Archiv des Autors: Manuela Schmidt

Gedanken zum Monatsspruch April 2026

Liebe Schwestern und liebe Brüder,

jetzt Anfang April feiern wir wieder Ostern. In unseren und den Nachbargemeinden bieten zahlreiche Gottesdienste die Möglichkeit, gemeinsam an Jesu letzte Tage hier auf Erden und all die Ereignisse, die damals auf ihn zu kamen, zu gedenken. Auch vielleicht die Menschen in den Blick zu nehmen, die ihn dabei begleiteten. Ob nun sein letztes irdisches Gebet zu seinem himmlischen Vater im Garten Gethsemane, der Prozess, sein schmerzhafter Weg hoch zum Kreuz, die Kreuzigung und dann seine Auferstehung. Aber eben auch z.B. die beiden Marias, die mit ansehen mussten, wie ihr Sohn und Meister gekreuzigt wurde. Oder die Jünger, die dachten, er sei für immer fort und die dann von seiner Auferstehung erfuhren.

Die Kirchen erwarten dann wieder den einen oder anderen Gottesdienstbesucher, der vielleicht im Laufe des Jahres aus unterschiedlichen Gründen nicht regelmäßig zu den Gottesdiensten kommt. Für Manche ist es auch Gelegenheit, die eigene oder andere Kirchen mal wieder zu besuchen. Sich Zeit für den eigenen Glauben zu nehmen, der im Alltag oft „zu kurz kommt“.

Auf den Altären sehen wir dann den Gekreuzigten. In manchen Kirchen doch sehr realistisch dargestellt, in anderen vielleicht abstrakt. Aber alles eint die Darstellungen: Sie machen uns diesen für ihn letzten Moment auf Erden mehr als deutlich sichtbar.

In ettlichen Gärten oder auch an Brunnen ist es ein liebgewordener Brauch, Sträucher, Bäume oder eben auch Brunnen mit Eiern in unterschiedlichsten Farben und Mustern zu schmücken. Für viele sind es die ersten bunten Tupfer in all dem doch eher noch dominierenden Braun und Grau ringsum.

In den Bäckereien werden dann Hefegebäcke in Form des Osterlamms verkauft, auch diese Art von Gebäck ist ja in manchen Regionen Deutschlands fest mit dem Osterfest verbunden.

Wir merken: Gerade zu Ostern gibt es ganz viele Dinge, die wir mit unserem Glauben verbinden. Eigentlich ja eine schöne Sache. Doch dann kommt unser Monatsspruch, wir finden ihn bei Johannes im 20. Kapitel:

Jesus spricht zu Thomas: Weil du mich gesehen hast, darum glaubst du? Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!

Nichts mit: Symbole, die uns an Ostern erinnern lassen. Nichts mit: schöne althergebrachte Bräuche. Sondern eher: Das was du nicht siehst, ist wahrer Glauben.

Doch schauen wir uns erstmal an, an wen die Wort gerichtet sind: Thomas war beim ersten Mal nicht dabei, als Jesus sich nach seiner Auferstehung seinen Jüngern zeigte. Als sie ihm dann davon berichteten, wollte er es ihnen nicht glauben. Nach allen menschlichen Erfahrungen schien es ihm unmöglich. Thomas hatte bei Jesus schon viele Wunder erlebt. Vermutlich war er dabei, als Jesus den jungen Mann von Nain wieder zum Leben erweckte und auch als er den verstorbenen Lazarus aus dem Grab wieder ins Leben rief. Trotzdem äußerte Thomas sich jetzt in dem Sinn, wie es heute etliche Menschen nach dem Zeitalter der Aufklärung tun: Ich glaube nur, was ich sehen und anfassen kann. Jesus gewährte ihm damals dieses Sehen und Fühlen, was bei Thomas den Glauben bewirkte: „Mein Herr und mein Gott!“ So betete er Jesus an. Aber für ihn und alle späteren, die erst aufgrund von handfesten Erfahrungen glauben wollen, sagte Jesus: „Glücklich können sich die schätzen, die glauben, obwohl sie nicht sehen.“

Ja, es ist wichtig, das wir durch das Kreuz auf dem Altar, die bunten Ostereier, Osterlämmer und vieles mehr immer wieder an Jesus und sein Leben erinnert werden. Doch noch wichtiger ist es, dass wir Vertrauen haben. Darauf, dass es mit Gott, Jesus und dem Heiligen Geist etwas gibt, dass wir zwar nicht sehen können, dass uns aber trägt. Was immer in uns, um uns, neben uns, über uns ist. Uns Kraft und Halt gibt. Auf das wir hoffen können.

Seien wir ehrlich, immer ist es gar nicht so einfach, manchmal auch schier unmöglich, auf etwas zu vertrauen, oder zu hoffen, was wir nicht mit eigenen Augen sehen, mit unseren Händen anfassen oder mit den Ohren hören können. Helfen kann uns dann eventuell das Beginnen mit einer täglichen Routine. Wenn wir uns jeden Abend beim Zubettgehen vornehmen, Gott zu danken für etwas Gutes, das im Laufe des Tages uns geschehen ist. Irgendwann können wir dann auch Menschen, die uns am Herzen liegen vor ihn bringen und für sie beten. Vielleicht bietet gerade der Gang in die Kirche zu Ostern eine Möglichkeit, in Gemeinschaft, wieder Gott und Jesus in unser Herz zu lassen.

Ich wünsche Ihnen und euch von Herzen einen gesegneten April,

eure Manuela Schmidt.

Gedanken zum Monatsspruch März 2026

Da weinte Jesus Joh. 1135

Liebe Schwestern und Brüder,

wir sind mitten in der Fastenzeit. Viele nutzen die Zeit und verzichten auf Dinge, die sonst so selbstverständlich sind, aber auch viel Zeit und Energie kosten. Sie wollen sich stärker auf sich besinnen, auf das, was im Leben wirklich zählt. Doch was zählt wirklich im Leben? Jeder setzt da seine eigenen Prioritäten. Der eine betont Familie und Freundschaften, dem anderen sind Bildung, moralische Werte und ein gutes Auskommen wichtig, dem dritten ist die eigene Fitness und Gesundheit das Wichtigste. Was es auch sein mag, es tut gut, sich hin und wieder zu hinterfragen, neu auszurichten. Dafür ist es sinnvoll, dass es solche Vorbereitungszeiten wie die Fastenzeit immer wieder gibt.

