Grenzen stößt. Er sagt aber vom Reich Gottes auch, dass es bereits mitten unter den Menschen ist. Gottes Wirken in dieser Welt ist immer wieder erfahrbar. Wer Jesus nachfolgen kann, der baut direkt mit am Reich Gottes auf Erden.  Nicht erst in ferner Zukunft, sondern schon jetzt und hier. Eingeladen sind jedenfalls alle Menschen, weil Gott seine Geschöpfe über alles liebt. Dort wo Gottes wirken in dieser Welt sichtbar wird, da beginnt das Reich Gottes sich zu entfalten.

In unserem monatlichen Friedensgebet haben wir kürzlich ein wunderschönes Lied gesungen. Darin heißt es:

Wo Menschen sich vergessen, die Wege verlassen…

Wo Menschen sich verschenken, die Liebe bedenken…

Wo Menschen sich verbünden, den Hass überwinden…

Da berühren sich Himmel und Erde, dass Frieden werde unter uns.

Ich wünsche Ihnen und euch von Herzen eine wunderbare Herbstzeit!

Ihre/ eure Uta Baumfelder

Monatsspruch Juli 2025

Sorgt euch um nichts, sondern bringt in jeder Lage betend und flehend eure Bitten mit Dank vor Gott!

Philipper 4,6

Liebe Schwestern, liebe Brüder,

Vielleicht erinnern sich die Älteren unter uns an einen Ohrwurm, den Peter Alexander in einer Filmkomödie aus dem Jahr 1960 gesungen hat: „Ich zähle täglich meine Sorgen, denn ich sorg mich sehr.“ Da geht es darum, dass man dem anderen, den man so lieb hat, auch genug Gegenliebe aufbringen kann, damit es für ein Zusammenleben auch ausreicht. Oder ist die ganze Liebesgeschichte nur auf Sand gebaut und es reicht nie und nimmer für ein ganzes Leben? Wird ein anderer kommen und ein besserer Liebhaber sein? Und was soll ich tun, um dir zu gefallen, damit du mich auserwählst? Und was muss ich selbst tun, damit ich dir für ein ganzes langes Leben deine Erwartungen erfüllen kann?

Absolut antiquiert! So tickt doch kein Mensch heute mehr! Vielleicht hast du Recht. Vielleicht war diese gentlemanlike Zeit doch nicht so lange her.

Sorgen zu machen, um den und um das was man liebt, das ist doch völlig zeitlos.  Auch wenn wir in der herrlichen Sommerzeit und Urlaubszeit alle Sorgen und Probleme zu recht in die äußerste Ecke stellen und einfach die Zeit genießen möchten. Jeder braucht diese Auszeit aus dem hektischen und zehrenden Arbeitsalltag. Urlaub soll gelingen. Alles tut man, damit die wenigen Tagen erfüllt sind mit Zufriedenheit und Glück, mit Entspannung und mit dem was man so gern hat. Das Meer, die Berge, die Ruhe, die Herausforderung – alles was ihr so liebt, das sei euch von Herzen gegönnt.

Manchmal aber ist alles nicht mehr normal. Manchmal sind Sorgen täglicher Begleiter. Manchmal ändern Sorgen den ganzen Lebensablauf. Dann spätestens weißt du, dass Sorgen sich nicht loslösen lassen vom Leben. Sondern zum Leben dazu gehören. Und wer kann schon sagen, dass er sich keine Sorgen gemacht hat in der letzten Zeit?  Das wäre ganz und gar weltfremd. Selbst wer im Moment keine persönlichen Sorgen kennt, wird sich unwohl fühlen,  wenn er an die ganze politische Weltsituation denkt und tägliche Nachrichten verkraften muss. Wird das Auf(trump)fen von Führerpersönlichkeiten eine gute Wende noch bringen können? Oder wird Krieg unser tägliches Brot werden? Wird der Klimawandel uns in eine unkontrollierbare Lebenssituation bringen? Was bringt der Führungswechsel in der deutschen Politik? Wird es den Führungsnationen gelingen, die Kontrolle über die ganze Welt zu erringen?

Du kannst dich nicht abschotten von den Problemen. Du kannst auch nicht auf Dauer wie die drei Affen nichts hören, nichts sehen, nichts sagen und den Kopf in den Sand stecken.

