Archiv für den Autor: Manuela Schmidt

Gedanken zum Monatsspruch für März 2020

Jesus Christus spricht: Wachet

Liebe Schwestern und Brüder,

Wachsamkeit ist immer ein guter Tipp, nicht nur im Straßenverkehr. Aufmerksam sein, die Umgebung bewusst wahrnehmen und bei Bedarf reagieren. Wachsam zu sein, um Unfälle und Gefahren abzuwenden. Wachsam auch dafür zu sein, wenn die Grundfesten unseres gesellschaftlichen Zusammenseins bedroht werden, wenn andere uns ihre Meinung aufzwingen und ihre Lebensweise vorschreiben wollen. Wachsam aber auch dafür zu sein, selbst nicht so zu werden, nicht die eigene Meinung über die der anderen stellen. Ja, Wachsamkeit ist wichtig, aber auch sehr anstrengend. Davon wissen insbesondere die ein Lied zu singen, die unter Schlafmangel leiden, die immer wach sind, weil Gedankenkarusselle sich drehen, Sorgen und Gedanken überhandnehmen, die nicht mehr schlafen können. Wach sein zu müssen, kann belastend sein.

Die, an die die Worte unserer Monatslosung März gerichtet sind, die Jünger Jesu, haben es nicht geschafft, wach zu bleiben. Jesus bat seine Getreuen, mit ihm wach zu bleiben. Er ahnte, was kommt. Es war ihm von Gott angekündigt worden. Er wird gefangen genommen und muss leiden. Seine Getreuen schlafen, als die Gefahr über ihn hereinbricht. Sie schaffen es allerdings nicht, mit ihm gemeinsam wach zu bleiben, ihm beizustehen, bevor es ernst wird. Es ist keine böse Absicht, aber es gelingt nicht, den so von ihnen geliebten Meister in der schwersten Nacht seines Lebens beizustehen. Sie schlafen ein. Sie verschlafen, wie er hart mit seinem Schicksal ringen muss.

Jesus hat einmal ein Gleichnis erzählt, in dem er die Bedeutung der Wachsamkeit herausstellt. Zehn kluge und zehn törichte Jungfrauen warten auf ihren Bräutigam. Die zehn Törichten zünden sofort ihr gesamtes Öl in ihrer Lampe an, voller Vorfreude.

Die Klugen teilen es sich ein. Als der Bräutigam länger auf sich warten lässt, geht den Törichten ihr Licht aus, und als der Ersehnte dann endlich kommt, sind sie nicht vorbereitet und können nicht mit ihm durch die Nacht gehen.

So erscheint es auch vielen von uns zu gehen. Anfangs brennen sie für eine Sache, aber schnell ist die anfängliche Begeisterung verschwunden, insbesondere wenn der Erfolg auf sich warten lässt. Die Begeisterung über das Licht der Weihnacht – schnell erloschen. So viele strömen an Heiligabend in die Kirchen, doch schon nach Silvester ist die Friedensbotschaft, das Glaubenslicht erloschen. Vielleicht weil sich die Welt nicht sofort dadurch verändert. Weil immer noch Krieg und Gewalt herrschen, trotz des Friedensfürsten, der zu uns gekommen ist. Viele harren nicht aus, bleiben nicht in der Hoffnung, dass sich etwas zum Positiven ändern kann. Viele vertrauen Gott nicht und fallen von ihm ab. Wenn er dann aber wie ein Bräutigam kommt und uns abholen, uns durch die Nächte unseres Lebens führen will, sind viele nicht mehr vorbereitet, um mitzugehen.

Es ist daher wichtig, wach zu bleiben und mit Jesus auf Gott zu hoffen. Im Gebet bei ihm zu bleiben. Mit ihm zu wachen. Wachsam auch füreinander zu bleiben, damit niemand abdriftet in dunkle Gedankenwelten oder in die Fänge böser Menschen. Früh zu erkennen, wenn sich einer verläuft. Ihm Möglichkeiten zur Umkehr bieten, ihm eine Hand ausstrecken, dass er umkehren kann. Wachsam müssen wir alle bleiben, das zeigen uns die Ereignisse in der Politik. Wachsam auch bei klimatischen und demografischen Veränderungen. Es ist schwierig und wird uns wie bei den Jüngern nicht immer gelingen, aber im Vertrauen auf Gott und im beständigen Gebet zu ihm und füreinander, kann es uns gelingen,

Kommen Sie gut durch die Fastenzeit!

