Kategorie-Archiv: Monatsspruch

Monatsspruch September 2022

Gott lieben, das ist die allerschönste Weisheit.
Sirach 1,10

Liebe Schwestern und Brüder,

hin und wieder stolpert man im Alltag darüber, dass man Wörter oder Sprichwörter verwendet, ohne genau zu wissen, was sie eigentlich bedeuten. Oft wird kritisiert, dass man zu viele englische Wörter im Alltag verwendet oder Phrasen nutzt, deren Grundinhalt man gar nicht versteht oder die man in dem Moment nur so dahin spricht. Auch in unserer Monatslosung für den September sind zwei Worte maßgeblich, die wir kennen und nutzen, die zu erklären uns aber schwerfällt: Liebe und Weisheit.

Liebe ist für uns Christen ja ein entscheidender Begriff und wir kennen viele Arten davon. Liebe ist ein Gefühl tiefer Zugehörigkeit, getragen von Vertrauen. Liebe verbinden wir mit vielen positiven Aspekten und sehen in ihr oft das band, was alles zusammenhält. Nächsten- und Feindesliebe sind uns wichtige Grundsätze unseres Lebens.

Bei Weisheit ahnen die meisten, dass dieser Begriff mehr beinhaltet als reines Wissen. Manche sagen, Weisheit sei das Wissen unserer Ältesten, z.B. wo die besten Blaubeergründe zu suchen sind, wie man anhand von Naturbeobachtungen Wetter vorhersagen kann oder ob Krisen wie die derzeitigen gemeistert werden können. Wenn man darüber nachdenkt, in welchen Situationen man das Wort Weisheit nutzt, kann man feststellen, dass Weisheit die Fähigkeit ist, Wissen in schwierigen Situationen anzuwenden, um gewünschte Ergebnisse zu erzielen. Weisheit kommt also aus Lebenserfahrung.

Mit diesem Verständnis von Weisheit und Liebe ließe sich unser Monatsspruch also so umformulieren und leichter verstehen lassen, dass es die beste Erfahrung im Leben sei, Gott zu vertrauen und ihn und seine Gebote wertzuschätzen.

Nun ist es mit Superlativen wie „die beste“ oder „die allerschönste“ so eine Sache. Wer legt denn fest, was das Beste und Schönste ist? Was ist wem wichtig im Leben? Bei Geburtstagwünsche hört man oft Gesundheit sei das allerwichtigste. Zweifelsohne sind das Wohlbefinden und das Fehlen schlimmer Erkrankungen wesentlich. Keiner will gern krank sein oder unter anhaltenden Schmerzen leiden. Aber wir wissen auch, dass Gesundheit wie Glück ein scheues Reh ist, was schnell verschwindet, egal, wie man sich mit gesunder Ernährung und Sport bemüht, es zu halten.

Was also ist das Wichtigste im Leben und was das Schönste? In vielen biblischen Stellen heißt es, dass es Gottes Liebe und seine Begleitung durch das Leben sei. Viele Propheten, Psalmbeter und auch Jesus selbst machen deutlich, dass ihnen die Liebe Gottes mehr wert sei als ihr Leben und damit auch ihre Gesundheit. Würden sie die Liebe Gottes verlieren, wäre das für sie furchtbar. Gottes Liebe war und ist für Gläubige wie eine sprudelnde Quelle im Leben. Sie gibt Kraft und Sinn für echtes Leben. Was den Menschen in der Bibel so selbstverständlich ist, erscheint uns aufgeklärten Menschen mittlerweile manchmal recht fremd.

Wir suchen nach Selbstverwirklichung, nach jugendlicher Frische, nach Spaß und Frieden, heiler Familienwelt. Häufig erleben wir solche glücklichen schönen Momente, aber irgendwie hälft die Freude nie lange an. Schnell sind Sorge und Kummer zurück und der Alltag hat die Freude erstickt. Kann es also wirklich die Liebe Gottes sein, die mich im Leben ausfüllt? Wenn ja, wo finde ich diese Liebe Gottes in meinem Leben?

Meine Glaubensgewissheit und die Sicherheit, von Gottes Liebe umgeben zu sein, ist nicht jeden Tag gleich. Manchmal wird mein Glaube auch erschüttert. Doch meist wurde mir im Nachhinein bewusst, wie stark mich Gottes Liebe durch schwierige Zeiten getragen hat. Manchmal muss ich mich selbst am frühen Morgen zu Gottesdiensten oder zum abendlichen Gebet überreden und werde doch immer wieder überrascht, wie beides meiner Seele Kraft geben. Ich weiß mich von Gottes liebender Hand umgeben und bin in ihr geborgen, auch wenn manchmal Fragen bleiben.

Natürlich treffen wir auch auf Menschen, die uns das Leben schwermachen, die andere Lebensstile pflegen oder andere Einstellungen haben. Hier wird es oft schwierig, nach Gottes Liebe zu handeln. Lieblosigkeit scheint oft weit verbreitet, in den bürokratischen Mühlen, im Arbeitsalltag, bei Streitigkeiten. Dabei ist sie keine Bagatelle, wie uns Jesus immer wieder gezeigt hat. Für Jesus steht und fällt unsere Liebe zu Gott damit, wie liebevoll wir mit anderen Menschen, insbesondere mit schwierigen Menschen, umgehen. Nach Auseinandersetzungen mit anderen denke ich oft, ich sollte die Hand zur Versöhnung reichen, aber mein Stolz lässt es nicht zu. Wie oft hindern mich tausend Gründe, meinen Glauben umzusetzen und Gottes Liebe an andere weiterzugeben. Wie oft nehme ich mir vor, heute noch den versprochenen Krankenbesuch zu absolvieren oder für diesen oder jenen kranken oder verzweifelten Menschen zu beten, doch die Arbeit nimmt mich in Beschlag und ich denke, es auf morgen verschieben zu können.

Liebe kann und lässt sich natürlich nicht auf Knopfdruck herstellen. Jesus geht es aber auch um ein bewusstes Verhalten mit einer liebevollen Einstellung. Diese Liebe kommt von Herzen, ist ehrlich und voller Kraft. Diese Liebe muss geübt werden, damit sie sich nicht selbst in den Vordergrund schiebt, sondern Andere ermutigt und das Gute von ihnen erwartet. Gottes Wort hält uns den Spiegel vor und zeigt uns mögliche Wege der Vergebung. Sie nimmt Streitigkeiten die Verbissenheit auf die eigene Position und öffnet den Blick für die Sicht des anderen oder eine ganz andere Perspektive. Dann fällt es leichter, Gottes Geboten nach Nächsten- und Feindesliebe besser umzusetzen.

Die Lebenserfahrung so vieler Menschen zeigt uns, dass es wirklich etwas sehr Schönes ist, Gott lieben zu dürfen und dabei zu erkennen, dass es keine Phrase, keine schwierig zu verstehende Begrifflichkeit ist, sondern etwas tief mit Sinn erfülltes, das Leben tragendes sein kann.

