Archiv für den Autor: Manuela Schmidt

Gedanken zum Monatsspruch Dezember 2020

Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut!“
 
Jesaja 58,7
 
Liebe Schwestern und Brüder,
 
der Monatsspruch Dezember trifft mich an einer wunden Stelle. Dabei ist er ganz klar in seiner Forderung. Nicht immer wird so klar gesagt, was man tun soll. Hier schon. „Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut!“ Dieser Satz ist einfach zu verstehen und leicht zu befolgen. Trotzdem tue ich mich im Alltag schwer damit, das entsprechend umzusetzen. Vor kurzem klingelte es an unserer Tür. Ein ungepflegter Herr stand davor und bat genuschelt um eine Spende für seinen Zirkus, mit dem er in Stadtsteinach gastiert. Ich überlegte sehr lang, ob ich ihm etwas geben solle. Zu stark die Bedenken, dass es sich um einen Betrüger handelt. Dieselbe Situation ereilt mich regelmäßig in großen Städten. Dort stehen an jeder Ecke Bettler und bitten um Geld. Gehören die zu irgendwelchen Banden und müssen das Geld an Hintermänner abgeben? Zweifel über Zweifel, die mich hindern, Geld vorurteilsfrei und aus freiem Herzen zu spenden. Ich gebe gern, aber es macht nicht so glücklich wie es sollte. Geben ist seliger als nehmen – aber glücklich macht es nicht immer.
 
In der Adventszeit wird für gewöhnlich überall um Spenden gebeten. Die Menschen sind offener und großzügiger. Viele Organisationen sind auch auf die Spenden angewiesen. Sie unterstützen damit, ob aus christlichen oder anderen Motiven, Menschen in Not. Gewiss, ein Teil der Spende wird für Verwaltung und Werbung, also sachfremd, investiert werden, aber der Großteil kommt, zumindest bei den zertifizierten Organisationen, bei den Bedürftigen an.
 
Oft denken wir und beruhigen uns mit dem Wissen, dass es genügend staatliche und gemeinnützige Organisationen gibt, die sich kümmern, die das mit der Nächstenliebe und Gastfreundschaft schon erfüllen. Dafür bekommen sie schließlich Steuermittel. Doch ein wenig beschleicht mich dabei auch immer das Gefühl, dass ich mich aus der Verantwortung stehle. Ich persönlich bin aufgefordert, gastfreundlich zu sein und Menschen in der Not zu helfen. Mit einer Spende oder meinen Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen kann ich mich nicht freikaufen.
Vor Gott und meinem Gewissen befreit das meine Seele nicht und wenn ich ehrlich bin, belegen meine Zweifel das. Natürlich weiß ich, dass es vor Gott nicht auf meine Werke ankommt. Sie könnten auch niemals ausreichen. Egal, wie sehr ich mich anstrenge, es wird nicht die Probleme der Welt lösen. Trotzdem ist praktisches Handeln im Sinne der Nächstenliebe von mir gefordert. Ich soll Augen und Ohren aufhalten und wahrnehmen, wo Not ist. Doch wie würde es bei uns praktisch aussehen, wenn man tun würde, was Jesaja im Auftrag Gottes verlangt? – Mit Hungrigen das Brot teilen? – Menschen ohne Obdach ein Dach über den Kopf bieten? – Nackten mit Kleidung aushelfen? – Sich nicht abwenden von Menschen, denen man begegnet und die einen brauchen?
 
Im Monatsspruch für Dezember sagt Jesaja, was Gott von seinem Volk erwartet: Mitmenschlichkeit, Barmherzigkeit, Nächstenliebe. Liest man den Text, aus dem der Spruch stammt, begründet Jesaja auch, weshalb man das tun soll. Die Menschen sollen so handeln, damit die Gesellschaft wieder heil wird. An den Aufforderungen im Monatsspruch ist abzulesen, woran es der Gesellschaft in Jerusalem um 520 v. Chr. mangelt: Hunger, Wohnungsnot, Kleidung, Gemeinschaft. Wir merken, dass das recht aktuelle Themen sind. Was Jesaja fordert, begleitet auch uns heute noch und fordert uns das ganze Jahr heraus Kinder- und Alltagsarmut, Löhne, die nicht einmal den Mindestbedarf decken, steigende Arbeitslosigkeit im Rahmen der Epidemie, Vereinsamung, das Elend der Geflüchteten in den Notunterkünften, Naturkatastrophen – das sind nur einige Themen, bei denen unsere kleine Kraft unheimlich ohnmächtig erscheint.
 