Euer Chris Schönefeld

Gedanken zum Monatsspruch Februar 2020

Ihr seid teuer erkauft; werdet nicht der Menschen Knechte.  1.Korinther 7,23

Liebe Schwestern und Brüder,

wenn man den Monatsspruch ein erstes Mal liest, dann fällt der Blick doch irgendwie sofort auf das „teuer erkauft“. Und damit macht man innerlich erst einmal dicht. Denn: Wer möchte sich schon kaufen lassen? Da kommen dann gleiche folgende Sätze in unseren Sinn: „Das geht doch gar nicht. Wir sind doch freie Menschen. Das war vielleicht damals so, aber heute leben wir doch in einer ganz anderen Zeit.“

Ja, so ging es auch mir. Mein nächster Gedanke war dann, weil es ja einen religiösen Hintergrund zu haben scheint: „Okay, irgendwann hab ich mir für die Krippe in unserem Hausflur mal Krippenfiguren gekauft. Die waren damals gar nicht mal so billig. Werden aber leider nur einmal im Jahr aus der Umhüllung genommen und verschwinden einen Monat später wieder“. Aber auch das wird wohl mit dem „ihr seid teuer erkauft“ nicht gemeint sein. Denn wir sind ja keine Figuren, die man nur dann rausholt, wenn man es wünscht.

Immer noch großes Fragezeichen.

Man muss sich dann wohl erst einmal vor Augen halten, in welcher Zeit dieser Text geschrieben wurde. Einige Mitglieder der Gemeinde von Korinth waren Sklaven gewesen. Sie gehörten einem Besitzer oder eben, wie wir es heute eher kennen, einem Herren. Und für diese „Herren“ waren Sklaven nicht ein menschliches Gegenüber, sondern ein „Objekt“, ein „Besitz“, über den man mit mehr oder eher weniger Wertschätzung verfügen konnte. Einige wurden von einer Mutter geboren, die selbst schon Sklavin war. Andere verkauften sich selbst als Sklaven, um Schulden zurückzubezahlen. Und dann gab es noch die sogenannten Sklavenhändler, die Kinder oder Erwachsene entführten und sie verkauften.

Und eben diese Menschen sollen nun plötzlich wieder zu jemandem „unser Herr“ sagen? Paradox, oder?

Es gibt da aber einen kleinen aber sehr feinen Unterschied: Vor Gott, ihrem neuen Herrn, sind sie nun alle gleich. Oder anders gesagt: Sie sind allesamt „einer in Christus Jesus“. Und eben dieser Jesus Christus hat sich für die Befreiung aller Menschen, ob nun Sklave oder frei, in die Rolle des Sklaven begeben und ist stellvertretend für alle am Kreuz gestorben.

Was heißt das nun für uns? Sklaven im Sinne der Sklaven damals, vor 2000 Jahren, sind wir nicht. Aber leider gibt es auch bei uns im Jahr 2020 immer noch Menschen, denen andere Menschen vorschreiben, was sie zu tun und zu lassen haben.

Da fallen mir auf Anhieb die Menschenhändler ein, die junge Frauen nach Deutschland bringen, damit diese dann für sie „auf den Strich gehen“.Oder Länder, in denen Kinderarbeit auch heute noch Gang und Gäbe ist. Oder all die Menschen, die die Not derer ausnützen, die vor den Kriegen dieser Welt fliehen müssen. Diese Schleuser verlangen Unsummen an Geld, um dann auf einem Kahn Hunderte Menschen zusammenzupferchen und sie über das Mittelmeer zu schaffen – unter menschenunwürdigen Bedingungen. Die Bilder davon gingen in den letzten Jahren um die Welt.

Und genau da werden diese Worte, die am Anfang noch klangen, als kämen sie aus einer anderen Zeit, ganz aktuell. Denn sie rufen uns förmlich zu: Macht eure Augen auf. Schaut nicht weg, wenn Menschen auch heute wieder zu Sklaven werden.

Wir können nicht die ganze Welt retten, aber wir können uns immer wieder vor Augen halten, welche Freiheit wir geschenkt bekommen haben.

