Gedanken zur Monatslosung

„Christus ist Bild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene der ganzen Schöpfung.“
Kol 115

Liebe Schwestern und Brüder

möchten Sie auch manchmal so sein wie ein Kind? So unbefangen und ohne Vorurteile? So neugierig und wissensdurstig?

Fragen Sie doch einmal ein Kind, wie es sich Gott vorstellt! Mit einem Erwachsenen wird das viel schwieriger gehen. Aber die kindliche Phantasie kann wunderbbare Bilder malen. Bilder, die von einem hohen Schutzbedürfnis reden, von einer großen Liebe und einer innigen Geborgenheit. Und egal in welche vertrauten Personen oder Dinge die Kinder ihr Bild von Gott verpacken, die Aussagen werden sich ähneln.

Und ich denke an meine Kindheit zurück, als Gott noch der liebe Gott war und alles war gut. Längst  sind die Kinderschuhe abgestreift und das Leben hat tiefe Spuren in uns gegraben. Kummer und Leid waren uns Wegbegleiter und das Bild von Gott aus der Kinderzeit ist verschwunden. Das Bild ist ein anderes geworden. Und wenn ich es spüren will, dann muss ich ganz stille tief in mich hineinhorchen.

Unser Monatsspruch ist uns auf der Suche nach Gott behilflich. Im Brief an die Kollossäer schreiben die Freunde von Paulus ein Weisheitslied und das beginnt mit den Worten: „ Christus ist das Bild des unsichtbaren Gottes.“

Wer Christus sieht, sieht Gott. Durch Jesus erfahren wir, wie Gott sich den Mensch vorgestellt hat und was Gott für uns möchte.

Jesus hat den Menschen immer wieder von Gott, dem Vater, erzählt. In Gleichnissen und Bildern redet Jesus. Er redet nicht nur, er handelt auch. Er heilt Kranke, er macht Blinde sehend. Er öffnet Taubstummen die Ohren und löst ihre Zunge. Lahme können wieder ihre eigenen Beine benutzen. Jesus kümmert sich um die Kinder, die damals in der Gesellschaft keinen Wert hatten. Keiner sonst hätte das getan.

Er vergibt Menschen ihre Schuld und schenkt ihnen eine neue Chance. Jesus stellt Menschen plötzlich in seinen Dienst, die das Wort Gottes vor den Menschen ausbreiten. Er erbarmt sich der Schwachen und Ausgegrenzten. Er schenkt in seiner sanftmütigen Art Liebe und Hoffnung.

Jesus geht seinen Weg zu den Menschen konsequent. Seine Gegner können ihn nicht einschüchtern. Er nimmt Folter und Kreuzigung auf sich. Sein Tod ist Ausdruck seiner Liebe zu uns Menschen. Gottes Sohn, den Gott ins Leben gerufen hat, noch ehe er diese Welt und uns geschaffen hat, gibt sein Leben für uns. Er gibt es, damit wir nicht länger von Gott getrennt leben müssen. Er gibt es, damit wir mit allen unseren Belastungen, unseren Ängsten und Problemen, unseren Schmerzen und unserem Leid  und mit unserer Schuld zu ihm kommen können. Er will uns tragen und uns behüten.

Die Nacht auf Golgatha am Karfreitag wandelt sich. Gottes Liebe ist stärker als der Tod und Gott reißt seinen Sohn aus dem Tod ins Leben.

Am Ostersonntag bricht ein  euer Morgen  an!

Lasst uns, wo immer das geht in den Choräle: Christ ist erstanden oder Wir wollen alle fröhlich sein, oder was immer Ihnen gefällt, einstimmen.

Der Tod hat nicht das letzte Wort, Corona hat nicht das letzte Wort!

Gott ist nicht mehr fern!

Das Leben hat gesiegt!

Ein gesegnetes Osterfest!