Für uns Christen sollten Nächstenliebe, ein barmherziger Blick aufeinander und die Hoffnung auf Gottes Wirken wichtige Dinge sein, die uns im Leben Sinn und Halt geben. Im Alltagsstress mit all seinen Verpflichtungen geht das leider oft unter und wir messen ihm keine Bedeutung bei. Geschehnisse aus aller Welt verunsichern uns genauso wie unsere Mitmenschen, obwohl uns die Zusage Gottes gegeben ist, da nicht allein durchkommen zu müssen. Wir sind oft getrieben zwischen Terminen, dem jahreszeitlichen Wechsel, zwischen Arbeit und Freizeitaktivitäten. Für Freunde, Familie und den Menschen neben uns bleibt meistens nur wenig Zeit. Selbst wenn man bestimmte Aufgaben für andere macht, so fühlt es sich manchmal so an, dass man einander aus den Augen verliert. Meist merkt man erst, wie getrieben man ist, wenn man durch Krankheit oder Schicksalsschlag zum Innehalten gezwungen wird. Das kann aus der Bahn werfen, obwohl wir wissen, dass wir von Gott getragen sind. Darum ist es gut, sich die Fastenzeit zu hinterfragen, ob man das richtige Maß an Zeit und Liebe für sich und den Nächsten aufbringt, ob man den richtigen Dingen nachgeht oder ob man vielleicht etwas ändern sollte. Man kann zum Schluss kommen, dass alles gut ist, wie es ist und man vielleicht nur ein wenig barmherziger auf sich selbst und andere schauen sollte. Dann darf man dankbar sein und mit fröhlichem Herzen den Frühling genießen. Vielleicht traut man sich aber auch nicht, wirklich in sich hinzuhören, weil manche Erkenntnis weh tut, weil Veränderungen schmerzen, mühsam und die Konsequenzen nicht absehbar sind. Eine Zeit lang kann man dem entgegen, es ignorieren, aber oft holt es einen ein.

Die Zeit vor Ostern, die Passionszeit, ist für unseren Glauben aber nicht nur deswegen entscheidend, weil wir in uns aufräumen, Frühjahrsputz machen. Als Christen nutzen wir die 40 Tage vor Ostern in besonderer Weise, um den Weg von Jesus nachzugehen. Konsequent trat er für seine Botschaft der Nächstenliebe und der Liebe zu Gott ein. So konsequent, dass er damit die eingefahrenen Wege der Mächtigen seiner Zeit herausforderte und sie ihn schließlich loswerden wollten und töteten. Er hat Prioritäten gesetzt, die wir heute vielleicht nur noch schwer nachvollziehen können. Die Prioritäten waren sein liebender himmlischer Vater und seine Nächsten und hier vor allem die, die es gebraucht haben: Kranke, Schwache, Ausgestoßene.

Für sie hat er sich eingesetzt, damit sie wieder Anteil haben an der Gemeinschaft, an Gottes Plan eines gelingenden Miteinanders hier auf Erden und der gemeinsamen Ewigkeit.

Auch unser Monatsspruch für März 2026 „Da weinte Jesus.“ trägt in diesem Sinne eine tiefe Bedeutung. Es ist übrigens der kürzeste Vers in der Bibel. Aber gerade in der Kürze liegt die Würze. Er verdichtet viel von dem, was Jesus ausgezeichnet hat. Jesus zeigt Mitgefühl und Anteilnahme am Leid seiner Freunde Maria und Martha, nachdem ihr Bruder Lazarus gestorben war. Obwohl Jesus wusste, dass er Lazarus bald auferwecken würde, ließ er sich von der Trauer der Schwestern bewegen und weinte mit ihnen. Der Vers verdeutlicht, dass Gott die menschlichen Gefühle ernst nimmt und Anteil am Schmerz der Menschen hat. Er zeigt auch, dass Trauer und Mitgefühl natürliche Reaktionen sind und dass selbst Jesus, der Sohn Gottes, diese Emotionen teilt. Für uns kann das eine Ermutigung sein, unsere eigenen Gefühle zuzulassen und zu wissen, dass wir im Leid nicht allein sind.

Früher war es üblich, dass man Nachbarn und anderen Dorfbewohnern bei einem Trauerfall zur Seite stand, ihre Trauer gemeinsam aushielt, an Trauerfeiern teilnahm, gemeinsam weinte. Spätestens seit und vor allem durch die Pandemie 2020 bis 2022 muss man feststellen, dass sich die Trauerkultur grundlegend verändert hat. Trauerfeiern werden immer mehr zu rein familiären Angelegenheiten im engsten Kreis. Man meint, den Schmerz allein besser aushalten zu können, andere nicht damit belasten zu wollen. Ist das wirklich so? Schafft man so, besser auszuhalten, dass wir endlich sind und nacheinander erst andere und schließlich selbst loslassen zu müssen? Gleichzeitig scheinen sich viele nicht mehr zu öffentlichen Verabschiedungen hingehen zutrauen oder den einfachen Weg zu nehmen, das Thema einfach zu ignorieren. Sei es aus Scham, aus Unsicherheit vor dem richtigen Umgang, aus Gleichgültigkeit oder weil Alltagsaufgaben wichtiger sind. Auch zum gemeinsamen Gedenken am Volkstrauertag oder am Ewigkeitssonntag, an dem nochmal allen Verstorbenen gedacht wird, kommen nur noch wenige. Es hat an Bedeutung verloren, gemeinsam zu tragen, was wir allein nur schwer schultern können. Dabei könnte es durchaus helfen, auch gegen die viel beschworene Vereinsamung. Gott hilft tragen – diese Erfahrung haben jahrhundertelang Menschen gemacht, davon handeln unzählige Trauerlieder. Gott hilft auch dadurch, dass sein Sohn dazu auffordert und vorlebt, als Christen das Leben gemeinsam zu tragen. Das schöne und das schwere, Freude und Kummer.

Es ist auch nicht übergriffig, Interesse aneinander zu haben, am Leben anderer Anteil zu nehmen, Interesse zu zeigen. So wichtig Privatsphäre ist, keiner lebt sich selber. Daher ist dieser kurze Satz der Monatslosung eine Einladung, jetzt in der Fastenzeit darüber nachzudenken, ob wir vielleicht wieder mehr Mitgefühl füreinander haben und wie Jesus auch miteinander weinen sollten, wenn es sein muss. Tränen können das Wischwasser sein, dass beim Frühjahrsputz unserer Seele hilft. Gereinigt und befreit können wir dann mutig angehen, was dieses Jahr noch auf uns wartet.