Ihre Manuela Schmidt

Gedanken zum Monatsspruch Dezember 2019

Wer im Dunkel lebt und wem kein Licht leuchtet, der vertraue auf den Namen des
Herrn und verlasse sich auf seinen Gott.
Jesaja 50,10

Liebe Gemeinde,

sicher kennt ihr das Gefühl, dass die Dunkelheit im Winter ganz schön belastend sein und einen ziemlich herunterziehen kann. Läuft dann auch noch das eine oder andere im Alltag schief, macht das fehlende Sonnenlicht einem noch mehr zu schaffen. Dunkel kann es auch in uns werden, wenn wir in schwierige Lebenssituationen geraten, z.B. arbeitslos oder krank werden, eine Beziehungskrise erleben oder einen geliebten Menschen verlieren. Solche Krisen empfinden wir gerade in der Vorweihnachtszeit und an Weihnachten als besonders schlimm. Alles soll friedlich sein und doch ist es das oft nicht. Mich hat ein wenig die Nachricht heruntergezogen, dass der Oberlandkurier eingestellt wird. Ich kann die Entscheidung der Herausgeber teilweise nachvollziehen. Bei so viel Kritik und Anfeindungen verliert man schnell die Lust an der gemeinnützigen Arbeit. Und doch finde ich es sehr schade, weil wieder etwas verloren geht, etwas, was allen Vereinen ein gutes Medium war, andere Dorfbewohner über das doch in Teilen noch aktive Dorfleben zu informieren. Schade, dass dieses wichtige Medium durch Bedenken weniger und durch unbarmherzigen Streit nun enden muss.

An trüben, dunklen Tagen und auch bei Trauer hilft man sich oft, in dem man eine Kerze anzündet, einen Hoffnungsschimmer in dunkler Nacht, entzündet. Für mich war der Monatsspruch ein solcher Lichtanker. „Wer im Finstern wandelt und wem kein Licht scheint, der hoffe auf den Namen des HERRN und verlasse sich auf seinen Gott!“

Was für eine tolle Zusage! Wenn ich „im Dunkel lebe“ und mir „kein Licht leuchtet“, dann kann ich mich trotzdem auf den „Namen des Herrn“, also auf Gott, verlassen. Dabei bin ich auch nicht zum Abwarten verdammt – nach dem Motto: Die Tage werden ab Weihnachten wieder länger und vielleicht wird alles im Frühling wieder erträglicher. Nein, ich muss das Schwere nicht passiv durchleiden, weil es zum Leben gehört und niemand mir helfen kann. Der Monatsspruch zeigt mir eine Alternative auf. Es geht darum, dass ich etwas tue und dass ich aktiv werde, dass ich auf Gottes Hilfe vertrauen und mich auf ihn verlassen kann. Auch wenn ich gerade das Gefühl habe, in Angst und Pein zu ertrinken. Das drückt der Monatsspruch sehr schön aus. In der Aufforderung, mich aktiv auf Gott zu verlassen, steckt nämlich zugleich die Zusage, dass Gott da ist. Das kann ein Trost sein. Selbst wenn ich gar nichts spüre von Gottes Verlässlichkeit, gibt es sie dennoch. Gott ist anwesend und auf ihn ist Verlass. Dann kann ich es auch wagen, mich ihm anzuvertrauen und zu ihm zu kommen, z. B. im Gebet.

Wenn mir dafür die Worte fehlen, kann ich Worte anderer nutzen, z.B. aus den biblischen Psalmen oder Gesangbuchliedern. Ein typisches Adventslied ist „Die Nacht ist vorgedrungen, der Tag ist nicht mehr fern“. Es wurde 1938 von Jochen Klepper gedichtet. Er schrieb es in einem Jahr, als er seine jüdische Ehefrau kirchlich heiratete. Angesichts der beginnenden Judenverfolgung lebte er mit seiner Familie in ständiger Gefahr. Als Theologe kannte Klepper unseren Monatsspruch aus Jesaja 50 vermutlich auch und sicher rechnete er damit, dass Gott mit seiner Weihnachtsbotschaft vor allem zu denen kommt, die im Dunkel leben. „Noch manche Nacht wird fallen auf Menschenleid und -schuld. Doch wandert nun mit allen der Stern der Gotteshuld. Beglänzt von seinem Lichte, hält Euch kein Dunkel mehr, von Gottes Angesichte kam euch die Rettung her.“

In diesem Sinne geben wir nicht auf und bleiben fair zueinander! Lassen wir uns nicht durch Bedenkenträger in Angst und Schrecken versetzen, sondern gehen wir es an, gemeinsam – denn anders wird es bei immer weniger Menschen in unserer Region nicht gehen. Gott hat diese Welt auch nicht aufgegeben, sondern uns seinen Sohn geschenkt – als Hoffnungszeichen, als Retter, als Friedensstifter für unsere Welt – für uns alle.

Ich wünsche Euch im Namen des Lektorenteams und des Gemeindekirchenrates eine trotz so mancher Sorge besinnliche Adventszeit, ein gesegnete Weihnachtszeit und einen guten Start ins neue Jahr!