Ihre Uta Baumfelder

Gedanken zum Monatsspruch März 2021

Jesus antwortete: Ich sage euch: Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.
Lukas 19,40
 
Liebe Schwestern und Brüder,
 
„Reden ist Silber und Schweigen ist Gold“ – so sagt es das Sprichwort. Was oft stimmt und man sich bei manchen öffentlichen Personen gerade in dieser Zeit bisweilen wünschen würde, kann in anderen Situationen auch falsch sein. Zu oft schweigt man, wenn Unrecht geschieht. Zu oft sagt man nichts, sei es um den anderen nicht zu verletzten oder um einem Streit aus dem Weg zu gehen. Manchmal denkt man hinterher, hätte man mal was gesagt. An anderer Stelle wünscht man sich, man hätte lieber geschwiegen. „Sage nicht alles, was du weißt, aber wisse alles, was du sagst – so lautet eine andere Redensart, In beiden Aussagen wird auf die Kunst verwiesen, im richtigen Moment zu schweigen oder eben etwas zu sagen. Es ist wirklich eine Kunst, weil wohl niemanden gelingt, immer angemessen zu reagieren. Wir erleben gerade, dass besonders in Krisenzeiten unzählige Wahrheiten und vermeintliche Wahrheiten kursieren. Alle scheinen irgendwie berechtigt, selbst, wenn es vollkommen gegensätzliche Sichtweisen sind. Da scheint es schwer zu entscheiden, was richtig und was falsch ist. Haben die Wissenschaftler Recht, die angesichts von immer ansteckenderen Virusvarianten zu mehr Vorsicht mahnen und immer strengere Einschränkungen fordern oder doch die, die mehr Freiheiten unter Hygieneauflagen für möglich halten und vor den wirtschaftlichen und anderen gesundheitlichen Folgen warnen? Als Laie mag man das schwer beurteilen können und man ist vermutlich auch froh, solche Entscheidungen nicht treffen zu müssen. So bleibt Verunsicherung.
 
Im Monatsspruch für den Monat März lesen wir davon, dass Steine schreien sollten, wenn bestimmte Menschen schweigen. Die Worte stammen von Jesus, der sie bei seinem feierlichen Einzug in Jerusalem an die Pharisäer, die geistigen Eliten seiner Zeit, richtet. Seine Worte sollen den Schriftgelehrten, die seinen Anhängern und Jüngern gerade verbieten wollten, ihn als den König und Heiland zu feiern, deutlich machen, dass sie seine Botschaft nicht aufhalten können. Zwar kann einzelnen Menschen verboten werden zu sprechen, aber die Wahrheit wird sich durchsetzen – und wenn sie durch scheinbar tote Steine zu Tage tritt.
 
Was ist das für eine Botschaft, die da mit Jesus in Jerusalem einzieht, die die Pharisäer verhindern wollen? Es ist die Botschaft vom Leiden und Sterben Jesus, von seiner Auferstehung, seinem Sieg über den Tod. Mit Jesus wird der lang ersehnte König gefeiert. Auch die Schriftgelehrten mussten aus ihren Studien der heiligen Schriften gewusst haben, dass ein König kommen würde.
Aber er kommt anders, als sie es erwarten. Nicht mit Glanz und Gloria, sondern auf einem Esel kommt er zu ihnen. Warum macht dieser scheinbar einfache Mann ihnen Angst? Weil er Wunder getan hatte? Weil er vom Reich Gottes sprach? Weil er sich den armen zuwandte? Das taten viele andere damals auch. Propheten gab es immer wieder, was soll jetzt anders sein?
 
Mit Jesus wird sich die Welt verändern. Der all- und übermächtige Gott kommt den Menschen in ihm nahe. Geboren als kleines Kind in einem Stall, wendet er sich den ausgestoßenen Mitmenschen zu, den Armen und Schwachen und verkündet allen die Vergebung der Sünde, das Reich Gottes. Er spricht mit Überzeugung, er spricht mit Vollmacht. Woher nimmt er sich das Recht, die alleinige Wahrheit zu sagen? Wir wissen, dass die Pharisäer in ihrem Argwohn und ihrer Sorge vor Aufständen des einfachen Volkes gegen die übermächtigen römischen Besatzer die Menge später anstacheln werden, den Tod von Jesus zu fordern. Jesus wird für seine Wahrheit leiden und sterben. Und doch wird seine Botschaft gewinnen. Er wird auferstehen.
 
