Kategorie-Archiv: Monatsspruch

Gedanken zum Monatsspruch September 2021

„Ihr sät viel und bringt wenig ein; ihr esst und werdet doch nicht satt; ihr trinkt und bleibt doch durstig; ihr kleidet euch, und keinem wird warm; und wer Geld verdient, der legt‘s in einen löchrigen Beutel“

Haggai 1,6

Liebe Schwestern und Brüder,


war alles umsonst? So hat man es vielfach lesen können, als vergangenen Monat die Taliban innerhalb weniger Tage ganz Afghanistan unter ihre Kontrolle brachten und alles, was in 20 Jahren NATO-Einsatz dort an Staatstrukturen etabliert und an Wiederaufbau geleistet wurde, über den Haufen geworfen wurde. Waren also alle Kosten, alle Bemühungen, alle Opfer der Soldaten und Hilfsorganisationen dort völlig umsonst?


Es gibt viele Situationen, in denen man sich fragen kann, war denn mein ganzes Bemühen umsonst? Wir wählen einen neuen Bundestag und so manch ein Wahlkämpfer, aber auch der ein oder andere Wähler wird sich hinterher fragen, war alles umsonst? Selbst bei Olympia gilt schon lange, zumindest bei manchen Medienvertretern, nicht mehr das Motto „dabei sein ist alles“, sondern nur eine Medaille. Jahrelang wird trainiert und wenn es dann, obwohl man in dem Jahr bislang alles gewonnen hat, doch nicht reicht, dann ist die Enttäuschung groß. Genauso wie sich Menschen, die lange intensiv auf ihre Gesundheit geachtet haben, sich ausgewogen ernährten und viel Sport trieben, aber dann doch krank wurden und viel leiden mussten, zweifelnd fragen, ob die ganze Schinderei umsonst war. Ebenso die Bauern in den Hochwassergebieten oder in den vergangenen Dürrejahren. Man sät und kümmert sich um seine Felder, man bekämpft Unkraut, lockert Böden auf, wässert nach Möglichkeit und es bringt doch nichts ein, wenn das Wetter nicht passt. Oder auch die vielen engagierten, die Ideen entwickeln, regelmäßig Veranstaltungen planen und durchführen, jedoch immer wieder ernüchtert feststellen, dass viele Mitmenschen sich nicht aus ihren Häusern locken lassen und lieber im Klagen feststecken, es sei nichts los. Ist denn alles umsonst?


Ja, es lässt sich oft der Eindruck gewinnen, dass alles umsonst ist. Gerade jetzt, in der zweiten Hälfte des Jahres, in der es auf die Ernte zugeht und erste Bilanzen gezogen werden, so fällt manch einer dieses Fazit. Auch unser Monatsspruch scheint diese Feststellung zu treffen. Egal, wie sehr man sich bemüht, es hilft doch nichts. Man kann sich um alles Leibliche kümmern, nach bestem Wissen redlich und gut leben und doch unzufrieden bleiben. Man kann Geld verdienen und muss doch feststellen, dass es nichts bringt, der reichste auf dem Friedhof zu sein. Man kann noch so viele gute fromme Worte hören, wenn sie doch nichts in einem verändern, das Handeln das gleiche bleibt. Man kann auch noch so viele gute Predigten halten, aber was hilft es, wenn es fast keiner hört. Der Prophet Haggai, der die Worte des Monatsspruchs im Auftrag Gottes dem Volk Israel überbringen soll, hat sich vermutlich gefragt, was Gott mit solchen harten Aussagen den Isareliten sagen will. Natürliche gehören Essen, Trinken, Kleidung und ein eigenes Einkommen zum menschlichen Leben dazu. Den meisten Menschen ist auch bewusst, dass Leben mehr ist als das Stillen der Grundbedürfnisse oder das Streben nach materiellem Besitz. Gottes Worte beziehen sich darauf, dass die Menschen nicht nur um sich selbst drehen sollen, nicht nur um ihr tägliches Fortkommen, sondern dass sie nach höherem Ziel streben sollen. Haggai soll sie konkret zum Wiederaufbau des Tempels in Jerusalem anhalten. Man kann sich jetzt fragen, warum Gott das höher gewichtet als menschliche Bedürfnisse. Zum einen geht es um die gemeinsame Aufgabe. Die Menschen sollten zusammenstehen, um solch große Herausforderungen anzugehen. Große Heraus-forderungen wie den Wiederaufbau eines Gebäudes, aber auch die Überwindung von Naturkatastrophen oder große gesellschaftliche Umwälzungen. Zum anderen laufen wir Menschen dabei jedoch Gefahr, in unserem Streben, etwas Höheres zu erreichen, unseren Nächsten zu übersehen und die eigene Leistung überbewerten. Alles, was wir erreichen können, ist vergänglich. Wer Olympiasieger errungen hat, darf stolz auf sich sein, aber schon vier Jahre später wird vermutlich ein anderer Olympiasieger. Ein Bundestagsmandat ist auch nur auf Zeit vergeben. Vier Jahre später kann ein anderer gewählt werden. Auch scheinbar stabiles wie ein Haus oder eine Kirche oder auch wie die eigene Gesundheit, wie eine glückliche Ehe, wie Frieden in einem Land sind nicht unzerstörbar. Naturkatastrophen zerstören Häuser, Kleinigkeiten spalten Gesellschaften, Viren bedrohen die Gesundheit.