Sich sorgen gehört zum Leben dazu. Sich zu kümmern und vorzusorgen ist wichtig und notwendig. Das muss jeder von uns tun. Aber sich um alle möglichen Dinge ständig den Kopf zu zerbrechen, sich alle möglichen schrecklichen Dinge vorzustellen das erzeugt negative Gedanken, die das Leben zur Hölle machen. Und das ist nicht gottgewollt!

Das meint Paulus, als er  im Brief an seine Gemeinde in Philippi schreibt, dass sie sich nicht so viele Sorgen machen sollen. Bringe doch deine Sorgen und Probleme im Gebet vor Gott. Egal, ob du vor großen und schweren Entscheidungen stehst, oder ob du mit den täglichen kleinen Problemen nicht fertig wirst. Lasse deine Sorgen sich nicht einnisten bei dir, beharre nicht auf den schwierigen und schmerzenden Umständen, sondern richte deinen Blick auf Gott, der dich kennt und liebt.

Gott wartet darauf, dass du mit ihm redest. Vielleicht hilft dir dabei ein Vers aus dem 139. Psalm: „Von allen Seiten umgibt du mich und hältst deine Hand über mir.“

Oder ebenfalls aus Psalm 139: „ Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es; du verstehst meine Gedanken von ferne.“

Und im 50. Psalm heißt es: Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten und du sollst mich preisen.“

Bei allem Bitten und Flehen sollst du eines nicht vergessen: Gott zu danken, bedeutet, seinen Willen zu respektieren. Denn nicht unser eigener Wille hat Bestand, sondern Gottes. Denn Gott hat einen Weg für dich und eine Lösung für deine Probleme.

Und wenn du die gut gemeinten Ratschläge dir zu eigen machst, dann kannst du auch irgendwann zur Ruhe kommen, Frieden spüren und Heilung erfahren.

Von Herzen wünsche ich euch und Ihnen eine segensreiche Sommerzeit!

Ihre Uta Baumfelder

Gedanken zum Monatsspruch Mai 2025

Zu dir rufe ich, HERR; denn Feuer hat das Gras der Steppe gefressen, die Flammen haben alle Bäume auf dem Feld verbrannt. Auch die Tiere auf dem Feld schreien lechzend zu dir; denn die Bäche sind vertrocknet.

Joel 1,19-20

Liebe Schwestern und Brüder,

kennt ihr den Spruch „Alles neu macht der Mai“? Eigentlich wird er als Sinnbild dafür verwendet, dass der Mai den Sommer einläutet. Die Natur ein „neues Kleid anzieht“. Das kann man auch auf uns Menschen beziehen, wenn sich etwas plötzlich im Leben oder auch in den Einstellungen ändert. Deshalb möchte ich euch, um beim Spruch zu bleiben, mal einen neuen Beginn der Auslegung schreiben. Diesmal mit einer Betrachtung zu einem kirchlichen Lied. Ihr fragt euch sicherlich: „Was sollen wir denn nun damit? Normalerweise lesen wir in unserem Gemeindeblättle doch immer ein paar Worte zu dem Spruch, der da auf der ersten Seite steht. Was will sie denn diesmal von uns?“

Ich verrate es euch gleich zu Beginn. Jeder Mensch geht mit Situationen, die ihn im Inneren bewegen, anders um. So hat zum Beispiel jeder eine „Strategie“ für den Umgang mit schlimmen Nachrichten: Der eine braucht dann erstmal Zeit für sich, geht vielleicht raus in die Natur. Macht einen Spaziergang, um den Kopf frei zu bekommen. Der nächste braucht erstmal Schokolade als Nervennahrung. Wieder ein anderer geht irgendwohin, wo ihn niemand sieht und hört und schreit seine Gefühle hinaus.

Bei schönen Momenten wiederum möchte manch einer die ganze Welt umarmen. Ein anderer gönnt sich vielleicht was Schönes, kauft sich etwas, was er oder sie schon länger haben wollte. Oder möchte einfach das Gute mit lieben Menschen teilen.

Für uns Christen gibt es noch ein paar andere Dinge, die wir in solchen Momenten tun können. Manch einer nimmt sich die Bibel zur Hand. Ein anderer betet zu Gott, entweder, um ihm zu danken oder ihn um Hilfe zu bitten. Für andere ist aber auch der Gesang ein Mittel, die Gefühle auszudrücken.