Viele Menschen zweifeln heute an der Botschaft Christi. Sie glauben ihr nicht mehr. Absolute Wahrheiten – daran kann und will ein aufgeklärter Mensch nicht mehr glauben. Zu oft wurde dieser Anspruch missbraucht. Manche gehen soweit, dass sie nicht an Gott glauben. Und doch sind Menschen, die Kirchen, Tempel und religiöse Stätten besuchen, oft ergriffen von der Atmosphäre in diesen geweihten Häusern. Es ist, als würden die Steine hier wirklich zu ihnen sprechen und ihnen Ehrfurcht lehren.
 
Wir wissen oft nicht, was wahr ist und was nur dazu dienen soll, unsere Gedanken in bestimmte Richtungen zu lenken. Wir wissen nicht, ob wir unsere Stimmen erheben sollen oder besser schweigen. Aber eine Botschaft haben wir, an die wir Christen von Herzen glauben dürfen und die allen Menschen gilt und die daher allen gesagt werden kann. Der Tod wird besiegt. Jesus hat gelitten, unsere Sünden können uns nicht mehr von Gottes Liebe entfernen. Wir dürfen darauf vertrauen, dass unser Weg wie der Weg Jesu, manchmal glücklich, manchmal von Leiden durchtränkt, aus Gottes Hand kommt und wieder dorthin zurückgeht, wenn wir sterben.
 
Bei allen unterschiedlichen Gedanken zur aktuellen Situation und auch zu anderen Krisenthemen, reden wir miteinander – nicht um unsere Wahrheiten zu verkünden, sondern uns mit Gottes Botschaft Mut zu machen.
 
Eine segensreiche Passionszeit wünscht Euch und Ihnen
Chris Schönefeld

Gedanken zum Monatsspruch für Februar 2021

Freut euch darüber, dass eure Namen im Himmel verzeichnet sind!
Lukas 10,20

Liebe Schwestern und Brüder,

kennen Sie diesen Moment, in dem man sich denkt: Keiner nimmt mich wahr? Man fühlt sich wie unsichtbar für die Menschen um sich herum, z.B. wenn man einen Vorschlag macht und das irgendwie niemanden interessiert. Oder man erzählt eine für sich unheimlich bedeutende Geschichte, doch stößt damit auf keinerlei Reaktion.

Ähnlich ist das, was wir nun schon seit März 2020 mitmachen. Auch da fühlen sich viele Menschen nicht verstanden. Ich denke da an all die Ärzte und Pfleger, die ihren Patienten helfen wollen, sich aber oft von der Politik und dem Gesundheitssystem im Stich gelassen fühlen. Oder die Einzelhändler, Friseure und Gaststättenbesitzer, die von jetzt auf gleich ihre Läden, Geschäfte oder Gaststätten schließen mussten und nun schon seit Monaten um ihre Existenz fürchten mussten und müssen. Die das Gefühl haben: Hat man uns vergessen? Denkt denn keiner an uns?

Oder die Menschen in den Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen, die durch den Lockdown wochen- und monatelang keinen ihrer Lieben persönlich sehen können. Wie muss es jemanden gehen, der auf Grund seiner Krankheit oder seines Alters eh schon kaum Kontakt zur Außenwelt hatte und den nun auch scheinbar die letzten Freunde und Familienangehörigen allein gelassen haben?