Chris Schönefeld

Gedanken zum Monatsspruch November 2019

Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt.
Hiob 19,25

Wann bitten Menschen um Erlösung?

Die Antwort auf diese Frage ist gar nicht mal so leicht. Denn da gibt es verschiedene Gründe: Sicher kennen Sie diese Momente, wo man voller Ungeduld und gleichzeitig mit großer innerer Anspannung auf etwas wartet. Ob nun auf ein Prüfungsergebnis, auf einen Befund. Da ist man dann froh, wenn man endlich von der Ungewissheit erlöst ist. Es gibt dann aber eben auch die Dinge im Leben, wo Erlösung vom Betroffenen manchmal ganz sehr herbeigesehnt wird. Auch da gibt es verschiedene Gründe: Die einen bitten um Erlösung von ihren manchmal wochen-, monate – oder sogar jahrelang andauernden Schmerzen. Andere bitten darum, das sie endlich von einer Krankheit erlöst werden. Und dann gibt es wohl noch eine Gruppe von Menschen, die wir in unserem Alltag nur selten im Blick haben. Die Menschen in den Kriegsgebieten. In welcher ständigen Angst müssen diese Menschen leben? Sie bitten wohl um eines ganz sehnlichst: Das endlich es Frieden wird in ihrem Land.

Ihr merkt, ganz unterschiedliche Gründe. Aber sie eint eben dieses Eine: Sie wollen, das ihr Leid endlich vorbei ist. Endlich Gewissheit haben, keine Schmerzen mehr, nicht mehr alle paar Wochen zu einem Arzt fahren müssen. Oder eben endlich keine Angst mehr haben, das wieder eine Bombe in der Nähe niedergeht.

Nun gibt es Menschen, die ertragen ihr Schicksal, ohne Murren. Dann gibt es wohl auch die, die keine Hoffnung mehr haben. Und die, die nach dem „Warum“ fragen.

So ging es lange auch dem Hiob. Viel musste er durchleiden. Und immer war da dieses „Warum?“ Er könnte ja nun aufgeben. Nein. Irgendwann merkt er, das er mit all seinem Leid nicht allein ist. Das es noch vielen Menschen so geht. Und dann kommt die Wende in seinem Denken. Und genau da sagt er: „Aber ich weis, das mein Erlöser lebt“.

Und das soll auch uns Hoffnung geben. Wir sind nicht allein.

Ihre Manuela Schmidt

Gedanken zum Monatsspruch für September 2019

Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele?
Mt 16,26

Liebe Schwestern, liebe Brüder,

nun ist sie fast wieder vorbei, die schöne Sommer- und Urlaubszeit. Die Schule begann und das Hamsterrad läuft von vorne. Hoffentlich fanden die meisten Ruhe und Erholung in den warmen Sommermonaten. Hoffentlich, weil es vielen schwer fällt, abzuschalten. Im Alltag jagt ein Termin den nächsten – beruflich wie privat. Vor allem Berufstätige, Selbstständige und Eltern wissen sicher ein Lied davon zu singen. 8 bis 12 Stunden Arbeit voller Verantwortung und dann noch die Kinder zu diesem oder jenen Termin fahren oder selbst noch den Hobbies nachgehen, sich in Vereinen engagieren, den Haushalt bewältigen oder Freunde besuchen. Meist steht immer viel an. Selbst bei den meisten Ruheständlern herrscht oft rege Betriebsamkeit. Viel will noch organisiert und erlebt sein. Selbst die Tage des Urlaubs sind meist geprägt von Tatendrang, man will die kostbare freie Zeit schließlich gut nutzen. Immer schneller scheint das Leben an uns vorbei zu ziehen. Langeweile – schwer auszuhalten. Pausen – selten. Anhalten – unmöglich. Wir wollen was erreichen im Leben, anerkannt werden von den anderen, geschätzt und respektiert. Einfach ein gutes Leben leben. Gut heißt dabei ereignisreich, fit und fidel. Dafür pflegen wir Körper und Geist. Wir treiben Sport oder ernähren uns gesund. Wir lernen und bilden uns fort, versuchen, mitzuhalten.

Eine ganze Weile geht das auch gut. Bis uns etwas aus der Bahn wirft. Etwas Unvorhergesehenes. Eine Krankheit, ein Streit, Arbeitslosigkeit oder ein Trauerfall. Auch eine Schwangerschaft kann vieles, was wir uns vornehmen, durcheinander bringen. Aber nicht nur spezielle Ereignisse lassen uns spüren, dass alles seine Zeit hat und es manchmal nicht ausreicht, Körper und Geist in Schuss zu halten. Manchmal fühlt man sich, als könne man die ganze Welt verändern, Bäume ausreißen, einfach nur glücklich sein und manchmal wirkt alles so schwer, so bedrückend, so übermächtig. So geht es zum Beispiel vielen, die sich engagieren. Gestartet mit großen Ideen, liegen manchmal recht schnell große Steine im Weg, treten Neider auf oder werden Probleme unüberwindbar. Oder die erhoffte Anerkennung bleibt aus.