In diesem Sinne wünsche ich uns allen einen guten Herbstanfang.

Chris Schönefeld

Monatsspruch August 2022

Jubeln sollen die Bäume des Waldes vor dem HERRN, denn er kommt, um die Erde zu richten.
1.Chronik 16,33

Liebe Schwestern und Brüder,

wenn ich aktuell aus dem Fenster von unserem Wohnzimmer schaue, dann sind da zwei Stimmen in mir: Die eine freut sich, dass es da draußen endlich grünt und blüht. Nach dem Winter habe ich mich gesehnt nach frischem Grün. Nach dem Bunt der Blumen. Ich konnte es gar nicht erwarten, dass es im Garten endlich los geht. Voller Vorfreude habe ich dann schon im Februar die ersten Samen ausgesät. Dieses Jahr hab ich mich an der Aussaat von Geranien probiert. Sie sind geworden und blühen nun in weiß und ganz unterschiedlich rot und rosa Tönen.

Das Alles tut meinem Herzen so gut. Aber dann ist da leider auch die andere Seite. Als Kind und auch noch als Erwachsene habe ich auf dem Berg gegenüber große, stattliche Fichten gesehen. Es war wie eine Wand. Dunkle, starke und kräftige Bäume standen da. Als könne ihnen höchstens der Förster ein Ende bereiten. Doch dann begann diese Wand an kräftigem Grün immer mehr braune Stellen zu bekommen. Der Forst ist dann rein und hat die ersten Borkenkäferfichten raus. Nun sieht man erst, wie doch recht klein der Berg eigentlich ist. Das tut schon arg weh im Herzen.

Wir selbst haben auch ein Stück Wald auf unserem Grundstück. Ich habe es damals mit der Oma angepflanzt. Jede einzelne Fichte. Ganz klein waren sie da noch. Heute sind es doch recht große Fichten. Wenn man dann neben einer noch gesunden steht und hoch schaut zu ihrem Wipfel, da wird einem bewusst, wie massiv so ein Baumstamm ist. Nur der Wind schafft es, ihn zu bewegen.

Dann lese ich den Anfang des Spruchs aus der Bibel, der uns für den Monat August als Losung gegeben ist. Zu finden sind sie im ersten Buch der Chroniken im 16. Kapitel

„Jubeln sollen die Bäume des Waldes…“.

Ich weis, dass diese starken, kräftigen Bäume nicht jubeln können. Auch die dürren, ausgetrockneten Borkenkäferfichten nicht. Nach menschlichem Verstand unmöglich.

Aber ich weis, was dieser Spruch uns sagen will: Gott kann so viel mehr bewirken, als wir es uns vorstellen können.

Er schafft es jedes Jahr aufs neue, dass die Bäume, die im Herbst ihre bunten Blätter verloren haben, und dann im Winter oft gespenstisch erschienen, im Frühjahr frisch austreiben.

Das aus einem kleinen Samen, den wir im Frühjahr in die Erde geben im Sommer dann blühende Geranien oder wohlschmeckende Tomaten werden.

Das mitten auf den immer kahler werdenden Berghängen wieder neue Bäume wachsen. Teilweise ganz ohne unser Zutun.

Ja, dann wird der Spruch auch für mich verständlich, der ja weitergeht: „…vor dem HERRN, denn er kommt, um die Erde zu richten.“ Gott hat die Macht, unsere Welt zu richten. Nicht über die Welt wird er richten, sondern er wird sie wieder zurechtrücken. So, wie er sie einst erschaffen hat.

Das macht Hoffnung. Wirft aber sicher auch die Frage auf: Wie soll das denn geschehen. Darauf geben uns die zwei Verse, die gleich darauf folgen eine Antwort: 34 Preist den HERRN, denn er ist gut, und seine Gnade hört niemals auf. 35 Betet zu ihm: Rette uns, Gott, du allein kannst uns helfen!

Ich weis, viele von uns machen sich Sorgen, wie es mit Deutschland weitergehen soll. Wenn aber Gott schon die Macht hat, Bäume zum Jubeln zu bringen. Was kann er dann erst recht in unserem Herzen bewegen?

Ich wünsche uns allen von Herzen, das auch wir im August Grund zum Jubeln haben werden.

Eure Manuela Schmidt

Gedanken zum Monatsspruch Juni 2022

Gedanken zur Monatslosung

„Lege mich wie ein Siegel auf dein Herz, wie ein Siegel auf deinen Arm. Denn Liebe ist stark wie der Tod.“

Hohelied 86

Liebe Schwestern und Brüder,

welche ausdrucksstarken, welche inhaltsschweren und wunderschönen Worte sind uns da als Monatsspruch für den Juni gegeben. Inmitten der Kriegsgefahr, der wirtschaftlichen Sorgen und Ohnmacht hinein, wird uns gesagt: „Denn Liebe ist stark wie der Tod“. Ja, das wünschen wir uns an so vielen Stellen in unserem Leben. Bei der Geburt eines Kindes, die vielleicht schwieriger war als erhofft. Bei Beziehungskrisen und Streit mit uns nahen Menschen oder am Sterbebett und am Grab geliebter Freunde und Angehöriger. Liebe, die überwindet, was wir nicht abschließend verstehen, den Tod, der immer noch und für viele unserer Mitmenschen vielleicht auch immer stärker ein unheilvolles Mysterium ist – trotz des Sieges unseres Herrn Jesus Christus mit seiner Auferstehung. Ja, die Liebe, die innige Zuneigung zu einem Menschen soll stärker wiegen als all das, was an Leid und Sorgen auf uns lasten. Sie soll gewinnen oder zumindest dieselbe Kraft ausüben wie der übermächtige Tod. Der Monatsspruch für den ersten Sommermonat Juni verspricht uns genau das – „Denn Liebe ist stark wie der Tod“.

Diese so kraftvollen Worte stammen aus dem Hohelied. Ein Liebespaar verspricht sich in diesem biblischen Buch auf sehr poetische Weise, einander verbunden und in alle Ewigkeit zusammen zu bleiben – komme, was wolle. Schönste Liebesverse aus uralter Zeit sind dort im Hohelied versammelt. Über acht Kapitel lang beschreiben ein Mann und eine Frau in bildreichen Vergleichen ihre Liebe. Sie besingen die Schönheit des Lebens, wie wir sie vermutlich nur erleben, wenn wir verliebt sind. Eine Schönheit, die im Alltagsgrau meist untergeht, aber bei so manchem Spaziergang in der Natur aufleuchtet, im Sonnenstrahl, im saftigen Grün, im Geruch von frischem nassem Gras.