Da komm ich nun zu einem Lied, was mir über den Weg quasi diesmal gelaufen ist: „Wie lieblich ist der Maien“. In der ersten Strophe beschreibt es recht schön, wie Viele von uns den Monat Mai empfinden: „Wie lieblich ist der Maien aus lauter Gottesgüt, des sich die Menschen freuen, weil alles grünt und blüht. Die Tier sieht man jetzt springen mit Lust auf grüner Weid, die Vöglein hört man singen, die loben Gott mit Freud.“ Und irgendwie wollen wir ja dem Dichter des Liedtextes recht geben, da draußen ist jetzt im Mai ganz viel los. Unsere Herzen könnten doch eigentlich vor „Freude überquellen.“

Doch dann schauen wir hier in unseren Täler um uns herum. Die Berge hoch, wo noch vor einigen Jahren tiefdunkle Fichtenwälder standen. Irgendwie hatten sie ja doch auch etwas Beruhigendes, hatten im Sommer Schatten gespendet und an stürmischen Tagen einem Schutz geboten vor dem Wind. Wenn wir da heute lang gehen, auf altbekannten Wegen, wird manch einem ganz arg traurig im Herzen. Teilweise erinnern die Flächen an Mondlandschaften.

Irgendwie sind diese Flächen dann auch ein Sinnbild für so viele andere Ängste, die uns aktuell, trotz schönstem Mai, bewegen. Bekommen wir, in unserem einst so sicher geglaubtem Deutschland, irgendwann doch noch Krieg? Was wird aus unserer Wirtschaft, wenn Trump, Putin und Co. ihre Macht eines Tages völlig maßlos zur Geltung kommen lassen? Da stellt man sich die Frage: „Was hilft uns“? Der Schreiber unseres Textes für die Monatslosung hat für sich den Weg des hilfesuchenden, verzweifelten Rufes zu Gott gewählt.

Auch in unserem am Anfang noch so leicht klingenden Lied hören wir dann in der dritten Strophe von der Bitte, dass Gott doch helfen möge:

„Herr, lass die Sonne blicken ins finstre Herze mein, damit sich’s möge schicken,
fröhlich im Geist zu sein, die größte Lust zu haben allein an deinem Wort,
das mich im Kreuz kann laben und weist des Himmels Pfort.“

Wir merken: Manchmal kommen wir alleine nicht weiter. Da brauchen wir etwas oder jemanden, der uns hilft, Situationen zu meistern. Weil sie einfach zuviel für unsere Seele sind. Vielleicht ist dann gerade der Mai wiedermal eine Gelegenheit, unsere „Beziehung zu Gott“ zu pflegen. Das mag, wenn man es jetzt schon länger nicht mehr getan hat, vielleicht etwas schwierig sein. In unseren beiden Kirchgemeinden gibt es im Lauf des Monats verschiedene Angebot, Glaube in Gemeinschaft zu leben und zu erleben. Wie wärs…?

Ich wünsche uns allen einen gesegneten Mai,

Ihre und eure Manuela Schmidt

Monatsspruch April 2025

Brannte nicht unser Herz in uns, da er mit uns redete?

Lukas 24,32

Liebe Brüder, liebe Schwestern,

neulich ist es mir wieder passiert. Ich höre hinter  mir ein Hallo und meinen Namen. Ich drehe mich um und sehe einen Menschen, der vielleicht in meinem Alter ist. „Hallo“, grüße ich vorsichtig zurück und möchte eigentlich gleich im Erdboden versinken, weil ich nicht weiß, wer da  vor mir steht. Aber er scheint mich gut zu kennen, denn er fragt gleich weiter und die Fragen gehen weit über einen Small Talk hinaus. Meine Gedanken kreisen. Woher kennen wir uns? Was haben wir irgendwann einmal zusammen erlebt. Ich hoffe, dass es mir irgendwie einfällt und lasse ihn reden. Er erzählt von Frau und Kindern und wie das so läuft heute in der Schule. „Solche Streiche, wie wir mit dem Fischer damals gemacht haben, das kann heute keiner mehr“, sagt er. „Aha“, also ein Schulkamerad aus der Lohauschule. Ich wäre nie allein darauf gekommen. Das macht mich mutig und ich frage dann doch noch nach seinem Namen.