Die Bibel sagt dazu: „Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele?“ Viel können wir erreichen, die ganze Welt könnte man gewinnen – doch zu welchem Preis? Psychische Erkrankungen wie Burnout haben scheinbar stark zugenommen. Die Seele leidet unter der Rastlosigkeit.

Aber was ist eigentlich die Seele? Körper – klar. Geist – auch verständlich. Aber Seele? Wir kennen das Wort nur noch von Redewendungen wie „Essen hält Leib und Seele zusammen“, „ein Herz und eine Seele“ oder „eine gute Seele“. Die Seele merken wir nur, wenn es ihr offenbar schlecht geht, wir uns seelisch krank fühlen. Gern benutzen wir heute wissenschaftliche Ausdrücke für das, was wir nur schwer fassen können. Seele setzen wir oft mit Psyche gleich. Dabei ist die Seele etwas, was uns wie Körper und Geist ausmacht, beides vielleicht sogar zusammen hält und etwas, was wie Körper und Geist auch gepflegt werden will. Als Christen glauben wir, dass unsere Seele unsterblich ist, dass sie uns von Gott geschenkt wird, dass sie etwas Heiliges ist. Sie macht uns aus. Der Körper ist unser äußeres Abbild, das was andere sehen, aber er verändert sich ständig und stirbt schließlich. Der Geist umfasst unser Wissen, unser Können, unsere Gedanken. Man kann ihn trainieren und fördern. Aber auch er ist endlich. Das erleben viele, die älter werden. Das Gedächtnis lässt nach, der Geist wird immer schwieriger zu trainieren. Die Seele aber ist das, was uns bleibt und das, was uns ausmacht. Die Seele ist etwas Einzigartiges und sie will gepflegt sein, wie Körper und Geist. Wie geht das? Durch Ruhe und gute Gedanken, durch Freundlichkeit und einer Kraft, die ihr von Gott zuwächst, durch ein Gebet zu dem, von dem sie kommt und zu dem sie geht. Mögen wir in aller Unruhe unserer Zeit, nicht nur die Welt gewinnen wollen, sondern auch Schaden von unserer Seele abwenden. Möge uns Gott dabei helfen!

Chris Schönefeld

Gedanken zum Monatsspruch August 2019

Geht und verkündet: Das Himmelreich ist nahe.
Matthäus 10,7

Wie ist das heutzutage eigentlich mit den Nachrichten? Hören oder lesen wir da auch mal positive Nachrichten? Leider sind Diese doch eher selten. Es überwiegen doch meist die negativen Schlagzeilen: Krieg in….., Firma … meldet Insolvenz an, Tornado fegt über ….. oder: Massaker in……

Wir werden geradezu überschüttet von Meldungen über ganz schlimme Dinge. Klar, solche Nachrichten, die treffen in unserer recht schnelllebigen Zeit irgendwie unser Innerstes. Etwas Positives, das dringt, so hat man manchmal das Gefühl, gar nicht mehr an uns heran. Oder würden Sie darauf reagieren wenn es heißt: der Krieg in …. ist nach soundsoviel Jahren endlich vorbei?

Man hat oft das Gefühl, das wir gar nicht mehr offen sind für die guten Nachrichten. Und das Schlimme um uns herum immer mehr wird. Hoffnung keimt da eher selten auf.

Und dann lesen wir im Spruch für den Monat August: Geht und verkündet: Das Himmelreich ist nahe. Eine doch scheinbar unlösbare Aufgabe. Wie sollen wir denn den Menschen, die ja nur noch negative Dinge hören, erklären, das so etwas Wundervolles nahe ist?

Okay, die Jünger damals, die haben diesen Satz von ihrem Meister, von Jesus Christus gehört. Und er gab ihnen nicht nur die reinen Worte mit, sondern im weiteren Text erfahren wir, das er ihnen auch die Fähigkeit mitgibt, Kranke zu heilen, Tote aufzuerwecken und Aussätzige rein zu machen. Aber auch diese Fähigkeiten haben wir heute ja nicht.