Vielleicht erscheint uns manche der Worte der beiden Verliebten übertrieben. Vielleicht haben uns schlechte Erfahrungen auch abgestumpft. Aber wer selbst verliebt ist und dem Ausdruck verleihen möchte, kann in diesem Bibelwort leicht fündig werden. Vielleicht bietet uns dieser Monatsspruch jetzt im Juni auch einmal Gelegenheit, um unsere Liebsten zu Hause einmal mit schönen Gedanken zu überraschen. Lieder und Poesie drücken oftmals viel besser aus als lange nüchterne Beschreibungen, was wir Menschen fühlen, wie es uns geht, was uns bewegt. Solche blumigen Worte allein hätten aber wohl kaum ausgereicht, um als Liebesbrief über Jahrtausende den Weg in das Buch der Bücher zu finden.

Mit der Liebe der Beiden verbinden wir heute natürlich noch mehr. In der wunderschönen Atmosphäre, die in den Geschichten ausgemalt wird, die paradiesischen Gärten, die hier besungen werden, klingt immer auch das Liebeslied der Schöpfung mit. Gottes Liebe und Freude an seiner Schöpfung findet hier einen einmaligen Ausdruck.

Der ein oder andere mag sich fragen, wie Gott denn seine Schöpfung noch so tief lieben kann, wie er immer noch zu uns Menschen stehen kann, wie die beiden Verliebten zueinander. Bieten wir ihm nicht eher Grund zur Sorge, zu Kummer und großer Klage? Sind wir nicht die widerspenstigen Kinder, die einfach nicht hören wollen, nicht Frieden halten? Ja, vielleicht sind wir unvollkommen, aber wenn man verliebt ist, dann sieht man die negativen Seiten nicht. Man erfreut sich am Schönen und man betrachtet den anderen so, wie Gott ihn gemeint hat. So hat es zumindest der russische Dichter Dostojewski einmal gedichtet. Vielleicht betrachtet uns Gott genauso. So, wie er uns gemeint hat, nicht so, wie wir geworden sind.

Wir betrachten uns, unser Gegenüber, aber auch uns selbst ja meistens mit einer sehr kritischen Sicht. Wir sehen eher das, was nicht mehr so schön ist, was sich an Unarten eingeschlichen hat oder auch an äußerlichen Veränderungen. Wir verlieren schnell den Blick für das Schöne und dann können Sorgen und Ängste die Oberhand gewinnen und wir verlieren uns in Klagen und Jammern. Darum ist es wichtig, wenn wir einander wie Verliebte lobende, stärkende Worte mitgeben, liebevoll unsere schönen Seiten bezeugen, ja auch bisweilen mit blumigen Worten, mit Poesie. Liebkosungen sind wichtig und verfehlen ihre Wirkung nicht. Sie zaubern uns ein Lächeln ins Gesicht, machen uns schöner, stärken uns für die schweren Zeiten.

Wenn Verliebte zueinander sagen: „Lege mich wie ein Siegel auf dein Herz, wie ein Siegel auf deinen Arm; denn Liebe ist unwiderstehlich wie der Tod“, dann verbindet sich damit auch die schöne Botschaft Gottes an uns Menschen: Ich liebe Euch und darauf habt ihr Brief und Siegel, also etwas offizielles, etwas von höchster Stelle. Ihr seid meine geliebten Kinder. Für Euch habe ich meinen Sohn sterben und auferstehen lassen, weil ich Euch liebe.

Geben wir das doch einmal weiter in diesem Monat Juni, in der uns die Natur mit dem Gezwitscher der ausfliegenden Jungvögel und sanften Winden auffordert, das Schöne zu sehen: Dass wir geliebt sind, dass wir schön sind.

Kommt gut durch den Juni!

Euer Chris Schönefeld

Gedanken zur Monatslosung Mai 2022

Ich wünsche dir in jeder Hinsicht Wohlergehen und Gesundheit, so wie es deiner Seele wohlergeht.
3. Johannes 2

Liebe Schwestern und Brüder,

erinnert Ihr Euch noch? Wie jedes Jahr starteten wohl die meisten von uns mit guten Vorsätzen ins neue Jahr. Der eine wollte nach mehr als 20 Jahren endlich mit dem Rauchen aufhören. Der nächste hat sich vorgenommen, mehr Sport zu treiben oder sich sogar im Fitnessstudio anzumelden. Wieder ein anderer hatte den festen Willen, die 10 Kilo-gramm, die in den letzten Monaten des Lockdowns und Homeoffices dazugekommen sind, bis zum Sommer wieder abzutrainieren. Auch in der Fastenzeit vor Ostern haben sich viele Verzicht und gute Absichten vorgenommen, z.B. verzichteten einige wieder auf Alkohol oder Süßigkeiten.

Ihr merkt, da ging es bei den meisten in erster Linie um körperliche Dinge, die man an sich ändern wollte. Diese Dinge sind auch wichtig, damit man gesund bleibt.

Aber reicht das? Oder brauchen wir, damit es uns, wie wir es im Spruch für den Monat Mai lesen, „wohl ergeht“, mehr? Mehr als körperliche Fitness, mehr als gesunde Ernährung?

Der Schreiber zeigt uns einen wichtigen Punkt auf, der leider oft vernachlässigt wird – seelisches Wohlergehen.

Dabei ist das sehr wichtig. Manch einer merkt es leider erst, dass es seiner Seele nicht gut geht, wenn auch der Körper rebelliert. Wenn wir keinen ruhigen Schlaf mehr finden, den ganzen Tag unter Strom stehen und gar nicht mehr „runter kommen“. Selbst dann sucht man dann erst einmal nach anderen Ursachen und Lösungen. „Wenn ich nur mehr Sport mache, dann geht das wieder vorbei“. Die eigentliche Ursache ist damit aber nicht behoben.

In einem bekannten Spruch heißt es „in einem gesunden Körper steckt ein gesunder Geist.“ So kennen wir ihn zumindest. Ursprünglich geht die Redewendung aber wie folgt:

„orandum est, ut sit mens sana in corpore sano“. Auf Deutsch heißt das, man sollte darum beten, dass sich ein gesunder Geist mit einem gesunden Körper verbinden möge. Es heißt also eben nicht, dass nur in einem gesunden Körper eine gesunde Seele sich befinden kann, sondern dass es wichtig ist, so wie es Johannes seinem Freund Gaius schon schreibt, dass es beidem gut geht – Leib und Seele.

Da scheint auch etwas dran zu sein. Denn wir merken, wir können noch so viel Sport machen, uns gesund ernähren, an der frischen Luft spazieren gehen. Wenn es unserer Seele nicht gut geht, dann geht es auch unserem Körper nicht gut. Dann helfen auch die teuersten Nahrungsergänzungsmittel, Cremes oder Shakes nichts.

Der Mai bietet uns ganz viele Möglichkeiten, für beides, den Körper UND die Seele etwas zu tun. Wer sagt uns eigentlich, dass wir uns nur am Jahresanfang Vorsätze nehmen sollten? Wie wäre es denn mit guten Vorsätzen für den Mai?