Ähnlich, wenn auch aus ganz anderem Grund, fühlt sich der eine oder andere, wenn er oder sie zu Gott betet. Man erhält ja keine direkte Antwort – also nicht so, als würde man sich mit einem anderen Menschen unterhalten. Aber man wartet dann manchmal schon darauf, dass irgendwas passiert und sich die Situation, in der man sich gerade befindet, ändert. „Gott muss das doch hinbekommen“. Und dann auch da wieder der Gedanke: „Er hört mich ja doch nicht. Er hat mich bestimmt vergessen.“

Wie war nun die Situation damals, also in der Zeit, als der Satz entstand, der uns für den Februar als Monatslosung gegeben ist?

Lukas erzählt uns von einer Begebenheit, in der Jesus 72 Jünger je zu zweit ausgeschickt hat. Ohne große Vorbereitung, ohne irgendwelchen Besitz sollen sie Gewaltiges vollbringen: Kranke heilen, den Frieden Gottes zu den Leuten bringen.

Und diese Leute, die in ihrem bisherigen Leben alle etwas anderes getan haben, kommen zurück und haben Gewaltiges bewegt. Sie haben nicht nur Kranke geheilt, sondern auch Geister und Dämonen ausgetrieben. Die Zweiundsiebzig kommen voll Freude zurück. Grund haben sie genug.

Jesus sagt zu den jubelnden, fröhlichen Jüngern: „Darüber freut euch nicht, dass euch die Geister untertan sind. Freut euch aber, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind.“

Der Grund unserer Lebensfreude liegt nicht in dem Großartigen, was wir in der Welt vielleicht zu Stande bringen. Er liegt immer schon verborgen in uns selbst. Ein jeder von uns ist einmalig und unverwechselbar. Es ist Gottes Geschenk an uns, dass er einen jeden von uns mit Namen kennt und genau das will und soll auch uns, die wir manchmal zweifeln oder traurig sind, weil wir uns ungesehen und ungehört fühlen, Mut machen.

Weil Gott auch unsere Namen und damit auch uns kennt. Jeden einzelnen von uns. Mit all unser Stärken und Schwächen. So wie wir sind.

Das wünsche ich auch Ihnen und mir – dass wir uns freuen, dass unsere Namen im Himmel geschrieben sind.

Es grüßt Sie herzlich

Ihre Manuela Schmidt

Gedanken zum Monatsspruch Januar 2021

 Liebe Schwestern und Brüder,

Ich hoffe, dass  Sie alle gut angekommen sind im neuen Jahr. Die dunklen Tage im Dezember liegen hinter uns. Der Weihnachtsstern ist über uns allen erschienen, viele haben das gar nicht bemerkt. Viel Licht gab es am Ende eines schweren Jahres und die Botschaft der Engel vom Frieden auf Erden hatte am vergangenen Weihnachtsfest so eine ganz andere, viel tiefere Bedeutung als sonst. Sie klingt noch in unseren Ohren und bewegt uns im Herzen. Und sie klingt wie ein Aufbruch, wie eine einzige große Hoffnung. Im Kind in der Krippe ist Gott uns so ganz nah gekommen, zum Anfassen und Erleben nah.

Ich möchte Ihnen und Ihren Familien von ganzen Herzen im Jahr 2021 Gesundheit und Gottes Segen wünschen. Bleiben Sie gesund, oder werden Sie gesund. Bleiben Sie frohen Mutes und voller Erwartung. Ich wünsche Ihnen die Kraft, die Sie brauchen, um aus schlimmen Situationen wieder heraus zu finden.

Schauen Sie bitte nach vorn, Gott wird uns Wege finden lassen, die uns zum Ziel führen.

Dem Beter im Psalm 4, aus dem unser Monatsspruch stammt, dem geht es ein bisschen wie so vielen von uns. Der Psalm ist ein Abendgebet. Mit schweren inneren Lasten legt sich der Beter nieder. Schlimme Sorgen und Ängste quälen ihn, die sich allesamt nicht abschütteln lassen. Es ist so unmöglich, damit an Schlaf zu denken. Deshalb ruft er Gott an und klagt ihm, wie er sich fühlt. Er fühlt sich gemobbt, kleingemacht, ungerecht  behandelt, seiner Würde beraubt, ausgestoßen, unfähig sich zu wehren.

