Gedanken zum Monatsspruch September 2020

Ja, Gott war es, der in Christus die Welt mit sich versöhnt hat.“
2. Korinther 519

Liebe Schwestern und Brüder,

wie war der Urlaub? Hoffentlich sind alle gut erholt und konnten einen schönen Urlaub genießen, trotz aller Auflagen. Vielleicht hadert der ein oder andere aber auch mit den vergangenen Tagen. So schön hatte man sie sich vorgestellt und dann sind sie nicht nur zu schnell vorüber, sondern waren auch nicht so erholsam wie erhofft. Dann sind wir enttäuscht

Wir hadern oft mit den Dingen, die uns oder uns nahestehenden Menschen passieren. Wieso brannte das beliebte und in liebevoller Arbeit aufgebaute und erhaltene Ausflugsziel am Wildberg ab? Warum musste der treue Gottesdienstgänger an Corona sterben? Wozu ist es gut, dass diese oder jene Firma, große Arbeitgeber in der Region, Insolvenz anmelden musste oder Arbeitsplätze abbauen? Warum muss Corona ausgerechnet in einem Jahr passieren, in dem wir so viel vorhatten? Fragen über Fragen, scheinbare und echte Ungerechtigkeiten, die uns ratlos zurücklassen und eine innere Wut oder gar Zorn hinterlassen. Genau in diese Situation hinein schenkt uns der Monatsspruch für September ein Wort zum Nachdenken. „Gott war es, der in Christus die Welt mit sich versöhnt hat.“

Wir lesen hier von Versöhnung. Versöhnung ist etwas, was uns schwerfällt. Tut uns jemand unrecht, schadet uns jemand sogar, so sind wir manchmal über Jahre hinaus nicht bereit, ihm zu vergeben. Selbst Kleinigkeiten genügen dann, um sich immer weiter in die Ablehnung dieser Person hinein zu steigern. Widerfährt uns eine Ungerechtigkeit, für die wir niemanden verantwortlich machen können, wie z.B. eine Krankheit, ein plötzlicher Tod, eine Brandkatastrophe, so lasten wir das vielleicht Gott oder dem Schicksal an. Für diejenigen, die gerade an solchen Ungerechtigkeiten zu knabbern haben, mögen die Worte der Monatslosung wie Hohn klingen. „Gott versöhnt die ganze Welt mit sich? Mit mir versöhnt er sich bestimmt nicht!“

Versöhnung ist ein großes Wort. Versöhnung ist vor allem auch ein Geschenk. So erleben es viele, die sie bewusst erfahren. Eben waren wir noch voller Zorn, Wut und Enttäuschung, doch dann geschieht etwas, was unsere Sichtweise grundlegend ändert, was uns offen für Vergebung werden lässt. Gerade solche Krisen, wie wir sie derzeit erleben, verändern Perspektiven.

Aspekte, die uns vorher ungemein wichtig erschienen, in die wir uns hineingesteigert haben, verlieren angesichts der neuen Herausforderungen an Bedeutung. Werte wie Hilfsbereitschaft, Freundschaft, Solidarität sind keine bloßen Worthülsen mehr, sondern füllen sich mit Leben. Versöhnung wird plötzlich möglich.

So kann es auch bei unversöhnlichen Positionen sein. Unsere Gesellschaft scheint sich immer stärker zu spalten zwischen denen, die von den derzeitigen Verhältnissen profitieren und denen, die darunter leiden, zwischen denen, die das System stützen und denen, die es stürzen wollen. Solche Entwicklungen, wie sie weltweit zu beobachten sind, können Angst machen, können verunsichern, an der Welt mit ihren Ungerechtigkeiten verzweifeln lassen. Genau dann kann es helfen, wenn man sich sagt: „Gott war es, der in Christus die Welt mit sich versöhnt hat.“ Gott versöhnt sich mit mir, also kann auch ich mit meiner Umwelt versöhnt leben, auch wenn nicht alles gut ist. Die Worte können Mut machen und aus der Resignation reißen.

Die Worte der Monatslosung stammen von Paulus. Sie sind an die verunsicherte Gemeinde in Korinth gerichtet. Paulus hatte angekündigt, auf seinem Weg nach und später wieder von Mazedonien zweimal in Korinth vorbeizuschauen. Beide Aufenthalte sollten dazu dienen, der Gemeinde die Gnade Gottes zu verkündigen. Doch dann hatte der Apostel seine Reisepläne geändert, was in Korinth für Irritationen sorgte. Gilt für den Apostel etwa heute hü und morgen hott und das nicht nur für seine Reiseplanung, sondern womöglich auch für seine Verkündigung oder gar für Gott? Die Menschen sind enttäuscht von Paulus. Doch er nimmt die Kritik der Korinther und ihre Verunsicherung im Glauben ernst und begegnete ihr mit einer klaren Haltung. Er erinnert sie und damit uns nicht nur an Gottes zahlreiche Verheißungen, sondern weist zugleich auf deren Erfüllung „in Christus“ hin. Unser Herr Jesus Christus musste allerhand Ungerechtigkeiten erleben. Erst in seinen Begegnungen mit den vielen Benachteiligten seiner Zeit, dann am eigenen Leib bis hin zu seiner Hinrichtung. Er musste das Maximum dessen ertragen, was die Welt an Ungerechtigkeit zu bieten hat und doch zeigte Gott an ihm seine Liebe und Jesus erwidert das mit grenzenlosem Vertrauen. Jesus überwindet die Welt, wie wir sie kennen. Er bleibt nicht im Zorn über die Mitmenschen, sondern ermöglicht sich, ihnen und uns einen neuen Anfang. Die Welt wird versöhnt, sie findet Frieden. So unrealistisch uns das an manchen Tagen erscheinen mag, so sehr kann diese Hoffnung uns stärken.