Sie könnten wie folgt aussehen:

Bei einem Spaziergang in der Natur können wir jetzt den Kreislauf in Schwung bringen und mit unseren Augen ganz viel entdecken, was im Alltag oft untergeht. Gottes wunderbare Schöpfung einfach wahrnehmen und genießen.

Oder bei einer Tasse Tee oder Kaffee in einem Buch mal wieder lesen. Die Seele baumeln lassen. Vielleicht sogar im Buch der Bücher, der Bibel.

Oder bei einem Sonntagsausflug mal wieder eine Kirche besuchen und dort zur Ruhe kommen.

Durch solche Dinge kann der Wunsch des Johannes dann hoffentlich Wirklichkeit werden – dass es uns in JEDER Hinsicht gut geht.

In dieser Hoffnung wünsche ich uns allen einen gesegneten Mai.

Ihre Manuela Schmidt

Gedanken zum Monatsspruch März 2022

Hört nicht auf, zu beten und zu flehen! Betet jederzeit im Geist; seid wachsam, harrt aus und bittet für alle Heiligen.
Epheser 6,18

Liebe Schwestern und Brüder,

oft hat man den Eindruck, dass die Welt immer unruhiger, komplizierter und gewaltvoller wird. Vielleicht täuscht man sich, aber wenn man die Bilder aus der Ukraine oder anderen Kriegsgebieten der Welt oder von den zahlreichen Naturkatastrophen wie den Stürmen der vergangenen Wochen oder den Hoch-wassern aus dem letzten Jahr sieht, da kann einem schon Angst und bange werden. Unsere Möglichkeiten, einzugreifen und etwas Grundlegendes zu verändern, scheinen klein und oft wirken getroffene Maßnahmen gegenteilig. Manchmal mag man am liebsten schreiend davon-laufen oder die Augen verschließen und sich ablenken. Nur davon wird es nicht besser. Eine andere Möglichkeit, mit unserer Welt wie sie ist und mit uns, unseren Gefühlen und unseren Grenzen umzugehen, ist es, es dem zu bringen, der uns geschaffen hat, in dem wir beten und manchmal vielleicht sogar flehen.

Da kommt mir die Frage in den Sinn. Betet ihr eigentlich noch oder habt ihr heute schon gebetet? Eine scheinbar leichte Frage, aber wo fängt Beten eigentlich an? Ist es schon ein Gebet, wenn ich auf dem Weg zur Arbeit gestresst zum Himmel schaue und bitte: „Nicht schon wieder so eine Schnarchnase (oder schon wieder so ein Drängler)!“‘ oder nach einer brenzligen Situation sage: „Gott sei Dank bin ich da heil rausgekommen!“? Oder ist es bereits ein Gebet, wenn ich den ganzen Tag einen Liedvers vor mich hinsumme, wie z.B. „Danke für diesen guten Morgen“?

Wenn Paulus uns im Monatsspruch aus dem Epheserbrief schreibt, „Betet jederzeit im Geist“, dann meint er damit, im Alltag ständig mit Gott in Verbindung zu sein und Gott über das Gebet – egal, in welcher Form oder Länge – in das eigene tägliche Leben mit einzubeziehen. Beten heißt, sich Gott zuzuwenden. Was mich gerade bewegt, kann ich vor ihn bringen. Natürlich kann man überall ein Gebet sprechen, doch wenn es ruhig um einen ist, fällt es leichter, innerlich still zu werden. Ein Gebet kann manchmal nur einen Augenblick dauern. Gerade so lange wie man braucht, um „Danke“ und „Bitte“ zu sagen. Natürlich ist es wie bei jedem Gespräch besser, wenn man sich mehr Zeit dafür nimmt. Zumindest so viel, um sich zu sammeln und zunächst das Gedankenkarussell im Kopf abzustellen. Oder um sich in Ruhe zu überlegen, wofür genau man Gott danken oder worum konkret man ihn bitten möchte. Ein guter Rat ist auch, dass ich beim Beten meinen Blick öffne, von mir selbst weg, hin zu den Themen und der Perspektive meiner Mitmenschen.

Wenn ich bei vielen Dingen schon nicht selbst aktiv etwas tun kann, dann kann ich sie zumindest in mein Gebet miteinschließen. Dann kann ich einfach los reden, frei von der Leber weg. Zum Glück schreibt mir Gott keine Floskeln vor. Ich kann ihm direkt und geradeheraus sagen, was mich beschäftigt. Auch Klagen und Schimpfen sind erlaubt. Gelegentlich gleicht Beten einem Ringen mit Gott. Immer wieder bringe ich meine Bitte vor ihn wegen dieser einen Sache, die mich so sehr und schon so lange beschäftigt und die mir so viel bedeutet. Ich darf mir sicher sein, Gott hört mir zu. „Des Gerechten Gebet vermag viel, wenn es ernstlich ist.“

Aber Gott ist kein „Wunscherfüllungsautomat“. Wir legen unsere Anliegen in seine Hände und vertraue darauf, dass er es gut machen wird. Wir wissen, er handelt oft anders als wir wollen. Er handelt auf eine Weise, die ganz anders ist als der Weg, den wir in unserem „Tunnelblick“ als einzig wahren sehen. „Der Mensch denkt und Gott lenkt“, so beschreibt es der Volksmund treffend. Manchem fällt es leichter, in Gemeinschaft zu beten. Gedanklich die Worte nachzuvollziehen, die jemand stellvertretend an Gott richtet. So kann man sich an den Dank für Dinge anschließen, an die wir gar nicht gedacht hatten oder in Bitten für andere mit einstimmen.

Was aber, wenn einem wegen unangenehmer Situationen, z.B. bei einer Trauerfeier oder an einem Sterbebett, oder auf Grund der eigenen Ohnmacht angesichts der vielen Probleme und Ungerechtigkeiten in der Welt die Worte fehlen und man nicht weiß, was man beten soll. Auch die Jünger Jesu scheinen manchmal nicht gewusst zu haben, wie sie beten sollten und baten Jesus daher: „Herr, lehre uns beten!“ Jesus gab ihnen mit dem Vaterunser ein Gebet, das heute rund 2,3 Milliarden Menschen auf der ganzen Welt verbindet. Ein Gebet, das man selbst in vielen fremden Sprachen schon am Sprechrhythmus erkennt. Ein Gebet für alle Lebenslagen. Mit seinen sieben Bitten deckt es alle Aspekte des Lebens ab. Es ist gut, dieses Gebet zu kennen, um es alleine oder gemeinsam zu sprechen. Spontan, wann immer sich eine Situation ergibt, in der wir Gott dankbar sind oder Gott um etwas bitten möchten. Im Grunde ist es aber auch egal, wann und wie wir beten. Wichtig ist, dass wir es tun, denn so geben wir Gott Raum in unserem Leben und eine Chance, bei uns auch zu wirken. Nur wer bittet, dem kann gegeben werden und nur wer anklopft, dem kann Gott öffnen

Nutzen wir die Fastenzeit, den Verzicht auf irgendeine Angewohnheit oder ganz konkret auf bestimmte Lebensmittel, um die gewonnene Zeit zum Gespräch mit Gott zu nutzen. Unsere Welt, unsere Gesellschaft und auch wir selbst haben es nötig, dass wir für sie beten.