Der Monatsspruch für den Ostermonat April stammt aus einer Geschichte, die im letzten Kapitel des Lukasevangeliums steht. Und nur bei Lukas ist diese Geschichte zu finden. In unserer Kapelle hing bis zur Renovierung ein schönes Bild von eben dieser Geschichte. Die Emmausjünger ist sie überschrieben. Da gehen zwei von Jesu Jünger den Weg von Jerusalem nach Emmaus, eine Wegstrecke von zwei Stunden. Sie wollen weg aus dieser Stadt, die in den letzten Tagen so viel  Schlimmes erlebt hat. Jesus, der Auferstandene nähert sich ihnen und lässt sich von den beiden Jüngern erzählen, was denn so passiert wäre in Jerusalem vor dem Passafest. Keiner von ihnen erkennt ihren Herrn und Meister mit dem sie so lange durch die Lande gezogen sind und mit dem sie so viele Dinge erlebt haben, die sie nie für möglich gehalten haben und so viele Geschichten von ihm gehört haben, die sie unendlich froh gemacht haben. Und so erzählen sie dem Fremden, dass Jesus von Nazareth vor drei Tagen zum Tode am Kreuz verurteilt wurde und gestorben ist. Und dass heute am frühen Morgen Frauen zum Grab gegangen sind und seinen Leichnam nicht mehr aufgefunden haben. Stattdessen seien Engel am Ort gewesen und haben gesagt, dass Jesus lebt.

Der Fremde ist erstaunt und nennt die Beiden Tore. Und er erklärt ihnen, dass das was geschehen ist, bereits von den Propheten vorausgesagt wurde und geschehen musste, damit Christus in seine Herrlichkeit eingehen könne. Er redet genau wie Jesus, aber sie erkennen ihn immer noch nicht. Schließlich sind sie in Emmaus angelangt und bitten den Fremden, mit ihnen zu Abend zu essen. Das tut er auch und setzt sich mit ihnen zu Tisch. Und der Fremde nahm das Brot, sprach ein Dankgebet und brach es auseinander und gab den Beiden jeden ein Stück. Genauso hatten sie es am Tag seiner Hinrichtung zum letzten Mal erlebt. Da plötzlich erkannten sie den Fremden. Der auferstandene Christus saß mit ihnen am Tisch. Doch schon im nächsten Moment sahen sie ihn nicht mehr.

„Brannte nicht unser Herz in uns, als er mit uns redete auf dem Wege und uns die Schrift öffnete?“, so sagen sie. Sie waren blind, ihre Augen haben ihren Dienst versagt. Aber in ihren Herzen hat sich etwas bewegt. Ihr Herz hat den geliebten Meister erkannt.

Der französische Autor Antoine de Saint- Exupery hat in seinem Roman  „Der kleine Prinz“ den Satz geprägt: „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“

Genau das ist Ostern. Unser Kopf kann das nicht verstehen, was da geschehen ist. Wir können das Ganze mit unseren Argumenten kleinreden. Oder wir können unser Herz sprechen lassen. Etwas davon verstehen, dass Gott uns so unendlich liebt, dass er seinen Sohn dahingibt und leiden lässt, damit wir, die an ihn glauben als seine Erlösten ihm gleich leben können. Wer das im Herzen bewegen kann, der kann auch glauben.

Und das wünsche ich Ihnen von Herzen!

Bleiben Sie gesund und behütet!

Ihre Uta Baumfelder

Gedanken zum Monatsspruch Februar 2025

Du tust mir kund den Weg zum Leben.

Psalm 16,11

Liebe Schwestern und Brüder,

gleich zu Beginn möchte ich euch ein paar Fragen stellen: „Wie erging es euch mit den selbst auferlegten Vorsätzen fürs neue Jahr?“ „Ist es euch gelungen, sie noch einzuhalten? „Oder gab es schon erste: „Ach, dass ist doch nichts jetzt am Jahresanfang, ich probiere es dann im Laufe des Jahres nochmal“-Momente?