Einen schönen September wünscht Ihnen

Chris Schönefeld

Gedanken zur Monatslosung August 2020

Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele.

Ps 139,14

Liebe Schwestern und Brüder,

wenn man den Monatsspruch für August 2020 das erste Mal liest, fragt man sich schon: Was will der Psalmbeter uns damit sagen? Irgendwie scheint es wohl um mich selbst zu gehen, um mich als Menschen. Und da steht auch noch was von „wunderbar“.

Natürlich gibt es jetzt Menschen, die sofort voller Selbstbewusstsein sagen: „Seht ihr!? Selbst in der Bibel steht schon, dass ich etwas ganz Besonderes bin.“ Ein Nobelpreisträger zum Beispiel könnte sagen: „Mich hat er mit ganz besonderem Wissen in Chemie, Medizin, Literatur usw. ausgestattet.“ Der Olympiasieger sagt: „Ich habe die besondere Schnelligkeit von Gott“. Die Opernsängerin: „Mir hat er eine ganz außergewöhnliche Stimme geschenkt:“

Daneben gibt es das genaue Gegenteil, nämlich diejenigen, die eh schon ein ganz geringes Selbstbewusstsein haben. Von diesen Menschen wird man eher hören: „Na mich kann derjenige aber wirklich nicht gemeint haben. Mich kleines, unscheinbares Menschlein. So wunderbar bin ich nun wirklich nicht. Der hat ganz sicher irgendjemand anderes gemeint.“

Wo ordnen wir uns selbst hier ein? Oder gehören wir zu einer ganz anderen Gruppe von Menschen? Das ist doch alles sehr verwirrend.

Aber darum, was unsere besten Eigenschaften sind oder gar, zu welcher Gruppe wir gehören, geht es nicht. Es geht vielmehr um Gottes wunderbare Schöpfung.

Das deutsche Wort „wunderbar“ bedeutet ja nicht nur „herrlich“, „großartig“ oder „sehr schön“, sondern auch „erstaunlich“ und „wie ein Wunder erscheinend“, und eben diese zweite Bedeutung kommt dem Sinn der Psalmworte am nächsten. Im Deutschen gibt es zudem das Eigenschaftswort „wunderlich“, und auch dieses Wort würde hier passen – nicht im Sinne von „seltsam“ oder „schrullig“, sondern im Sinne von „zur Verwunderung Anlass geben“.

Der Psalmbeter staunt also über die Weise, wie Gott ihn und jeden Menschen erschaffen hat: „Du hast mich in einer Weise gemacht, die Staunen erregt und so außergewöhnlich ist, dass man vor Ehrfurcht schaudert.“

Dabei zählen ganz viele Dinge hinein. Zum Beispiel können heutzutage werdende Mütter nicht nur anhand eines normalen Ultraschalls sehen, ob es ein Mädchen oder ein Junge wird, sondern mit einem 3D-Ultraschall bereits jedes Detail des werdenden Lebens auf einem Bildschirm erkennen. Das war damals noch nicht so. Die Frau bekam, wenn alles gut ging, ein gesundes Kind, das sie erst bei der Geburt das erste Mal sah. Und schon da erkannte sie: Was für ein Wunder. Das ist erst recht ein Wunder, wenn man sich einmal in alten Kirchenbüchern anschaut, wie viele Kinder früher zur Welt zwar kamen, aber dann das erste Lebensjahr nicht überlebt haben oder bereits kurz nach der Geburt gestorben sind.

Es geht unserem Psalmbeter also nicht etwa darum, sich und seine Eigenschaften ins rechte Licht zu rücken. Was er uns ans Herz legen möchte ist etwas anderes und das Lesen wir gleich zu Beginn des Monatsspruch: Ich danke dir…

Der Psalmist scheint uns dazu einzuladen, dass wir dankbar sein und unser Leben nicht als etwas Selbstverständliches ansehen sollen. Dankbar dafür, dass wir Schöpfung Gottes sind. Seine geliebten Kinder.

Nehmen wir uns doch im August einmal die Zeit, Gott Danke zu sagen.

Einen schönen August wünscht

Manuela Schmidt

Monatsspruch Juli 2020

Der Engel des Herrn rührte Elia an und sprach: Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir

Liebe Schwestern und Brüder!

Der Weg ist weit! Der Satz bereitet Unbehagen. So viel Ungewissheit spiegelt sich da. Was geschehen kann, ist unüberschaubar und das Ziel ist, wenn überhaupt nur verschwommen wahrnehmbar.

Wer schon einmal einen Marathon gelaufen ist, kann das nachfühlen. Wenn du das erste Mal dabei bist, hörst du noch auf die Ratschläge der „alten Hasen“. Du schlingst vorher Unmengen a Nudeln in dich herein, du schmierst dich mit stinkenden Wärmecremes ein, du platzt fast vor Euphorie und Ungeduld.

Wenn der Startschuss gefallen ist und sich tausende Beine in Bewegung setzen, fühlst du dich wie im siebten Himmel. Du bist ein Teilchen einer großen Masse, die nur vorwärts kennt.

Je nach deiner Kondition kommt die Ernüchterung nach 10 oder 20 km Laufstrecke. Bestimmt aber nach 30 km.

Die Euphorie ist der Qual gewichen, die von Kilometer zu Kilometer immer schlimmer wird. Beim GutsMuths Rennsteiglauf zählt das Gemeinschaftliche. Da redet plötzlich ein wildfremder Läufer ermutigend mit dir. Da stehen Leute am Straßenrand, die auch den Letzten noch anfeuern. Und mit einer mir bis heute unbekannten Kraft wirst du am Ziel in Schmiedefeld den steilen Berg zum Sportplatz förmlich hinaufgetragen.

Die Geschichte, in die unser Monatsspruch eingebettet ist, erzählt vom Propheten Elia.