In diesem Sinne eine gesegnete Fastenzeit

Chris Schönefeld

Monatsspruch Januar 2026

„Du sollst den HERRN, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft“

Liebe Schwestern und liebe Brüder,

„alle Jahre wieder“…nein, damit meine ich diesmal nicht das bekannte Weihnachtslied. Sondern das, was ganz viele Menschen zum Jahreswechsel tun: Sich Dinge für das kommende Jahr vornehmen. Der Eine will endlich aufhören mit rauchen, der Nächste soundso viele Kilos abnehmen und der Dritte auf Schockolade verzichten. Einige können das auch noch eine Zeitlang nach dem ersten Januar durchhalten, doch andere merken schon nach kurzer Zeit: „Der innere Schweinehund ist doch stärker.“
Alles in allem merken wir: Die Gewohnheiten abzugelegen, Neues im täglichen Ablauf einzubauen oder auf die ein oder andere, liebgewohnene Seelentröstung zu verzichten, fällt doch arg schwer. Und so gibt es wohl kaum Jemanden unter uns, der ein zum Jahreswechsel selbst „verordnetes“ Vorhaben über Monate, Jahre oder gar für immer beibehält.

Von einem Vorsatz der ganz anderen Art hören wir im Monatsspruch für den Monat Januar. Dieser ist kein typischer Jahreswechsel-Vorsatz. Er steht im fünften Buch Mose: „Du sollst den HERRN, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft“

Dieses 5. Buch des Propheten Mose, auch Deuteronomium genannt, ist voll von Zusagen und auch von Ermahnungen. Mose will das Volk Israel noch einmal an alles erinnern, damit sie auch ja nichts vergessen. Sie sollen sich daran erinnern, was Gott getan hat auf ihrer langen Reise durch die Wüste. Sie sollen sich daran erinnern, was Gott ihnen an Segnungen zugesagt hat. Sie sollen sich daran erinnern, mit wem sie unterwegs waren, sind und auch sein werden: mit dem HERRN, ihrem Gott.

All die Zusagen sind eng verbunden mit der Ermahnung, diesem Gott unbedingt treu zu bleiben, ihn zu ehren und nicht auf die Verlockungen der anderen Völker hereinzufallen. 
Doch hierbei geht es nicht allein um blinden Gehorsam. Mose sagt: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben!“ Aber nicht irgendwie sondern voll und ganz. Um das besser verstehen zu können, müssen wir uns die 3 wichtigen Punkte des Verses anschauen:
Mit ganzem Herzen (lebab): Im biblischen Verständnis ist das Herz nicht nur der Sitz der Gefühle, sondern auch des Denkens, Wollens und Entscheidens. Es fordert eine bewusste Ausrichtung des Willens und der Absichten auf Gott.

Mit ganzer Seele (nefesch): Hier ist das gesamte Leben bzw. die Lebenskraft gemeint. Es impliziert die Bereitschaft, Gott mit dem gesamten Sein und notfalls unter Einsatz des eigenen Lebens treu zu bleiben.

Mit ganzer Kraft (me’od): Das hebräische Wort bedeutet wörtlich „Sehrheit“ oder „Vielheit“. Es umfasst alle Ressourcen eines Menschen: physische Stärke, Besitztümer, Zeit und soziale Stellung. 

Wir merken: Das ist ne ganz schöne gewaltige Aufgabe, die der Prophet da von den Gläubigen verlangt. Ein unlösbare?
Auch wir Christen heute, tausende Jahre später, stellen uns sicher das eine oder andere Mal die Frage: Wie ist das eigentlich mit meinem Glauben? Bin ich zwar noch in der Kirche Mitglied, aber so wirklich intensiv „glaube“ ich nicht mehr? Oder ist da schon noch so ein Gefühl, dass die Glaubensflamme zwar in mir zwar flackert, aber doch nicht mehr so intensiv wie vor Jahren? Kann ich wirklich sagen, ich liebe Gott mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele, mit ganzer Kraft?

Vielleicht kann uns dabei auch die Losung für das Jahr 2026 helfen: „Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu!“. Wir finden sie in Offenbarung 21,5. Sie bildet quasi einen Bogen zur Schöpfungsgeschichte. Als Gott die Welt schuf. Wir merken, Gott ist immer wieder darauf bedacht, seinen Weg mit uns Menschen zu gehen. Auch wenn wir selbst diesen aus den Augen verlieren, uns verirren. Verzetteln im großen Ganzen. Er lässt uns nicht „im Stich“.
Dann merken wir, gerade am Übergang von einem Jahr zum anderen: Manchmal ist es gar nicht so schlimm und schlecht, sich zuerst mit dem eigenen Glauben zu beschäftigen und dann mit dem, an den man glaubt. Wir sind damit auch nicht allein auf weiter Flur. Sondern Gott wird uns helfen. Immer und immer wieder.

Ich wünsche Ihnen und euch von Herzen einen gesegneten Januar,
eure Manuela Schmidt.

Monatsspruch November 2025

Gott spricht: Ich will das Verlorene wieder suchen und das Verirrte zurückbringen und das Verwundete verbinden und das Schwache stärken.

Hesekiel 34,16

Liebe Schwestern und Brüder,

es ist schon ein paar Jahr her, als das letzte Mal ein Schäfer mit seiner Herde hier durch Hasenthal zog. Auch sonst sieht man im Landkreis Sonneberg keinen Schäfer mehr, der mit einer hunderte Tiere – umfassenden Herde über die Wiesen und Felder zieht. Eigentlich schade, dass dieser Berufszweig nicht mehr so „in Mode“ ist. Schließlich kümmerten sich viele Jahrzehnte und Jahrhunderte Schafe auch um die natürliche Pflege ganzer Landschaften. Schön anzusehen war es allemal, wenn da diese wolligen Tiere gemütlich auf den Wiesen standen.


In der Matthäuskirche in Spechtsbrunn finden wir auch Worte über einen guten Hirten. Sie stammen aus dem Psalm 23. Was verbinden nun wir mit dem Hirten? Seien wir ehrlich, als erstes kommt uns da ja schon das romantische Bild vor Augen, dass ein Schäfer mit seinem Hütehund auf einer frischen, saftigen Wiese steht, von morgens bis abends, bei Wind und Wetter. So stellen wir Laien uns das sicherlich oft vor. Die Realität schaut mittlerweile sicherlich anders aus. Wenn Zuchtpläne am Computer erstellt werden, es dank Statistiken einfach nur noch um die Rentabilität geht usw. Doch ein wenig dürfen wir ja sicherlich noch unseren nostalgischen Vorstellungen hinterherträumen, oder?