Oder erinnert ihr euch noch daran, wie ihr im Jahr 2024 ein längere Strecke mit dem Auto vor euch hattet? Vielleicht auf dem Weg zum Urlaubsort oder auf einer Dienstreise. Ja, ihr habt bewusst schon ein wenig mehr Zeit für die Fahrt geplant, um auch mal eine Pause einlegen zu können. Doch dann, nach einer Stunde auf der Landstraße, plötzlich das berühmt- berüchtigte Schild mit dem großem U auf gelbem Grund: Umleitung. Was ihr da noch nicht wusstet: Die „kurze“ Umleitung kostete dann doch etwas mehr als eine halbe Stunde Zeit. Was in dem Moment zwar irgendwie ärgerlich war, euch aber durch einen Ort führte, den ihr eigentlich schon länger mal besuchen wolltet.

Da sind sie, die ersten Erkenntnisse des neuen Jahres: Schon allein das Feststellen, dass es mit unseren gut gemeinten Vorsätzen oft nicht auf Dauer gelingt, sie einzuhalten, zeigt uns, wie schwer es doch ist, immer „schnurgeradeaus durchs Leben zu gehen“. Auch die ein oder andere Umleitung – ob nun auf der Straße oder in unserem Leben- kommt uns bekannt vor. Ein weiterer Spruch, der in die selbe Richtung geht- lautet: „Es kommt immer anders als man denkt.“

Dann lesen wir den Spruch für den Monat Februar 2025: „Du tust mir kund den Weg zum Leben“.

Was hat es nun damit auf sich? König David, dem dieser Psalm zugeschrieben wird, erkennt sehr deutlich, dass es viele Lebensmodelle gibt, die die Menschen um ihn herum leben. Viele Wege, ihr Glück zu finden. Besonders erwähnt er die Götterbilder und Opfer.  Doch David erkennt für sich selbst, dass er diese Wege nicht gehen will. Sein Lebensweg ist auf Gott ausgerichtet und er sagt: „Große Freude finde ich in deiner Gegenwart und Glück an deiner Seite für immer.“

Wie ist das nun bei uns? Den „klassischen“ Lebensweg als Christ gibt es wohl nicht. Manche Eltern lassen ihr Baby schon kurz nach der Geburt taufen, andere erst 1-2 Jahre später. Wieder andere überlassen es ihrem Kind, diese Entscheidung dann mit 11 oder 12 Jahren selbst zu treffen. Und auch wenn der junge Mensch dann 2 Jahre lang voller Begeisterung den Vorkonfirmations-Unterricht besucht und sich vor der Gemeinde zu Gott bekennt, kann es immer wieder Momente geben, in denen sie oder er sich dann erstmal oder für immer für ein Leben „ohne Gott“ entscheidet.

Da ist es dann manchmal gar nicht so schlecht, wenn man, um beim Navi zu bleiben, immer mal wieder im Laufe des Lebens Menschen kennenlernt oder Situationen erlebt, die einen wieder näher zum Glauben bringen. Wo wir merken: Ja, es tut gut und ist für mich wichtig. Das ich etwas habe, dass mir Halt gibt. Wenn mein Leben haltlos erscheint.

Wenn ich dann irgendwann wirklich fest meinen Glaubens-Weg beschreite ist es im Umkehrschluß auch gar nicht mehr so schwer, wenn das Leben mir Steine in den Weg legen will.

Unser Monatsspruch aus dem 16. Psalm hat noch eine kurze Fortsetzung. Der biblische König David ruft dann aus: „Ich kann mein Glück nicht fassen, nie hört es auf!“ Was ist der Grund für diese Freude – Euphorie: der Erfolg als König Israels, Sieg über seine Feinde? All das könnte man vermuten. Doch wenn man den Zusammenhang liest, erkennt man, dass etwas ganz anderes David in solchen Jubel versetzt – es ist seine persönliche Beziehung zu Gott „Darüber freue ich mich so sehr, dass ich es nicht für mich behalten kann.“, schreibt er – dankbar für die Hilfe Gottes in seinen persönlichen Entscheidungen; für die Sicherheit die er ihm gibt; für ein Leben, das bis in die Ewigkeit hält; dafür, nicht einen der vielen Götzen, sondern den wahren Gott als seinen Herrn gefunden zu haben.

Nun komme ich wieder auf die guten Vorsätze zurück. Wie wäre es damit, dass wir uns jeden Monat einmal fragen: Sind wir noch auf dem Weg, der gut für uns ist? Auch wenn er manchmal steinig ist?

Ich wünsche uns allen einen gesegneten Februar,

Ihre und eure Manuela Schmidt