Gedanken zur Jahreslosung 2020

Ich glaube; hilf meinem Unglauben!

Markus 9,24

Ihnen allen in Nah und Fern ein gesegnetes Jahr 2020!

Starten Sie gut wieder in den Alltag und nehmen Sie bitte etwas vom Glanz und der Leuchtkraft der zurückliegenden Feiertage mit und bleiben Sie bitte in der Hoffnungs- und Erwartungshaltung, die uns in der Advents- und Weihnachtszeit hoffentlich getragen hat. Lassen Sie sich in Ihrem Glauben bestärken, lassen sie Glauben zu oder finden Sie bitte zum Glauben. Die Jahreslosung 2020 möchte Sie darin bestärken!

„Ich glaube“, so schreit ein verzweifelter Vater, dessen Sohn von einer schweren Epilepsie betroffen ist. So lange schon und niemand konnte  helfen.

Alles hat er versucht; nun ist er am Ende seiner Kräfte.

Ein letztes Mal noch, eine allerletzte Hoffnung…

Und der, der den Sohn heil machen soll, verlangt kein Geld, er fordert den Vater auf, zu glauben.

Und in seiner Verzweiflung bekennt sich der Vater zum Glauben und weiß zugleich, dass es unmöglich ist, das durchzustehen.

Ich glaube; hilf meinem Unglauben!

So schön kurz und bündig die neue Jahreslosung ist, so kontrovers scheinen die beiden Aussagen. Jedenfalls auf den ersten Blick. Die deutsche Sprache drückt durch die Vorsilbe „un“ etwas Gegensätzliches aus, etwas, das sich scheinbar einander ausschließt. Das Wort mit der Vorsilbe bekommt zudem auch noch meist eine negative Bedeutung. Dami möchte sich eigentlich keiner  identifizieren. Oder möchten Sie  als unehrlich, unaufrichtig, unrein, ungeduldig oder ungehorsam gelten?

Oder geht das so gar nicht?

Um ehrlich zu sein, gehören alle diese Adjektive auch zu mir. Sollte ich mich selbst beschreiben, so müssten auch die Eigenschaften mit dem „un“ davor vorkommen.

Auch mein Glaube ist da nicht ausgenommen.

Glaube- Unglaube; sind das wirklich Gegensätze?

Ist mein Glaube stark genug auf das zu hoffen, was nicht sichtbar ist, Gott zu vertrauen, der mich sein Kind nennt? Aber es gibt keine Maßeinheit dafür. Glaube ist ein Gottesgeschenk, unverfügbar. Glaube geschieht oft unerwartet, unvermutet. Glaube kann groß werden. Glaube kann tragen durch Höhen und Tiefen. Und doch bin ich immer ein Teil dieser Welt, solange ich lebe.

Ich darf meinen Glauben hinterfragen, weil er oft genug auf den Prüfstand gestellt ist. Ich darf mit Gott hadern; ich darf wütend sein auf den Gott, der mir mein Schicksal in so vielen schlimmen Stunden zumutet. Ich darf es für unmöglich halten, dass ich wieder glauben kann. In einem Menschen wohnen Glauben und Unglauben oft eng beieinander.

Aber im Dunkel meines Daseins möchte mir der begegnen, er zu mir sagt:

Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist möglich bei Gott. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du gehörst zu mir. Ich kenne dich und alle deine Wege. Ich habe Pläne für dich schön und voller Hoffnung. Du musst dich nicht fürchten, weil ich dich liebe. Und eines Tages werde ich alle deine Tränen abwischen und alle Schmerzen deines irdischen Lebens werden Vergangenheit sein. Und meine unendliche Liebe wird dir gehören.

Bleiben Sie behütet in dem, der da war und ist und bleibt in Ewigkeit.

 

Ihre Uta Baumfelder

Einführung der Gemeindekirchenräte und konstituierende Sitzung

Nach der Wahl der Gemeindekirchenräte in Spechtsbrunn und Haselbach am 20. Oktober diesen Jahres wurden die Frauen und Männer nun am 19. Dezember  in ihr Amt eingeführt. Herr  Superintendent Thomas Rau übernahm diese Aufgabe.

