Gedanken zum Monatsspruch Mai 2021

 
Öffne deinen Mund für den Stummen, für das Recht aller Schwachen!
Sprüche 31,8
 
Liebe Schwestern und Brüder,
 
„Öffne deinen Mund für die Stummen, für das Recht aller Schwachen!“ – so lesen wir es, schwarz auf weiß, wenn wir uns den Monatsspruch für Mai 2021 anschauen.
 
Das ist kein „Ach, wenn du mal Lust und Muse hast, könntest du ja mal …“ Nein, diese Worte klingen wie ein Befehl. Wir sollen aktiv werden. Für all die, die keine „Lobby“ haben, wie es neudeutsch so schön heißt.
 
Und diese Lebewesen – ich schreibe es bewusst so, da es nicht nur um uns Menschen geht – die keine Lobby haben, die gibt es nicht erst seit heute.
 
Schauen wir uns erst einmal an, wo wir die Worte in der Bibel finden. Der Monatsspruch steht im letzten Kapitel des Buchs der Sprüche, ein Nachtrag mit Worten des arabischen Königs Lemuel an seinen Sohn. Lemuel ermahnt den künftigen Herrscher, nicht den Verlockungen der oberen Gesellschaftsschichten zu erliegen, nicht den Playboy zu spielen, sondern seine Verantwortung wahrzunehmen. „Öffne deinen Mund für den Stummen, für das Recht aller Schwachen!“ Als König war er zugleich oberster Richter. Die sozial Schwachen, die nichts zu sagen hatten, werden kaum vor Gericht gegangen sein, um ihre Rechte durchzusetzen. Da mussten die Verantwortlichen und besonders die Propheten die Augen aufhalten und melden, wenn den kleinen Leuten Unrecht getan wurde. Lemuels Sohn sollte als oberster Richter die Rechte der Schwachen schützen.
 
Seien wir ehrlich, auch bei uns, im Jahr 2021, gibt es ganz viele, die nicht gehört werden und deren Sorgen und Ängste nicht wahrgenommen werden.
 
Was uns da wohl als erstes einfällt, sind die vielen Menschen ohne Obdach hier in Deutschland, die man vielleicht schon mal in größeren Städten gesehen hat. Oder die hungernden, mangelernährten Kinder aus der Werbung, die in Afrika leben.
 
Dann die Christinnen und Christen in einigen Ländern dieser Welt, die aufgrund ihres Glaubens verfolgt werden und niemanden haben, der sie schützt.
 
Aber es gibt noch so viele andere, die eben auch keine Stimme haben. Ob nun der Embryo, bei dem Ärzte schon lange vor der Geburt bestimmen, ob er ein Recht auf Leben hat oder ob die Frau das Ungeborene lieber abtreiben soll. Oder die Heimbewohner, die seit mehr als einem Jahr isoliert sind.
 
Oder, denn auch sie sind Geschöpfe Gottes, die vielen Nutztiere wie Rinder und Schweine, die quer durch Europa oder sogar die ganze Welt transportiert werden, nur um woanders möglichst kostengünstig geschlachtet zu werden.
 
Jedem von uns fällt sicher noch viel mehr ein.
 
Monatssprüche, die sollen uns nicht nur an das schöne erinnern, was uns Gott geschenkt hat. Nein, sie sollen uns manchmal eben auch wachrütteln, dass auch wir aktiv werden können und sollen.
 
Es muss nicht gleich der große und oft beschworene Weltfrieden sein. Wir alle können dazu beitragen, dass auch die gehört werden, die sonst schwach und stumm sind.
 
Bleiben Sie behütet!
 
Ihre Manuela Schmidt

Gedanken zur Monatslosung

„Christus ist Bild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene der ganzen Schöpfung.“
Kol 115

Liebe Schwestern und Brüder

möchten Sie auch manchmal so sein wie ein Kind? So unbefangen und ohne Vorurteile? So neugierig und wissensdurstig?

Fragen Sie doch einmal ein Kind, wie es sich Gott vorstellt! Mit einem Erwachsenen wird das viel schwieriger gehen. Aber die kindliche Phantasie kann wunderbbare Bilder malen. Bilder, die von einem hohen Schutzbedürfnis reden, von einer großen Liebe und einer innigen Geborgenheit. Und egal in welche vertrauten Personen oder Dinge die Kinder ihr Bild von Gott verpacken, die Aussagen werden sich ähneln.