Auch im Monatsspruch für den Monat November lesen wir von einem Hirten. Auch da keimt so ein „Ideal-Bild“ in uns auf: Da hat sich so ein niedliches Schäfchen, warum auch immer, von der Herde entfernt. Irgendwie hat es sich dann an einem Strauch verletzt. Der Schäfer geht auf die Suche, sucht solange, bis er es findet, kümmert sich. Und bringt es zurück zur Herde.

Kann das Bild jetzt nicht einfach so stehen bleiben? Irgendwie hoffen wir doch insgeheim ganz sehr es uns. Doch ich muss euch enttäuschen. Denn vor dem Vers, der uns für den November gegeben ist, klagt Hesekiel die miserablen Hirten an. Er meint damit nicht die, die Schafherden vorangehen und sie weiden.
Gemeint sind die Führer des Volkes, die ihre Macht missbrauchen.


Die Herrschenden damals ließen sich nämlich gerne ‘Hirten’ nennen, auch die Despoten, denn das klingt gut. Hirten, die scheinbar fürsorglich für ihre Herden eintreten, in Wirklichkeit aber nichts anderes treiben als ihre Macht auszunutzen.

Wenn wir uns so auf dieser Welt umschauen, dann fallen sicherlich auch uns ein paar Menschen ein, die sich insgeheim null darum kümmern, wie es jedem Einzelnen in ihrem Volk geht. Denen es nur wichtig ist, dass sie gut dastehen. Das sie durch unnötige Kriege so viel wie möglich an Land wieder für sich einnehmen können , ohne Rücksicht darauf zu nehmen, wieviele Opfer diese Kriege fordern. Oder sich, in völliger Selbstüberschätzung, im Vorfeld schon als Gewinner des Friedensnobelpreises sehen.

Wir merken, so sehr unterscheiden sich die Themen damals und heute nicht.

Doch der Prophet stellt den politischen Machthabern jemanden entgegen: Gott. Er ist derjenige, der sich um die Menschen kümmert. Gott wird dabei auch mal etwas schärfer im Ton, wenn er den Machthabern droht: ‭So spricht GOTT, der Herr: Siehe, ich komme über die Hirten, und ich will meine Schafe von ihren Händen fordern und will ihrem Schafeweiden ein Ende machen, und die Hirten sollen nicht mehr sich selbst weiden; denn ich will meine Schafe aus ihrem Maul erretten, dass sie ihnen künftig nicht mehr zum Fraß dienen sollen. Aber er will sich eben nicht nur um das Körperliche, sondern auch um ihre Seele kümmern. Wenn er da schreibt mit Worten Gotts: ‭Ich selbst will meine Schafe weiden und sie lagern, spricht GOTT, der Herr. Ja, Gott selbst möchte uns Ruhe schenken. Zeiten, in denen wir wirklich zur Ruhe kommen können. Auszeiten für die Seele.

Gerade in diesen Tagen jetzt im November, wo die Tage eh schon trüb und regnerisch oft sind. Der ein oder andere sich innerlich auch schon auf die beiden Sonntage vorbereitet, in denen es um das Gedenken Verstorbener oder der Opfer der weltweiten Kriege geht. Da ist es wichtig, dass auch wir uns immer wieder daran erinnern und erinnern lassen, das es da Jemanden in unserem Leben gibt, der „das Verirrte zurückbringt auf den richtigen Weg, die Wunden verbindet und das Schwache stärkt“.

Ich weiß, es fällt uns oft nicht leicht, runterzukommen. Aber vielleicht sollen auch wir uns immer mal wieder die Zeit geben, uns einzulassen. Auf Gott, auf sein Wirken in unserem Leben. Einen Schritt dahin habt ihr jetzt eben schon getan – indem ihr euch diese Zeilen bis zu Ende durchgelesen habt.

Ich wünsche uns allen einen gesegneten November,

Ihre und eure Manuela Schmidt

Gedanken zum Monatsspruch Mai 2025

Zu dir rufe ich, HERR; denn Feuer hat das Gras der Steppe gefressen, die Flammen haben alle Bäume auf dem Feld verbrannt. Auch die Tiere auf dem Feld schreien lechzend zu dir; denn die Bäche sind vertrocknet.

Joel 1,19-20

Liebe Schwestern und Brüder,

kennt ihr den Spruch „Alles neu macht der Mai“? Eigentlich wird er als Sinnbild dafür verwendet, dass der Mai den Sommer einläutet. Die Natur ein „neues Kleid anzieht“. Das kann man auch auf uns Menschen beziehen, wenn sich etwas plötzlich im Leben oder auch in den Einstellungen ändert. Deshalb möchte ich euch, um beim Spruch zu bleiben, mal einen neuen Beginn der Auslegung schreiben. Diesmal mit einer Betrachtung zu einem kirchlichen Lied. Ihr fragt euch sicherlich: „Was sollen wir denn nun damit? Normalerweise lesen wir in unserem Gemeindeblättle doch immer ein paar Worte zu dem Spruch, der da auf der ersten Seite steht. Was will sie denn diesmal von uns?“

Ich verrate es euch gleich zu Beginn. Jeder Mensch geht mit Situationen, die ihn im Inneren bewegen, anders um. So hat zum Beispiel jeder eine „Strategie“ für den Umgang mit schlimmen Nachrichten: Der eine braucht dann erstmal Zeit für sich, geht vielleicht raus in die Natur. Macht einen Spaziergang, um den Kopf frei zu bekommen. Der nächste braucht erstmal Schokolade als Nervennahrung. Wieder ein anderer geht irgendwohin, wo ihn niemand sieht und hört und schreit seine Gefühle hinaus.

Bei schönen Momenten wiederum möchte manch einer die ganze Welt umarmen. Ein anderer gönnt sich vielleicht was Schönes, kauft sich etwas, was er oder sie schon länger haben wollte. Oder möchte einfach das Gute mit lieben Menschen teilen.

Für uns Christen gibt es noch ein paar andere Dinge, die wir in solchen Momenten tun können. Manch einer nimmt sich die Bibel zur Hand. Ein anderer betet zu Gott, entweder, um ihm zu danken oder ihn um Hilfe zu bitten. Für andere ist aber auch der Gesang ein Mittel, die Gefühle auszudrücken.