„Ihr übernehmt eine verantwortungsvolle Aufgabe. Ihr leitet eure Kirchgemeinde, ihr bestimmt, was in euren Orten geschieht. Ihr seid die, denen das  Evangelium Christi in besonderer Weise anvertraut ist. Aber ihr braucht keine Angst zu haben. Auch dann nicht, wenn alles scheinbar aus dem Ruder gerät. Gott hat Pläne mit euch, die euch manchmal ganz andere Wege gehen lassen, als ihr das gedacht habt. Habt Vertrauen in dem, der euch trägt in eurer Arbeit.“ So ermutigt wurden die fünf Kirchenräte von Spechtsbrunn/Hasenthal und die sechs Kirchenräte von Haselbach per Handschlag verpflichtet.

Für die nächsten sechs Jahre stehen umfangreiche Projekte für beide Kirchgemeinden an. Ziel unserer Arbeit wird es sein, ein passendes Spektrum kirchlicher Tätigkeit zu finden, das sich sowohl dem Bisherigen widmet, das aber ganz besonders auf neue Zielgruppen zugeht. Kirche muss sich den Menschen und ihren Bedürfnissen heute öffnen. Sorgen und Ängste brauchen Menschen, die bereit sind zum Zuhören. Kinder und Jugendliche brauchen eine sinnvolle Bereicherung ihrer Freizeit. Das Gemeinschaftsgefühl in den Orten, die Freude am Leben benötigt Möglichkeiten zum Erleben. Menschen, die zu uns als Pilgerer oder Wanderer kommen, sollen herzlich willkommen sein und sich geborgen fühlen.

In der anschließenden konstituierenden Sitzung wurden Chris Schönefeld als Vorsitzender und Günter Schmidt als Stellvertreter der Kirchgemeinde Spechtsbrunn/Hasenthal und Uta Baumfelder als Vorsitzende der Kirchgemeinde Haselbach und Birgitt Eschrich als Stellvertreter gewählt.

In die Synode des Kirchenkreises Sonneberg wurden Manuela Schmidt und Anne Leipold als Stellvertreter delegiert.

Allen Gewählten Gottes Segen für ihre Arbeit.

Uta Baumfelder

Von links nach rechts:

Helga Zwilling, Birgitt Eschrich, Dorit Roß, Chris Schönefeld, Uta Baumfelder, Anne Leipold, Simone Weschenfelder, Dolores Dirschauer, Günter Schmidt, Manuela Schmidt (es fehlt Egon Eschrich)

Konzert zur Dorfweihnacht in Spechtsbrunn

Alle Jahre wieder am 2. Adventssonntag lädt die Kirchgemeinde Spechtsbrunn/Hasenthal anlässlich der Spechtsbrunner Dorfweihnacht zu einem Konzert in die Matthäuskirche ein. Das gehört dazu. Nachdem der Magen mit allerlei Köstlichkeiten vom Backhaus und den umliegenden Verkaufsständen gesättigt war, konnte man in der Kirche sich so richtig auf die Adventszeit besinnen und auf die Weihnachtstage einstimmen. Jeder, der kam, saß richtig warm. Gegen kalte Füße half das Wippen im Takt und das kräftige Mitsingen. Das hatten Walter Baumgart und seine Frau Susann aus Unterwellenborn reichlich in ihrem Repertoire. Immer wieder sangen die Konzertbesucher Lieder wie „Macht hoch die Tür“, „Süßer die Glocken“, den Refrain von Haleluja und das Finale mit „Oh du fröhliche“ und „Stille Nacht“ mit.

Gänsehautgefühle kamen auf, als das Lied vom Kleinen Trommler erklang, oder als Susann das Ave Maria von Schubert wunderschön intonierte. Beim  Lied der Zillertaler Schürzenjäger „ A Weihnacht wies früher war“ kamen wohl bei jedem eigene Erinnerungen und Gedanken auf.

Trotz der Kälte in der Kirche wagte Walter  Baumgart den Versuch, sein Alphorn zum Klingen zu bringen und besonders bei „Sierra Madre“ gelang ihm ein besonderes Glanzstück.

Die Petersburger Schlittenfahrt, gespielt von Walter auf der Posaune, brachte richtigen Schwung in die Darbietungen.

Ein wunderschönes Konzert und so mancher Besucher hat die 90 Minuten aus vollem Herzen genossen.

Ein Dankeschön an dieser Stelle noch einmal an die Stadtverwaltung Sonneberg, die das Konzert mit Walter und Susann und die Bochbicher Gaudimusi aus Tettau, die am Nachmittag trotz Regenwetter  die Besucher der Dorfweihnacht erfreuten, mit einer beträchtlichen Summe sponserten.