Ist also alles, was wir tun, umsonst? Nein. Es geht bei Olympia nicht nur um gewinnen oder verlieren, sondern eben doch um das Dabeisein, um die Menschen, die man kennenlernt, die Freundschaften, die sich dabei bilden, das Mitfiebern und Mitleiden. Bei der Wahl geht es nicht nur darum, sich gegen andere durchzusetzen und Ämter zu besetzen, sondern um Ideen zum Wohle aller einzubringen, unsere Gesellschaft aktiv mitzugestalten, Missstände anzugehen und Bewährtes zu verteidigen. Beim Wiederaufbau der Häuser nach den Überschwemmungen geht es nicht nur um die Wiederherstellung von Gebäuden und Infrastruktur, sondern um die Hoffnung, um das Gefühl, nicht allein gelassen zu sein. Es ist nicht umsonst, dort wieder alles neu aufzubauen, auch wenn ein künftiges Unwetter wieder alles bedroht. Es ist nicht umsonst, sich für Menschen in aller Welt einzusetzen und dabei dem Beispiel Jesu zu folgen. Auch wenn unsere Kraft klein erscheint, Gott begleitet uns und so wird es gelingen. Wie der Wiederaufbau des Tempels damals. Vertrauen wir ihm!


Einen behüteten Spätsommer wünscht Euch und Ihnen Chris Schönefeld

Gedanken zum Monatsspruch August 2021

Neige, HERR, dein Ohr und höre! Öffne, HERR, deine Augen und sieh her!

2 Könige 19,16

Liebe Schwestern und Brüder,

nun sind wir hier, am Anfang vom August. Eigentlich doch etwas sehr Schönes. Denn der August ist ja einer der Sommermonate, den wir doch noch vor 2 Jahren mit Urlaub, Reisen, Ferien verbunden haben. Im August fängt es in unsere Gärten auch an, dass man ernten kann. Tomaten, Gurken, Äpfel, die ganzen Beeren. Die Bauern ernten ihr Getreide. Das sind doch die Bilder, welche wir alle im Kopf haben vom August.Aber dieses Jahr ist August bei vielen von uns leider auch mit ganz viel Bangen verbunden. 16 Monate Corona – Pandemie liegen nun schon hinter uns. 16 Monate, in denen man immer hoffte, dass doch bald die Zahlen sinken. Hoffte, dass Lockerungen in Kraft treten. Selbstständige und Firmenbesitzer ständig hofften, dass es doch endlich vorbei ist. Und dann kam schon wieder die nächste Welle. Mit voller Wucht.

Und wir fragen uns: Wie wird das noch weiter gehen?Und nicht nur Corona hat unser Leben in der letzten Zeit bestimmt. Jetzt im Juli die schlimmen Unwetter, die erst im Landkreis Hof den Katastrophenfall ausrufen liesen und dann nur 2 Tage später in Eifel, Nordrhein – Westphalen und Rheinland – Pfalz etliche Tote forderten. Hunderte Feuerwehren waren im Einsatz, Rettungskräfte. Tagelang, nächtelang. Unermüdlich im Kampf gegen die Wassermassen. Die so eine unfassbar große Kraft hatten, dass sie Autos mit sich rissen und ganze Häuser – doch eigentlich massiv gebaut – zerstörten.

Und man möchte hinausrufen, ja geradezu hinausschreien: „Neige, Herr, dein Ohr und höre! Öffne, Herr, deine Augen und sieh her!“ Und anfügen: „Wenn wir es schon nicht fassen können, vielleicht kannst du es ja.“Und dann schauen wir unter den Monatsspruch und lesen: 2. Buch der Könige. Und merken, auch damals schon muss es jemanden gegeben haben, der ruft. Voller Verzweiflung, voller Angst. Auch Hiskia ist bedroht. Hiskia ist vor 2700 Jahren der König von Juda gewesen. Er sagt als Erster diese Worte und bittet Gott um Gehör und Hinsehen. Das, was Hiskia bedroht, lässt sich mit einer Zahl ausdrücken: 185.000. So viele Soldaten hat Sanherib, der König von Assyrien. Juda ist winzig, Assyrien ist groß. Ein ungleiches Verhältnis. Und das weis eben auch König Hiskia. Er merkt: Das Einzigste, was mir jetzt noch helfen kann, ist Beten. Beten zu Gott.Denn auch Hiskia fühlt sich klein und hilflos angesichts des drohenden Angriffs.So wie wir, die nicht wissen, was die nächsten Monate bringen. Welle Nummer 4? Oder die Menschen, die ihr Hab und Gut verloren haben. Können sie nochmal die Kraft aufbringen, sich ein neues Heim aufzubauen?

Manchmal hilft uns da eben wirklich nur noch das Gebet:

Neige, HERR, dein Ohr und höre!

Öffne, HERR, deine Augen und sieh her!

Und so wünsche ich uns allen einen gesegneten August,

Ihre Manuela Schmidt

Gedanken zum Monatsspruch Juli 2021

Gott ist nicht ferne von einem jeden unter uns. Denn in ihm leben, weben und sind wir.
Apostelgeschichte 17,27

Liebe Brüder und Schwestern,

„Geh aus mein Herz und suche Freud in dieser schönen Sommerzeit“, so dichtete Paul Gerhardt im Jahre 1653 nur wenige Jahre nach dem verheerenden 30- jährigen Krieg  eines seiner schönsten Lieder. In 15 Strophen erfahren wir sehr viel über das, was Gerhardt in seiner Zeit tief bewegt. Er nimmt uns mit auf eine Reise durch sein Erleben und Schauen und auf sein Hoffen und Glauben. Er beschreibt die ganze Fülle dessen, was um ihn herum geschieht. Er kann es mit dankbaren Augen sehen, seine Freude ist fast grenzenlos. In ihm erwacht nach jahrzehntelanger Not, Bitterkeit und Leid das Leben wieder neu. Er erhebt sich aus dem Trauma des schrecklichen Krieges, um das Leben wieder neu zu erfahren.