Elia muss vor seinem König Ahab in die Wüste fliehen, denn er fürchtet um sein Leben. Zu sehr hat Elia geeifert für den Gott Israels. Zu sehr hat er sich gegen  die Verehrung von Götzen eingesetzt und Ahabs Götzenpriester getötet. Elia ist völlig allein. Keiner unterstützt ihn. Er hat keinen Mut mehr. Einfach nur noch sterben, das ist sein Wunsch. Und so legt er sich unter einen Wachholderbusch und schläft ein.

Ein Engel, so erzählt die Geschichte, weckt ihn zweimal auf und bringt ihm Brot und Wasser. Er fordert Elia energisch auf, Nahrung zu sich zu nehmen. Elia gehorcht.

Und durch die Energie der dargebotenen Speisen rafft er sich auf und geht seinen von Gott begleiteten Weg.

Zwei Geschichten aus zwei verschiedenen Perspektiven.

Setze ich meine Hoffnung, meinen Glauben auf Gottes gute Fügung?

Traue ich dem, der mich an das Ziel bringen will?

Wege können weit sein, unbequem, steinig, voller Gefahren. Wege können auch durch tiefe, dunkle Täler führen. Manchmal versperrt die Dunkelheit die Sicht auf den Weg völlig. Manchmal gabeln sich Wege und es liegt in meiner Entscheidung, welchen Weg ich wähle.

Wer schon jahrzehntelang unterwegs ist, weiß, wie mühevoll das Leben ist. Immer wieder bedarf es der Stärkung. Körper, Geist und Seele brauchen ihre Nahrung. Jesus sagt: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben, Niemand kommt zum Vater, denn durch mich.“

Wer sein Leben an Jesus als seinen Bruder und Herrn ausrichtet, der kann diese Kraft spüren. Allein bin ich verloren auf meiner Strecke, aber mit Jesus an meiner Seite, werde ich den Weg zum Ziel finden. Das Ziel ist Gottes Wirklichkeit, die sich mir schon manchmal in diesem Leben offenbart, aber ganz gewiss in vollem Maße in der Ewigkeit.

Für Elia hat Gott einen Auftrag und ein Ziel. Sein Leben bekommt plötzlich einen neuen Sinn.

Mit Gottes gutem Wort, seinem Geist und seinem Segen gehen Sie bitte durch diese Zeit.

Ich grüße Sie herzlich!

Ihre Uta Baumfelder

 

Gedanken zur Monatslosung Juni 2020

Du allein kennst das Herz aller Menschenkinder.

1.Könige 8,39

Liebe Schwestern und Brüder,

wie geht es Ihnen in dieser Zeit? Freuen Sie sich über den beginnenden Sommer oder bereitet Ihnen die mittlerweile schon seit drei Monaten anhaltende Corona-Welle Sorgen? Vieles geht momentan in unseren Köpfen vor. Gedanken um die Gefahr einer Ansteckung, die geltenden Verbote und Gebote, die eigene berufliche Zukunft oder auch den sozialen Zusammenhalt angesichts sehr unterschiedlicher Sichtweisen auf die Situation beschäftigen sicher jeden irgendwie. Nichts ist so wie gewohnt und man weiß oft nicht, was man überhaupt noch glauben soll. Verwirrende Zeiten. Wie soll es einem da schon gehen?

Auf die Frage „Wie geht es Dir?“ antworten wir oft nur einsilbig. Gut, schlecht oder passt schon. Richtig darüber sprechen, wollen wir meist nicht. Unsere Gedanken und Gefühle wollen wir in der Regel für uns behalten, besonders, wenn wir Angst haben, uns unvollkommen fühlen, mit einer Situation nicht klarkommen. Trotzdem sind wir gleichzeitig neugierig, was in unserem gegenüber vorgeht. Was hat er sich dabei nur gedacht? So mögen wir uns manchmal fragen, wenn jemand etwas gemacht hat, was wir falsch finden. Wie kommt er oder sie dazu, dieses oder jenes zu tun? Was mag wohl in ihm oder ihr vorgehen?

Immer wenn wir uns gegenseitig fragen, wie es uns geht, dann sind wir darauf angewiesen, dass der andere es uns ehrlich mitteilt. Man kann zwar an äußeren Merkmalen erahnen, ob das gesagte zum tatsächlichen Innenleben passt, aber ganz sicher können wir nie sein. Wir Menschen haben verschiedene Strategien entwickelt, uns gegenseitig etwas vorzuspielen. Das macht es im Alltag bisweilen spannend, führt aber auch zu Missverständnissen und Misstrauen.

Im Monatsspruch für Juni hören wir, dass allein Gott unser Herz kennt. Gott durchschaut uns. Er kennt unser Herz. Er weiß, was in uns vorgeht. Das zu wissen, kann sehr belastend sein und wurde in der Geschichte auch häufig missbraucht, um den Menschen Angst zu machen.

Gott sieht alles, so hat man es Kinder früher manchmal erzählt, wenn man sie von einem bestimmten Verhalten abhalten wollte. Gott sieht alles – das ist dann sehr unangenehm. Man fühlt sich beobachtet, überwacht. Gott sieht alles, sogar bis in die Gefühlswelt. Gott sieht alles, aber er petzt nicht – auch wenn das oft als Witz erzählt wurde, steckt viel Wahrheit dahinter. Gott sieht zwar, wenn ich etwas falsch gemacht habe, aber er verrät mich nicht, er setzt mich nicht dem oft harten Urteil meiner Mitmenschen aus.