Braucht es denn aber solche Fähigkeiten? Oder ist es nicht manchmal viel wichtiger, jemandem einfach zuzuhören? Sich Zeit zu nehmen, wenn jemand krank ist oder trauert? Einfach da zu sein. Damit derjenige die Last, die ihn bedrückt, teilen kann.

Und irgendwie ist da ja noch etwas in uns, wenn wir all die schlimmen Nachrichten hören: Die Sehnsucht, das irgendwann Frieden ist auf dieser Welt herrscht, und das auch wir eines Tages friedlich leben können. Also ohne Angst vor Krieg, ohne Angst vor der Zukunft.

Und auch das will uns Jesus mitgeben: Es ist nahe, das Himmelreich. Es ist noch nicht da, aber ihr dürft darauf hoffen.

Irgendwie ist das doch ziemlich weit weg von unserem Alltag. Aber es gibt einen Tag im Jahr, da sind wir plötzlich offen für diese Botschaft: An Heiligabend. Zu Tausenden strömen die Menschen da in die Kirchen. Und sie nehmen etwas mit von dem, was Himmelreich bedeuten kann.

Weihnachten ist nicht jeden Tag. Ich weiß. Aber wir haben jeden Tag die Möglichkeit, etwas vom Himmelreich zu sagen: zu unserer Familie, zu unseren Nachbarn, zu den Menschen, die sich so sehr nach einem lieben Wort sehnen. Nutzen wir diese Möglichkeit, und reden von dem, was uns tief im Herzen trägt.

Eure Manuela Schmidt

Gedanken zum Monatsspruch Juni 2019

Freundliche Reden sind Honigseim, süß für die Seele und heilsam für die Glieder.
Sprüche 16,24

Wann habt ihr zuletzt freundliche, aufbauende Reden gehört, die Euch, wie der Bibelvers für Juni sagt, „süß wie Honigseim“ und „heilsam für die Glieder“ waren? Freundliche Reden – darunter verstehen wir oft Lob. „Das geht runter wie Öl“, sagen wir, wenn wir ein Lob bekommen, von dem wir vielleicht selbst ein wenig überrascht sind. Genau wie das Öl stand der Honig im alten Israel für etwas Angenehme, etwas Wohltuendes. Der Vergleich mit Honig verdeutlicht, dass gute Worte nicht bloß im Kopf ankommen, sondern dem ganzen Körper guttun können, genauso wie böse Worte Schmerz verursachen, als bekäme man einen „Schlag in die Magengrube“.

Aber, wie alles im Leben, ist das mit den „süßen“ Worten so eine Sache. Wer dem anderen „Honig ums Maul schmiert“, hegt meist zweifelhafte Absichten. Worte können süß und angenehm sein, aber im Nachhinein „bitter aufstoßen“ und vergiftet sein, wenn sich herausstellt, dass damit böse Zwecke verfolgt wurden. Gerade ist der erste Wahlkampf in diesem Jahr zu Ende. Viele Reden wurden gehalten, aber meist war der Inhalt eher mahnender oder kritischer Art. Die eine oder andere Wohltat wurde zwar auch versprochen, aber oft glauben wir den Versprechen nicht mehr. Zu oft wurden wir enttäuscht. Aber nicht nur in der Politik – auch im Zusammenleben von uns, in der Arbeit der Vereine und im allgemeinen Dorfalltag überwiegen oft die kritischen, manchmal auch unberechtigt harten Worte. Mit Lob sind wir sparsam, mit Kritik überaus großzügig. Gehässig und sarkastisch werden unsere Worte schnell. Manchmal wünscht man sich, so manches Gespräch besser nicht geführt, so manche Rede nicht gehört zu haben, weil es nur Zwietracht säte und nichts zum gelingenden Miteinander beiträgt.

Den passenden Maßstab für Lob und Tadel kann man in der Bibel finden. Ihre Worte sind manchmal sogar noch süßer als Honig. Wer die Bibel studiert, lernt auf angenehme Weise das Gute. Bibellesen finden wir allerdings altbacken und die meisten wollen damit nichts zu tun haben. Vieles rutscht uns nicht so „glatt“ die Kehle herunter, manche Worte verstehen wir nicht, wollen es oft auch gar nicht verstehen und es uns erst recht nicht im Gottesdienst darlegen lassen. Doch sollten wir nicht zu schnell aufgeben, denn der Geschmack kommt bekanntlich beim Essen. Dazu eine kleine Begebenheit. Der Prophet Ezechiel wird von einem himmlischen Boten aufgefordert, eine Schriftrolle zu essen, die lauter Anklagen gegen das Volk Israel enthält, das sich von Gott abwendet. Doch während des Essens werden dem Propheten die bitter erscheinenden Worte im Mund „süß wie Honig“, denn es sind Worte, die die Wunden und Verletzungen zwar offenlegen, aber wie Honig einen kratzenden Hals auch lindern helfen.