Ohnmächtig kann man sich in dieser Zeit wahrlich fühlen. Doch uns wird an Weihnachten Hoffnung geschenkt. Jesus kommt als armes Kind in die Welt. Seine Möglichkeiten scheinen gering und doch verändert er als Erwachsener später vor allem durch kleine Gesten, die die Bedürftigkeit seiner Mitmenschen in den Blick nehmen, die Welt. Das kann auch uns Ermutigung und Ansporn sein, einander ohne Zweifel zu begegnen und ohne Vorurteile aufeinander zu zu gehen. Gerade in dieser schwierigen und unsicheren Zeit voller Mistrauen und Ängsten sollte uns das ein wichtiger Leitfaden für unser Handeln bleiben.
 
Kommen Sie gut durch den Dezember, genießen Sie trotz allem frohe Feiertage und starten Sie gesund in ein glückliches und hoffentlich besseres neues Jahr! Frohe Weihnachten wünscht Ihnen Chris Schönefeld im Namen des Lektorenteams und der Kirchgemeinde

Gedanken zum Monatsspruch November 2020

Gott spricht: Sie werden weinend kommen, aber ich will sie trösten und leiten.

Jeremia 31,9

Liebe Schwestern und Brüder,

mit dem Monat November nähert sich nun das Jahr 2020 bald seinem Ende.

Manch einer möchte schon jetzt sagen, ja fast schon schreien: Hoffentlich bald, sehr bald. Denn gefühlt war das Jahr 2020 von zwei Dingen geprägt, die unser Herz bluten lassen: Dem Corona-Virus und dem Borkenkäfer.

All das, was uns vertraut war, war dieses Jahr ganz anders. Nichts mehr so, wie es mal war.

Wir konnten nicht wie gewohnt in andere Länder reisen – Reisewarnungen machten es unmöglich. Die sonst üblichen Besuche der Familie an Ostern – nicht möglich, wegen den Kontaktbeschränkungen. Irgendwo spontan hinfahren – auch nicht machbar, denn zumindest die Maske wurde zum ständigen Begleiter. Auch die Veranstaltungen, die sonst den Sommer prägten, ob nun Kirmes, Dorffeste usw. – mussten abgesagt werden wegen begrenzter Teilnehmerzahl und Abstandregelungen

Und nicht nur unsere Aktivitäten wurden eingeschränkt. Auch unsere Umgebung änderte sich. Wo noch zu Beginn des Jahres die Bäume im Wind rauschten, dröhnten plötzlich Motorsägen und das Krachen umstürzender Bäume war weithin hörbar. Da waren fast über Nacht an Orten, die noch vor eins, zwei Jahren in dichtem Grün standen, kahle Berghänge entstanden. Landschaften änderten sich.

Sie merken, viele Dinge, die unser Leben 2020 eher traurig machten.

Nun kommen, jetzt im November, neben dem grauen Herbstwetter und den Dingen, die seit März 2020 unseren Alltag zusätzlich belasten, auch die beiden Sonntage, an denen wir der Gefallenen und unserer verstorbenen Lieben gedenken.

Menschen, die uns über Jahre und Jahrzehnte begleitet haben, sind nicht mehr bei uns. Manche von ihnen haben wir in diesem Jahr verloren, andere sind schon Jahre nicht mehr bei uns. Gerade am Toten – oder Ewigkeitssonntag kommt wieder die Trauer in uns hoch. Was bleibt, sind Erinnerungen

Irgendwie scheint alles in diesen Tagen grau und trüb und unendlich traurig zu sein und wir fragen uns, wo sich Halt und Hoffnung finden lässt

Der Monatsspruch für den November möchte uns darauf eine Antwort geben. Die Menschen, zu denen der Prophet Jeremia sie damals sprach, waren aus einem anderen Grund traurig, ja, traumatisiert.

Auf einer assyrischen Reliefdarstellung aus dieser Zeit sieht man, wie Einwohner der eroberten judäischen Stadt Lachisch, nahe Jerusalem, von den neuen Machthabern aus ihrer Heimat in eine ungewisse Zukunft abgeführt werden. Die Worte von Jeremia wirken wie ein Kontrast zu dieser Darstellung: „Ich bringe euch wieder zurück, gehe neben euch her und schütze euch.“

Gott sagt ihnen nicht nur zu, dass er sie trösten wird. Nein, er wird sie leiten und begleiten.

Und das möchte er, mitten hinein in diesen November 2020 auch uns sagen:
„ich bin bei euch, ich gehe mit euch da durch und ich beschütze euch“

Diese Zusage wird uns nicht von jetzt auf gleich von unserer Traurigkeit befreien. Aber sie kann uns helfen, die Zeit zu durchstehen, die Hoffnung nicht zu verlieren

So wünsche ich uns allen, dass wir Gott als unseren Begleiter spüren können in diesen trüben Tagen des Novembers.