Du allein kennst das Herz aller Menschenkinder“ – Gott weiß, wie es in meinem Inneren bestellt ist. Ihm kann ich daher auch alles anvertrauen, mit ihm sprechen, beten, beichten, ihm bringen, was mich belastet. Er bewertet es nicht, wie es Mitmenschen tun würden. Manchmal hätte man zwar gern eine Rückmeldung, aber schon im Aussprechen unserer Gefühle und Gedanken erkennen wir selbst, woran etwas liegt und worin ein Ausweg bestehen könnte. Manchmal öffnen sich auch neue Perspektiven auf unsere Sorgen, wenn wir einen Bibelvers lesen und erkennen, dass schon andere in ähnliche Situationen gekommen und vor allem mit Gott auch wieder herausgekommen sind. Solange die Geschichten der Bibel auch her sind, die geschilderten Schwierigkeiten im gegenseitigen Umgang, die Alltagssorgen und Probleme sind immer noch ähnlich.

Du allein kennst das Herz aller Menschenkinder“ – in diesen Worten aus dem 2. Buch der Könige lesen wir auch die Erkenntnis des alten jüdischen König Salomo, dass wir für Gott wie seine Kinder sind. Er sorgt sich um uns. Unsere Gedanken und Gefühle sind ihm nicht gleichgültig, auch wenn es uns manchmal so scheint. Gott weiß, dass wir nicht alles können und auch nicht perfekt sind. Wir dürfen Fehler machen, auch große Fehler. Wichtig ist, dass wir aus ihnen lernen und uns selbst nicht für vollkommen halten. Wir dürfen auch mal am Leben mit seinen vielen Wendungen und Risiken zweifeln, Angst haben, aber wir müssen nicht am Leben, an unseren manchmal widersprüchlichen Gefühlen und Gedanken verzweifeln. Gott ist bei uns, er versteht uns und daraus können wir den Mut auch für unsichere Zeiten schöpfen.

Einen schönen Juni wünscht Ihnen

Chris Schönefeld

Gedanken zur Monatslosung Mai 2020

Dient einander als gute Verwalter der vielfältigen Gnade Gottes, jeder mit der Gabe, die er empfangen hat!

1.Petrus 4,10

Als die folgenden Zeilen entstehen, ist es Ostermontag. Die Passionszeit liegt hinter uns und auch das Osterwochenende. Beides ist uns seit vielen Jahren bekannt, aber dieses Jahr war es anders. Corona hat uns daran gehindert, gemeinsam Ostergottesdienste und die Osternacht zu feiern. Familien durften sich nicht besuchen und auch traditionelle Ausflüge, wie bei mir z.B. in die fränkische Schweiz, durften nicht stattfinden.

Mitten in diese Situation ist uns nun diese Losung für den Monat Mai gegeben. Sie erzählt von der Gnade Gottes und dass wir sie verwalten sollen, jeder mit der Gabe, die er geschenkt bekommen hat.

Ich bin ehrlich: Es tut momentan ziemlich weh. Denn irgendwie scheint auf den ersten Blick alles zum Erliegen gekommen zu sein: Keine Gottesdienste, keine Veranstaltungen. Überall heißt es: Bleibt zu Hause. Wo sollen wir denn da unsere Gaben entfalten?

Aber die vergangenen Wochen, in der die Coronakrise unser Land im Griff hatte, sie hat uns auch ganz neue Dinge gezeigt: Da wurden auf Balkonen gemeinsam Lieder gesungen, viele Freiwillige kauften für alte und kranke Menschen in ihrer Nachbarschaft oder in ihrem Ort die Dinge des täglichen Bedarfs ein. Auch die Arbeit blieb nicht überall stehen. In etlichen Firmen wurde weiter produziert und auch der öffentliche Dienst war und ist für die Menschen da, wenn auch vermehrt durch Emails, per Post oder Hotline. Die Kirchen bieten nun verstärkt Video- und Onlinegottesdienste an und sprechen damit mehr junge Menschen an. Auch die Wertschätzung gegenüber manchen Mitmenschen hat zugenommen.

Es gibt eine Berufsgruppe, der möchte auch ich an dieser Stelle ganz besonders danken. Nicht nur für ihren Dienst in der Coronakrise, sondern auch und vor allem, was sie an 365 Tagen im Jahr für alle Menschen leistet. Vielen Dank den Ärzten, Krankenschwestern und Pflegern, den Rettungskräften und Mitarbeitern in der Betreuung und den Altenpflegern/innen! Danke, weil sie den Menschen in den Krankenhäusern, in Pflegeheimen, Seniorenheimen, im Betreuten Wohnen und in den Werkstätten für behinderte Menschen helfen. Mit ganz viel Menschlichkeit

Ihr merkt, wir alle haben neue Gaben in uns entdeckt. Eine der wichtigsten ist dabei wohl die Geduld. Denn auch das mussten wir neu lernen: Dass wir diese Krise aushalten mussten und müssen.

Und da ist noch etwas, was wir als Gabe erhalten haben: Das Gebet.

Wir dürfen füreinander beten. Wir dürfen vor Gott bringen, was uns bedrückt, was uns freut und ihn um seinen göttlichen Schutz für uns Menschen bitten. Auch das ist eine Gabe. Eine Gabe, die wir an Und ganz unterschiedlichen Orte einbringen können. Wir können es daheim tun, in einer Kirche oder unter freiem Himmel, in der Natur.

Und noch weitere Gabe haben wir, die wir jetzt im Mai nutzen dürfen: Das Sehen, das Hören, das Riechen und das Fühlen. Mit all diesen Sinnen, die uns Gott geschenkt hat, dürfen wir seine Schöpfung erleben. Ob nun die Pflanzen, die wachsen, blühen, frisches Grün bekommen. Oder die Tiere, mit ihrem Nachwuchs.

Hoffen und beten wir, dass wir bald wieder gemeinsam Gottesdienste feiern und uns treffen dürfen. Dann wollen wir Gott danken, dass er uns durch diese schwere Zeit geführt hat.

Bleiben Sie behütet, bleiben Sie gesund!