Uta Baumfelder

Gedanken zum Monatsspruch Dezember 2019

Wer im Dunkel lebt und wem kein Licht leuchtet, der vertraue auf den Namen des
Herrn und verlasse sich auf seinen Gott.
Jesaja 50,10

Liebe Gemeinde,

sicher kennt ihr das Gefühl, dass die Dunkelheit im Winter ganz schön belastend sein und einen ziemlich herunterziehen kann. Läuft dann auch noch das eine oder andere im Alltag schief, macht das fehlende Sonnenlicht einem noch mehr zu schaffen. Dunkel kann es auch in uns werden, wenn wir in schwierige Lebenssituationen geraten, z.B. arbeitslos oder krank werden, eine Beziehungskrise erleben oder einen geliebten Menschen verlieren. Solche Krisen empfinden wir gerade in der Vorweihnachtszeit und an Weihnachten als besonders schlimm. Alles soll friedlich sein und doch ist es das oft nicht. Mich hat ein wenig die Nachricht heruntergezogen, dass der Oberlandkurier eingestellt wird. Ich kann die Entscheidung der Herausgeber teilweise nachvollziehen. Bei so viel Kritik und Anfeindungen verliert man schnell die Lust an der gemeinnützigen Arbeit. Und doch finde ich es sehr schade, weil wieder etwas verloren geht, etwas, was allen Vereinen ein gutes Medium war, andere Dorfbewohner über das doch in Teilen noch aktive Dorfleben zu informieren. Schade, dass dieses wichtige Medium durch Bedenken weniger und durch unbarmherzigen Streit nun enden muss.

An trüben, dunklen Tagen und auch bei Trauer hilft man sich oft, in dem man eine Kerze anzündet, einen Hoffnungsschimmer in dunkler Nacht, entzündet. Für mich war der Monatsspruch ein solcher Lichtanker. „Wer im Finstern wandelt und wem kein Licht scheint, der hoffe auf den Namen des HERRN und verlasse sich auf seinen Gott!“

Was für eine tolle Zusage! Wenn ich „im Dunkel lebe“ und mir „kein Licht leuchtet“, dann kann ich mich trotzdem auf den „Namen des Herrn“, also auf Gott, verlassen. Dabei bin ich auch nicht zum Abwarten verdammt – nach dem Motto: Die Tage werden ab Weihnachten wieder länger und vielleicht wird alles im Frühling wieder erträglicher. Nein, ich muss das Schwere nicht passiv durchleiden, weil es zum Leben gehört und niemand mir helfen kann. Der Monatsspruch zeigt mir eine Alternative auf. Es geht darum, dass ich etwas tue und dass ich aktiv werde, dass ich auf Gottes Hilfe vertrauen und mich auf ihn verlassen kann. Auch wenn ich gerade das Gefühl habe, in Angst und Pein zu ertrinken. Das drückt der Monatsspruch sehr schön aus. In der Aufforderung, mich aktiv auf Gott zu verlassen, steckt nämlich zugleich die Zusage, dass Gott da ist. Das kann ein Trost sein. Selbst wenn ich gar nichts spüre von Gottes Verlässlichkeit, gibt es sie dennoch. Gott ist anwesend und auf ihn ist Verlass. Dann kann ich es auch wagen, mich ihm anzuvertrauen und zu ihm zu kommen, z. B. im Gebet.

Wenn mir dafür die Worte fehlen, kann ich Worte anderer nutzen, z.B. aus den biblischen Psalmen oder Gesangbuchliedern. Ein typisches Adventslied ist „Die Nacht ist vorgedrungen, der Tag ist nicht mehr fern“. Es wurde 1938 von Jochen Klepper gedichtet. Er schrieb es in einem Jahr, als er seine jüdische Ehefrau kirchlich heiratete. Angesichts der beginnenden Judenverfolgung lebte er mit seiner Familie in ständiger Gefahr. Als Theologe kannte Klepper unseren Monatsspruch aus Jesaja 50 vermutlich auch und sicher rechnete er damit, dass Gott mit seiner Weihnachtsbotschaft vor allem zu denen kommt, die im Dunkel leben. „Noch manche Nacht wird fallen auf Menschenleid und -schuld. Doch wandert nun mit allen der Stern der Gotteshuld. Beglänzt von seinem Lichte, hält Euch kein Dunkel mehr, von Gottes Angesichte kam euch die Rettung her.“

In diesem Sinne geben wir nicht auf und bleiben fair zueinander! Lassen wir uns nicht durch Bedenkenträger in Angst und Schrecken versetzen, sondern gehen wir es an, gemeinsam – denn anders wird es bei immer weniger Menschen in unserer Region nicht gehen. Gott hat diese Welt auch nicht aufgegeben, sondern uns seinen Sohn geschenkt – als Hoffnungszeichen, als Retter, als Friedensstifter für unsere Welt – für uns alle.