Da komm ich nun zu einem Lied, was mir über den Weg quasi diesmal gelaufen ist: „Wie lieblich ist der Maien“. In der ersten Strophe beschreibt es recht schön, wie Viele von uns den Monat Mai empfinden: „Wie lieblich ist der Maien aus lauter Gottesgüt, des sich die Menschen freuen, weil alles grünt und blüht. Die Tier sieht man jetzt springen mit Lust auf grüner Weid, die Vöglein hört man singen, die loben Gott mit Freud.“ Und irgendwie wollen wir ja dem Dichter des Liedtextes recht geben, da draußen ist jetzt im Mai ganz viel los. Unsere Herzen könnten doch eigentlich vor „Freude überquellen.“

Doch dann schauen wir hier in unseren Täler um uns herum. Die Berge hoch, wo noch vor einigen Jahren tiefdunkle Fichtenwälder standen. Irgendwie hatten sie ja doch auch etwas Beruhigendes, hatten im Sommer Schatten gespendet und an stürmischen Tagen einem Schutz geboten vor dem Wind. Wenn wir da heute lang gehen, auf altbekannten Wegen, wird manch einem ganz arg traurig im Herzen. Teilweise erinnern die Flächen an Mondlandschaften.

Irgendwie sind diese Flächen dann auch ein Sinnbild für so viele andere Ängste, die uns aktuell, trotz schönstem Mai, bewegen. Bekommen wir, in unserem einst so sicher geglaubtem Deutschland, irgendwann doch noch Krieg? Was wird aus unserer Wirtschaft, wenn Trump, Putin und Co. ihre Macht eines Tages völlig maßlos zur Geltung kommen lassen? Da stellt man sich die Frage: „Was hilft uns“? Der Schreiber unseres Textes für die Monatslosung hat für sich den Weg des hilfesuchenden, verzweifelten Rufes zu Gott gewählt.

Auch in unserem am Anfang noch so leicht klingenden Lied hören wir dann in der dritten Strophe von der Bitte, dass Gott doch helfen möge:

„Herr, lass die Sonne blicken ins finstre Herze mein, damit sich’s möge schicken,
fröhlich im Geist zu sein, die größte Lust zu haben allein an deinem Wort,
das mich im Kreuz kann laben und weist des Himmels Pfort.“

Wir merken: Manchmal kommen wir alleine nicht weiter. Da brauchen wir etwas oder jemanden, der uns hilft, Situationen zu meistern. Weil sie einfach zuviel für unsere Seele sind. Vielleicht ist dann gerade der Mai wiedermal eine Gelegenheit, unsere „Beziehung zu Gott“ zu pflegen. Das mag, wenn man es jetzt schon länger nicht mehr getan hat, vielleicht etwas schwierig sein. In unseren beiden Kirchgemeinden gibt es im Lauf des Monats verschiedene Angebot, Glaube in Gemeinschaft zu leben und zu erleben. Wie wärs…?

Ich wünsche uns allen einen gesegneten Mai,

Ihre und eure Manuela Schmidt

Gedanken zum Monatsspruch Februar 2025

Du tust mir kund den Weg zum Leben.

Psalm 16,11

Liebe Schwestern und Brüder,

gleich zu Beginn möchte ich euch ein paar Fragen stellen: „Wie erging es euch mit den selbst auferlegten Vorsätzen fürs neue Jahr?“ „Ist es euch gelungen, sie noch einzuhalten? „Oder gab es schon erste: „Ach, dass ist doch nichts jetzt am Jahresanfang, ich probiere es dann im Laufe des Jahres nochmal“-Momente?

Oder erinnert ihr euch noch daran, wie ihr im Jahr 2024 ein längere Strecke mit dem Auto vor euch hattet? Vielleicht auf dem Weg zum Urlaubsort oder auf einer Dienstreise. Ja, ihr habt bewusst schon ein wenig mehr Zeit für die Fahrt geplant, um auch mal eine Pause einlegen zu können. Doch dann, nach einer Stunde auf der Landstraße, plötzlich das berühmt- berüchtigte Schild mit dem großem U auf gelbem Grund: Umleitung. Was ihr da noch nicht wusstet: Die „kurze“ Umleitung kostete dann doch etwas mehr als eine halbe Stunde Zeit. Was in dem Moment zwar irgendwie ärgerlich war, euch aber durch einen Ort führte, den ihr eigentlich schon länger mal besuchen wolltet.

Da sind sie, die ersten Erkenntnisse des neuen Jahres: Schon allein das Feststellen, dass es mit unseren gut gemeinten Vorsätzen oft nicht auf Dauer gelingt, sie einzuhalten, zeigt uns, wie schwer es doch ist, immer „schnurgeradeaus durchs Leben zu gehen“. Auch die ein oder andere Umleitung – ob nun auf der Straße oder in unserem Leben- kommt uns bekannt vor. Ein weiterer Spruch, der in die selbe Richtung geht- lautet: „Es kommt immer anders als man denkt.“

Dann lesen wir den Spruch für den Monat Februar 2025: „Du tust mir kund den Weg zum Leben“.

Was hat es nun damit auf sich? König David, dem dieser Psalm zugeschrieben wird, erkennt sehr deutlich, dass es viele Lebensmodelle gibt, die die Menschen um ihn herum leben. Viele Wege, ihr Glück zu finden. Besonders erwähnt er die Götterbilder und Opfer.  Doch David erkennt für sich selbst, dass er diese Wege nicht gehen will. Sein Lebensweg ist auf Gott ausgerichtet und er sagt: „Große Freude finde ich in deiner Gegenwart und Glück an deiner Seite für immer.“

Wie ist das nun bei uns? Den „klassischen“ Lebensweg als Christ gibt es wohl nicht. Manche Eltern lassen ihr Baby schon kurz nach der Geburt taufen, andere erst 1-2 Jahre später. Wieder andere überlassen es ihrem Kind, diese Entscheidung dann mit 11 oder 12 Jahren selbst zu treffen. Und auch wenn der junge Mensch dann 2 Jahre lang voller Begeisterung den Vorkonfirmations-Unterricht besucht und sich vor der Gemeinde zu Gott bekennt, kann es immer wieder Momente geben, in denen sie oder er sich dann erstmal oder für immer für ein Leben „ohne Gott“ entscheidet.