Er schaut die schönen bunten Gärten, die Bäume, die voller Laub stehen, das herrliche Grün überall. Er sieht, wie die Vögel voller Leben sind und mit ihrem Gesang alles übertönen. Viele herrliche Momente sind ihm vergönnt, er kann Rehe und Hirsche beobachten, sieht wie die Bienen emsig ihrer Arbeit nachgehen. Er schaut Bäche und Wiesen, Schafe und Hirten, wie sie in Frieden ein Teil der Schöpfung sind. Die Äcker sind bestellt und müssen nicht mehr brach liegen und brauchen auch keine Angst mehr vor Verwüstung zu haben. Der Krieg ist vorbei. Der Weizen wächst wieder und damit die Grundlage für die Ernährung der Menschen. Gott sei gelobt und gedankt, dass die Not ein Ende hat, so schreibt Gerhardt. So singt und klingt es in ihm und es dringt eine tiefe Freude aus seinem Herzen.

Um das Jahr 50 nach Christus steht Paulus auf dem Aeropag, einem damals berühmten Platz in Athen, auf dem unter anderen viel geredet und diskutiert wurde und macht Werbung für den einen Gott, den Gott der Juden und den Gott Jesu Christi, den Gott selbst von den Toten auferweckt hat, damit wir leben. Und Paulus weiß, dass dieser eine Gott, der Schöpfer des ganzen Universums ist. Der Schöpfer alles Sichtbaren auf der Erde und im Himmel und des Unsichtbaren, uns Menschen Verborgenen. Und dieser wunderbare, allmächtige Schöpfer wohnt nicht in fernen Weiten, sondern er durchdringt seine Schöpfung in jedem Augenblick. Auch jeder von uns ist Teil von Gottes Schöpfung. Gott ist uns nah, viel näher als wir denken. Näher als uns vertraute Dinge oder Menschen. Wir leben immer schon von Gott her, aber wir haben das so oft und so lange ignoriert. Gott aber will gesucht werden. Gott will gefunden werden. Gott möchte, dass wir mit ihm leben und eine persönliche Beziehung aufbauen. Gott will, dass keiner verloren ist. Gott ruft deinen Namen, damit du nicht ohne ihn leben musst. Wer an Gott glauben kann, dem schenkt er Leben, das gelingen kann und unvergänglich ist.

Ich lausche den Worten von Paul Gerhards Sommerlied und höre auch die Strophen des zweiten Teils. Ich höre die Hoffnung, dass nach dieser Reise hier das Paradies wartet. Ich spüre die Kraft, die mich so manche Widerwärtigkeit hier ertragen lässt. Ich fühle mich gesegnet und behütet.

Hilf mir und segne meinen Geist mit Segen, der vom Himmel fleußt, dass ich dir stetig blühe; gib, dass der Sommer deiner Gnad in meiner Seele früh und spat viel Glaubensfrüchte ziehe, viel Glaubensfrüchte ziehe.

Wenn Sie das Lied gern singen möchten, dann schlagen Sie doch einfach das Gesangbuch auf. Im evangelischen Gesangbuch, Ausgabe Thüringen/Bayern, finden Sie es unter der Nummer 503.

Bleiben Sie behütet! Lassen Sie in dieser schönen Sommerzeit die Freude in ihr Herz und genießen Sie in vollen Zügen eine gesegnete Zeit.

Ihre Uta Baumfelder

Gedanken zum Monatsspruch Mai 2021

 
Öffne deinen Mund für den Stummen, für das Recht aller Schwachen!
Sprüche 31,8
 
Liebe Schwestern und Brüder,
 
„Öffne deinen Mund für die Stummen, für das Recht aller Schwachen!“ – so lesen wir es, schwarz auf weiß, wenn wir uns den Monatsspruch für Mai 2021 anschauen.
 
Das ist kein „Ach, wenn du mal Lust und Muse hast, könntest du ja mal …“ Nein, diese Worte klingen wie ein Befehl. Wir sollen aktiv werden. Für all die, die keine „Lobby“ haben, wie es neudeutsch so schön heißt.
 
Und diese Lebewesen – ich schreibe es bewusst so, da es nicht nur um uns Menschen geht – die keine Lobby haben, die gibt es nicht erst seit heute.
 
Schauen wir uns erst einmal an, wo wir die Worte in der Bibel finden. Der Monatsspruch steht im letzten Kapitel des Buchs der Sprüche, ein Nachtrag mit Worten des arabischen Königs Lemuel an seinen Sohn. Lemuel ermahnt den künftigen Herrscher, nicht den Verlockungen der oberen Gesellschaftsschichten zu erliegen, nicht den Playboy zu spielen, sondern seine Verantwortung wahrzunehmen. „Öffne deinen Mund für den Stummen, für das Recht aller Schwachen!“ Als König war er zugleich oberster Richter. Die sozial Schwachen, die nichts zu sagen hatten, werden kaum vor Gericht gegangen sein, um ihre Rechte durchzusetzen. Da mussten die Verantwortlichen und besonders die Propheten die Augen aufhalten und melden, wenn den kleinen Leuten Unrecht getan wurde. Lemuels Sohn sollte als oberster Richter die Rechte der Schwachen schützen.
 