Ich wünsche Euch im Namen des Lektorenteams und des Gemeindekirchenrates eine trotz so mancher Sorge besinnliche Adventszeit, ein gesegnete Weihnachtszeit und einen guten Start ins neue Jahr!

Chris Schönefeld

Gedanken zum Monatsspruch November 2019

Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt.
Hiob 19,25

Wann bitten Menschen um Erlösung?

Die Antwort auf diese Frage ist gar nicht mal so leicht. Denn da gibt es verschiedene Gründe: Sicher kennen Sie diese Momente, wo man voller Ungeduld und gleichzeitig mit großer innerer Anspannung auf etwas wartet. Ob nun auf ein Prüfungsergebnis, auf einen Befund. Da ist man dann froh, wenn man endlich von der Ungewissheit erlöst ist. Es gibt dann aber eben auch die Dinge im Leben, wo Erlösung vom Betroffenen manchmal ganz sehr herbeigesehnt wird. Auch da gibt es verschiedene Gründe: Die einen bitten um Erlösung von ihren manchmal wochen-, monate – oder sogar jahrelang andauernden Schmerzen. Andere bitten darum, das sie endlich von einer Krankheit erlöst werden. Und dann gibt es wohl noch eine Gruppe von Menschen, die wir in unserem Alltag nur selten im Blick haben. Die Menschen in den Kriegsgebieten. In welcher ständigen Angst müssen diese Menschen leben? Sie bitten wohl um eines ganz sehnlichst: Das endlich es Frieden wird in ihrem Land.

Ihr merkt, ganz unterschiedliche Gründe. Aber sie eint eben dieses Eine: Sie wollen, das ihr Leid endlich vorbei ist. Endlich Gewissheit haben, keine Schmerzen mehr, nicht mehr alle paar Wochen zu einem Arzt fahren müssen. Oder eben endlich keine Angst mehr haben, das wieder eine Bombe in der Nähe niedergeht.

Nun gibt es Menschen, die ertragen ihr Schicksal, ohne Murren. Dann gibt es wohl auch die, die keine Hoffnung mehr haben. Und die, die nach dem „Warum“ fragen.

So ging es lange auch dem Hiob. Viel musste er durchleiden. Und immer war da dieses „Warum?“ Er könnte ja nun aufgeben. Nein. Irgendwann merkt er, das er mit all seinem Leid nicht allein ist. Das es noch vielen Menschen so geht. Und dann kommt die Wende in seinem Denken. Und genau da sagt er: „Aber ich weis, das mein Erlöser lebt“.

Und das soll auch uns Hoffnung geben. Wir sind nicht allein.

Ihre Manuela Schmidt

Gemeindekirchenratswahl in Haselbach

Alle sechs Jahre wird in der evangelischen Kirche Mitteldeutschlands zur Wahl der Gemeindekirchenältesten aufgerufen. Der Gemeindekirchenrat beschäftigt sich mit allen Belangen, die in einer Kirchengemeinde anfallen. Mit einem jährlichen straff geregelten Haushaltsplan können Aufwendungen zum Beispiel für externe Organisten, für Konzerte, für Jubilare, für Spenden, für Küsterdienste geregelt werden. Die Kirchenältesten bestimmen das geistliche Leben in der Gemeinde mit. Sind unsere Gottesdienste noch zeitgemäß? Finden wir in unserem Umfeld Gehör bei kirchenfernen Menschen? Bleibt die Botschaft Christi in unseren Kreisen verborgen, oder können wir das Evangelium, die frohe Botschaft, nach außen sichtbar leben? Können wir Gottes Liebe uneingeschränkt direkt weiter geben? Ein Gemeindekirchenrat muss sich solchen Fragen stellen!

Im Vorfeld wurde mit jedem einzelnen Kandidaten gesprochen. Es ist nicht mehr selbstverständlich, dass  sich Menschen heute dazu bereit erklären. Umso erfreulicher war die Tatsache, dass sich fünf Leute, die schon Erfahrungen in der Arbeit des GKR haben und eine junge Frau zur Kandidatur stellten.