Und ich denke an meine Kindheit zurück, als Gott noch der liebe Gott war und alles war gut. Längst  sind die Kinderschuhe abgestreift und das Leben hat tiefe Spuren in uns gegraben. Kummer und Leid waren uns Wegbegleiter und das Bild von Gott aus der Kinderzeit ist verschwunden. Das Bild ist ein anderes geworden. Und wenn ich es spüren will, dann muss ich ganz stille tief in mich hineinhorchen.

Unser Monatsspruch ist uns auf der Suche nach Gott behilflich. Im Brief an die Kollossäer schreiben die Freunde von Paulus ein Weisheitslied und das beginnt mit den Worten: „ Christus ist das Bild des unsichtbaren Gottes.“

Wer Christus sieht, sieht Gott. Durch Jesus erfahren wir, wie Gott sich den Mensch vorgestellt hat und was Gott für uns möchte.

Jesus hat den Menschen immer wieder von Gott, dem Vater, erzählt. In Gleichnissen und Bildern redet Jesus. Er redet nicht nur, er handelt auch. Er heilt Kranke, er macht Blinde sehend. Er öffnet Taubstummen die Ohren und löst ihre Zunge. Lahme können wieder ihre eigenen Beine benutzen. Jesus kümmert sich um die Kinder, die damals in der Gesellschaft keinen Wert hatten. Keiner sonst hätte das getan.

Er vergibt Menschen ihre Schuld und schenkt ihnen eine neue Chance. Jesus stellt Menschen plötzlich in seinen Dienst, die das Wort Gottes vor den Menschen ausbreiten. Er erbarmt sich der Schwachen und Ausgegrenzten. Er schenkt in seiner sanftmütigen Art Liebe und Hoffnung.

Jesus geht seinen Weg zu den Menschen konsequent. Seine Gegner können ihn nicht einschüchtern. Er nimmt Folter und Kreuzigung auf sich. Sein Tod ist Ausdruck seiner Liebe zu uns Menschen. Gottes Sohn, den Gott ins Leben gerufen hat, noch ehe er diese Welt und uns geschaffen hat, gibt sein Leben für uns. Er gibt es, damit wir nicht länger von Gott getrennt leben müssen. Er gibt es, damit wir mit allen unseren Belastungen, unseren Ängsten und Problemen, unseren Schmerzen und unserem Leid  und mit unserer Schuld zu ihm kommen können. Er will uns tragen und uns behüten.

Die Nacht auf Golgatha am Karfreitag wandelt sich. Gottes Liebe ist stärker als der Tod und Gott reißt seinen Sohn aus dem Tod ins Leben.

Am Ostersonntag bricht ein  euer Morgen  an!

Lasst uns, wo immer das geht in den Choräle: Christ ist erstanden oder Wir wollen alle fröhlich sein, oder was immer Ihnen gefällt, einstimmen.

Der Tod hat nicht das letzte Wort, Corona hat nicht das letzte Wort!

Gott ist nicht mehr fern!

Das Leben hat gesiegt!

Ein gesegnetes Osterfest!

Ihre Uta Baumfelder

Gedanken zum Monatsspruch März 2021

Jesus antwortete: Ich sage euch: Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.
Lukas 19,40
 
Liebe Schwestern und Brüder,
 
„Reden ist Silber und Schweigen ist Gold“ – so sagt es das Sprichwort. Was oft stimmt und man sich bei manchen öffentlichen Personen gerade in dieser Zeit bisweilen wünschen würde, kann in anderen Situationen auch falsch sein. Zu oft schweigt man, wenn Unrecht geschieht. Zu oft sagt man nichts, sei es um den anderen nicht zu verletzten oder um einem Streit aus dem Weg zu gehen. Manchmal denkt man hinterher, hätte man mal was gesagt. An anderer Stelle wünscht man sich, man hätte lieber geschwiegen. „Sage nicht alles, was du weißt, aber wisse alles, was du sagst – so lautet eine andere Redensart, In beiden Aussagen wird auf die Kunst verwiesen, im richtigen Moment zu schweigen oder eben etwas zu sagen. Es ist wirklich eine Kunst, weil wohl niemanden gelingt, immer angemessen zu reagieren. Wir erleben gerade, dass besonders in Krisenzeiten unzählige Wahrheiten und vermeintliche Wahrheiten kursieren. Alle scheinen irgendwie berechtigt, selbst, wenn es vollkommen gegensätzliche Sichtweisen sind. Da scheint es schwer zu entscheiden, was richtig und was falsch ist. Haben die Wissenschaftler Recht, die angesichts von immer ansteckenderen Virusvarianten zu mehr Vorsicht mahnen und immer strengere Einschränkungen fordern oder doch die, die mehr Freiheiten unter Hygieneauflagen für möglich halten und vor den wirtschaftlichen und anderen gesundheitlichen Folgen warnen? Als Laie mag man das schwer beurteilen können und man ist vermutlich auch froh, solche Entscheidungen nicht treffen zu müssen. So bleibt Verunsicherung.
 