Bibellesen kann, so absurd es für die meisten von Euch klingen mag, den Blick auf eine Situation verändern. Es kann helfen, zu unterscheiden, wann man wem etwas Bestimmtes sagt und vor allem wie. Sei es ein Lob, oder auch mal eine Rückmeldung, die dem anderen im ersten Moment nicht „schmeckt“, sich später aber positiv auf die gemeinsame Beziehung auswirkt, weil sie ehrlich war. Dem anderen etwas so zumuten, dass er oder sie es für sich annehmen kann. Diese Kunst bekommen wir zwar selten hin, aber vielleicht könnte es uns in unserem Miteinander in so mancher Situation helfen. Es bliebe uns zu wünschen.

Chris Schönefeld

Gedanken zum Monatsspruch Mai 2019

Es ist keiner wie du, und ist kein Gott außer dir.
2. Samuel 7,22

Du sollst keine anderen Götter haben neben mir“ – ich denke, man kennt dieses Gebot, das Erste von den 10 Geboten aus dem Alten Testament. Aber wie ist das nun heute, in Zeiten von „mein Haus, mein Auto, mein Boot“?

Hat Gott da noch einen Platz in unserem Leben? Oder sind es so viele andere Dinge, nach denen wir streben? Ob nun die Anerkennung in der Gesellschaft, oder eben der Besitz. Uns wird ja eigentlich immer erzählt, wie wichtig es ist, etwas Bestimmtes zu besitzen. Oder Erfolg zu haben. Die Karriereleiter immer weiter empor zu steigen.

Und seien wir ehrlich, es gibt sie ja, diese Menschen, in deren Leben scheinbar alles glatt zu laufen scheint. Egal, was sie anfangen, es gelingt ihnen. Ein Scheitern – eigentlich undenkbar.

In einer solchen Situation befindet sich der König David. In seinem Leben hat er es sehr weit gebracht. Mittlerweile ist er König über ganz Israel geworden und hat Jerusalem erobert. Doch dann passiert etwas Erstaunliches. Über den Propheten Nathan erhält David eine Verheißung: David ist der von Gott Auserwählte, dessen Geschlecht und Thronfolge für immer Bestand haben soll.

Die Reaktion Davids ist verständlich, wenn er sinngemäß sagt: „Wer bin ich eigentlich, dass Gott mich nicht nur zum König des Volkes Israels gemacht hat, sondern mir überdies für die Zukunft solche Zusagen macht.“

David ist überwältigt von der Zusage Gottes. Ihm, dem Hirtenjungen, widerfährt so etwas Großartiges. In dieser Situation preist er Gott: „Es ist keiner wie du, und ist kein Gott außer dir!“ Er erkennt Gott als den einen und einzigartigen an.

Dabei ist Davids Vertrauen in Gott vollkommen. Er vertraut darauf, dass Gott diese Verheißung wahr werden lässt. Von Zweifeln, die David haben könnte, ist uns nichts überliefert.

Aber wir, wir kennen sie, die Zweifel, die Ängste. Jeder von uns wird sie schon ein oder mehrmals in seinem Leben gehabt haben. Und dann stellen wir uns die Frage: Was bringt mir das ganze Geld, die Anerkennung? Nichts. Das, wann dann trägt, oder besser gesagt, uns tragen soll, ist das Vertrauen auf Gott.

Doch können wir Gott voll und ganz vertrauen? Auch wenn wir schon Zeiten in unserem Leben hatten, in denen wir ganz und gar das Vertrauen verloren haben in Gott? Wenn wir einen uns nahen Menschen gehen lassen mussten? Unsere doch so sicher gedachte berufliche oder private Zukunft es so nicht mehr gab.

Vertrauen, das einmal verloren gegangen ist, wieder aufzubauen, das braucht Zeit, das ist nicht innerhalb eines Tages, einer Woche oder Monats wieder vorhanden. Manchmal braucht es Jahre. Und so wünsche ich ihnen und uns diese Zeit. So das auch wir eines Tages wieder sagen können: „Und ist kein Gott ausser dir“