Seien wir ehrlich, auch bei uns, im Jahr 2021, gibt es ganz viele, die nicht gehört werden und deren Sorgen und Ängste nicht wahrgenommen werden.
 
Was uns da wohl als erstes einfällt, sind die vielen Menschen ohne Obdach hier in Deutschland, die man vielleicht schon mal in größeren Städten gesehen hat. Oder die hungernden, mangelernährten Kinder aus der Werbung, die in Afrika leben.
 
Dann die Christinnen und Christen in einigen Ländern dieser Welt, die aufgrund ihres Glaubens verfolgt werden und niemanden haben, der sie schützt.
 
Aber es gibt noch so viele andere, die eben auch keine Stimme haben. Ob nun der Embryo, bei dem Ärzte schon lange vor der Geburt bestimmen, ob er ein Recht auf Leben hat oder ob die Frau das Ungeborene lieber abtreiben soll. Oder die Heimbewohner, die seit mehr als einem Jahr isoliert sind.
 
Oder, denn auch sie sind Geschöpfe Gottes, die vielen Nutztiere wie Rinder und Schweine, die quer durch Europa oder sogar die ganze Welt transportiert werden, nur um woanders möglichst kostengünstig geschlachtet zu werden.
 
Jedem von uns fällt sicher noch viel mehr ein.
 
Monatssprüche, die sollen uns nicht nur an das schöne erinnern, was uns Gott geschenkt hat. Nein, sie sollen uns manchmal eben auch wachrütteln, dass auch wir aktiv werden können und sollen.
 
Es muss nicht gleich der große und oft beschworene Weltfrieden sein. Wir alle können dazu beitragen, dass auch die gehört werden, die sonst schwach und stumm sind.
 
Bleiben Sie behütet!
 
Ihre Manuela Schmidt

Gedanken zur Monatslosung

„Christus ist Bild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene der ganzen Schöpfung.“
Kol 115

Liebe Schwestern und Brüder

möchten Sie auch manchmal so sein wie ein Kind? So unbefangen und ohne Vorurteile? So neugierig und wissensdurstig?

Fragen Sie doch einmal ein Kind, wie es sich Gott vorstellt! Mit einem Erwachsenen wird das viel schwieriger gehen. Aber die kindliche Phantasie kann wunderbbare Bilder malen. Bilder, die von einem hohen Schutzbedürfnis reden, von einer großen Liebe und einer innigen Geborgenheit. Und egal in welche vertrauten Personen oder Dinge die Kinder ihr Bild von Gott verpacken, die Aussagen werden sich ähneln.

Und ich denke an meine Kindheit zurück, als Gott noch der liebe Gott war und alles war gut. Längst  sind die Kinderschuhe abgestreift und das Leben hat tiefe Spuren in uns gegraben. Kummer und Leid waren uns Wegbegleiter und das Bild von Gott aus der Kinderzeit ist verschwunden. Das Bild ist ein anderes geworden. Und wenn ich es spüren will, dann muss ich ganz stille tief in mich hineinhorchen.

Unser Monatsspruch ist uns auf der Suche nach Gott behilflich. Im Brief an die Kollossäer schreiben die Freunde von Paulus ein Weisheitslied und das beginnt mit den Worten: „ Christus ist das Bild des unsichtbaren Gottes.“

Wer Christus sieht, sieht Gott. Durch Jesus erfahren wir, wie Gott sich den Mensch vorgestellt hat und was Gott für uns möchte.

Jesus hat den Menschen immer wieder von Gott, dem Vater, erzählt. In Gleichnissen und Bildern redet Jesus. Er redet nicht nur, er handelt auch. Er heilt Kranke, er macht Blinde sehend. Er öffnet Taubstummen die Ohren und löst ihre Zunge. Lahme können wieder ihre eigenen Beine benutzen. Jesus kümmert sich um die Kinder, die damals in der Gesellschaft keinen Wert hatten. Keiner sonst hätte das getan.

Er vergibt Menschen ihre Schuld und schenkt ihnen eine neue Chance. Jesus stellt Menschen plötzlich in seinen Dienst, die das Wort Gottes vor den Menschen ausbreiten. Er erbarmt sich der Schwachen und Ausgegrenzten. Er schenkt in seiner sanftmütigen Art Liebe und Hoffnung.

Jesus geht seinen Weg zu den Menschen konsequent. Seine Gegner können ihn nicht einschüchtern. Er nimmt Folter und Kreuzigung auf sich. Sein Tod ist Ausdruck seiner Liebe zu uns Menschen. Gottes Sohn, den Gott ins Leben gerufen hat, noch ehe er diese Welt und uns geschaffen hat, gibt sein Leben für uns. Er gibt es, damit wir nicht länger von Gott getrennt leben müssen. Er gibt es, damit wir mit allen unseren Belastungen, unseren Ängsten und Problemen, unseren Schmerzen und unserem Leid  und mit unserer Schuld zu ihm kommen können. Er will uns tragen und uns behüten.

Die Nacht auf Golgatha am Karfreitag wandelt sich. Gottes Liebe ist stärker als der Tod und Gott reißt seinen Sohn aus dem Tod ins Leben.

Am Ostersonntag bricht ein  euer Morgen  an!

Lasst uns, wo immer das geht in den Choräle: Christ ist erstanden oder Wir wollen alle fröhlich sein, oder was immer Ihnen gefällt, einstimmen.

Der Tod hat nicht das letzte Wort, Corona hat nicht das letzte Wort!

Gott ist nicht mehr fern!

Das Leben hat gesiegt!

Ein gesegnetes Osterfest!