Eine gesegnete Fastenzeit wünscht Ihnen Chris Schönefeld

Gedanken zur Jahreslosung

Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen

Joh.6,37

Liebe Brüder und liebe Schwestern!

Ein neues Jahr hat begonnen. Und in diesem neuen Jahresbeginn steckt das bisschen Hoffnung, die wir mit uns herumtragen. Es ist unendlich schwer, daran festzuhalten. Zu tief stecken Kummer und Leid der vergangenen Monate. Nichts lässt sich abschütteln. Immer wieder bestimmt es unser Leben. Daran hat sich auch nichts geändert in den vergangenen Tagen. Ja gewiss, wir hatten alle mehr oder weniger arbeitsfreie Tage erlebt. Konnten ein bisschen vom Glanz der Weihnacht erhaschen. Vielleicht auch ein paar besinnliche  Momente erleben. Vielleicht auch im Kreise der Familie glücklich sein. Vielleicht ist der Stern, den wir aufgehängt haben, mit seinem Licht in unser Herz gedrungen und hat unsere Trübsal und unsere Angst zumindest für eine Zeit vertrieben. Vielleicht ist uns auch ein wenig Gott  näher gekommen. Und womöglich brennt genau dieser Gedanke in unserem Herz. Und vielleicht möchten wir diesen Gott irgendwie besser  verstehen. Weil wir spüren, dass wir  nicht allein durch uns selbst weiter kommen. Irgendwie haben wir eine Sehnsucht nach Geborgenheit, nach Erfüllung, nach Liebe. Irgendwie ist uns nun nach einem weiteren Coronajahr der Sinn nach Hoffnung, nach Trost, nach einem Sinn unseres Lebens.

Das Aushalten von schweren Dingen im Leben hat seine Grenzen. Und wir befinden uns immer noch in einer solchen schweren Zeit. Corona scheint unser Dasein zu bestimmen. Geimpfte, Ungeimpfte, Geboosterte sind und bleiben die Gruppen, die medial rauf und runter gelobt und vernichtend abgearbeitet werden.

Wir haben uns angewöhnt, alle anderen Themen, die nicht coronaconform sind, in die Ecke zu stellen. Und das hilft uns ganz und gar nicht weiter.

Wir haben aber doch eine Botschaft aus der Bibel, die uns den Weg für das Jahr 2022 leiten soll. Da spricht der Evangelist Johannes von einem der um unsere Freundschaft bittet. Der unser Freund sein möchte. Der unsere Lasten tragen will. Der zwischen den Menschen keine Unterschiede macht und dem es egal ist, ob du reich oder arm, schwarz oder weiß, Manager oder Arbeiter bist. Jesus verspricht keinen abzuweisen, der ihn sucht. Er verspricht, sich finden zu lassen. Solche Worte klingen befremdlich in unserer Zeit.

Wo soll ich denn hingehen und zu wem kann ich noch Vertrauen haben? Haben wir nicht Vertrauen in so viele Dinge gesetzt? Wir haben uns ein Leben lang bemüht gesund zu leben. Dann kam Corona und die Seuche erfasste uns, ehe wir recht begreifen konnten was da geschieht. Wir haben auf unsere Fähigkeiten vertraut. Die Arbeit lief, die Firma stand gut da. Wir haben unser Ansehen genossen. Die Pandemie ließ alles zusammenbrechen. Unsere Hände und unsere Herzen blieben leer zurück. Wir waren  eine tolle Gemeinschaft. Unsere gemeinsamen Aktivitäten haben unserem Leben Glanz verliehen. Aus der Gemeinschaft wurde Einsamkeit, aus der Freude wurde Depression. Heillos scheint alles und chaotisch. Schlimmer wird das immer noch, wenn wir über den Gartenzaun in die Welt hinaus blicken. Hungersnöte, Naturkatastrophen, Gewalt und Krieg ohne Ende. Und doch muss es ausgehalten werden.

Beten hilft- eine uralte Weisheit, die wir vergessen haben. Wenn ich bete, dann gebe ich mich ganz in die Hände dessen, der mich in diese Welt gesandt hat, damit ich als Mensch diese Erde bewohne, sie gestalte, mich ausprobiere, Gemeinschaft pflege und Gottes Liebe zu mir anderen weiter sage und lebe.

Beten hilft – es ist kein Monolog, sondern Gott hört mich. Ich kann zu ihm reden, wie ein Kind zu seinem Papa. Gott hört nicht nur mein Gebet, sondern er reagiert auf meine Bitten. Und ich darf darauf vertrauen, dass seine Antwort gut ist, auch wenn es manchmal nicht genau das ist, was ich wollte.

Im Nachhinein stelle ich das immer wieder fest. Gott ist ein Gegenüber, das mich nicht abweist. Ich kann immer und immer wieder meine Sorgen und Ängste zu ihm bringen. Ich kann ihm von meinen Zweifeln erzählen. Ich kann auch wütend sein und verärgert; Gott hält das aus. Er kennt mich. Gott möchte, dass ich alles, was mich bedrückt und alles was mich glücklich und dankbar macht vor ihn bringe. Gott liebt mich, das sollte sich jeder in sein Tagebuch schreiben. Gott liebt mich und diese Liebe ist grenzenlos. Diese Liebe möchte mich glücklich machen und mir zu einem erfüllten Leben verhelfen.

„Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen“, so drückt es Jesus aus. Das ist eine gute Chance durch diese schwere Zeit zu kommen. Und eine hoffnungsvolle Möglichkeit eröffnet sich für alle Tage dieses neuen Jahres.

Bleiben Sie gesund! Ihre Uta Baumfelder

Gedanken zum Monatsspruch Dezember 2021

„Freue dich und sei fröhlich, du Tochter Zion! Denn siehe, ich komme und will bei dir wohnen, spricht der Herr.“

Sacharja 2,14

Liebe Schwestern und Brüder,

wann haben Sie sich, wann habt Ihr Euch das letzte Mal so richtig aus tiefem Herzen gefreut, wart einfach unbeschwert und glücklich? Ich hoffe, dass es bei den meisten von Ihnen und Euch nicht zu lange her ist. Vielleicht ein schöner Urlaub in der Ferne in diesem Jahr, ein entspannter und gemütliche Grillabend mit Freunden, ein Konzertbesuch, die Geburt eines Kindes oder Enkels, vielleicht auch Vorfreude auf Weihnachten, auf Geschenke, auf Beisammensein in der Familie, gutes Essen oder Spaziergänge im Schnee – Gründe zur Freude gibt es immer reichlich. Schöne beglückende Momente neben all dem, was uns auch an Schlechten widerfährt. Gutes und Leichtes, was uns das Schwere aushalten lässt.