Da ist es dann manchmal gar nicht so schlecht, wenn man, um beim Navi zu bleiben, immer mal wieder im Laufe des Lebens Menschen kennenlernt oder Situationen erlebt, die einen wieder näher zum Glauben bringen. Wo wir merken: Ja, es tut gut und ist für mich wichtig. Das ich etwas habe, dass mir Halt gibt. Wenn mein Leben haltlos erscheint.

Wenn ich dann irgendwann wirklich fest meinen Glaubens-Weg beschreite ist es im Umkehrschluß auch gar nicht mehr so schwer, wenn das Leben mir Steine in den Weg legen will.

Unser Monatsspruch aus dem 16. Psalm hat noch eine kurze Fortsetzung. Der biblische König David ruft dann aus: „Ich kann mein Glück nicht fassen, nie hört es auf!“ Was ist der Grund für diese Freude – Euphorie: der Erfolg als König Israels, Sieg über seine Feinde? All das könnte man vermuten. Doch wenn man den Zusammenhang liest, erkennt man, dass etwas ganz anderes David in solchen Jubel versetzt – es ist seine persönliche Beziehung zu Gott „Darüber freue ich mich so sehr, dass ich es nicht für mich behalten kann.“, schreibt er – dankbar für die Hilfe Gottes in seinen persönlichen Entscheidungen; für die Sicherheit die er ihm gibt; für ein Leben, das bis in die Ewigkeit hält; dafür, nicht einen der vielen Götzen, sondern den wahren Gott als seinen Herrn gefunden zu haben.

Nun komme ich wieder auf die guten Vorsätze zurück. Wie wäre es damit, dass wir uns jeden Monat einmal fragen: Sind wir noch auf dem Weg, der gut für uns ist? Auch wenn er manchmal steinig ist?

Ich wünsche uns allen einen gesegneten Februar,

Ihre und eure Manuela Schmidt

Gedanken zum Monatsspruch Dezember 2024

„Mache dich auf, werde licht; denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des HERRN geht auf über dir!“ Jesaja 601

Liebe Schwestern und Brüder,

Adventszeit und Weihnachten – das heißt für viele Weihnachtsmarkt mit Glühweinduft, Lebkuchen und vielerlei Gebäck, Kerzenschein und Geschenke. Für viele ist es einfach eine schöne Zeit. Eine Zeit, in der Wunder möglich scheinen und selbst größte Feinde zumindest Waffenstillstand schließen können, Probleme gute Lösungen finden oder zumindest in den Hintergrund treten. Manche fürchten die emotional aufgeladene Zeit mit dem scheinbar verordneten Frieden aber auch, tragen vielleicht Trauer um geliebte Menschen oder zerbrochene Lebensträume in sich und wünschen sich, dass der Advent und die Feiertage recht schnell vorüber gehen und ein neues Jahr mit neuen Möglichkeiten anbrechen möge.

In der Adventszeit- und Weihnachtszeit spielt Licht eine große Rolle. Anders als noch im tristen November erhellen nun fast überall Lichterketten in allen Formen und Größen Vorgärten und Häuser. Selbst wer es schlichter mag, erhellt mit Kerzen, mindestens den vieren am Adventskranz, seine Wohnung. Licht ist für uns Menschen enorm wichtig, das merken wir, wie bei allen Dingen, vor allem dann, wenn es fehlt. Wenn es jetzt im Winter draußen dunkel ist und die Tage kurz und immer kürzer werden, sehnen wir uns nach Helligkeit, nach Wärme und eben nach Licht. Viele wünschen sich in den Sommer zurück, in dem es lang hell war. Wie fast alle Lebewesen brauchen wir Licht – biologisch, damit sich Vitamin D bilden kann und auch unser Hormonhaushalt im Schwung bleibt, aber auch seelisch, damit man so manchen dunklen Gedanken bestehen kann. Im übertragenen Sinne wünschen wir uns, dass es hell in uns wird, dass sich unsere Stimmung aufhellt, dass positive Gedanken in unsere Gedankenkarusselle eindringen, sie anhalten und sei es nur für einen Moment. Vielleicht bewegt uns die Advents- und Weihnachtszeit auch deshalb so sehr, weil es eben fehlt das Licht und wir kleine Lichter deutlicher sehen, als es an lichtdurchfluteten langen Sommertagen möglich wäre. So, wie wir auch in allem Kummer, in allem Leid und aller Ungerechtigkeit in dieser Welt immer wieder wunderbare, glückliche Momente gibt, die wir allzu leicht übersehen, weil wir eigentlich alles im Überfluss haben, weil es eben immer zu hell ist, wenn auch nicht leuchtend, sondern für viele eher gedimmt.

„Mache dich auf, werde licht, denn Dein Licht kommt.“ Licht ist ein zentrales Bild der christlichen Botschaft zu Weihnachten und ein zentrales Motiv in der Bibel. Auch der Monatsspruch greift das auf. Gott schenkt uns Hoffnung, schenkt uns seinen Sohn und wie könnte man das schöner ausdrücken, als mit dem Bild des Lichtes. Das verstehen weltanschauungsübergreifend alle Menschen, ob nun Christen, Juden, Muslime, Atheisten. Das sind Botschaften, die wir brauchen, gerade in schwierigen, eben in dunklen Zeiten, wie sie nun anzubrechen scheinen.

Zeiten, in denen gesellschaftliche Spaltung zunimmt, wirtschaftlicher Abstieg herauf-beschworen wird oder eine Ausbreitung von aktuellen Kriegen auch zu uns droht. „Mache dich auf, werde licht, denn Dein Licht kommt.“ Dieser Appel des Propheten Jesaja scheint da umso dringender. Jesaja richtet seine Worte an das Volk Israel im babylonischen Exil, also in der Fremde, in die sie fliehen mussten, als man ihre Tempel, all das, was ihnen lieb und teuer war, zerstört hatte. Seine Botschaft ist eine Verheißung an das Volk Israel, das es in seine geliebte Heimatstadt Jerusalem zurückkehren wird, in der noch vieles am Boden liegt. Der Prophet verheißt der Stadt und ihren Menschen inneren und äußeren Frieden, Gerechtigkeit und Wohlstand, auch wenn sie davon noch wenig spüren können. In der Fremde geht es ihnen gut, aber es bleibt eine Leere, seine Sehnsucht nach Hause. Gott verheißt seinem Volk durch den Propheten, dass als Erweis für die Wiederherstellung der Stadt die Völker der Welt nach Jerusalem kommen und dort Frieden und Orientierung finden werden – welch eine tröstende Vision, auch für uns heute, vor allem für die Menschen im Nahen Osten, in der Ukraine und auch für die, die persönlich an innerer Dunkelheit leiden.