Ihre Manuela Schmidt

Gedanken zum Monatsspruch September 2020

Ja, Gott war es, der in Christus die Welt mit sich versöhnt hat.“
2. Korinther 519

Liebe Schwestern und Brüder,

wie war der Urlaub? Hoffentlich sind alle gut erholt und konnten einen schönen Urlaub genießen, trotz aller Auflagen. Vielleicht hadert der ein oder andere aber auch mit den vergangenen Tagen. So schön hatte man sie sich vorgestellt und dann sind sie nicht nur zu schnell vorüber, sondern waren auch nicht so erholsam wie erhofft. Dann sind wir enttäuscht

Wir hadern oft mit den Dingen, die uns oder uns nahestehenden Menschen passieren. Wieso brannte das beliebte und in liebevoller Arbeit aufgebaute und erhaltene Ausflugsziel am Wildberg ab? Warum musste der treue Gottesdienstgänger an Corona sterben? Wozu ist es gut, dass diese oder jene Firma, große Arbeitgeber in der Region, Insolvenz anmelden musste oder Arbeitsplätze abbauen? Warum muss Corona ausgerechnet in einem Jahr passieren, in dem wir so viel vorhatten? Fragen über Fragen, scheinbare und echte Ungerechtigkeiten, die uns ratlos zurücklassen und eine innere Wut oder gar Zorn hinterlassen. Genau in diese Situation hinein schenkt uns der Monatsspruch für September ein Wort zum Nachdenken. „Gott war es, der in Christus die Welt mit sich versöhnt hat.“

Wir lesen hier von Versöhnung. Versöhnung ist etwas, was uns schwerfällt. Tut uns jemand unrecht, schadet uns jemand sogar, so sind wir manchmal über Jahre hinaus nicht bereit, ihm zu vergeben. Selbst Kleinigkeiten genügen dann, um sich immer weiter in die Ablehnung dieser Person hinein zu steigern. Widerfährt uns eine Ungerechtigkeit, für die wir niemanden verantwortlich machen können, wie z.B. eine Krankheit, ein plötzlicher Tod, eine Brandkatastrophe, so lasten wir das vielleicht Gott oder dem Schicksal an. Für diejenigen, die gerade an solchen Ungerechtigkeiten zu knabbern haben, mögen die Worte der Monatslosung wie Hohn klingen. „Gott versöhnt die ganze Welt mit sich? Mit mir versöhnt er sich bestimmt nicht!“

Versöhnung ist ein großes Wort. Versöhnung ist vor allem auch ein Geschenk. So erleben es viele, die sie bewusst erfahren. Eben waren wir noch voller Zorn, Wut und Enttäuschung, doch dann geschieht etwas, was unsere Sichtweise grundlegend ändert, was uns offen für Vergebung werden lässt. Gerade solche Krisen, wie wir sie derzeit erleben, verändern Perspektiven.

Aspekte, die uns vorher ungemein wichtig erschienen, in die wir uns hineingesteigert haben, verlieren angesichts der neuen Herausforderungen an Bedeutung. Werte wie Hilfsbereitschaft, Freundschaft, Solidarität sind keine bloßen Worthülsen mehr, sondern füllen sich mit Leben. Versöhnung wird plötzlich möglich.

So kann es auch bei unversöhnlichen Positionen sein. Unsere Gesellschaft scheint sich immer stärker zu spalten zwischen denen, die von den derzeitigen Verhältnissen profitieren und denen, die darunter leiden, zwischen denen, die das System stützen und denen, die es stürzen wollen. Solche Entwicklungen, wie sie weltweit zu beobachten sind, können Angst machen, können verunsichern, an der Welt mit ihren Ungerechtigkeiten verzweifeln lassen. Genau dann kann es helfen, wenn man sich sagt: „Gott war es, der in Christus die Welt mit sich versöhnt hat.“ Gott versöhnt sich mit mir, also kann auch ich mit meiner Umwelt versöhnt leben, auch wenn nicht alles gut ist. Die Worte können Mut machen und aus der Resignation reißen.

Die Worte der Monatslosung stammen von Paulus. Sie sind an die verunsicherte Gemeinde in Korinth gerichtet. Paulus hatte angekündigt, auf seinem Weg nach und später wieder von Mazedonien zweimal in Korinth vorbeizuschauen. Beide Aufenthalte sollten dazu dienen, der Gemeinde die Gnade Gottes zu verkündigen. Doch dann hatte der Apostel seine Reisepläne geändert, was in Korinth für Irritationen sorgte. Gilt für den Apostel etwa heute hü und morgen hott und das nicht nur für seine Reiseplanung, sondern womöglich auch für seine Verkündigung oder gar für Gott? Die Menschen sind enttäuscht von Paulus. Doch er nimmt die Kritik der Korinther und ihre Verunsicherung im Glauben ernst und begegnete ihr mit einer klaren Haltung. Er erinnert sie und damit uns nicht nur an Gottes zahlreiche Verheißungen, sondern weist zugleich auf deren Erfüllung „in Christus“ hin. Unser Herr Jesus Christus musste allerhand Ungerechtigkeiten erleben. Erst in seinen Begegnungen mit den vielen Benachteiligten seiner Zeit, dann am eigenen Leib bis hin zu seiner Hinrichtung. Er musste das Maximum dessen ertragen, was die Welt an Ungerechtigkeit zu bieten hat und doch zeigte Gott an ihm seine Liebe und Jesus erwidert das mit grenzenlosem Vertrauen. Jesus überwindet die Welt, wie wir sie kennen. Er bleibt nicht im Zorn über die Mitmenschen, sondern ermöglicht sich, ihnen und uns einen neuen Anfang. Die Welt wird versöhnt, sie findet Frieden. So unrealistisch uns das an manchen Tagen erscheinen mag, so sehr kann diese Hoffnung uns stärken.