Ihre Uta Baumfelder

Gedanken zum Monatsspruch März 2021

Jesus antwortete: Ich sage euch: Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.
Lukas 19,40
 
Liebe Schwestern und Brüder,
 
„Reden ist Silber und Schweigen ist Gold“ – so sagt es das Sprichwort. Was oft stimmt und man sich bei manchen öffentlichen Personen gerade in dieser Zeit bisweilen wünschen würde, kann in anderen Situationen auch falsch sein. Zu oft schweigt man, wenn Unrecht geschieht. Zu oft sagt man nichts, sei es um den anderen nicht zu verletzten oder um einem Streit aus dem Weg zu gehen. Manchmal denkt man hinterher, hätte man mal was gesagt. An anderer Stelle wünscht man sich, man hätte lieber geschwiegen. „Sage nicht alles, was du weißt, aber wisse alles, was du sagst – so lautet eine andere Redensart, In beiden Aussagen wird auf die Kunst verwiesen, im richtigen Moment zu schweigen oder eben etwas zu sagen. Es ist wirklich eine Kunst, weil wohl niemanden gelingt, immer angemessen zu reagieren. Wir erleben gerade, dass besonders in Krisenzeiten unzählige Wahrheiten und vermeintliche Wahrheiten kursieren. Alle scheinen irgendwie berechtigt, selbst, wenn es vollkommen gegensätzliche Sichtweisen sind. Da scheint es schwer zu entscheiden, was richtig und was falsch ist. Haben die Wissenschaftler Recht, die angesichts von immer ansteckenderen Virusvarianten zu mehr Vorsicht mahnen und immer strengere Einschränkungen fordern oder doch die, die mehr Freiheiten unter Hygieneauflagen für möglich halten und vor den wirtschaftlichen und anderen gesundheitlichen Folgen warnen? Als Laie mag man das schwer beurteilen können und man ist vermutlich auch froh, solche Entscheidungen nicht treffen zu müssen. So bleibt Verunsicherung.
 
Im Monatsspruch für den Monat März lesen wir davon, dass Steine schreien sollten, wenn bestimmte Menschen schweigen. Die Worte stammen von Jesus, der sie bei seinem feierlichen Einzug in Jerusalem an die Pharisäer, die geistigen Eliten seiner Zeit, richtet. Seine Worte sollen den Schriftgelehrten, die seinen Anhängern und Jüngern gerade verbieten wollten, ihn als den König und Heiland zu feiern, deutlich machen, dass sie seine Botschaft nicht aufhalten können. Zwar kann einzelnen Menschen verboten werden zu sprechen, aber die Wahrheit wird sich durchsetzen – und wenn sie durch scheinbar tote Steine zu Tage tritt.
 
Was ist das für eine Botschaft, die da mit Jesus in Jerusalem einzieht, die die Pharisäer verhindern wollen? Es ist die Botschaft vom Leiden und Sterben Jesus, von seiner Auferstehung, seinem Sieg über den Tod. Mit Jesus wird der lang ersehnte König gefeiert. Auch die Schriftgelehrten mussten aus ihren Studien der heiligen Schriften gewusst haben, dass ein König kommen würde.
Aber er kommt anders, als sie es erwarten. Nicht mit Glanz und Gloria, sondern auf einem Esel kommt er zu ihnen. Warum macht dieser scheinbar einfache Mann ihnen Angst? Weil er Wunder getan hatte? Weil er vom Reich Gottes sprach? Weil er sich den armen zuwandte? Das taten viele andere damals auch. Propheten gab es immer wieder, was soll jetzt anders sein?
 
Mit Jesus wird sich die Welt verändern. Der all- und übermächtige Gott kommt den Menschen in ihm nahe. Geboren als kleines Kind in einem Stall, wendet er sich den ausgestoßenen Mitmenschen zu, den Armen und Schwachen und verkündet allen die Vergebung der Sünde, das Reich Gottes. Er spricht mit Überzeugung, er spricht mit Vollmacht. Woher nimmt er sich das Recht, die alleinige Wahrheit zu sagen? Wir wissen, dass die Pharisäer in ihrem Argwohn und ihrer Sorge vor Aufständen des einfachen Volkes gegen die übermächtigen römischen Besatzer die Menge später anstacheln werden, den Tod von Jesus zu fordern. Jesus wird für seine Wahrheit leiden und sterben. Und doch wird seine Botschaft gewinnen. Er wird auferstehen.
 
Viele Menschen zweifeln heute an der Botschaft Christi. Sie glauben ihr nicht mehr. Absolute Wahrheiten – daran kann und will ein aufgeklärter Mensch nicht mehr glauben. Zu oft wurde dieser Anspruch missbraucht. Manche gehen soweit, dass sie nicht an Gott glauben. Und doch sind Menschen, die Kirchen, Tempel und religiöse Stätten besuchen, oft ergriffen von der Atmosphäre in diesen geweihten Häusern. Es ist, als würden die Steine hier wirklich zu ihnen sprechen und ihnen Ehrfurcht lehren.
 
Wir wissen oft nicht, was wahr ist und was nur dazu dienen soll, unsere Gedanken in bestimmte Richtungen zu lenken. Wir wissen nicht, ob wir unsere Stimmen erheben sollen oder besser schweigen. Aber eine Botschaft haben wir, an die wir Christen von Herzen glauben dürfen und die allen Menschen gilt und die daher allen gesagt werden kann. Der Tod wird besiegt. Jesus hat gelitten, unsere Sünden können uns nicht mehr von Gottes Liebe entfernen. Wir dürfen darauf vertrauen, dass unser Weg wie der Weg Jesu, manchmal glücklich, manchmal von Leiden durchtränkt, aus Gottes Hand kommt und wieder dorthin zurückgeht, wenn wir sterben.
 