Ihre Manuela Schmidt

Gedanken zur Monatslosung April

Es wird gesät verweslich und wird auferstehen unverweslich.

  1. Korinther 15;42

Vor mir liegen auf einem Blatt Papier Samenkörner, Reste vom letzten Jahr. Gute Gärtner erkennen am Samenkorn, von welcher Pflanze sie stammen; große und kleine, runde, längliche, tropfenförmige – die Vielfalt ist scheinbar unendlich. Manchen sieht man es an, was daraus wachsen könnte, wie bei den schrumpeligen Erbsenkörnern oder  den Bohnen.

Anderen wiederum sieht man es nicht an, was da Köstliches dahintersteckt. Der Samen vom Löwenmäulchen ist  winzig. Wie kann aus diesem kleinen, schwarzen Kügelchen so eine schöne Blume werden!

Ich weiß, dass es bald Zeit wird die Samenkörner in die Hand zu nehmen und jedes auf seine Art in die Erde zu säen. Die Samenkörner werde ich nie wieder sehen. Sie werden zerfallen, aber mitten in jedem Körnchen ist das Material der Mutterpflanze angelegt. Wenn das Samenkorn in der Erde zerfällt, erwächst eine neue Pflanze, die groß und stark wird und wieder Früchte bringt, in denen wieder Samen vorhanden sind.

Das ist der ewige Kreislauf vom Leben und vom Sterben.

Jetzt im beginnenden Frühling erobert sich das Leben wieder die Vorhand. Überall regt es sich, die ganze Welt scheint im Aufbruch zu sein. Alles reckt und streckt sich nach Wärme und Sonne. Jeder möchte ein Stück vom Lebensglück abbekommen.

Halt- Stopp- so haben wir das in unserem Leben immer wieder erfahren, aber in diesem Frühjahr ist alles ganz anders geworden.

Nicht nur in meiner kleinen Welt, sondern in der ganzen.

Plötzlich ist das Vertrauen in das Alte nicht mehr da. Das Geländer, an dem ich mich immer festgeklammert habe.

Plötzlich muss ich loslassen von meinen Gewohnheiten. Verwandte, Freunde, Brüder und Schwestern – wir können nur noch über Netzwerke verbunden bleiben.

Mit dem Coronavirus ist der Tod ganz real in unsere Mitte getreten. Mitten im Leben.

Nicht anonym, sondern sichtbar.

Nicht im Verborgenen, sondern konkret  mit Zahlen belegt.

Tod und Leben reichen sich die Hand.

Mitten in der Passionszeit, in den Wochen in denen die Christen das Leiden und Sterben Jesu Christi bedenken und freiwillig auf Dinge verzichten, die entbehrlich sein können. In den Wochen, die für viele da sind, um sich auf das Wichtige und Wesentliche im Leben zu besinnen. Um sich mit Jesu Lebens- und Leidensweg auseinanderzusetzen. Um Gott ein Stück näher zu kommen in Gedanken und Gebeten.

Jetzt haben plötzlich viele Menschen Zeit, weil das Leben jetzt weniger hektisch ist. Vielleicht suchen jetzt auch kirchenferne Menschen nach dem Sinn ihres Lebens und nach Antworten auf die Fragen nach dem Woher und Wohin. Und was das ist, Auferstehung. Und was das mit mir selber machen wird.

Lasst uns auf Gott vertrauen, der uns auch in der größten Bedrängnis nahe ist und der uns trösten will. Und so wie Jesus Christus nicht im Tod geblieben ist, sondern lebt, so dürfen auch wir hoffen, dass unser Leben mit dem Tod nicht endet, sondern in Gottes Herrlichkeit aufgehoben ist.

„Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unseren Herrn Jesus Christus.“

Bleiben Sie behütet , bleiben Sie gesund!

Ihre Uta Baumfelder

 

Friedensgebet am 16. März 2020

Mit Wirkung vom heutigen Tag hat das Landratsamt Sonneberg alle Veranstaltungen im Landkreis untersagt. Unser monatliches Friedensgebet in Haselbach konnte nicht stattfinden. Deshalb wird der Text der Predigt hier veröffentlicht.

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Amen

Liebe Brüder und liebe Schwestern!

Es war im Jahre 1948 als die Vollversammlung der Vereinten Nationen eine Resolution annahm, die zum ersten Mal in der Menschheitsgeschichte Standards zu den Rechten der Menschen festlegte.

30 Artikel umfasst das Werk und beschäftigt sich mit Freiheitsrechten, Gleichheitsrechten, Eigentumsrechten.

18 Jahre  später wurde der Internationale Pakt über bürgerliche und politische Rechte und der Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte geschlossen.

Alles zusammen wird heute als die Internationale Menschenrechtscharta bezeichnet und  sollte Normen und Wegweiser für das Zusammenleben der Menschen und Nationen sein.

So heißt es im Artikel 1: Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geist der Brüderlichkeit begegnen. In weiteren Artikeln heißt es:

  • 3: „Jeder hat das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person.“
  • 5: „Niemand darf der Folter oder grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe unterworfen werden.“
  • 18: „Jeder hat das Recht auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit;
  • 20, Absatz 1: „Alle Menschen haben das Recht, sich friedlich zu versammeln und zu Vereinigungen zusammenzuschließen.“
  • 22: „Jeder hat als Mitglied der Gesellschaft das Recht auf soziale Sicherheit.“
  • 23: „Jeder hat das Recht auf Arbeit, auf freie Berufswahl, auf gerechte und befriedigende Arbeitsbedingungen sowie auf Schutz vor Arbeitslosigkeit.“
  • 24: „Jeder hat das Recht auf Erholung und Freizeit und insbesondere auf eine vernünftige Begrenzung der Arbeitszeit und regelmäßigen bezahlten Urlaub.“
  • 25: „Jeder hat das Recht auf einen Lebensstandard, der seine und seiner Familie Gesundheit und Wohl gewährleistet, einschließlich Nahrung, Kleidung, Wohnung, ärztliche Versorgung und notwendige soziale Leistungen,

72 Jahr liegt die Annahme der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte zurück. Es gibt bis heute keine Instanz, die die Einhaltung dieser Rechte überwacht. Aber ihre moralische Verbindlichkeit gehört zum Grundgerüst vieler Verfassungen.