„Werde Licht“ – Werde „lebendig“, könnte man es auch formulieren. Es ist eine Aufforderung an uns, sich nicht von dunklen Kräften, auch nicht aus dem eigenen Inneren beherrschen zu lassen, sondern sich aufzurichten und aufzumachen. Im Lichte oder bei Tag betrachtet, heißt es, lassen sich Heraus-forderungen und Sorgen angehen, die im Dunklen oft übermächtig schienen. Das ist oft leicht gesagt und doch unendlich schwer. Aber und das ist die tröstende Komponente aus der Botschaft von Jesaja, man muss es nicht krampfhaft allein, aus sich selbst herausschaffen, sondern es wird möglich, weil Gott selbst zu uns kommt, als kleines Kind im Stall, klein und doch wirkmächtig. Nicht, weil das Volk Israel selbst über Strahlens- und Lebenskraft verfügte, sondern weil die „Herrlichkeit des Herrn“ über der Stadt aufgin“, konnten sie nach Jerusalem zurückkehren und ihren Tempel wieder aufbauen. Es ist der Gott Israels, der dem Volk und der Stadt immer wieder neues Licht und Leben bringt. Er selbst ist es, der es auch hell um uns machen und Licht in unser Leben (zurück)bringen kann, oftmals und vor allem in den dunklen Momenten, wenn uns nichts mehr von seinem Licht ablenken kann. Es ist schwer begreiflich, dass es oft harter Situationen bedarf, um das schöne bewusster zu erleben, aber es ist zugleich ein Geschenk, was uns gegeben wird, vielleicht, um das Leben besser auszuhalten. Daher bleibt es wichtig, dass wir jedes Jahr aufs Neue in der Adentszeit- und Weihnachtszeit viel von Licht sprechen, Kerzen anzünden, uns anrühren lassen, unsere Herzen immer wieder neu füreinander öffnen und Gottes Licht in uns hineinlassen, seine Botschaften hören, singen und Kraft tanken für das kommende Jahr.

In diesem Sinne wünscht Euch und Ihnen eine schöne Adventszeit, ein gesegnetes Weihnachtfest und einen behüteten Jahreswechsel,

Chris Schönefeld im Namen des Lektorenteams und der Kirchgemeinden

Gedanken zum Monatsspruch November 2024

Wir warten aber auf einen neuen Himmel und eine neue Erde nach seiner Verheißung, in denen Gerechtigkeit wohnt.“

2. Petrus 3,13

Liebe Schwestern und Brüder,

„herzlich willkommen im herrlich kühlen November.“ So könnte man es sagen, wenn man zu der zugegeben recht kleinen Gruppe von Menschen gehört, die sich im für sie viel zu warmen Sommer den kühlen November herbei gewünscht haben Für andere ist der November eher mit trübem Grau verbunden. Bei manch einem schleichen sich dann dunkle Momente in die Gedanken ein. Denn bevor die besinnliche Adventszeit anbricht, kommen erstmal noch Volkstrauertag und Ewigkeitssonntag.

Doch nicht nur bei uns Menschen ist der November ein Monat der Veränderungen. Auch die Natur stellt sich nun um. Die schönen bunten Blätter, die wir noch im Oktober bestaunen konnten, sind nicht mehr. Viele Dinge in unseren Gärten sind schon längst abgeerntet. Aber es ist auch noch nicht wirklich so, dass ein sanftes winterliches Kleid alles zudeckt.

Wir merken, der Monat November hat in den Köpfen vieler Menschen etwas mit Sehnsucht zu tun. Wir sehnen uns nach Wärme, nach ersten Schneeflocken, nach dem nächsten Urlaub und suchen ja auch irgendwie nach etwas – nach Geborgenheit, nach Halt in unsicheren Zeiten. Auch in diesem Jahr mussten wir wieder von Ereignissen hören, die Menschen in ihrer Existenz und ihrem Leben bedrohen. So die anhaltenden Kriege in der Ukraine oder Israel. Oder den Überschwemmungen oder Dürren in aller Welt. In Äthiopien wurden die Lebensgrundlagen durch drei aufeinanderfolgende Dürrejahre und zahlreiche Konflikte vernichtet. Aufgrund von Sicherheits- und Wirtschaftskrisen sind 6,2 Millionen Menschen in Mali auf humanitäre Hilfe angewiesen. Das Krankenhaus in Neuhaus am Rennweg schließt seine Porten, wieder etwas Vertrautes, was es nicht mehr geben wird,

Wir empfinden vieles, was da auf dieser Welt geschieht, als ungerecht. Genau darum geht es auch in dem Spruch, der uns für November gegeben ist. Wir finden ihn im 2. Brief an Petrus:

Wir warten aber auf einen neuen Himmel und eine neue Erde nach seiner Verheißung, in denen Gerechtigkeit wohnt.“

Um das verstehen zu können, stellt sich die Frage, was Gerechtigkeit eigentlich ist. Mit dem markanten Spruch: „Gleiches Recht für Alle“ ist es wahrscheinlich nicht ganz erfasst. Auch die folgende wissenschaftliche Definition trifft das, um was es in dem Monatsspruch geht, immer noch nicht ganz. „Gerechtigkeit ist die ethische, philosophische  Idee, dass die Menschen vom Gesetz und von  den Schiedsrichtern  des Gesetzes unparteiisch, fair, angemessen und vernünftig behandelt werden müssen, dass die Gesetze sicherstellen sollen, dass keinem anderen Schaden zugefügt wird, und dass, wenn ein Schaden behauptet wird, Abhilfemaßnahmen ergriffen werden – sowohl der Ankläger als auch der Angeklagte erhalten die moralisch richtigen Konsequenzen, die ihren Handlungen entsprechen.“

Versuchen wir es also mit folgender Definition: „Gerechtigkeit ist bei Gott mehr als eine ausgewogene Rechtsprechung. Es geht darum, dass alle Geschöpfe zu ihrem Recht kommen. Dabei kommt es zum Beispiel nicht darauf an, dass der, der mehr tut, auch mehr bekommt. Es geht um die Güte Gottes. Sie ist radikal, sie macht keinen Unterschied. Bei Gott ist zum Beispiel egal, ob man als Erstes kommt und viel arbeitet oder ob man der Letzte ist und weniger arbeitet als die anderen.“

Zugegeben klingt das alles sehr theoretisch. Doch jetzt kommen wir zu dem Punkt unseres Textes, der uns Menschen wohl am schwersten fällt: Dem Warten. Die meisten von uns sind wohl nicht gerade gut darin, sich in Geduld zu üben. Vor allem und gerade dann nicht, wenn es uns nicht gut geht, wenn Sorgen oder Trauer, die Angst vor der eigenen Zukunft oder der Nächsten einen umtreiben.