Am Sonntag, dem 20. 10.2019 fand nach einem wunderschönen Gottesdienst mit dem Posaunenchor Bayreuth unter Leitung von Michael Dorn und der Organistin Ruth Scholl, die extra aus dem Landkreis Kronach gekommen war, die öffentliche Stimmenauszählung bei Kaffee und Kuchen statt. Im Vorfeld wurden an jedes Gemeindeglied die Wahlunterlagen geschickt.

Von den 171 stimmberechtigten Gemeindegliedern haben 61 gewählt. Bei drei Briefen fehlte der Wahlschein, so dass diese vom Wahlvorstand nicht zur Wahl zugelassen wurden. Ein Stimmzettel wurde für ungültig erklärt. Die Wahlbeteiligung betrug 35,7 %.

In der Reihenfolge nach der Anzahl der erhaltenen Stimmen wurden in den Gemeindekirchenrat Haselbach gewählt: Simone Weschenfelder, Dorit Roß,  Uta Baumfelder, Anne Leipold, Birgitt Eschrich, Helga Zwilling.

In einer konstituierenden Sitzung wird in den nächsten Wochen über den Vorsitzenden und den Stellvertreter entschieden.

Uta Baumfelder im Namen des neuen Gemeindekirchenrates

Gedanken zum Monatsspruch Oktober 2019

Wie es dir möglich ist: Aus dem Vollen schöpfend – gib davon Almosen! Wenn dir wenig möglich ist, fürchte dich nicht, aus dem Wenigen Almosen zu geben!
Tobias 4,8

Es ist schon ein paar Wochen her. Gerade als die erste Hitzewelle so ankam bei uns. Jedenfalls kam meine Tochter aufgeregt mit dem Telefonhörer in der Hand angelaufen: „Da will dich eine unbekannte Frau sprechen.“

Naja gleich abwimmeln war mein erster Gedanke. „Sie haben da kürzlich gespendet, damit Kindern das Augenlicht wieder gegeben werden kann.“

Ja da war ein Brief gekommen und irgendwie war mir das geschilderte Schicksal des Kindes in der „dritten Welt“ nahe gegangen. So jung noch und schon fast blind. Das bedeutet auf lebenslange Hilfe angewiesen sein in einer Welt, die so  schrecklich arm und bedürftig ist. Wo nichts im Überfluss vorhanden ist. Eigentlich mag ich diese Bettelbriefe nicht. Oft landen die ungeöffnet in der blauen Tonne, weil ich mir sehr unsicher bin, ob meine Spende auch wirklich den Bedürftigsten unter uns Menschen zu Gute kommt.

Diesmal war es anders. Ich hatte mich gefangen nehmen lassen. Das habe ich der Frau auch durch den Telefonhörer so gesagt. Na, ob ich denn nicht regelmäßig einen Betrag geben könnte. Da horchte ich erst einmal auf, denn das war eigentlich die Stelle, an der ich sonst immer ganz unhöflich auf den kleinen roten Hörer drücke….

Das habe ich nicht und stattdessen entspann sich ein Gespräch. Zuerst über das Wetter in Köln und Haselbach. Das wurde schließlich so intensiv, dass wir uns beide ein Stück unserer Biografie erzählt haben. In einer halben Stunde erzählte mir die Frau, die bei der Christoffel Blindenmission arbeitet von ihren Einsätzen. Von den Menschen und besonders den Kindern, denen geholfen werden konnte, die ihr Augenlicht durch Spenden und engagierte Ärzte wieder erlangen konnten. Das war echt, das hat man gespürt.

Ich hatte anschließend irgendwie ein gutes Gefühl. Ich denke, dass die CBM durch ihr professionelles Engagement viel erreicht. Dass Menschen, die sich eine ärztliche Behandlung nicht leisten können geholfen wird, damit sie wieder am Leben teilhaben können.

Unser Monatsspruch redet vom Almosengeben. Das Buch, aus dem dieser Vers stammt, ist ein sehr  altes. Es ist eine alttestamentliche Überlieferung, die auch nur in Bibeln mit den sogenannten Apokryphen zu finden ist. Luther hat es nicht übersetzt, weil es ihm nur in griechischer Sprache, also nicht im Original, zu Verfügung stand.

Der junge Tobias, ein Mann aus einem Hause, das Gott diente, soll auf eine größere Reise gehen und so bekommt er von seinem Vater wichtige Regeln für ein gutes, gottgewolltes Leben mit auf den Weg.