Einen schönen September wünscht Ihnen

Chris Schönefeld

Gedanken zur Monatslosung August 2020

Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele.

Ps 139,14

Liebe Schwestern und Brüder,

wenn man den Monatsspruch für August 2020 das erste Mal liest, fragt man sich schon: Was will der Psalmbeter uns damit sagen? Irgendwie scheint es wohl um mich selbst zu gehen, um mich als Menschen. Und da steht auch noch was von „wunderbar“.

Natürlich gibt es jetzt Menschen, die sofort voller Selbstbewusstsein sagen: „Seht ihr!? Selbst in der Bibel steht schon, dass ich etwas ganz Besonderes bin.“ Ein Nobelpreisträger zum Beispiel könnte sagen: „Mich hat er mit ganz besonderem Wissen in Chemie, Medizin, Literatur usw. ausgestattet.“ Der Olympiasieger sagt: „Ich habe die besondere Schnelligkeit von Gott“. Die Opernsängerin: „Mir hat er eine ganz außergewöhnliche Stimme geschenkt:“

Daneben gibt es das genaue Gegenteil, nämlich diejenigen, die eh schon ein ganz geringes Selbstbewusstsein haben. Von diesen Menschen wird man eher hören: „Na mich kann derjenige aber wirklich nicht gemeint haben. Mich kleines, unscheinbares Menschlein. So wunderbar bin ich nun wirklich nicht. Der hat ganz sicher irgendjemand anderes gemeint.“

Wo ordnen wir uns selbst hier ein? Oder gehören wir zu einer ganz anderen Gruppe von Menschen? Das ist doch alles sehr verwirrend.

Aber darum, was unsere besten Eigenschaften sind oder gar, zu welcher Gruppe wir gehören, geht es nicht. Es geht vielmehr um Gottes wunderbare Schöpfung.

Das deutsche Wort „wunderbar“ bedeutet ja nicht nur „herrlich“, „großartig“ oder „sehr schön“, sondern auch „erstaunlich“ und „wie ein Wunder erscheinend“, und eben diese zweite Bedeutung kommt dem Sinn der Psalmworte am nächsten. Im Deutschen gibt es zudem das Eigenschaftswort „wunderlich“, und auch dieses Wort würde hier passen – nicht im Sinne von „seltsam“ oder „schrullig“, sondern im Sinne von „zur Verwunderung Anlass geben“.

Der Psalmbeter staunt also über die Weise, wie Gott ihn und jeden Menschen erschaffen hat: „Du hast mich in einer Weise gemacht, die Staunen erregt und so außergewöhnlich ist, dass man vor Ehrfurcht schaudert.“

Dabei zählen ganz viele Dinge hinein. Zum Beispiel können heutzutage werdende Mütter nicht nur anhand eines normalen Ultraschalls sehen, ob es ein Mädchen oder ein Junge wird, sondern mit einem 3D-Ultraschall bereits jedes Detail des werdenden Lebens auf einem Bildschirm erkennen. Das war damals noch nicht so. Die Frau bekam, wenn alles gut ging, ein gesundes Kind, das sie erst bei der Geburt das erste Mal sah. Und schon da erkannte sie: Was für ein Wunder. Das ist erst recht ein Wunder, wenn man sich einmal in alten Kirchenbüchern anschaut, wie viele Kinder früher zur Welt zwar kamen, aber dann das erste Lebensjahr nicht überlebt haben oder bereits kurz nach der Geburt gestorben sind.

Es geht unserem Psalmbeter also nicht etwa darum, sich und seine Eigenschaften ins rechte Licht zu rücken. Was er uns ans Herz legen möchte ist etwas anderes und das Lesen wir gleich zu Beginn des Monatsspruch: Ich danke dir…

Der Psalmist scheint uns dazu einzuladen, dass wir dankbar sein und unser Leben nicht als etwas Selbstverständliches ansehen sollen. Dankbar dafür, dass wir Schöpfung Gottes sind. Seine geliebten Kinder.

Nehmen wir uns doch im August einmal die Zeit, Gott Danke zu sagen.

Einen schönen August wünscht

Manuela Schmidt

Gedanken zur Monatslosung Juni 2020

Du allein kennst das Herz aller Menschenkinder.