Er fühlt sich schuldig an seiner Situation und wiederholt genau die Worte, die so viele um ihn herum sagen: „Wer wird uns Gutes sehen lassen?“

Provokativ ist das und ansteckend. Ist das nicht so? Ein Haar in der Suppe ist zwar selten, aber schnell gefunden. Am Ende ist nichts mehr Genießbares an der Suppe. So ist das doch!

Dass das Jahr 2020 ein schlimmes Jahr war, das lassen wir so stehen. Aber war wirklich alles schlimm, was geschehen ist? Es gab auch schöne Momente, Tage und Wochen. Vieles war anders, aber wer sich arrangieren konnte, erlebte manche Dinge als weniger schlimm.

Viele trauten sich nicht mehr auf die Straße, in Einkaufsmärkte zu den Gottesdiensten, obwohl die Gefahr einer Ansteckung mit dem Virus durch Vorsichtsmaßnehmen gar nicht gegeben war.

So mancher verlor das Vertrauen und den Glauben. Und so kam es, dass manche in der Pandemie eine Strafe Gottes sehen wollten, andere hilflos abgewunken haben und meinten, Gott hört und hilft nicht mehr. Er ist nicht mehr da.

Was viele sagen, ist schnell übernommen und ist die eigene Meinung.

Gottes Handeln ist aber nicht provokativ. Gott handelt nicht mit spektakulären Methoden. Was Gott tut, das geschieht meist im Verborgenen, meist unbemerkt und mit Langmut. Gott  lässt sich nicht in das Schema menschlichen Denkens pressen.

Glaube und Vertrauen brauchen wir alle. So wie der Beter, der ganz plötzlich Gottes Segen zu spüren bekommt und voller Freude diesen Segen weiter gibt: „Herr lass leuchten über uns das Licht deines Antlitzes!“

Und über diesen Segen fällt die ganze Bürde ab. Da ist Gott so ganz nah und es gibt eine Hoffnung, in die sich unbändige Freude mischt. Wie weggeblasen ist die Angst.

Und so geborgen wie ein Kind spricht er ein Dankgebet:

„Ich liege und schlafe ganz mit Frieden; denn allein du, Herr, hilfst mir, dass ich sicher wohne.“

Ich grüße Sie herzlich

Ihre Uta Baumfelder

Gedanken zum Monatsspruch Dezember 2020

Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut!“
 
Jesaja 58,7
 
Liebe Schwestern und Brüder,
 
der Monatsspruch Dezember trifft mich an einer wunden Stelle. Dabei ist er ganz klar in seiner Forderung. Nicht immer wird so klar gesagt, was man tun soll. Hier schon. „Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut!“ Dieser Satz ist einfach zu verstehen und leicht zu befolgen. Trotzdem tue ich mich im Alltag schwer damit, das entsprechend umzusetzen. Vor kurzem klingelte es an unserer Tür. Ein ungepflegter Herr stand davor und bat genuschelt um eine Spende für seinen Zirkus, mit dem er in Stadtsteinach gastiert. Ich überlegte sehr lang, ob ich ihm etwas geben solle. Zu stark die Bedenken, dass es sich um einen Betrüger handelt. Dieselbe Situation ereilt mich regelmäßig in großen Städten. Dort stehen an jeder Ecke Bettler und bitten um Geld. Gehören die zu irgendwelchen Banden und müssen das Geld an Hintermänner abgeben? Zweifel über Zweifel, die mich hindern, Geld vorurteilsfrei und aus freiem Herzen zu spenden. Ich gebe gern, aber es macht nicht so glücklich wie es sollte. Geben ist seliger als nehmen – aber glücklich macht es nicht immer.
 