Im Monatsspruch für den Monat März lesen wir davon, dass Steine schreien sollten, wenn bestimmte Menschen schweigen. Die Worte stammen von Jesus, der sie bei seinem feierlichen Einzug in Jerusalem an die Pharisäer, die geistigen Eliten seiner Zeit, richtet. Seine Worte sollen den Schriftgelehrten, die seinen Anhängern und Jüngern gerade verbieten wollten, ihn als den König und Heiland zu feiern, deutlich machen, dass sie seine Botschaft nicht aufhalten können. Zwar kann einzelnen Menschen verboten werden zu sprechen, aber die Wahrheit wird sich durchsetzen – und wenn sie durch scheinbar tote Steine zu Tage tritt.
 
Was ist das für eine Botschaft, die da mit Jesus in Jerusalem einzieht, die die Pharisäer verhindern wollen? Es ist die Botschaft vom Leiden und Sterben Jesus, von seiner Auferstehung, seinem Sieg über den Tod. Mit Jesus wird der lang ersehnte König gefeiert. Auch die Schriftgelehrten mussten aus ihren Studien der heiligen Schriften gewusst haben, dass ein König kommen würde.
Aber er kommt anders, als sie es erwarten. Nicht mit Glanz und Gloria, sondern auf einem Esel kommt er zu ihnen. Warum macht dieser scheinbar einfache Mann ihnen Angst? Weil er Wunder getan hatte? Weil er vom Reich Gottes sprach? Weil er sich den armen zuwandte? Das taten viele andere damals auch. Propheten gab es immer wieder, was soll jetzt anders sein?
 
Mit Jesus wird sich die Welt verändern. Der all- und übermächtige Gott kommt den Menschen in ihm nahe. Geboren als kleines Kind in einem Stall, wendet er sich den ausgestoßenen Mitmenschen zu, den Armen und Schwachen und verkündet allen die Vergebung der Sünde, das Reich Gottes. Er spricht mit Überzeugung, er spricht mit Vollmacht. Woher nimmt er sich das Recht, die alleinige Wahrheit zu sagen? Wir wissen, dass die Pharisäer in ihrem Argwohn und ihrer Sorge vor Aufständen des einfachen Volkes gegen die übermächtigen römischen Besatzer die Menge später anstacheln werden, den Tod von Jesus zu fordern. Jesus wird für seine Wahrheit leiden und sterben. Und doch wird seine Botschaft gewinnen. Er wird auferstehen.
 
Viele Menschen zweifeln heute an der Botschaft Christi. Sie glauben ihr nicht mehr. Absolute Wahrheiten – daran kann und will ein aufgeklärter Mensch nicht mehr glauben. Zu oft wurde dieser Anspruch missbraucht. Manche gehen soweit, dass sie nicht an Gott glauben. Und doch sind Menschen, die Kirchen, Tempel und religiöse Stätten besuchen, oft ergriffen von der Atmosphäre in diesen geweihten Häusern. Es ist, als würden die Steine hier wirklich zu ihnen sprechen und ihnen Ehrfurcht lehren.
 
Wir wissen oft nicht, was wahr ist und was nur dazu dienen soll, unsere Gedanken in bestimmte Richtungen zu lenken. Wir wissen nicht, ob wir unsere Stimmen erheben sollen oder besser schweigen. Aber eine Botschaft haben wir, an die wir Christen von Herzen glauben dürfen und die allen Menschen gilt und die daher allen gesagt werden kann. Der Tod wird besiegt. Jesus hat gelitten, unsere Sünden können uns nicht mehr von Gottes Liebe entfernen. Wir dürfen darauf vertrauen, dass unser Weg wie der Weg Jesu, manchmal glücklich, manchmal von Leiden durchtränkt, aus Gottes Hand kommt und wieder dorthin zurückgeht, wenn wir sterben.
 