1.Könige 8,39

Liebe Schwestern und Brüder,

wie geht es Ihnen in dieser Zeit? Freuen Sie sich über den beginnenden Sommer oder bereitet Ihnen die mittlerweile schon seit drei Monaten anhaltende Corona-Welle Sorgen? Vieles geht momentan in unseren Köpfen vor. Gedanken um die Gefahr einer Ansteckung, die geltenden Verbote und Gebote, die eigene berufliche Zukunft oder auch den sozialen Zusammenhalt angesichts sehr unterschiedlicher Sichtweisen auf die Situation beschäftigen sicher jeden irgendwie. Nichts ist so wie gewohnt und man weiß oft nicht, was man überhaupt noch glauben soll. Verwirrende Zeiten. Wie soll es einem da schon gehen?

Auf die Frage „Wie geht es Dir?“ antworten wir oft nur einsilbig. Gut, schlecht oder passt schon. Richtig darüber sprechen, wollen wir meist nicht. Unsere Gedanken und Gefühle wollen wir in der Regel für uns behalten, besonders, wenn wir Angst haben, uns unvollkommen fühlen, mit einer Situation nicht klarkommen. Trotzdem sind wir gleichzeitig neugierig, was in unserem gegenüber vorgeht. Was hat er sich dabei nur gedacht? So mögen wir uns manchmal fragen, wenn jemand etwas gemacht hat, was wir falsch finden. Wie kommt er oder sie dazu, dieses oder jenes zu tun? Was mag wohl in ihm oder ihr vorgehen?

Immer wenn wir uns gegenseitig fragen, wie es uns geht, dann sind wir darauf angewiesen, dass der andere es uns ehrlich mitteilt. Man kann zwar an äußeren Merkmalen erahnen, ob das gesagte zum tatsächlichen Innenleben passt, aber ganz sicher können wir nie sein. Wir Menschen haben verschiedene Strategien entwickelt, uns gegenseitig etwas vorzuspielen. Das macht es im Alltag bisweilen spannend, führt aber auch zu Missverständnissen und Misstrauen.

Im Monatsspruch für Juni hören wir, dass allein Gott unser Herz kennt. Gott durchschaut uns. Er kennt unser Herz. Er weiß, was in uns vorgeht. Das zu wissen, kann sehr belastend sein und wurde in der Geschichte auch häufig missbraucht, um den Menschen Angst zu machen.

Gott sieht alles, so hat man es Kinder früher manchmal erzählt, wenn man sie von einem bestimmten Verhalten abhalten wollte. Gott sieht alles – das ist dann sehr unangenehm. Man fühlt sich beobachtet, überwacht. Gott sieht alles, sogar bis in die Gefühlswelt. Gott sieht alles, aber er petzt nicht – auch wenn das oft als Witz erzählt wurde, steckt viel Wahrheit dahinter. Gott sieht zwar, wenn ich etwas falsch gemacht habe, aber er verrät mich nicht, er setzt mich nicht dem oft harten Urteil meiner Mitmenschen aus.

Du allein kennst das Herz aller Menschenkinder“ – Gott weiß, wie es in meinem Inneren bestellt ist. Ihm kann ich daher auch alles anvertrauen, mit ihm sprechen, beten, beichten, ihm bringen, was mich belastet. Er bewertet es nicht, wie es Mitmenschen tun würden. Manchmal hätte man zwar gern eine Rückmeldung, aber schon im Aussprechen unserer Gefühle und Gedanken erkennen wir selbst, woran etwas liegt und worin ein Ausweg bestehen könnte. Manchmal öffnen sich auch neue Perspektiven auf unsere Sorgen, wenn wir einen Bibelvers lesen und erkennen, dass schon andere in ähnliche Situationen gekommen und vor allem mit Gott auch wieder herausgekommen sind. Solange die Geschichten der Bibel auch her sind, die geschilderten Schwierigkeiten im gegenseitigen Umgang, die Alltagssorgen und Probleme sind immer noch ähnlich.

Du allein kennst das Herz aller Menschenkinder“ – in diesen Worten aus dem 2. Buch der Könige lesen wir auch die Erkenntnis des alten jüdischen König Salomo, dass wir für Gott wie seine Kinder sind. Er sorgt sich um uns. Unsere Gedanken und Gefühle sind ihm nicht gleichgültig, auch wenn es uns manchmal so scheint. Gott weiß, dass wir nicht alles können und auch nicht perfekt sind. Wir dürfen Fehler machen, auch große Fehler. Wichtig ist, dass wir aus ihnen lernen und uns selbst nicht für vollkommen halten. Wir dürfen auch mal am Leben mit seinen vielen Wendungen und Risiken zweifeln, Angst haben, aber wir müssen nicht am Leben, an unseren manchmal widersprüchlichen Gefühlen und Gedanken verzweifeln. Gott ist bei uns, er versteht uns und daraus können wir den Mut auch für unsichere Zeiten schöpfen.