Tobias soll immer etwas abgeben von seinem Hab und Gut. Wenn er viel besitzt, soll er viel geben, wenn er wenig hat, ist das Wenige, das er gibt, auch in Ordnung. Entscheidend ist die Gabe, entscheidend ist, dass den Bedürftigen geholfen wird. Und dieses Geben geschieht nicht einfach aus Wohlwollen des Gebers heraus. Es war unter den Israelitern ein Gesetz und eine Pflicht. Dieser Gemeinschaft war es auch geboten, sich der Witwen und Waisen anzunehmen, Fremden zu helfen und sie zu unterstützen.

Das Gebot der Bibel, Arme zu unterstützen ist keine Pflicht, die nur die Reichen betrifft. Jeder soll sich einbringen nach seinen Möglichkeiten.

Wir pflegen heute in unseren Gottesdiensten diesen guten Brauch. Denn wir erbitten immer für einen bestimmten Zweck eine Kollekte am Ausgang. Gewiss auch für die Arbeit der eigenen Gemeinde. Aber wichtig ist, dass die Solidargemeinschaft immer das Ganze im Blick behält. Spenden für die Organisation Brot für die Welt, für die Arbeit des Gustav- Adolf-Werkes, für die Frauenarbeit in den Ländern der dritten Welt, für die Katastrophenhilfe der Diakonie und die Flüchtlingshilfe und viele Projekte mehr, helfen Menschen aus großer Not.

Gott sieht den Menschen an und wenn wir gemeinsam an unserer Zukunft bauen wollen, dann ist seine Gerechtigkeit, die er uns zukommen lässt, Maßstab für unser Handeln.

Herzlichst grüßt Sie

Uta Baumfelder

 

Gedanken zum Monatsspruch für September 2019

Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele?
Mt 16,26

Liebe Schwestern, liebe Brüder,

nun ist sie fast wieder vorbei, die schöne Sommer- und Urlaubszeit. Die Schule begann und das Hamsterrad läuft von vorne. Hoffentlich fanden die meisten Ruhe und Erholung in den warmen Sommermonaten. Hoffentlich, weil es vielen schwer fällt, abzuschalten. Im Alltag jagt ein Termin den nächsten – beruflich wie privat. Vor allem Berufstätige, Selbstständige und Eltern wissen sicher ein Lied davon zu singen. 8 bis 12 Stunden Arbeit voller Verantwortung und dann noch die Kinder zu diesem oder jenen Termin fahren oder selbst noch den Hobbies nachgehen, sich in Vereinen engagieren, den Haushalt bewältigen oder Freunde besuchen. Meist steht immer viel an. Selbst bei den meisten Ruheständlern herrscht oft rege Betriebsamkeit. Viel will noch organisiert und erlebt sein. Selbst die Tage des Urlaubs sind meist geprägt von Tatendrang, man will die kostbare freie Zeit schließlich gut nutzen. Immer schneller scheint das Leben an uns vorbei zu ziehen. Langeweile – schwer auszuhalten. Pausen – selten. Anhalten – unmöglich. Wir wollen was erreichen im Leben, anerkannt werden von den anderen, geschätzt und respektiert. Einfach ein gutes Leben leben. Gut heißt dabei ereignisreich, fit und fidel. Dafür pflegen wir Körper und Geist. Wir treiben Sport oder ernähren uns gesund. Wir lernen und bilden uns fort, versuchen, mitzuhalten.

Eine ganze Weile geht das auch gut. Bis uns etwas aus der Bahn wirft. Etwas Unvorhergesehenes. Eine Krankheit, ein Streit, Arbeitslosigkeit oder ein Trauerfall. Auch eine Schwangerschaft kann vieles, was wir uns vornehmen, durcheinander bringen. Aber nicht nur spezielle Ereignisse lassen uns spüren, dass alles seine Zeit hat und es manchmal nicht ausreicht, Körper und Geist in Schuss zu halten. Manchmal fühlt man sich, als könne man die ganze Welt verändern, Bäume ausreißen, einfach nur glücklich sein und manchmal wirkt alles so schwer, so bedrückend, so übermächtig. So geht es zum Beispiel vielen, die sich engagieren. Gestartet mit großen Ideen, liegen manchmal recht schnell große Steine im Weg, treten Neider auf oder werden Probleme unüberwindbar. Oder die erhoffte Anerkennung bleibt aus.

Die Bibel sagt dazu: „Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele?“ Viel können wir erreichen, die ganze Welt könnte man gewinnen – doch zu welchem Preis? Psychische Erkrankungen wie Burnout haben scheinbar stark zugenommen. Die Seele leidet unter der Rastlosigkeit.