Genau in diesen Momenten brauchen wir Halt und Vertrauen, wie wir sie in Gott finden können. Einer unserer ehemaligen Pfarrer hat einmal zu mir gesagt: „Es ist sinnvoll, sich in guten Zeiten ein Geländer aufzubauen. Das einem Halt in schlechten Zeiten gibt.“ Warum nutzen wir nicht die Zeit jetzt im November dazu, in denen sich unsere Seele eh nach so vielen Dingen sehnt? Vielleicht findet sie dann im Glauben einen Weg, der das Warten auf den neuen Himmel und die neue Erde nicht mehr ganz so schwer macht. Versuchen wir es einfach.

Ich wünsche uns allen einen gesegneten und hoffnungsvollen November.

Ihre Manuela Schmidt

Gedanken zum Monatsspruch August 2024

Der HERR heilt, die zerbrochenen Herzens sind, und verbindet ihre Wunden.

Psalm 147,3

Liebe Schwestern und Brüder,

jetzt ist er endlich da, der August – so mögen die Einen es sagen. Der Sommer hat seinen Höhepunkt erreicht. Alles blüht in den schönsten Farben, ettliche Beeren, Früchte und Gemüse sind reif. Man kann sich ans Einfrieren, Gelee- oder Marmelade- Zubereiten oder Einkochen machen. Manch Bauer nutzt die hoffentlich schönen Tage für eine zweite Heuernte. Oder zumindest dazu, nochmal Silage einzufahren.

Für die Kinder im benachbarten Bayern stehen die Sommerferien auf dem Plan. Für sie bricht nun die Zeit ohne Schule, Hausaufgaben oder Klassenarbeiten an. Mit den Eltern oder Großeltern in den langersehnten Sommerurlaub fahren oder fliegen. Und einfach mal abzuschalten. Für die Größeren sind auch endlich die Prüfungen vorbei. Mit Ausbildung oder Studium bricht ein neuer, spannender Lebensabschnitt an.

Nun könnte man doch sagen: Alles schick, alles beim Besten. Oder etwa doch nicht?

Denn ja, es gibt auch die andere Seite. Die nicht so schön ist. Manche Eltern können sich keinen Urlaub leisten, weil sie nicht genug Geld haben. Oder ein Familienmitglied ist gerade erst arbeitslos geworden. Für manch einen ist es jetzt im August auch die Zeit, in der er oder sie an einen, vielleicht schon vor Jahren, in diesem Monat Verstorbenen denkt. Genau jetzt wieder all die Trauer wieder sich ausbreitet tief im Inneren und wie ein dunkler Schatten sich über alles legt.

Dann merken wir: nein, der August hat nicht nur schöne Seiten. Das Herz, das angesichts des Sommers bei Vielen vor Freude springt, das ist bei Einigen eher mit traurigen Gedanken gefüllt. Bei Wenigen sogar gebrochen. So, wie wir es im Spruch für diesen Monat lesen.

Da hilft es dann auch nicht, wenn nahe Angehörige, gute Freunde oder Bekannte uns mit ihren Ratschlägen kommen: „Schau nach vorne, es kann nur besser werden“. Oder: „Geniess doch die warmen Tage.“ Nein, das Herz ist nun mal gebrochen und so schnell und einfach geht das jetzt nicht.

Wie ist das nun mit der Heilung und dem Verband, von dem wir da hören, im 147. Psalm? Ich fange erstmal bei etwas „Einfachem“, besser Nachvollziehbarem, an.

Wenn man eine Wunde hat, dann braucht es Zeit. Kleinere Schürf- oder Schnittwunden heilen meist von allein. Bei Größeren braucht es dann schon einen Verband, der sie vor Dreck und weiteren Reizungen schützt. Bei ganz Großen muss ein Arzt ran. Vielleicht sie sogar nähen. Weil nur er weis, was da am Besten ist.

Doch da geht es ja nun um unser Herz. Das ist nicht mit einer Wunde auf der Haut zu vergleichen. Da können wir nicht mal eben schnell einen Verband drum machen. Ja, ich weis, es gibt gute Herzchirurgen, die das Herz als Organ wieder heilen können. Doch ein gebrochenes Herz, sprich, wenn die Seele leidet, dass bekommen auch sie nicht wieder gesund.

Da braucht es mehr. Einen, den wir nicht sehen können. Der für viele nicht greifbar und fassbar ist. Der aber helfen kann. Der am Besten weiß, was dieses Herz braucht. Wenn die Gedanken zu dunkel geworden sind, um es alleine zu schaffen. Wenn auch der schönste Sommertag kein Licht mehr ins Herz oder besser gesagt, die Seele, bringt: Gott.

Wohl nur er kann eben die gebrochene Seele wieder heilen. Das braucht Zeit.

Was er alles bewirken kann, sehen wir, wenn wir uns auch einmal die Verse vor und nach dem Monatsspruch anschauen: „1 Lobet den HERRN! / Denn unsern Gott loben, das ist ein köstlich Ding, ihn loben ist lieblich und schön. 2 Der HERR baut Jerusalem auf und bringt zusammen die Verstreuten Israels. 3 Er heilt, die zerbrochenen Herzens sind, und verbindet ihre Wunden. 4 Er zählt die Sterne und nennt sie alle mit Namen. 5 Unser Herr ist groß und von großer Kraft, und unermesslich ist seine Weisheit. 6 Der HERR richtet die Elenden auf und stößt die Frevler zu Boden.“

Doch wie auch im Leben hier auf Erden geht das nicht ohne uns. Wir gehen ja auch nicht zu jedem x-beliebigen Arzt und begeben uns blindlinks in seine Hände. Sondern auch da brauchen wir Vertrauen in dessen Können. So ist es auch bei Gott. Wir sollen ihm schon vertrauen, dass er weis, wie er uns helfen kann.

Ich wünsche uns allen einen gesegneten und heilenden August,

Ihre Manuela Schmidt