Einen schönen Juni wünscht Ihnen

Chris Schönefeld

Gedanken zur Monatslosung Mai 2020

Dient einander als gute Verwalter der vielfältigen Gnade Gottes, jeder mit der Gabe, die er empfangen hat!

1.Petrus 4,10

Als die folgenden Zeilen entstehen, ist es Ostermontag. Die Passionszeit liegt hinter uns und auch das Osterwochenende. Beides ist uns seit vielen Jahren bekannt, aber dieses Jahr war es anders. Corona hat uns daran gehindert, gemeinsam Ostergottesdienste und die Osternacht zu feiern. Familien durften sich nicht besuchen und auch traditionelle Ausflüge, wie bei mir z.B. in die fränkische Schweiz, durften nicht stattfinden.

Mitten in diese Situation ist uns nun diese Losung für den Monat Mai gegeben. Sie erzählt von der Gnade Gottes und dass wir sie verwalten sollen, jeder mit der Gabe, die er geschenkt bekommen hat.

Ich bin ehrlich: Es tut momentan ziemlich weh. Denn irgendwie scheint auf den ersten Blick alles zum Erliegen gekommen zu sein: Keine Gottesdienste, keine Veranstaltungen. Überall heißt es: Bleibt zu Hause. Wo sollen wir denn da unsere Gaben entfalten?

Aber die vergangenen Wochen, in der die Coronakrise unser Land im Griff hatte, sie hat uns auch ganz neue Dinge gezeigt: Da wurden auf Balkonen gemeinsam Lieder gesungen, viele Freiwillige kauften für alte und kranke Menschen in ihrer Nachbarschaft oder in ihrem Ort die Dinge des täglichen Bedarfs ein. Auch die Arbeit blieb nicht überall stehen. In etlichen Firmen wurde weiter produziert und auch der öffentliche Dienst war und ist für die Menschen da, wenn auch vermehrt durch Emails, per Post oder Hotline. Die Kirchen bieten nun verstärkt Video- und Onlinegottesdienste an und sprechen damit mehr junge Menschen an. Auch die Wertschätzung gegenüber manchen Mitmenschen hat zugenommen.

Es gibt eine Berufsgruppe, der möchte auch ich an dieser Stelle ganz besonders danken. Nicht nur für ihren Dienst in der Coronakrise, sondern auch und vor allem, was sie an 365 Tagen im Jahr für alle Menschen leistet. Vielen Dank den Ärzten, Krankenschwestern und Pflegern, den Rettungskräften und Mitarbeitern in der Betreuung und den Altenpflegern/innen! Danke, weil sie den Menschen in den Krankenhäusern, in Pflegeheimen, Seniorenheimen, im Betreuten Wohnen und in den Werkstätten für behinderte Menschen helfen. Mit ganz viel Menschlichkeit

Ihr merkt, wir alle haben neue Gaben in uns entdeckt. Eine der wichtigsten ist dabei wohl die Geduld. Denn auch das mussten wir neu lernen: Dass wir diese Krise aushalten mussten und müssen.

Und da ist noch etwas, was wir als Gabe erhalten haben: Das Gebet.

Wir dürfen füreinander beten. Wir dürfen vor Gott bringen, was uns bedrückt, was uns freut und ihn um seinen göttlichen Schutz für uns Menschen bitten. Auch das ist eine Gabe. Eine Gabe, die wir an Und ganz unterschiedlichen Orte einbringen können. Wir können es daheim tun, in einer Kirche oder unter freiem Himmel, in der Natur.

Und noch weitere Gabe haben wir, die wir jetzt im Mai nutzen dürfen: Das Sehen, das Hören, das Riechen und das Fühlen. Mit all diesen Sinnen, die uns Gott geschenkt hat, dürfen wir seine Schöpfung erleben. Ob nun die Pflanzen, die wachsen, blühen, frisches Grün bekommen. Oder die Tiere, mit ihrem Nachwuchs.

Hoffen und beten wir, dass wir bald wieder gemeinsam Gottesdienste feiern und uns treffen dürfen. Dann wollen wir Gott danken, dass er uns durch diese schwere Zeit geführt hat.

Bleiben Sie behütet, bleiben Sie gesund!

Ihre Manuela Schmidt

Gedanken zum Monatsspruch für März 2020

Jesus Christus spricht: Wachet

Liebe Schwestern und Brüder,

Wachsamkeit ist immer ein guter Tipp, nicht nur im Straßenverkehr. Aufmerksam sein, die Umgebung bewusst wahrnehmen und bei Bedarf reagieren. Wachsam zu sein, um Unfälle und Gefahren abzuwenden. Wachsam auch dafür zu sein, wenn die Grundfesten unseres gesellschaftlichen Zusammenseins bedroht werden, wenn andere uns ihre Meinung aufzwingen und ihre Lebensweise vorschreiben wollen. Wachsam aber auch dafür zu sein, selbst nicht so zu werden, nicht die eigene Meinung über die der anderen stellen. Ja, Wachsamkeit ist wichtig, aber auch sehr anstrengend. Davon wissen insbesondere die ein Lied zu singen, die unter Schlafmangel leiden, die immer wach sind, weil Gedankenkarusselle sich drehen, Sorgen und Gedanken überhandnehmen, die nicht mehr schlafen können. Wach sein zu müssen, kann belastend sein.