Bei allen unterschiedlichen Gedanken zur aktuellen Situation und auch zu anderen Krisenthemen, reden wir miteinander – nicht um unsere Wahrheiten zu verkünden, sondern uns mit Gottes Botschaft Mut zu machen.
 
Eine segensreiche Passionszeit wünscht Euch und Ihnen
Chris Schönefeld

Gedanken zum Monatsspruch für Februar 2021

Freut euch darüber, dass eure Namen im Himmel verzeichnet sind!
Lukas 10,20

Liebe Schwestern und Brüder,

kennen Sie diesen Moment, in dem man sich denkt: Keiner nimmt mich wahr? Man fühlt sich wie unsichtbar für die Menschen um sich herum, z.B. wenn man einen Vorschlag macht und das irgendwie niemanden interessiert. Oder man erzählt eine für sich unheimlich bedeutende Geschichte, doch stößt damit auf keinerlei Reaktion.

Ähnlich ist das, was wir nun schon seit März 2020 mitmachen. Auch da fühlen sich viele Menschen nicht verstanden. Ich denke da an all die Ärzte und Pfleger, die ihren Patienten helfen wollen, sich aber oft von der Politik und dem Gesundheitssystem im Stich gelassen fühlen. Oder die Einzelhändler, Friseure und Gaststättenbesitzer, die von jetzt auf gleich ihre Läden, Geschäfte oder Gaststätten schließen mussten und nun schon seit Monaten um ihre Existenz fürchten mussten und müssen. Die das Gefühl haben: Hat man uns vergessen? Denkt denn keiner an uns?

Oder die Menschen in den Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen, die durch den Lockdown wochen- und monatelang keinen ihrer Lieben persönlich sehen können. Wie muss es jemanden gehen, der auf Grund seiner Krankheit oder seines Alters eh schon kaum Kontakt zur Außenwelt hatte und den nun auch scheinbar die letzten Freunde und Familienangehörigen allein gelassen haben?

Ähnlich, wenn auch aus ganz anderem Grund, fühlt sich der eine oder andere, wenn er oder sie zu Gott betet. Man erhält ja keine direkte Antwort – also nicht so, als würde man sich mit einem anderen Menschen unterhalten. Aber man wartet dann manchmal schon darauf, dass irgendwas passiert und sich die Situation, in der man sich gerade befindet, ändert. „Gott muss das doch hinbekommen“. Und dann auch da wieder der Gedanke: „Er hört mich ja doch nicht. Er hat mich bestimmt vergessen.“

Wie war nun die Situation damals, also in der Zeit, als der Satz entstand, der uns für den Februar als Monatslosung gegeben ist?

Lukas erzählt uns von einer Begebenheit, in der Jesus 72 Jünger je zu zweit ausgeschickt hat. Ohne große Vorbereitung, ohne irgendwelchen Besitz sollen sie Gewaltiges vollbringen: Kranke heilen, den Frieden Gottes zu den Leuten bringen.

Und diese Leute, die in ihrem bisherigen Leben alle etwas anderes getan haben, kommen zurück und haben Gewaltiges bewegt. Sie haben nicht nur Kranke geheilt, sondern auch Geister und Dämonen ausgetrieben. Die Zweiundsiebzig kommen voll Freude zurück. Grund haben sie genug.

Jesus sagt zu den jubelnden, fröhlichen Jüngern: „Darüber freut euch nicht, dass euch die Geister untertan sind. Freut euch aber, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind.“

Der Grund unserer Lebensfreude liegt nicht in dem Großartigen, was wir in der Welt vielleicht zu Stande bringen. Er liegt immer schon verborgen in uns selbst. Ein jeder von uns ist einmalig und unverwechselbar. Es ist Gottes Geschenk an uns, dass er einen jeden von uns mit Namen kennt und genau das will und soll auch uns, die wir manchmal zweifeln oder traurig sind, weil wir uns ungesehen und ungehört fühlen, Mut machen.

Weil Gott auch unsere Namen und damit auch uns kennt. Jeden einzelnen von uns. Mit all unser Stärken und Schwächen. So wie wir sind.

Das wünsche ich auch Ihnen und mir – dass wir uns freuen, dass unsere Namen im Himmel geschrieben sind.

Es grüßt Sie herzlich

Ihre Manuela Schmidt

Gedanken zum Monatsspruch Januar 2021

 Liebe Schwestern und Brüder,

Ich hoffe, dass  Sie alle gut angekommen sind im neuen Jahr. Die dunklen Tage im Dezember liegen hinter uns. Der Weihnachtsstern ist über uns allen erschienen, viele haben das gar nicht bemerkt. Viel Licht gab es am Ende eines schweren Jahres und die Botschaft der Engel vom Frieden auf Erden hatte am vergangenen Weihnachtsfest so eine ganz andere, viel tiefere Bedeutung als sonst. Sie klingt noch in unseren Ohren und bewegt uns im Herzen. Und sie klingt wie ein Aufbruch, wie eine einzige große Hoffnung. Im Kind in der Krippe ist Gott uns so ganz nah gekommen, zum Anfassen und Erleben nah.

Ich möchte Ihnen und Ihren Familien von ganzen Herzen im Jahr 2021 Gesundheit und Gottes Segen wünschen. Bleiben Sie gesund, oder werden Sie gesund. Bleiben Sie frohen Mutes und voller Erwartung. Ich wünsche Ihnen die Kraft, die Sie brauchen, um aus schlimmen Situationen wieder heraus zu finden.