Dagegen haben die oben genannten Pakte Rechtsstatus und werden von den Vereinten Nationen überwacht. Unterzeichner dieser Abkommen unterliegen der Kontrolle. Kommt es zu Verletzungen der Konventionen kann über den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Strasbourg geklagt werden. Für den Doppelkontinent Amerika gibt es den Interamerikanischen Menschenrechtsgerichtshof und für Afrika ist der Afrikanische Gerichtshof für Menschenrechte zuständig.

Was da international in harter Arbeit aufgebaut wurde, klingt positiv und aufmunternd. Aber wir wissen, dass die internationale Gemeinschaft meilenweit davon entfernt ist, Gerechtigkeit und Freiheit für alle Menschen in allen Ländern durchzusetzen. Es ist ein zähes Ringen mit den immer gleichen Verhinderern.

Wir kennen die Staaten, die die Menschenrechte mit Füßen treten und in denen Menschen nicht frei leben können. Dazu zählen: Eritrea, Saudi- Arabien, Nordkorea, Katar, Türkei. In manchen Ländern sind Menschenrechte ständig eingeschränkt wie in Kuba, den Philippinen, China oder in den islamischen Ländern mit ihrem uneingeschränkten Scharia- Rechtssytem.

Liebe Brüder, liebe Schwestern!

Wir alle hier sind in dieses Leben gestellt.  Jeder von uns hat das Recht auf ein erfülltes und freies Dasein, auf Wertschätzung und Würdigung.

Diesen Anspruch sollen wir haben. Und dort, wo Menschenwürde in den Schmutz getreten wird, sollte es unsere Pflicht sein, unser Veto einzusetzen. Auch hier in unserem Land, in unserem Umfeld werden Menschen ausgegrenzt, diskriminiert, kriminalisiert, weil sie eben anders sind, nicht meine Sprache sprechen, nicht meine Religion pflegen.

Gesetze sind hilfreich, aber wenn viele dafür sorgen, dass in ihrem Umfeld ein Klima der gegenseitigen Wertschätzung herrscht, so reflektiert sich das förderlich für das eigene Leben.

Ich lese jetzt dazu Auszüge aus Psalm 8:

HERR, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name in allen Landen, der du zeigst deine Hoheit am Himmel! 

Wenn ich sehe die Himmel, deiner Finger Werk, den Mond und die Sterne, die du bereitet hast:  was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, und des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst? 

Du hast ihn wenig niedriger gemacht als Gott, mit Ehre und Herrlichkeit hast du ihn gekrönt. Du hast ihn zum Herrn gemacht über deiner Hände Werk, alles hast du unter seine Füße getan

Was ist der Mensch, fragt der Psalmbeter und er findet die Antwort. Gott hat ihn zu seinem Bilde gemacht und hat ihm die Fähigkeit und die Aufgabe gegeben, die Erde, Gottes Schöpfung und Eigentum, zu nutzen, zu pflegen, zu gestalten.

Eine hohe Ehre ist das und eine große Verantwortung. Gott setzt den Wert des Menschen hoch an.

Wertvoll bist du! Hast du darüber in der letzten Zeit nachgedacht? Gott hat dir Gaben verliehen, die du unbedingt nutzen solltest. Womöglich schlummern sie noch in dir drin und wollen entdeckt werden, damit dein Leben erfüllter und glücklicher wird.

Dein Wert ist in den Augen Gottes unendlich groß, du bist genau richtig, so wie du bist.

Du brauchst dir deinen Wert nicht zu verdienen, denn er wurde dir von Gott bereits verliehen.

Niemand ist wertlos, auch derjenige nicht, der krank oder behindert ist, oder alt und pflegebedürftig.

Gott selbst wohnt auch in den schwächsten und kleinsten Menschen.

Und wer sich der Schwachen und Kleinen annimmt, begegnet dem Allmächtigen auf ganz eigene Weise.

Ob aus ethischer oder christlicher Sicht, das Menschenleben ist ein hohes Gut und das gilt es zu schützen.

In diesem Zusammenhang müssen wir akzeptieren, dass die Verwaltungen unseres Landes, unserer Kirche restriktive Maßnahmen anordnen, um das Coronavirus am raschen Ausbreiten zu hindern.

Herr, plötzlich ist in unsere Welt große Angst gekommen. Wir sind verunsichert und wissen nicht, was wir tun sollen. Deshalb legen wir unsere Sorgen vor dich. Herr hilf, dass besonders die am Coronavirus Erkrankten wieder gesund werden, stoppe diese Pandemie und lass uns dir vertrauen. Amen

Und der Friede Gottes, der höher ist, als wir denken und verstehen können, der bewahre eure Herzen und Sinne in Jesus Christus.

Amen

Gedanken zum Monatsspruch für März 2020

Jesus Christus spricht: Wachet

Liebe Schwestern und Brüder,

Wachsamkeit ist immer ein guter Tipp, nicht nur im Straßenverkehr. Aufmerksam sein, die Umgebung bewusst wahrnehmen und bei Bedarf reagieren. Wachsam zu sein, um Unfälle und Gefahren abzuwenden. Wachsam auch dafür zu sein, wenn die Grundfesten unseres gesellschaftlichen Zusammenseins bedroht werden, wenn andere uns ihre Meinung aufzwingen und ihre Lebensweise vorschreiben wollen. Wachsam aber auch dafür zu sein, selbst nicht so zu werden, nicht die eigene Meinung über die der anderen stellen. Ja, Wachsamkeit ist wichtig, aber auch sehr anstrengend. Davon wissen insbesondere die ein Lied zu singen, die unter Schlafmangel leiden, die immer wach sind, weil Gedankenkarusselle sich drehen, Sorgen und Gedanken überhandnehmen, die nicht mehr schlafen können. Wach sein zu müssen, kann belastend sein.