Nur scheinen wir gerade wieder in so eine Zeit zu geraten, in der einem Angst und bange sein kann, in der wieder Unsicherheit und Verunsicherung herrschen, viel Panik gemacht und viel über gesellschaftliche Probleme und Risse gesprochen wird. Viel ist in den letzten Wochen und Monaten geschehen und wohl vielen von uns ist nicht so wirklich zur Freude zu Mute. Was mag die Zukunft bringen? Wir wissen es nicht. Im Leben gibt es immer wieder Phasen, in denen uns nicht zum Freuen zu Mute ist und man lieber woanders wäre, sich zurück wünscht in unbeschwerte Momente oder frühere Jahre, in denen vermeintlich vieles besser war oder auf ein besseres Morgen hofft.

Mitten in alle Resignation über die wieder verhängten Kontaktbeschränkungen, die Wut und Verzweiflung, die Trauer und Ohnmacht über die im Vergleich zu letztem Jahr noch schlimmere Situation in unseren Krankenhäusern und Arztpraxen und die ungewisse Zukunft fordert uns der Monatsspruch Dezember zur Freude auf.

„Freue dich und sei fröhlich, du Tochter Zion! Denn siehe, ich komme und will bei dir wohnen, spricht der Herr.“

Was für ein Gegensatz zur aktuellen Berichterstattung! Da will jemand, dass ich glücklich bin, dass ich mich freue und fröhlich bin, mal keine Angst haben muss, sondern unbeschwert sein darf. Mir wird auch jemand verheißen, der es gut mit mir meint, der bei mir sein will. Was für ein schöner Gedanke! Aber kann ich einfach so einen Schalter umlegen und auf diese Aufforderung hin ausblenden, was mich beschwert, mich einfach freuen und die aktuelle Situation ignorieren?

Gern würde ich den Fernseher auslassen, das Handy weglegen, einfach alles, was mit Corona oder Klimawandel zu tun hat, vergessen. Für ein paar Stunden mag mir das auch gelingen, doch am Ende erreichen mich die Nachrichten und Hiobsbotschaften doch.

Auch die Einwohner Jerusalems, die Töchter Zions, wie sie genannt werden und an die die Worte unseres Monatsspruch gerichtet sind, waren vor tausenden Jahren nicht sonderlich glücklich mit ihrer Situation. Ihnen wurde verheißen, dass der Tempel wieder aufgebaut und ihre Stadt wieder aufleben würde, dass sie wieder ein Volk mit Kultur und gutem Leben würden. Stattdessen dauert das alles ewig und nichts geht wirklich vorwärts. Jahrzehnte lang bleiben Tempel und Stadt zerstört und das Leben hart und beschwerlich. Vermutlich hat der ein oder andere auch schon die Hoffnung aufgegeben, dass es jemals wieder besser wird. Genau an diese enttäuschten, verunsicherten, verärgerten Zeitgenossen wendet sich der Prophet Sacharja und fordert sie in Gottes Auftrag zur Freude auf.

Die Menschen sollen sich freuen und fröhlich sein, denn ihr Herr kommt zu ihnen und will mitten unter ihnen wohnen. Der Herr? Welcher Herr? Wer soll kommen und alles gut machen? Wir Menschen wünschen uns oft den einen starken aus unserer Mitte, der all unsere Sorgen, unseren Kummer vertreibt, der unsere Probleme löst oder zumindest abmildert, im Moment vielleicht jemanden mit dem ultimativen Rezept gegen Corona. Doch das hat niemand. Kein Wissenschaftler, kein Politiker, keiner von uns. Und doch ist uns einer verheißen, der unseren Kummer kennt, unsere Sorgen ernst nimmt, aber sie nicht überwertet und unseren Blick immer wieder himmelwärts lenkt, zur Freude, zum Leben, selbst über den Tod hinaus. Dieser jemand kommt als kleines Kind in unsere Mitte – wahrer Menschen und wahrer Gott heißt es. „Salvator mundi“ nennt man ihn auch und so steht es an der Kanzel in der Spechtsbrunner Kirche – lat. für „Retter der Welt.“ Unsere Vorfahren haben es an die Kanzel geschrieben. Die Generationen vor uns haben aller Hand selbsternannter Herren und Retter erleben können – Fürsten, Kaiser, Führer und Genossen – keiner hat ewige Freude bewirkt. Auch in Jesu Namen brachten Missionare, Pfarrer und Päpste Leid statt Freude. Aber dennoch war und ist es sein Leben, sein Wirken und seine Botschaft, die denen Hoffnung schenken, zum Leben und zum Miteinander ermutigen und ewige Freude wecken, die daran glauben.

Kommen Sie gut durch den Dezember, genießen Sie trotz allem frohe Feiertage und starten Sie gesund in ein glückliches, gesundes neues Jahr! Frohe Weihnachten wünscht Ihnen Chris Schönefeld im Namen des Lektorenteams und der Kirchgemeinde

Gedanken zum Monatsspruch November 2021

Der Herr aber richte eure Herzen aus auf die Liebe Gottes und auf das Warten auf Christus.
2 Thessalonicher 3,5

Liebe Schwestern und Brüder,

Corona-Pandemie, massenhaftes Baumsterben, Naturkatastrophen z.B. im Ahrtal, Truppenabzug in Afghanistan, Hurrikans in Amerika, Bundestagswahl,usw.- gefühlt gab es in 2021 bisher fast täglich neue, oftmals schlimme, betroffen machende Nachrichten. Im Fall der Bundestagswahl war und ist es ein langer Weg, medial präsentiert, bis endlich ein Kabinett gebildet ist.

Und das sind ja „nur“ die Ereignisse von deutschland- und weltweiter Tragweite. Von den „kleinen“ Dingen, die jeden Einzelnen von uns beschäftigen, ganz zu schweigen.

Ich weis nicht, wie es ihnen damit geht.

Aber irgendwie habe ich dieses Jahr den Eindruck, dass man selbst vor lauter Berichte von außen im Inneren gar nicht mehr zur Ruhe kommt. Immer mehr schlimme Nachrichten, immer mehr unklare Zukunftsaussichten – und irgendwie immer weniger Zeit, dass der Körper und vor allem die Seele mal „durchschnaufen“ und wieder auftanken kann.

