Liebe Schwestern und liebe Brüder,
nun ist er also da, der Juli. Viele Eltern nutzen mit ihren Kindern die jetzt beginnenden Sommerferien für eine Reise. Die Einen fahren oder fliegen in den warmen Süden oder auch gen Afrika, Amerika oder Asien. Um dort Sonne und Strand zu geniessen. Andere zieht es eher in die nördliche Richtung, ob nun an die deutschen Nord- oder Ostseeküsten, nach Dänemark, Norwegen oder Schweden. Weil sie es doch lieber etwas kühler mögen. Wiederum andere nutzen die freien Tage, um ihnen noch unbekannte Orte in der Mitte Deutschlands zu erkunden.
Wir merken, jeder hat da so seine eigenen Vorlieben. Dazu kommt noch, dass einer eher gern am Strand liegt, der nächste lieber per Fuß oder Rad die Gegend erkundet und der Dritte die noch völlig ihm unbekannten Sehenswürdigkeiten entdecken will. Gut ist es dann aber allemal, wenn das Wetter noch mitspielt. Wobei sicherlich auch manch Bauer gerade jetzt, so kurz vor der ersten Ernte, oft genug den Blick gen Himmel oder in die Wetter-App wendet.
Doch leider können nicht alle Menschen so unbeschwert den Urlaub genießen. Weil sie zusehen müssen, wie sie sich und ihre Kinder jeden Tag ernähren. Oder weil sie in Branchen arbeiten, die gerade in der Ferienzeit keine „freie“ Zeit erlauben. Andere bangen vielleicht gerade um nahe Angehörige, die in den Kriegsgebieten dieser Welt als Soldaten im Einsatz sind. Wissen nicht, ob der Partner, Sohn oder Enkel wieder heil nach Hause kommt.
Von Themen wie Spritpreise, Gas- und Strompreiserhöhungen, Betriebsschließungen usw. wollen wir gar nicht erst anfangen.
Wir merken: So schön der Monat Juli auch ist, so sehr wird uns an mancher Stelle eben auch klar, dass nicht alles so gerecht ist, wie wir als Christen uns das wünschen. Und ja, auch der ein oder andere Politiker wird da an mancher Entwicklung nicht ganz unschuldig sein. Der ein oder andere kommt dann doch irgendwann für sich selbst zum Punkt: „Ach ja, früher war doch alles besser. Leichter. Einfacher“. Aber war es das wirklich? Dazu brauchen wir uns nur mal die Bibel zur Hand zu nehmen. Im Spruch für den Monat Juli 2026 lesen wir dann Folgendes:
Es ströme aber das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach.
Wir ahnen: Die Worte sind nicht aus unserer Zeit. Aber um wen geht es da und was war damals geschehe? Nun: Amos war von Haus aus ein Viehzüchter und Maulbeerfeigenpflanzer. Um die Zeit gegen 760 v. Chr. erhielt er die Berufung als Prophet, und Gott sandte ihn ins Nordreich, das damals von König Jerobeam II regiert wurde. Wenn dieses Land auch wirtschaftlich gut dastand, so gab es doch große Missstände, weil dort nicht Recht und Gerechtigkeit herrschten, sondern wer Macht und Einfluss hatte, glaubte, mehr Rechte zu haben als Arme und sozial niedriger gestellte Menschen. Es herrschte Willkür und offensichtlich waren nicht alle Menschen vor dem Gesetz gleich. Das prangert Amos im Auftrag Gottes an und verkündet den Untergang des Reiches Israel, weil es nicht die Gebote Gottes befolgt. Überall im Staat, in der Wirtschaft und in der Verwaltung herrschen unwürdige Zustände, die Jahwe nicht länger duldet. Daher die Sendung des Amos, der in seinem Namen den Untergang des Reiches verkünden soll.
Jahwe will ein Gott für alle Menschen in Israel sein. Seine Liebe gilt allen. Daher
sollen auch alle vor dem Gesetz gleich behandelt werden. Gott als Anwalt der Menschenrechte. Die Verantwortlichen können sich auch nicht damit herausreden, dass sie die Gottesdienste und Opferhandlungen durchführen und damit sich die Gunst Gottes erwerben wollen.
Amos predigt ihnen stattdessen, dass Gott all diese Handlungen verachtet,
weil sie leer und hohl sind und dahinter keine moralische Haltung steht. Amos
wirft den Mächtigen vor, das Recht bewusst zu beugen, um sich Vorteile zu
verschaffen und den anderen zu schaden. Dies ist nicht im Sinne Jahwes.
Das nun zur Geschichte der Monatslosung. Es zeigt uns auf, dass schon damals, vor mehr als 2700 Jahren nicht alles gerecht war. Es zeigt aber auch, das es immer wieder Menschen braucht, die sagen: „Halt. Stopp. So geht es nicht weiter. Das ist nicht im Sinne Gottes.“
Wir müssen nicht gleich in die Politik, um einen Wandel herbeizuführen. Manchmal ist es schon gut und wichtig, wenn wir im Gespräch mit unserem Gegenüber versuchen, Ansichten zumindest ein klein wenig zu ändern. Oder durch unser Leben, besser gesagt, Vorleben, anderen zeigen, was Gerecht ist. Wo sie mit ihrem Tun andere Menschen in ihren Freiheiten einschränken.
Dann können wir schon im Kleinen etwas vielleicht ändern, was für einen Anderen etwas ganz Großes bewirkt.
Ich wünsche Ihnen und euch von Herzen einen gesegneten Juli,
eure Manuela Schmidt.