Die, an die die Worte unserer Monatslosung März gerichtet sind, die Jünger Jesu, haben es nicht geschafft, wach zu bleiben. Jesus bat seine Getreuen, mit ihm wach zu bleiben. Er ahnte, was kommt. Es war ihm von Gott angekündigt worden. Er wird gefangen genommen und muss leiden. Seine Getreuen schlafen, als die Gefahr über ihn hereinbricht. Sie schaffen es allerdings nicht, mit ihm gemeinsam wach zu bleiben, ihm beizustehen, bevor es ernst wird. Es ist keine böse Absicht, aber es gelingt nicht, den so von ihnen geliebten Meister in der schwersten Nacht seines Lebens beizustehen. Sie schlafen ein. Sie verschlafen, wie er hart mit seinem Schicksal ringen muss.

Jesus hat einmal ein Gleichnis erzählt, in dem er die Bedeutung der Wachsamkeit herausstellt. Zehn kluge und zehn törichte Jungfrauen warten auf ihren Bräutigam. Die zehn Törichten zünden sofort ihr gesamtes Öl in ihrer Lampe an, voller Vorfreude.

Die Klugen teilen es sich ein. Als der Bräutigam länger auf sich warten lässt, geht den Törichten ihr Licht aus, und als der Ersehnte dann endlich kommt, sind sie nicht vorbereitet und können nicht mit ihm durch die Nacht gehen.

So erscheint es auch vielen von uns zu gehen. Anfangs brennen sie für eine Sache, aber schnell ist die anfängliche Begeisterung verschwunden, insbesondere wenn der Erfolg auf sich warten lässt. Die Begeisterung über das Licht der Weihnacht – schnell erloschen. So viele strömen an Heiligabend in die Kirchen, doch schon nach Silvester ist die Friedensbotschaft, das Glaubenslicht erloschen. Vielleicht weil sich die Welt nicht sofort dadurch verändert. Weil immer noch Krieg und Gewalt herrschen, trotz des Friedensfürsten, der zu uns gekommen ist. Viele harren nicht aus, bleiben nicht in der Hoffnung, dass sich etwas zum Positiven ändern kann. Viele vertrauen Gott nicht und fallen von ihm ab. Wenn er dann aber wie ein Bräutigam kommt und uns abholen, uns durch die Nächte unseres Lebens führen will, sind viele nicht mehr vorbereitet, um mitzugehen.

Es ist daher wichtig, wach zu bleiben und mit Jesus auf Gott zu hoffen. Im Gebet bei ihm zu bleiben. Mit ihm zu wachen. Wachsam auch füreinander zu bleiben, damit niemand abdriftet in dunkle Gedankenwelten oder in die Fänge böser Menschen. Früh zu erkennen, wenn sich einer verläuft. Ihm Möglichkeiten zur Umkehr bieten, ihm eine Hand ausstrecken, dass er umkehren kann. Wachsam müssen wir alle bleiben, das zeigen uns die Ereignisse in der Politik. Wachsam auch bei klimatischen und demografischen Veränderungen. Es ist schwierig und wird uns wie bei den Jüngern nicht immer gelingen, aber im Vertrauen auf Gott und im beständigen Gebet zu ihm und füreinander, kann es uns gelingen,

Kommen Sie gut durch die Fastenzeit!

Euer Chris Schönefeld

Gedanken zum Monatsspruch Februar 2020

Ihr seid teuer erkauft; werdet nicht der Menschen Knechte.  1.Korinther 7,23

Liebe Schwestern und Brüder,

wenn man den Monatsspruch ein erstes Mal liest, dann fällt der Blick doch irgendwie sofort auf das „teuer erkauft“. Und damit macht man innerlich erst einmal dicht. Denn: Wer möchte sich schon kaufen lassen? Da kommen dann gleiche folgende Sätze in unseren Sinn: „Das geht doch gar nicht. Wir sind doch freie Menschen. Das war vielleicht damals so, aber heute leben wir doch in einer ganz anderen Zeit.“

Ja, so ging es auch mir. Mein nächster Gedanke war dann, weil es ja einen religiösen Hintergrund zu haben scheint: „Okay, irgendwann hab ich mir für die Krippe in unserem Hausflur mal Krippenfiguren gekauft. Die waren damals gar nicht mal so billig. Werden aber leider nur einmal im Jahr aus der Umhüllung genommen und verschwinden einen Monat später wieder“. Aber auch das wird wohl mit dem „ihr seid teuer erkauft“ nicht gemeint sein. Denn wir sind ja keine Figuren, die man nur dann rausholt, wenn man es wünscht.

Immer noch großes Fragezeichen.

Man muss sich dann wohl erst einmal vor Augen halten, in welcher Zeit dieser Text geschrieben wurde. Einige Mitglieder der Gemeinde von Korinth waren Sklaven gewesen. Sie gehörten einem Besitzer oder eben, wie wir es heute eher kennen, einem Herren. Und für diese „Herren“ waren Sklaven nicht ein menschliches Gegenüber, sondern ein „Objekt“, ein „Besitz“, über den man mit mehr oder eher weniger Wertschätzung verfügen konnte. Einige wurden von einer Mutter geboren, die selbst schon Sklavin war. Andere verkauften sich selbst als Sklaven, um Schulden zurückzubezahlen. Und dann gab es noch die sogenannten Sklavenhändler, die Kinder oder Erwachsene entführten und sie verkauften.