Ihre Manuela Schmidt

Gedanken zum Monatsspruch im März 2019

Wendet euer Herz wieder dem Herrn zu, und dient ihm allein.
1 Samuel 7,3

Liebe Schwestern und Brüder,

woran Du dein Herz hängst, das ist Dein Gott“ – so hat es Martin Luther einmal erkannt und in seinem Katechismus (= Handbuch zum besseren Verständnis der zentralen christlichen Glaubensinhalte, im Gesangbuch hinten enthalten) formuliert. Dieser einfache Satz bringt gut zum Ausdruck, wie schnell uns Menschen das, was wir lieben, zum höchsten Gut wird. Und woran hängen wir nicht alles unser Herz: an so manchen liebgewordenen Gegenstand wie das eigene Haus oder Auto, den eigenen Wohlstand, an unsere Heimat, an die Gesundheit, den Partner oder die Familie oder auch an Gefühle wie Anerkennung und Wertschätzung. So vieles hat Bedeutung in unserem Leben, ist uns wichtig und kostbar. So wichtig, dass wir alles dafür tun, uns einsetzen mit ganzer Kraft. So wichtig und bedeutsam, dass wir oft verzweifeln, wenn es uns abhandenkommt, wenn es verletzt oder beschädigt wird oder uns was nicht gelingt. Was bei einem ersetzbarem Gegenstand wie einem Auto oder Haus noch verschmerzbar ist, belastet uns bei Fragen der Gesundheit oder der Familie umso mehr. Wie schnell wird einem hier das Herz gebrochen!

In der Aufzählung der Dinge, die einem am Herzen liegen, wird, so ehrlich sollten wir sein, bei den wenigsten von uns Gott auftauchen. Klar, wir nennen uns Christen und irgendwie glaubt man als solcher an Gott oder eine höhere Macht, aber irgendwie erscheint dieser Gott auch so weit weg, so unnahbar. Anders als die Familie, als die Gesundheit oder das Auto fällt es schwer, sein Herz an ihn zu hängen. Schon den eigentlich gottesfürchtigen Israeliten ging es damals ähnlich. Sie glaubten zwar an den Gott ihrer Väter, aber auch ihnen waren ganz weltliche Dinge wichtig, z.B. möglichst große Viehherden oder viele Kinder zu haben, die Anerkennung und Respekt der anderen zu erhalten. Vieles wurde auch Ihnen zum Ersatzgott.

Genau in diese Situation hinein, wurden die Israeliten und werden auch wir vom Propheten Samuel ermahnt mit Worten, die uns als Monatsspruch für den März gegeben sind. „Wendet euer Herz wieder dem Herrn zu und dient ihm allein.“ Samuel fordert uns auf, alle anderen Götter zur Seite zu tun und allein den HERRN anzubeten und ihn zur allein bestimmenden Kraft unseres Lebens zu machen. Als Menschen stehen wir immer ja wieder vor der Frage, welche Mächte unser Leben bestimmen. Wir mögen uns oft selbstsicher und unabhängig geben, als ob wir selber bestimmen, was wir warum tun oder lassen. Doch wissen wir auch, dass vieles nicht in unserer Macht steht. Der Familienfrieden nicht, die Gesundheit nicht. Viele Kräfte zerren an uns. Viele Stimmen flüstern in unser Ohr und wollen uns diese oder jene Richtung weisen. Doch auf welche Stimme hören wir? Je nach Situation oder Herausforderung stellen wir das eine oder das andere mehr in den Vordergrund, je nachdem, was uns Vorteile bringt. Mal lassen wir unser Handeln von unserem christlichen Glauben dominieren, mal bestimmt uns zum Beispiel das Bedürfnis, noch wohlhabender zu werden, auch wenn unser Verhalten dann christlichen Werten widerspricht.

Der Prophet mahnt uns, unser ganzes Leben, all unser Denken und Handeln, von unserem Glauben an Gott bestimmen zu lassen und zwar an den Gott, von dem Jesus uns gezeigt hat, dass er gar nicht so unnahbar ist, wie wir meinen, sondern voller Liebe, Barmherzigkeit und Gerechtigkeit. Wenn wir uns diesem liebenden Gott ganz unterstellen, dann können uns diese Werte so erfüllen, dass sie unser alltägliches Handeln bestimmen, sowohl in der Gemeinschaft der Christen als auch in Schule, Studium oder Beruf. Dann kann man sich nicht in einem Bereich christlich verhalten und in einem anderen nicht, sondern Gottes Liebe und Gerechtigkeit werden für uns immer und überall bestimmend. Das kann uns dann auch helfen, wenn unsere anderen Götter mal wieder versagt haben und unser Herz gebrochen ist.

Hören wir also auf Samuel und wenden unser Herz wieder Gott zu. Er wird’s wohl mit uns machen.

In diesem Sinne grüßt Euch herzlich

Chris Schönefeld