Aber was ist eigentlich die Seele? Körper – klar. Geist – auch verständlich. Aber Seele? Wir kennen das Wort nur noch von Redewendungen wie „Essen hält Leib und Seele zusammen“, „ein Herz und eine Seele“ oder „eine gute Seele“. Die Seele merken wir nur, wenn es ihr offenbar schlecht geht, wir uns seelisch krank fühlen. Gern benutzen wir heute wissenschaftliche Ausdrücke für das, was wir nur schwer fassen können. Seele setzen wir oft mit Psyche gleich. Dabei ist die Seele etwas, was uns wie Körper und Geist ausmacht, beides vielleicht sogar zusammen hält und etwas, was wie Körper und Geist auch gepflegt werden will. Als Christen glauben wir, dass unsere Seele unsterblich ist, dass sie uns von Gott geschenkt wird, dass sie etwas Heiliges ist. Sie macht uns aus. Der Körper ist unser äußeres Abbild, das was andere sehen, aber er verändert sich ständig und stirbt schließlich. Der Geist umfasst unser Wissen, unser Können, unsere Gedanken. Man kann ihn trainieren und fördern. Aber auch er ist endlich. Das erleben viele, die älter werden. Das Gedächtnis lässt nach, der Geist wird immer schwieriger zu trainieren. Die Seele aber ist das, was uns bleibt und das, was uns ausmacht. Die Seele ist etwas Einzigartiges und sie will gepflegt sein, wie Körper und Geist. Wie geht das? Durch Ruhe und gute Gedanken, durch Freundlichkeit und einer Kraft, die ihr von Gott zuwächst, durch ein Gebet zu dem, von dem sie kommt und zu dem sie geht. Mögen wir in aller Unruhe unserer Zeit, nicht nur die Welt gewinnen wollen, sondern auch Schaden von unserer Seele abwenden. Möge uns Gott dabei helfen!

Chris Schönefeld

Gedanken zum Monatsspruch August 2019

Geht und verkündet: Das Himmelreich ist nahe.
Matthäus 10,7

Wie ist das heutzutage eigentlich mit den Nachrichten? Hören oder lesen wir da auch mal positive Nachrichten? Leider sind Diese doch eher selten. Es überwiegen doch meist die negativen Schlagzeilen: Krieg in….., Firma … meldet Insolvenz an, Tornado fegt über ….. oder: Massaker in……

Wir werden geradezu überschüttet von Meldungen über ganz schlimme Dinge. Klar, solche Nachrichten, die treffen in unserer recht schnelllebigen Zeit irgendwie unser Innerstes. Etwas Positives, das dringt, so hat man manchmal das Gefühl, gar nicht mehr an uns heran. Oder würden Sie darauf reagieren wenn es heißt: der Krieg in …. ist nach soundsoviel Jahren endlich vorbei?

Man hat oft das Gefühl, das wir gar nicht mehr offen sind für die guten Nachrichten. Und das Schlimme um uns herum immer mehr wird. Hoffnung keimt da eher selten auf.

Und dann lesen wir im Spruch für den Monat August: Geht und verkündet: Das Himmelreich ist nahe. Eine doch scheinbar unlösbare Aufgabe. Wie sollen wir denn den Menschen, die ja nur noch negative Dinge hören, erklären, das so etwas Wundervolles nahe ist?

Okay, die Jünger damals, die haben diesen Satz von ihrem Meister, von Jesus Christus gehört. Und er gab ihnen nicht nur die reinen Worte mit, sondern im weiteren Text erfahren wir, das er ihnen auch die Fähigkeit mitgibt, Kranke zu heilen, Tote aufzuerwecken und Aussätzige rein zu machen. Aber auch diese Fähigkeiten haben wir heute ja nicht.

Braucht es denn aber solche Fähigkeiten? Oder ist es nicht manchmal viel wichtiger, jemandem einfach zuzuhören? Sich Zeit zu nehmen, wenn jemand krank ist oder trauert? Einfach da zu sein. Damit derjenige die Last, die ihn bedrückt, teilen kann.

Und irgendwie ist da ja noch etwas in uns, wenn wir all die schlimmen Nachrichten hören: Die Sehnsucht, das irgendwann Frieden ist auf dieser Welt herrscht, und das auch wir eines Tages friedlich leben können. Also ohne Angst vor Krieg, ohne Angst vor der Zukunft.

Und auch das will uns Jesus mitgeben: Es ist nahe, das Himmelreich. Es ist noch nicht da, aber ihr dürft darauf hoffen.