Und eben diese Menschen sollen nun plötzlich wieder zu jemandem „unser Herr“ sagen? Paradox, oder?

Es gibt da aber einen kleinen aber sehr feinen Unterschied: Vor Gott, ihrem neuen Herrn, sind sie nun alle gleich. Oder anders gesagt: Sie sind allesamt „einer in Christus Jesus“. Und eben dieser Jesus Christus hat sich für die Befreiung aller Menschen, ob nun Sklave oder frei, in die Rolle des Sklaven begeben und ist stellvertretend für alle am Kreuz gestorben.

Was heißt das nun für uns? Sklaven im Sinne der Sklaven damals, vor 2000 Jahren, sind wir nicht. Aber leider gibt es auch bei uns im Jahr 2020 immer noch Menschen, denen andere Menschen vorschreiben, was sie zu tun und zu lassen haben.

Da fallen mir auf Anhieb die Menschenhändler ein, die junge Frauen nach Deutschland bringen, damit diese dann für sie „auf den Strich gehen“.Oder Länder, in denen Kinderarbeit auch heute noch Gang und Gäbe ist. Oder all die Menschen, die die Not derer ausnützen, die vor den Kriegen dieser Welt fliehen müssen. Diese Schleuser verlangen Unsummen an Geld, um dann auf einem Kahn Hunderte Menschen zusammenzupferchen und sie über das Mittelmeer zu schaffen – unter menschenunwürdigen Bedingungen. Die Bilder davon gingen in den letzten Jahren um die Welt.

Und genau da werden diese Worte, die am Anfang noch klangen, als kämen sie aus einer anderen Zeit, ganz aktuell. Denn sie rufen uns förmlich zu: Macht eure Augen auf. Schaut nicht weg, wenn Menschen auch heute wieder zu Sklaven werden.

Wir können nicht die ganze Welt retten, aber wir können uns immer wieder vor Augen halten, welche Freiheit wir geschenkt bekommen haben.

Ihre Manuela Schmidt

Gedanken zur Jahreslosung 2020

Ich glaube; hilf meinem Unglauben!

Markus 9,24

Ihnen allen in Nah und Fern ein gesegnetes Jahr 2020!

Starten Sie gut wieder in den Alltag und nehmen Sie bitte etwas vom Glanz und der Leuchtkraft der zurückliegenden Feiertage mit und bleiben Sie bitte in der Hoffnungs- und Erwartungshaltung, die uns in der Advents- und Weihnachtszeit hoffentlich getragen hat. Lassen Sie sich in Ihrem Glauben bestärken, lassen sie Glauben zu oder finden Sie bitte zum Glauben. Die Jahreslosung 2020 möchte Sie darin bestärken!

„Ich glaube“, so schreit ein verzweifelter Vater, dessen Sohn von einer schweren Epilepsie betroffen ist. So lange schon und niemand konnte  helfen.

Alles hat er versucht; nun ist er am Ende seiner Kräfte.

Ein letztes Mal noch, eine allerletzte Hoffnung…

Und der, der den Sohn heil machen soll, verlangt kein Geld, er fordert den Vater auf, zu glauben.

Und in seiner Verzweiflung bekennt sich der Vater zum Glauben und weiß zugleich, dass es unmöglich ist, das durchzustehen.

Ich glaube; hilf meinem Unglauben!

So schön kurz und bündig die neue Jahreslosung ist, so kontrovers scheinen die beiden Aussagen. Jedenfalls auf den ersten Blick. Die deutsche Sprache drückt durch die Vorsilbe „un“ etwas Gegensätzliches aus, etwas, das sich scheinbar einander ausschließt. Das Wort mit der Vorsilbe bekommt zudem auch noch meist eine negative Bedeutung. Dami möchte sich eigentlich keiner  identifizieren. Oder möchten Sie  als unehrlich, unaufrichtig, unrein, ungeduldig oder ungehorsam gelten?

Oder geht das so gar nicht?

Um ehrlich zu sein, gehören alle diese Adjektive auch zu mir. Sollte ich mich selbst beschreiben, so müssten auch die Eigenschaften mit dem „un“ davor vorkommen.

Auch mein Glaube ist da nicht ausgenommen.

Glaube- Unglaube; sind das wirklich Gegensätze?

Ist mein Glaube stark genug auf das zu hoffen, was nicht sichtbar ist, Gott zu vertrauen, der mich sein Kind nennt? Aber es gibt keine Maßeinheit dafür. Glaube ist ein Gottesgeschenk, unverfügbar. Glaube geschieht oft unerwartet, unvermutet. Glaube kann groß werden. Glaube kann tragen durch Höhen und Tiefen. Und doch bin ich immer ein Teil dieser Welt, solange ich lebe.

Ich darf meinen Glauben hinterfragen, weil er oft genug auf den Prüfstand gestellt ist. Ich darf mit Gott hadern; ich darf wütend sein auf den Gott, der mir mein Schicksal in so vielen schlimmen Stunden zumutet. Ich darf es für unmöglich halten, dass ich wieder glauben kann. In einem Menschen wohnen Glauben und Unglauben oft eng beieinander.

Aber im Dunkel meines Daseins möchte mir der begegnen, er zu mir sagt:

Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist möglich bei Gott. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du gehörst zu mir. Ich kenne dich und alle deine Wege. Ich habe Pläne für dich schön und voller Hoffnung. Du musst dich nicht fürchten, weil ich dich liebe. Und eines Tages werde ich alle deine Tränen abwischen und alle Schmerzen deines irdischen Lebens werden Vergangenheit sein. Und meine unendliche Liebe wird dir gehören.

Bleiben Sie behütet in dem, der da war und ist und bleibt in Ewigkeit.

 

Ihre Uta Baumfelder