Schauen Sie bitte nach vorn, Gott wird uns Wege finden lassen, die uns zum Ziel führen.

Dem Beter im Psalm 4, aus dem unser Monatsspruch stammt, dem geht es ein bisschen wie so vielen von uns. Der Psalm ist ein Abendgebet. Mit schweren inneren Lasten legt sich der Beter nieder. Schlimme Sorgen und Ängste quälen ihn, die sich allesamt nicht abschütteln lassen. Es ist so unmöglich, damit an Schlaf zu denken. Deshalb ruft er Gott an und klagt ihm, wie er sich fühlt. Er fühlt sich gemobbt, kleingemacht, ungerecht  behandelt, seiner Würde beraubt, ausgestoßen, unfähig sich zu wehren.

Er fühlt sich schuldig an seiner Situation und wiederholt genau die Worte, die so viele um ihn herum sagen: „Wer wird uns Gutes sehen lassen?“

Provokativ ist das und ansteckend. Ist das nicht so? Ein Haar in der Suppe ist zwar selten, aber schnell gefunden. Am Ende ist nichts mehr Genießbares an der Suppe. So ist das doch!

Dass das Jahr 2020 ein schlimmes Jahr war, das lassen wir so stehen. Aber war wirklich alles schlimm, was geschehen ist? Es gab auch schöne Momente, Tage und Wochen. Vieles war anders, aber wer sich arrangieren konnte, erlebte manche Dinge als weniger schlimm.

Viele trauten sich nicht mehr auf die Straße, in Einkaufsmärkte zu den Gottesdiensten, obwohl die Gefahr einer Ansteckung mit dem Virus durch Vorsichtsmaßnehmen gar nicht gegeben war.

So mancher verlor das Vertrauen und den Glauben. Und so kam es, dass manche in der Pandemie eine Strafe Gottes sehen wollten, andere hilflos abgewunken haben und meinten, Gott hört und hilft nicht mehr. Er ist nicht mehr da.

Was viele sagen, ist schnell übernommen und ist die eigene Meinung.

Gottes Handeln ist aber nicht provokativ. Gott handelt nicht mit spektakulären Methoden. Was Gott tut, das geschieht meist im Verborgenen, meist unbemerkt und mit Langmut. Gott  lässt sich nicht in das Schema menschlichen Denkens pressen.

Glaube und Vertrauen brauchen wir alle. So wie der Beter, der ganz plötzlich Gottes Segen zu spüren bekommt und voller Freude diesen Segen weiter gibt: „Herr lass leuchten über uns das Licht deines Antlitzes!“

Und über diesen Segen fällt die ganze Bürde ab. Da ist Gott so ganz nah und es gibt eine Hoffnung, in die sich unbändige Freude mischt. Wie weggeblasen ist die Angst.

Und so geborgen wie ein Kind spricht er ein Dankgebet:

„Ich liege und schlafe ganz mit Frieden; denn allein du, Herr, hilfst mir, dass ich sicher wohne.“

Ich grüße Sie herzlich

Ihre Uta Baumfelder

Gedanken zum Monatsspruch November 2020

Gott spricht: Sie werden weinend kommen, aber ich will sie trösten und leiten.

Jeremia 31,9

Liebe Schwestern und Brüder,

mit dem Monat November nähert sich nun das Jahr 2020 bald seinem Ende.

Manch einer möchte schon jetzt sagen, ja fast schon schreien: Hoffentlich bald, sehr bald. Denn gefühlt war das Jahr 2020 von zwei Dingen geprägt, die unser Herz bluten lassen: Dem Corona-Virus und dem Borkenkäfer.

All das, was uns vertraut war, war dieses Jahr ganz anders. Nichts mehr so, wie es mal war.

Wir konnten nicht wie gewohnt in andere Länder reisen – Reisewarnungen machten es unmöglich. Die sonst üblichen Besuche der Familie an Ostern – nicht möglich, wegen den Kontaktbeschränkungen. Irgendwo spontan hinfahren – auch nicht machbar, denn zumindest die Maske wurde zum ständigen Begleiter. Auch die Veranstaltungen, die sonst den Sommer prägten, ob nun Kirmes, Dorffeste usw. – mussten abgesagt werden wegen begrenzter Teilnehmerzahl und Abstandregelungen

Und nicht nur unsere Aktivitäten wurden eingeschränkt. Auch unsere Umgebung änderte sich. Wo noch zu Beginn des Jahres die Bäume im Wind rauschten, dröhnten plötzlich Motorsägen und das Krachen umstürzender Bäume war weithin hörbar. Da waren fast über Nacht an Orten, die noch vor eins, zwei Jahren in dichtem Grün standen, kahle Berghänge entstanden. Landschaften änderten sich.

Sie merken, viele Dinge, die unser Leben 2020 eher traurig machten.

Nun kommen, jetzt im November, neben dem grauen Herbstwetter und den Dingen, die seit März 2020 unseren Alltag zusätzlich belasten, auch die beiden Sonntage, an denen wir der Gefallenen und unserer verstorbenen Lieben gedenken.