Und da stelle ich mir die Fragen: „Geht es denn wirklich nur mir so, oder geht es anderen auch so?“ und: „Ist das nur dieses Jahr so schlimm oder gab es solche Phasen schon mal?“

Dann lese ich den Spruch für den Monat November, der im Brief an die Thessalonicher zu finden steht und frage mich erneut etwas, nämlich: „Was war damals der Grund für diesen Satz?“

Jesus war zum Zeitpunkt, als die Worte geschrieben wurde, schon lange Zeit nicht mehr auf der Welt. Er ist nicht mehr bei seinen Jüngern und auch nicht mehr bei der nach seinem Tod entstandenen jungen christlichen Gemeinde. Der Schreiber des Briefes, Paulus, ist in Sorge. Werden die Thessalonicher den zunehmenden Druck von außen standhalten? Angst und Schrecken machen sich breit. Die bedrängende Frage ist, wann Jesus endlich wiederkommt! Manch einer verliert die Geduld… andere verlieren den Mut… wieder andere stehen sogar in der Gefahr, den Glauben zu verlieren. Auf diesem Hintergrund schreibt der Apostel: „Der HERR lenke eure Herzen auf die Liebe zu Gott hin und auf das geduldige Warten auf Christus.“

Sie sollen ihnen Mut machen. Und Hoffnung schenken. Das sich ihr Warten lohnen wird. Das es einen Ausweg gibt.

Auch ich lese diese Zeilen. Mitten hinein in mein Unruhig-Sein. Mitten hinein in die Fragen, was die nächsten Monate mit-sich-bringen.

Und merke: Es tut gut. Zu wissen, dass Gott bei mir ist. Das er meine Gedanken lenken kann. Weg von all den Sorgen und Ängsten. Hin zu: Endlich wieder Licht sehen, endlich wieder Hoffnung haben.

Langsam kehrt auch bei mir Ruhe ein.

Und so wünsche ich uns allen einen gesegneten November,

Ihre Manuela Schmidt

Gedanken zum Monatsspruch Oktober 2021

„Lasst uns aufeinander achthaben und einander anspornen zur Liebe und zu guten Werken.“

Hebräer 1024

Liebe Brüder und liebe Schwestern,


Der Herbst ist ins Land gezogen und mit ihm auch der Wechsel von den langen hellen Sommerabenden zu immer mehr Dunkelheit. Noch können wir der Wärme und der Leichtigkeit des Sommers nachspüren. Noch stehen vor uns ein paar schöne Tage. Aber allmählich verlagert sich unser Dasein wieder in den Innenbereich unserer Häuser. Vielleicht haben wir dadurch wieder weniger Kontakte. Vielleicht wird es wieder schwieriger sich unter einander auszutauschen. Viele Menschen fürchten sich vor den langen Wintermonaten. Nicht nur wegen der Kälte, sondern weil die Mensch zu Mensch Beziehungen abbrechen und lahm liegen. Nicht nur in Coronazeiten.


Der Hebräerbrief fordert uns heraus! Da schreibt einer, dass wir aufeinander achthaben sollen. In unserer Leistungsgesellschaft ist das schon fast eine Zumutung. Eigentlich stelle ich mich tagtäglich in den Vordergrund. Was ich schaffe, zählt. Was ich tue, ist wichtig. Meine Leistung, mein Beitrag,meine Anstrengung und mein Engagement bringen den entscheidenden Effekt. Was nützt es da ,wenn einer neben mir herumprobiert und doch keinen Erfolg hat. Was kümmert es mich, wenn einer sich abmüht und keinen Erfolg hat und am Ende aufgibt.


Wir leben in einer Leistungsgesellschaft. In einer aggressiven noch dazu. Und Mitmenschlichkeit ist ein Fremdwort geworden. Wer im Arbeitsprozess steht oder zur Schule geht, oder in einer weiterführenden Einrichtung tätig ist, weiß das längst. Und auch unter den Menschen, die im wohlverdienten (Un-) ruhezustand sind, ist das Prinzip des Besser, Höher, Weiter längst angekommen.


Achthaben aufeinander, das heißt, den Menschen neben mir ins Visier zu nehmen. Was denkt er, was möchte er. Was prägt ihn, was quält ihn. Ich muss auf den, der mir begegnet zugehen lernen. Der, der mir heute begegnet, ist das nicht zufällig , sondern es gehört zu Gottes Plan, in dem du eingebettet bist. Und manchmal bist du bereits mittendrin in deiner Aufgabe. Du fragst dich, wie du dem Mann aus Somalia begegnen sollst. Du hast keine Ahnung, wie du dem Osteuropäer deutsche Arbeitsweise vermitteln sollst. Und wenn du deine eigenen Vorurteile überwunden hast, merkst du, dass weder Hautfarbe noch Herkunft eine Rolle spielen. Was ihr gemeinsam tut, damit jeder am Monatsende einen ordentlichen Lohn erhalten kann, das ist nicht so wichtig. Und das wird auch erst
dann gut funktionieren, wenn wir uns menschlich näher gekommen sind.


Der Mann aus Somalia hat eine lange Flüchtlingsgeschichte hinter sich. Immer ist er zur Stelle, wenn es etwas zum Helfen gibt. Ein Mensch, wie du und ich mit einer anderen Kultur und Religion. Ein Mensch, von Gott geliebt. Anders, als du und ich, aber er ist da und das verlangt Respekt. Der Mann aus Osteuropa kam zum Geldverdienen hierher. Viel hat er erzählt über sein Heimatland und wie die Menschen dort leben. Er lebt jetzt in einer völlig anderen Welt und ermöglicht seinen Landsleuten, es ihm gleichzutun.


Wer nie zuhört, wird auch nie erfahren, welche Sorgen und Probleme die anderen mit sich herum tragen. Vielleicht sind die Sorgen und Probleme der anderen banal in meinen Augen. Vielleicht treffen sie mich an einer wunden Stelle. Vielleicht habe ich gerade genug Sorgen und Probleme. Wenn ich mich meinem Nächsten zuwenden will, dann muss ich meinem Gegenüber auf Augenhöhe begegnen können. Dann muss ich aufmerksam sein können. Dann muss ich fürsorglich und behutsam auf den anderen zugehen. Dann darf ich das nicht nur ein bisschen tun, sondern ich muss es auch wollen. Denn Gott liebt dich und auch mich. Seine Liebe weiter zu geben, hat höchste Priorität. Nur so können wir in eine gute Zukunft weiter gehen. Nur so kann wird es endlich Friedenauf Erden geben. Nur so werden wir unseren Kindern und Enkelkindern Leben auf diesem Planeten ermöglichen.

Lasst uns einander anspornen zur Liebe und zu guten Werken! Aber lasst uns das nicht besserwisserisch tun. Jeder von uns hat sein eigenes Tempo, seine eigenen Erfahrungen, seine eigenen Ansichten. Das gilt es zu bedenken. Was für mich richtig erscheint, muss nicht allgemein gültig sein. Ansporn kann sonst auch zur Entmutigung führen.


Niemand soll ausgegrenzt werden, niemand soll abwertend beurteilt werden. Wenn ich mich dafür entscheide, dass eine Impfung gegen Covid 19 für mich nicht in Frage kommt, dann ist das meine Entscheidung. Das muss toleriert werden in unsere Gesellschaft und darf nicht zu Diskriminierungen führen. Wir haben gelernt mit dem Virus und seiner Gefahr vernünftig umzugehen und haben viele Schutzmechanismen entwickelt.