Die, an die die Worte unserer Monatslosung März gerichtet sind, die Jünger Jesu, haben es nicht geschafft, wach zu bleiben. Jesus bat seine Getreuen, mit ihm wach zu bleiben. Er ahnte, was kommt. Es war ihm von Gott angekündigt worden. Er wird gefangen genommen und muss leiden. Seine Getreuen schlafen, als die Gefahr über ihn hereinbricht. Sie schaffen es allerdings nicht, mit ihm gemeinsam wach zu bleiben, ihm beizustehen, bevor es ernst wird. Es ist keine böse Absicht, aber es gelingt nicht, den so von ihnen geliebten Meister in der schwersten Nacht seines Lebens beizustehen. Sie schlafen ein. Sie verschlafen, wie er hart mit seinem Schicksal ringen muss.

Jesus hat einmal ein Gleichnis erzählt, in dem er die Bedeutung der Wachsamkeit herausstellt. Zehn kluge und zehn törichte Jungfrauen warten auf ihren Bräutigam. Die zehn Törichten zünden sofort ihr gesamtes Öl in ihrer Lampe an, voller Vorfreude.

Die Klugen teilen es sich ein. Als der Bräutigam länger auf sich warten lässt, geht den Törichten ihr Licht aus, und als der Ersehnte dann endlich kommt, sind sie nicht vorbereitet und können nicht mit ihm durch die Nacht gehen.

So erscheint es auch vielen von uns zu gehen. Anfangs brennen sie für eine Sache, aber schnell ist die anfängliche Begeisterung verschwunden, insbesondere wenn der Erfolg auf sich warten lässt. Die Begeisterung über das Licht der Weihnacht – schnell erloschen. So viele strömen an Heiligabend in die Kirchen, doch schon nach Silvester ist die Friedensbotschaft, das Glaubenslicht erloschen. Vielleicht weil sich die Welt nicht sofort dadurch verändert. Weil immer noch Krieg und Gewalt herrschen, trotz des Friedensfürsten, der zu uns gekommen ist. Viele harren nicht aus, bleiben nicht in der Hoffnung, dass sich etwas zum Positiven ändern kann. Viele vertrauen Gott nicht und fallen von ihm ab. Wenn er dann aber wie ein Bräutigam kommt und uns abholen, uns durch die Nächte unseres Lebens führen will, sind viele nicht mehr vorbereitet, um mitzugehen.

Es ist daher wichtig, wach zu bleiben und mit Jesus auf Gott zu hoffen. Im Gebet bei ihm zu bleiben. Mit ihm zu wachen. Wachsam auch füreinander zu bleiben, damit niemand abdriftet in dunkle Gedankenwelten oder in die Fänge böser Menschen. Früh zu erkennen, wenn sich einer verläuft. Ihm Möglichkeiten zur Umkehr bieten, ihm eine Hand ausstrecken, dass er umkehren kann. Wachsam müssen wir alle bleiben, das zeigen uns die Ereignisse in der Politik. Wachsam auch bei klimatischen und demografischen Veränderungen. Es ist schwierig und wird uns wie bei den Jüngern nicht immer gelingen, aber im Vertrauen auf Gott und im beständigen Gebet zu ihm und füreinander, kann es uns gelingen,

Kommen Sie gut durch die Fastenzeit!

Euer Chris Schönefeld

Gedanken zum Monatsspruch Februar 2020

Ihr seid teuer erkauft; werdet nicht der Menschen Knechte.  1.Korinther 7,23

Liebe Schwestern und Brüder,

wenn man den Monatsspruch ein erstes Mal liest, dann fällt der Blick doch irgendwie sofort auf das „teuer erkauft“. Und damit macht man innerlich erst einmal dicht. Denn: Wer möchte sich schon kaufen lassen? Da kommen dann gleiche folgende Sätze in unseren Sinn: „Das geht doch gar nicht. Wir sind doch freie Menschen. Das war vielleicht damals so, aber heute leben wir doch in einer ganz anderen Zeit.“

Ja, so ging es auch mir. Mein nächster Gedanke war dann, weil es ja einen religiösen Hintergrund zu haben scheint: „Okay, irgendwann hab ich mir für die Krippe in unserem Hausflur mal Krippenfiguren gekauft. Die waren damals gar nicht mal so billig. Werden aber leider nur einmal im Jahr aus der Umhüllung genommen und verschwinden einen Monat später wieder“. Aber auch das wird wohl mit dem „ihr seid teuer erkauft“ nicht gemeint sein. Denn wir sind ja keine Figuren, die man nur dann rausholt, wenn man es wünscht.