Irgendwie ist das doch ziemlich weit weg von unserem Alltag. Aber es gibt einen Tag im Jahr, da sind wir plötzlich offen für diese Botschaft: An Heiligabend. Zu Tausenden strömen die Menschen da in die Kirchen. Und sie nehmen etwas mit von dem, was Himmelreich bedeuten kann.

Weihnachten ist nicht jeden Tag. Ich weiß. Aber wir haben jeden Tag die Möglichkeit, etwas vom Himmelreich zu sagen: zu unserer Familie, zu unseren Nachbarn, zu den Menschen, die sich so sehr nach einem lieben Wort sehnen. Nutzen wir diese Möglichkeit, und reden von dem, was uns tief im Herzen trägt.

Eure Manuela Schmidt

Monatsspruch Juli 2019

Ein jeder Mensch sei schnell zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn.

Jakobus 1,19

Es war kürzlich im Altersheim. Die Ursache meines Besuches war der Jubilar. Aber irgendwie ist das mit dem ganz Persönlichen und dem ganz privat sein so nicht möglich. Jedenfalls war das Geburtstagskind keine Minute allein und es entspann sich in der Runde so manches Gespräch. Aber was sagt man selbst zu den Leuten, die sichtlich körperlich gebrechlich sind und die mit ihren Gedanken oft abschweifen. Soll man trösten, soll man eine traurige Mimik aufsetzen, soll man falsche Hoffnungen wecken? Gut, wenn die Menschen von sich aus anfangen zu reden. Es werden Geschichten aus längst vergangenen Tagen erzählt.

Und plötzlich schälen sich aus den wirren Gedanken ganz brillante Erinnerungen. Ja, es war genauso.  Das war völlig aus meinem eigenen Bewusstsein entschwunden! Und wie wertvoll sind solche Erinnerungen! Darin spiegelt sich gelebtes, erinnertes Leben! Was da nicht alles darin steckt: Freude du Leid; Krieg und Wiederaufbau; persönliches Engagement und Enttäuschungen, Aufbegehren gegen Ungerechtigkeit und Willkür, Verleumdung und Verhaftung. Ist es nicht wert, dass da zugehört wird?

Zuhören ist uns fremd geworden. Und für 10 Minuten selbst ganz still dazusitzen auch. Aber wieviel versäumen wir, wenn die alten Geschichten in Vergessenheit geraten?

Und hinter all den Geschichten steht ja auch ein Mensch, der in vielen Lebensjahrzehnten viel ertragen, viel aushalten musste. Wenn die Alten erzählen und wir einmal genauer hinhören, dann lässt sich die Kraft erspüren, die sie getragen hat. Sie sagen das nicht, aber es steckt ein tiefer, innerer Frieden und eine große Freude in ihnen und das steckt irgendwie an. Das macht Mut für das eigene Leben. Das zeigt auf, dass Angst und Kleinmut, Unzufriedenheit und Streit überwindbar sind.

Zuhören den Alten und eigentlich auch jedem Menschen und zwischen den Worten die Lebenserfahrungen erspüren, das ist heilsam für jeden von uns. Deshalb sind wir gut beraten, vor der eigenen Rede, das Zuhören zu üben.

Womöglich haben unsere Vorfahren gewusst, dass Reden nicht immer gut ist. „Reden ist Silber und Schweigen ist Gold“, so sagt ein altes Sprichwort. Und es meint, dass es manchmal klüger ist, die Zunge im Zaum zu haben.

„Vor dem Reden, Gehirn einschalten“, so sagen wir es in unserem Sprachgebrauch. Und es meint dasselbe, denn viele unbedachte Worte sprudeln so gern aus unserem Mund und ein einmal ausgesprochenes Wort lässt sich nicht zurücknehmen, sondern es existiert fort. Und wie oft haben wir unsere Mitmenschen schon mit unseren Worten verletzt.  Und wie oft kamen dann Reaktionen zurück, die uns in Aggression und Zorn versetzt haben. Zorn ist ein starkes Gefühl. Es ist wie ein Rausch, dem wir uns allzu gern hingeben. Aber im Zorn gesprochene Worte und Handlungen lassen uns später schämen und klein aussehen. Zorn zerstört, was wir uns zuvor mühevoll aufgebaut haben. Im Zorn tun wir niemals, was Gott gefällt.

So wünsche ich Ihnen und euch eine gute Zeit. Bleibt, bleiben Sie behütet in dem was wir tun, zu sagen und zu verantworten haben.

Ihre Uta Baumfelder