Menschen, die uns über Jahre und Jahrzehnte begleitet haben, sind nicht mehr bei uns. Manche von ihnen haben wir in diesem Jahr verloren, andere sind schon Jahre nicht mehr bei uns. Gerade am Toten – oder Ewigkeitssonntag kommt wieder die Trauer in uns hoch. Was bleibt, sind Erinnerungen

Irgendwie scheint alles in diesen Tagen grau und trüb und unendlich traurig zu sein und wir fragen uns, wo sich Halt und Hoffnung finden lässt

Der Monatsspruch für den November möchte uns darauf eine Antwort geben. Die Menschen, zu denen der Prophet Jeremia sie damals sprach, waren aus einem anderen Grund traurig, ja, traumatisiert.

Auf einer assyrischen Reliefdarstellung aus dieser Zeit sieht man, wie Einwohner der eroberten judäischen Stadt Lachisch, nahe Jerusalem, von den neuen Machthabern aus ihrer Heimat in eine ungewisse Zukunft abgeführt werden. Die Worte von Jeremia wirken wie ein Kontrast zu dieser Darstellung: „Ich bringe euch wieder zurück, gehe neben euch her und schütze euch.“

Gott sagt ihnen nicht nur zu, dass er sie trösten wird. Nein, er wird sie leiten und begleiten.

Und das möchte er, mitten hinein in diesen November 2020 auch uns sagen:
„ich bin bei euch, ich gehe mit euch da durch und ich beschütze euch“

Diese Zusage wird uns nicht von jetzt auf gleich von unserer Traurigkeit befreien. Aber sie kann uns helfen, die Zeit zu durchstehen, die Hoffnung nicht zu verlieren

So wünsche ich uns allen, dass wir Gott als unseren Begleiter spüren können in diesen trüben Tagen des Novembers.

Ihre Manuela Schmidt

Gedanken zur Monatslosung Oktober

Suchet der Stadt Bestes und betet für sie zum Herrn denn wenn`s ihr wohl gehet, so geht`s euch auch wohl. Jeremia 29,7

Liebe Schwestern und Brüder,

mein Dorf, in dem ich jetzt wohne, ist gar nicht meine eigentliche Heimat. Die liegt weit weg von hier. Manchmal treffe ich auf Menschen von dort und dann wird mir ganz warm ums Herz. Vielleicht ist das so, weil die in den Kinderjahren erfahrene Mentalität sich tief einprägt.

Aber nein, ich will hier nicht wieder weg. Längst gibt es hier Weggefährten, Freunde. Längst sind die Tagesprobleme in den Dörfern Spechtsbrunn, Hasenthal und Haselbach mir zu Eigen geworden. Längst versuche ich mit meiner kleinen Kraft mich zu engagieren.

Und wer sich umschaut wird feststellen, dass die Einheimischen, hier Geborenen, längst nicht mehr unter sich leben können. Viele neue Gesichter prägen unsere Dörfer. Von überall her kommen Menschen. Manche sprechen eine andere Sprache, manche haben eine andere Hautfarbe, manche haben eine andere Gesinnung oder politische Einstellung.

Irritiert uns das?

Oder sind wir in der Lage, den anderen mit Respekt zu begegnen? Behandeln wir Zugezogene als Menschen zweiter Klasse, oder halten wir ihr Anderssein aus?

Als Christen, die sich auf einen erbarmenden und liebenden Gott beziehen, der alle Menschen erreichen möchte und Herr über die ganze Schöpfung ist, haben wir durchaus kein Recht zum Verurteilen. Wenn dem Geringsten auch nur ein wenig Unrecht getan wird, so wird Gott Unrecht getan.

Als der Prophet Jeremia den Vers unseres Monatsspruches schrieb, wandte er sich an die verzweifelten Menschen, die König Nebukadnezar aus der Heimat in Jerusalem ins ferne Babylon führen lies. Sieben Jahrzehnte lang waren die Israeliter gezwungen in der Fremde zu leben.

Sie sollten jedoch nicht resignieren, Jeremia fordert sie auf, aktiv zu werden. Häuser sollen sie bauen. Gärten sollen sie pflanzen. Heiraten sollen sie und Kinder zeugen. Kurzum das Volk Israel solle in der Fremde das Leben gestalten.

„Gott hat gute Gedanken für euch“, so sagt Jeremia, „Gedanken des Friedens und nicht des Leides“. Gott will Hoffnung und Zukunft schenken.

Beten sollen die Israeliter für das heidnische Babylon. Dort, wo sie jetzt leben muss der Glaube an den einen wahren Gott bezeugt werden. Dort wo sie jetzt leben ist der allmächtige Gott mitten unter ihnen. Und er verspricht, sich finden zu lassen, wenn er mit dem Herzen gesucht wird. Und dort, wo Gottes Liebe unter den Menschen aufscheint, da verändert sich auch das Umfeld. Da pflanzt sich fort, was an Gutem gesät wurde. Da verwandelt sich Hass in Liebe, da werden aus Feinden Freunde.

Wunderbare Trostworte, die heute genau ins Schwarze treffen!

Leben in der Krise, so möchte wir unser Leben überschreiben. Eine Krise löst die andere ab und immer neue Probleme tuen sich auf. So klagen wir momentan immer wieder.

Aber wir haben Gottes Zusage, dass er auch in Krisenzeiten da ist. Wir brauchen nicht aufzugeben oder enttäuscht die Hände in den Schoß zu legen und abzuwarten. Gott führt uns durch diese Zeiten hindurch, wenn wir ihm das Zepter in der Hand lassen.

Beten wir für unsere Dörfer, für das Wohlergehen aller, die darin wohnen!

Bitten wir Gott, dass es Lösungen für unsere Probleme gibt!

Handeln wir im Vertrauen auf den, der Hoffnung und Perspektive für uns alle bereit hält!

Seien Sie herzlich gegrüßt!

Ihre Uta Baumfelder