Bei allen unterschiedlichen Gedanken zur aktuellen Situation und auch zu anderen Krisenthemen, reden wir miteinander – nicht um unsere Wahrheiten zu verkünden, sondern uns mit Gottes Botschaft Mut zu machen.
 
Eine segensreiche Passionszeit wünscht Euch und Ihnen
Chris Schönefeld

Gedanken zum Monatsspruch für Februar 2021

Freut euch darüber, dass eure Namen im Himmel verzeichnet sind!
Lukas 10,20

Liebe Schwestern und Brüder,

kennen Sie diesen Moment, in dem man sich denkt: Keiner nimmt mich wahr? Man fühlt sich wie unsichtbar für die Menschen um sich herum, z.B. wenn man einen Vorschlag macht und das irgendwie niemanden interessiert. Oder man erzählt eine für sich unheimlich bedeutende Geschichte, doch stößt damit auf keinerlei Reaktion.

Ähnlich ist das, was wir nun schon seit März 2020 mitmachen. Auch da fühlen sich viele Menschen nicht verstanden. Ich denke da an all die Ärzte und Pfleger, die ihren Patienten helfen wollen, sich aber oft von der Politik und dem Gesundheitssystem im Stich gelassen fühlen. Oder die Einzelhändler, Friseure und Gaststättenbesitzer, die von jetzt auf gleich ihre Läden, Geschäfte oder Gaststätten schließen mussten und nun schon seit Monaten um ihre Existenz fürchten mussten und müssen. Die das Gefühl haben: Hat man uns vergessen? Denkt denn keiner an uns?

Oder die Menschen in den Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen, die durch den Lockdown wochen- und monatelang keinen ihrer Lieben persönlich sehen können. Wie muss es jemanden gehen, der auf Grund seiner Krankheit oder seines Alters eh schon kaum Kontakt zur Außenwelt hatte und den nun auch scheinbar die letzten Freunde und Familienangehörigen allein gelassen haben?

Ähnlich, wenn auch aus ganz anderem Grund, fühlt sich der eine oder andere, wenn er oder sie zu Gott betet. Man erhält ja keine direkte Antwort – also nicht so, als würde man sich mit einem anderen Menschen unterhalten. Aber man wartet dann manchmal schon darauf, dass irgendwas passiert und sich die Situation, in der man sich gerade befindet, ändert. „Gott muss das doch hinbekommen“. Und dann auch da wieder der Gedanke: „Er hört mich ja doch nicht. Er hat mich bestimmt vergessen.“

Wie war nun die Situation damals, also in der Zeit, als der Satz entstand, der uns für den Februar als Monatslosung gegeben ist?

Lukas erzählt uns von einer Begebenheit, in der Jesus 72 Jünger je zu zweit ausgeschickt hat. Ohne große Vorbereitung, ohne irgendwelchen Besitz sollen sie Gewaltiges vollbringen: Kranke heilen, den Frieden Gottes zu den Leuten bringen.

Und diese Leute, die in ihrem bisherigen Leben alle etwas anderes getan haben, kommen zurück und haben Gewaltiges bewegt. Sie haben nicht nur Kranke geheilt, sondern auch Geister und Dämonen ausgetrieben. Die Zweiundsiebzig kommen voll Freude zurück. Grund haben sie genug.

Jesus sagt zu den jubelnden, fröhlichen Jüngern: „Darüber freut euch nicht, dass euch die Geister untertan sind. Freut euch aber, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind.“

Der Grund unserer Lebensfreude liegt nicht in dem Großartigen, was wir in der Welt vielleicht zu Stande bringen. Er liegt immer schon verborgen in uns selbst. Ein jeder von uns ist einmalig und unverwechselbar. Es ist Gottes Geschenk an uns, dass er einen jeden von uns mit Namen kennt und genau das will und soll auch uns, die wir manchmal zweifeln oder traurig sind, weil wir uns ungesehen und ungehört fühlen, Mut machen.

Weil Gott auch unsere Namen und damit auch uns kennt. Jeden einzelnen von uns. Mit all unser Stärken und Schwächen. So wie wir sind.

Das wünsche ich auch Ihnen und mir – dass wir uns freuen, dass unsere Namen im Himmel geschrieben sind.