In der Adventszeit wird für gewöhnlich überall um Spenden gebeten. Die Menschen sind offener und großzügiger. Viele Organisationen sind auch auf die Spenden angewiesen. Sie unterstützen damit, ob aus christlichen oder anderen Motiven, Menschen in Not. Gewiss, ein Teil der Spende wird für Verwaltung und Werbung, also sachfremd, investiert werden, aber der Großteil kommt, zumindest bei den zertifizierten Organisationen, bei den Bedürftigen an.
 
Oft denken wir und beruhigen uns mit dem Wissen, dass es genügend staatliche und gemeinnützige Organisationen gibt, die sich kümmern, die das mit der Nächstenliebe und Gastfreundschaft schon erfüllen. Dafür bekommen sie schließlich Steuermittel. Doch ein wenig beschleicht mich dabei auch immer das Gefühl, dass ich mich aus der Verantwortung stehle. Ich persönlich bin aufgefordert, gastfreundlich zu sein und Menschen in der Not zu helfen. Mit einer Spende oder meinen Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen kann ich mich nicht freikaufen.
Vor Gott und meinem Gewissen befreit das meine Seele nicht und wenn ich ehrlich bin, belegen meine Zweifel das. Natürlich weiß ich, dass es vor Gott nicht auf meine Werke ankommt. Sie könnten auch niemals ausreichen. Egal, wie sehr ich mich anstrenge, es wird nicht die Probleme der Welt lösen. Trotzdem ist praktisches Handeln im Sinne der Nächstenliebe von mir gefordert. Ich soll Augen und Ohren aufhalten und wahrnehmen, wo Not ist. Doch wie würde es bei uns praktisch aussehen, wenn man tun würde, was Jesaja im Auftrag Gottes verlangt? – Mit Hungrigen das Brot teilen? – Menschen ohne Obdach ein Dach über den Kopf bieten? – Nackten mit Kleidung aushelfen? – Sich nicht abwenden von Menschen, denen man begegnet und die einen brauchen?
 
Im Monatsspruch für Dezember sagt Jesaja, was Gott von seinem Volk erwartet: Mitmenschlichkeit, Barmherzigkeit, Nächstenliebe. Liest man den Text, aus dem der Spruch stammt, begründet Jesaja auch, weshalb man das tun soll. Die Menschen sollen so handeln, damit die Gesellschaft wieder heil wird. An den Aufforderungen im Monatsspruch ist abzulesen, woran es der Gesellschaft in Jerusalem um 520 v. Chr. mangelt: Hunger, Wohnungsnot, Kleidung, Gemeinschaft. Wir merken, dass das recht aktuelle Themen sind. Was Jesaja fordert, begleitet auch uns heute noch und fordert uns das ganze Jahr heraus Kinder- und Alltagsarmut, Löhne, die nicht einmal den Mindestbedarf decken, steigende Arbeitslosigkeit im Rahmen der Epidemie, Vereinsamung, das Elend der Geflüchteten in den Notunterkünften, Naturkatastrophen – das sind nur einige Themen, bei denen unsere kleine Kraft unheimlich ohnmächtig erscheint.
 
Ohnmächtig kann man sich in dieser Zeit wahrlich fühlen. Doch uns wird an Weihnachten Hoffnung geschenkt. Jesus kommt als armes Kind in die Welt. Seine Möglichkeiten scheinen gering und doch verändert er als Erwachsener später vor allem durch kleine Gesten, die die Bedürftigkeit seiner Mitmenschen in den Blick nehmen, die Welt. Das kann auch uns Ermutigung und Ansporn sein, einander ohne Zweifel zu begegnen und ohne Vorurteile aufeinander zu zu gehen. Gerade in dieser schwierigen und unsicheren Zeit voller Mistrauen und Ängsten sollte uns das ein wichtiger Leitfaden für unser Handeln bleiben.
 
Kommen Sie gut durch den Dezember, genießen Sie trotz allem frohe Feiertage und starten Sie gesund in ein glückliches und hoffentlich besseres neues Jahr! Frohe Weihnachten wünscht Ihnen Chris Schönefeld im Namen des Lektorenteams und der Kirchgemeinde

Gedanken zum Monatsspruch November 2020

Gott spricht: Sie werden weinend kommen, aber ich will sie trösten und leiten.