Lasst uns wieder zum Leben zurück finden! Lasst uns den Nächsten, der uns begegnet in den Fokus nehmen und ihn mit den uns gegebenen Gaben beistehen, aufrichten und bewahren. Das sind meine Aufgaben, mein Ziel, mein Ansporn.


Herzliche Grüße und Gottes Segen!


Uta Baumfelder

Gedanken zum Monatsspruch September 2021

„Ihr sät viel und bringt wenig ein; ihr esst und werdet doch nicht satt; ihr trinkt und bleibt doch durstig; ihr kleidet euch, und keinem wird warm; und wer Geld verdient, der legt‘s in einen löchrigen Beutel“

Haggai 1,6

Liebe Schwestern und Brüder,


war alles umsonst? So hat man es vielfach lesen können, als vergangenen Monat die Taliban innerhalb weniger Tage ganz Afghanistan unter ihre Kontrolle brachten und alles, was in 20 Jahren NATO-Einsatz dort an Staatstrukturen etabliert und an Wiederaufbau geleistet wurde, über den Haufen geworfen wurde. Waren also alle Kosten, alle Bemühungen, alle Opfer der Soldaten und Hilfsorganisationen dort völlig umsonst?


Es gibt viele Situationen, in denen man sich fragen kann, war denn mein ganzes Bemühen umsonst? Wir wählen einen neuen Bundestag und so manch ein Wahlkämpfer, aber auch der ein oder andere Wähler wird sich hinterher fragen, war alles umsonst? Selbst bei Olympia gilt schon lange, zumindest bei manchen Medienvertretern, nicht mehr das Motto „dabei sein ist alles“, sondern nur eine Medaille. Jahrelang wird trainiert und wenn es dann, obwohl man in dem Jahr bislang alles gewonnen hat, doch nicht reicht, dann ist die Enttäuschung groß. Genauso wie sich Menschen, die lange intensiv auf ihre Gesundheit geachtet haben, sich ausgewogen ernährten und viel Sport trieben, aber dann doch krank wurden und viel leiden mussten, zweifelnd fragen, ob die ganze Schinderei umsonst war. Ebenso die Bauern in den Hochwassergebieten oder in den vergangenen Dürrejahren. Man sät und kümmert sich um seine Felder, man bekämpft Unkraut, lockert Böden auf, wässert nach Möglichkeit und es bringt doch nichts ein, wenn das Wetter nicht passt. Oder auch die vielen engagierten, die Ideen entwickeln, regelmäßig Veranstaltungen planen und durchführen, jedoch immer wieder ernüchtert feststellen, dass viele Mitmenschen sich nicht aus ihren Häusern locken lassen und lieber im Klagen feststecken, es sei nichts los. Ist denn alles umsonst?


Ja, es lässt sich oft der Eindruck gewinnen, dass alles umsonst ist. Gerade jetzt, in der zweiten Hälfte des Jahres, in der es auf die Ernte zugeht und erste Bilanzen gezogen werden, so fällt manch einer dieses Fazit. Auch unser Monatsspruch scheint diese Feststellung zu treffen. Egal, wie sehr man sich bemüht, es hilft doch nichts. Man kann sich um alles Leibliche kümmern, nach bestem Wissen redlich und gut leben und doch unzufrieden bleiben. Man kann Geld verdienen und muss doch feststellen, dass es nichts bringt, der reichste auf dem Friedhof zu sein. Man kann noch so viele gute fromme Worte hören, wenn sie doch nichts in einem verändern, das Handeln das gleiche bleibt. Man kann auch noch so viele gute Predigten halten, aber was hilft es, wenn es fast keiner hört. Der Prophet Haggai, der die Worte des Monatsspruchs im Auftrag Gottes dem Volk Israel überbringen soll, hat sich vermutlich gefragt, was Gott mit solchen harten Aussagen den Isareliten sagen will. Natürliche gehören Essen, Trinken, Kleidung und ein eigenes Einkommen zum menschlichen Leben dazu. Den meisten Menschen ist auch bewusst, dass Leben mehr ist als das Stillen der Grundbedürfnisse oder das Streben nach materiellem Besitz. Gottes Worte beziehen sich darauf, dass die Menschen nicht nur um sich selbst drehen sollen, nicht nur um ihr tägliches Fortkommen, sondern dass sie nach höherem Ziel streben sollen. Haggai soll sie konkret zum Wiederaufbau des Tempels in Jerusalem anhalten. Man kann sich jetzt fragen, warum Gott das höher gewichtet als menschliche Bedürfnisse. Zum einen geht es um die gemeinsame Aufgabe. Die Menschen sollten zusammenstehen, um solch große Herausforderungen anzugehen. Große Heraus-forderungen wie den Wiederaufbau eines Gebäudes, aber auch die Überwindung von Naturkatastrophen oder große gesellschaftliche Umwälzungen. Zum anderen laufen wir Menschen dabei jedoch Gefahr, in unserem Streben, etwas Höheres zu erreichen, unseren Nächsten zu übersehen und die eigene Leistung überbewerten. Alles, was wir erreichen können, ist vergänglich. Wer Olympiasieger errungen hat, darf stolz auf sich sein, aber schon vier Jahre später wird vermutlich ein anderer Olympiasieger. Ein Bundestagsmandat ist auch nur auf Zeit vergeben. Vier Jahre später kann ein anderer gewählt werden. Auch scheinbar stabiles wie ein Haus oder eine Kirche oder auch wie die eigene Gesundheit, wie eine glückliche Ehe, wie Frieden in einem Land sind nicht unzerstörbar. Naturkatastrophen zerstören Häuser, Kleinigkeiten spalten Gesellschaften, Viren bedrohen die Gesundheit.


Ist also alles, was wir tun, umsonst? Nein. Es geht bei Olympia nicht nur um gewinnen oder verlieren, sondern eben doch um das Dabeisein, um die Menschen, die man kennenlernt, die Freundschaften, die sich dabei bilden, das Mitfiebern und Mitleiden. Bei der Wahl geht es nicht nur darum, sich gegen andere durchzusetzen und Ämter zu besetzen, sondern um Ideen zum Wohle aller einzubringen, unsere Gesellschaft aktiv mitzugestalten, Missstände anzugehen und Bewährtes zu verteidigen. Beim Wiederaufbau der Häuser nach den Überschwemmungen geht es nicht nur um die Wiederherstellung von Gebäuden und Infrastruktur, sondern um die Hoffnung, um das Gefühl, nicht allein gelassen zu sein. Es ist nicht umsonst, dort wieder alles neu aufzubauen, auch wenn ein künftiges Unwetter wieder alles bedroht. Es ist nicht umsonst, sich für Menschen in aller Welt einzusetzen und dabei dem Beispiel Jesu zu folgen. Auch wenn unsere Kraft klein erscheint, Gott begleitet uns und so wird es gelingen. Wie der Wiederaufbau des Tempels damals. Vertrauen wir ihm!


Einen behüteten Spätsommer wünscht Euch und Ihnen Chris Schönefeld