Es grüßt Sie herzlich

Ihre Manuela Schmidt

Gedanken zum Monatsspruch Januar 2021

 Liebe Schwestern und Brüder,

Ich hoffe, dass  Sie alle gut angekommen sind im neuen Jahr. Die dunklen Tage im Dezember liegen hinter uns. Der Weihnachtsstern ist über uns allen erschienen, viele haben das gar nicht bemerkt. Viel Licht gab es am Ende eines schweren Jahres und die Botschaft der Engel vom Frieden auf Erden hatte am vergangenen Weihnachtsfest so eine ganz andere, viel tiefere Bedeutung als sonst. Sie klingt noch in unseren Ohren und bewegt uns im Herzen. Und sie klingt wie ein Aufbruch, wie eine einzige große Hoffnung. Im Kind in der Krippe ist Gott uns so ganz nah gekommen, zum Anfassen und Erleben nah.

Ich möchte Ihnen und Ihren Familien von ganzen Herzen im Jahr 2021 Gesundheit und Gottes Segen wünschen. Bleiben Sie gesund, oder werden Sie gesund. Bleiben Sie frohen Mutes und voller Erwartung. Ich wünsche Ihnen die Kraft, die Sie brauchen, um aus schlimmen Situationen wieder heraus zu finden.

Schauen Sie bitte nach vorn, Gott wird uns Wege finden lassen, die uns zum Ziel führen.

Dem Beter im Psalm 4, aus dem unser Monatsspruch stammt, dem geht es ein bisschen wie so vielen von uns. Der Psalm ist ein Abendgebet. Mit schweren inneren Lasten legt sich der Beter nieder. Schlimme Sorgen und Ängste quälen ihn, die sich allesamt nicht abschütteln lassen. Es ist so unmöglich, damit an Schlaf zu denken. Deshalb ruft er Gott an und klagt ihm, wie er sich fühlt. Er fühlt sich gemobbt, kleingemacht, ungerecht  behandelt, seiner Würde beraubt, ausgestoßen, unfähig sich zu wehren.

Er fühlt sich schuldig an seiner Situation und wiederholt genau die Worte, die so viele um ihn herum sagen: „Wer wird uns Gutes sehen lassen?“

Provokativ ist das und ansteckend. Ist das nicht so? Ein Haar in der Suppe ist zwar selten, aber schnell gefunden. Am Ende ist nichts mehr Genießbares an der Suppe. So ist das doch!

Dass das Jahr 2020 ein schlimmes Jahr war, das lassen wir so stehen. Aber war wirklich alles schlimm, was geschehen ist? Es gab auch schöne Momente, Tage und Wochen. Vieles war anders, aber wer sich arrangieren konnte, erlebte manche Dinge als weniger schlimm.

Viele trauten sich nicht mehr auf die Straße, in Einkaufsmärkte zu den Gottesdiensten, obwohl die Gefahr einer Ansteckung mit dem Virus durch Vorsichtsmaßnehmen gar nicht gegeben war.

So mancher verlor das Vertrauen und den Glauben. Und so kam es, dass manche in der Pandemie eine Strafe Gottes sehen wollten, andere hilflos abgewunken haben und meinten, Gott hört und hilft nicht mehr. Er ist nicht mehr da.

Was viele sagen, ist schnell übernommen und ist die eigene Meinung.

Gottes Handeln ist aber nicht provokativ. Gott handelt nicht mit spektakulären Methoden. Was Gott tut, das geschieht meist im Verborgenen, meist unbemerkt und mit Langmut. Gott  lässt sich nicht in das Schema menschlichen Denkens pressen.

Glaube und Vertrauen brauchen wir alle. So wie der Beter, der ganz plötzlich Gottes Segen zu spüren bekommt und voller Freude diesen Segen weiter gibt: „Herr lass leuchten über uns das Licht deines Antlitzes!“

Und über diesen Segen fällt die ganze Bürde ab. Da ist Gott so ganz nah und es gibt eine Hoffnung, in die sich unbändige Freude mischt. Wie weggeblasen ist die Angst.

Und so geborgen wie ein Kind spricht er ein Dankgebet:

„Ich liege und schlafe ganz mit Frieden; denn allein du, Herr, hilfst mir, dass ich sicher wohne.“

Ich grüße Sie herzlich

Ihre Uta Baumfelder