Jeremia 31,9

Liebe Schwestern und Brüder,

mit dem Monat November nähert sich nun das Jahr 2020 bald seinem Ende.

Manch einer möchte schon jetzt sagen, ja fast schon schreien: Hoffentlich bald, sehr bald. Denn gefühlt war das Jahr 2020 von zwei Dingen geprägt, die unser Herz bluten lassen: Dem Corona-Virus und dem Borkenkäfer.

All das, was uns vertraut war, war dieses Jahr ganz anders. Nichts mehr so, wie es mal war.

Wir konnten nicht wie gewohnt in andere Länder reisen – Reisewarnungen machten es unmöglich. Die sonst üblichen Besuche der Familie an Ostern – nicht möglich, wegen den Kontaktbeschränkungen. Irgendwo spontan hinfahren – auch nicht machbar, denn zumindest die Maske wurde zum ständigen Begleiter. Auch die Veranstaltungen, die sonst den Sommer prägten, ob nun Kirmes, Dorffeste usw. – mussten abgesagt werden wegen begrenzter Teilnehmerzahl und Abstandregelungen

Und nicht nur unsere Aktivitäten wurden eingeschränkt. Auch unsere Umgebung änderte sich. Wo noch zu Beginn des Jahres die Bäume im Wind rauschten, dröhnten plötzlich Motorsägen und das Krachen umstürzender Bäume war weithin hörbar. Da waren fast über Nacht an Orten, die noch vor eins, zwei Jahren in dichtem Grün standen, kahle Berghänge entstanden. Landschaften änderten sich.

Sie merken, viele Dinge, die unser Leben 2020 eher traurig machten.

Nun kommen, jetzt im November, neben dem grauen Herbstwetter und den Dingen, die seit März 2020 unseren Alltag zusätzlich belasten, auch die beiden Sonntage, an denen wir der Gefallenen und unserer verstorbenen Lieben gedenken.

Menschen, die uns über Jahre und Jahrzehnte begleitet haben, sind nicht mehr bei uns. Manche von ihnen haben wir in diesem Jahr verloren, andere sind schon Jahre nicht mehr bei uns. Gerade am Toten – oder Ewigkeitssonntag kommt wieder die Trauer in uns hoch. Was bleibt, sind Erinnerungen

Irgendwie scheint alles in diesen Tagen grau und trüb und unendlich traurig zu sein und wir fragen uns, wo sich Halt und Hoffnung finden lässt

Der Monatsspruch für den November möchte uns darauf eine Antwort geben. Die Menschen, zu denen der Prophet Jeremia sie damals sprach, waren aus einem anderen Grund traurig, ja, traumatisiert.

Auf einer assyrischen Reliefdarstellung aus dieser Zeit sieht man, wie Einwohner der eroberten judäischen Stadt Lachisch, nahe Jerusalem, von den neuen Machthabern aus ihrer Heimat in eine ungewisse Zukunft abgeführt werden. Die Worte von Jeremia wirken wie ein Kontrast zu dieser Darstellung: „Ich bringe euch wieder zurück, gehe neben euch her und schütze euch.“

Gott sagt ihnen nicht nur zu, dass er sie trösten wird. Nein, er wird sie leiten und begleiten.

Und das möchte er, mitten hinein in diesen November 2020 auch uns sagen:
„ich bin bei euch, ich gehe mit euch da durch und ich beschütze euch“

Diese Zusage wird uns nicht von jetzt auf gleich von unserer Traurigkeit befreien. Aber sie kann uns helfen, die Zeit zu durchstehen, die Hoffnung nicht zu verlieren

So wünsche ich uns allen, dass wir Gott als unseren Begleiter spüren können in diesen trüben Tagen des Novembers.

Ihre Manuela Schmidt