Immer noch großes Fragezeichen.

Man muss sich dann wohl erst einmal vor Augen halten, in welcher Zeit dieser Text geschrieben wurde. Einige Mitglieder der Gemeinde von Korinth waren Sklaven gewesen. Sie gehörten einem Besitzer oder eben, wie wir es heute eher kennen, einem Herren. Und für diese „Herren“ waren Sklaven nicht ein menschliches Gegenüber, sondern ein „Objekt“, ein „Besitz“, über den man mit mehr oder eher weniger Wertschätzung verfügen konnte. Einige wurden von einer Mutter geboren, die selbst schon Sklavin war. Andere verkauften sich selbst als Sklaven, um Schulden zurückzubezahlen. Und dann gab es noch die sogenannten Sklavenhändler, die Kinder oder Erwachsene entführten und sie verkauften.

Und eben diese Menschen sollen nun plötzlich wieder zu jemandem „unser Herr“ sagen? Paradox, oder?

Es gibt da aber einen kleinen aber sehr feinen Unterschied: Vor Gott, ihrem neuen Herrn, sind sie nun alle gleich. Oder anders gesagt: Sie sind allesamt „einer in Christus Jesus“. Und eben dieser Jesus Christus hat sich für die Befreiung aller Menschen, ob nun Sklave oder frei, in die Rolle des Sklaven begeben und ist stellvertretend für alle am Kreuz gestorben.

Was heißt das nun für uns? Sklaven im Sinne der Sklaven damals, vor 2000 Jahren, sind wir nicht. Aber leider gibt es auch bei uns im Jahr 2020 immer noch Menschen, denen andere Menschen vorschreiben, was sie zu tun und zu lassen haben.

Da fallen mir auf Anhieb die Menschenhändler ein, die junge Frauen nach Deutschland bringen, damit diese dann für sie „auf den Strich gehen“.Oder Länder, in denen Kinderarbeit auch heute noch Gang und Gäbe ist. Oder all die Menschen, die die Not derer ausnützen, die vor den Kriegen dieser Welt fliehen müssen. Diese Schleuser verlangen Unsummen an Geld, um dann auf einem Kahn Hunderte Menschen zusammenzupferchen und sie über das Mittelmeer zu schaffen – unter menschenunwürdigen Bedingungen. Die Bilder davon gingen in den letzten Jahren um die Welt.

Und genau da werden diese Worte, die am Anfang noch klangen, als kämen sie aus einer anderen Zeit, ganz aktuell. Denn sie rufen uns förmlich zu: Macht eure Augen auf. Schaut nicht weg, wenn Menschen auch heute wieder zu Sklaven werden.

Wir können nicht die ganze Welt retten, aber wir können uns immer wieder vor Augen halten, welche Freiheit wir geschenkt bekommen haben.

Ihre Manuela Schmidt

Gedanken zum Monatsspruch Dezember 2019

Wer im Dunkel lebt und wem kein Licht leuchtet, der vertraue auf den Namen des
Herrn und verlasse sich auf seinen Gott.
Jesaja 50,10

Liebe Gemeinde,

sicher kennt ihr das Gefühl, dass die Dunkelheit im Winter ganz schön belastend sein und einen ziemlich herunterziehen kann. Läuft dann auch noch das eine oder andere im Alltag schief, macht das fehlende Sonnenlicht einem noch mehr zu schaffen. Dunkel kann es auch in uns werden, wenn wir in schwierige Lebenssituationen geraten, z.B. arbeitslos oder krank werden, eine Beziehungskrise erleben oder einen geliebten Menschen verlieren. Solche Krisen empfinden wir gerade in der Vorweihnachtszeit und an Weihnachten als besonders schlimm. Alles soll friedlich sein und doch ist es das oft nicht. Mich hat ein wenig die Nachricht heruntergezogen, dass der Oberlandkurier eingestellt wird. Ich kann die Entscheidung der Herausgeber teilweise nachvollziehen. Bei so viel Kritik und Anfeindungen verliert man schnell die Lust an der gemeinnützigen Arbeit. Und doch finde ich es sehr schade, weil wieder etwas verloren geht, etwas, was allen Vereinen ein gutes Medium war, andere Dorfbewohner über das doch in Teilen noch aktive Dorfleben zu informieren. Schade, dass dieses wichtige Medium durch Bedenken weniger und durch unbarmherzigen Streit nun enden muss.

An trüben, dunklen Tagen und auch bei Trauer hilft man sich oft, in dem man eine Kerze anzündet, einen Hoffnungsschimmer in dunkler Nacht, entzündet. Für mich war der Monatsspruch ein solcher Lichtanker. „Wer im Finstern wandelt und wem kein Licht scheint, der hoffe auf den Namen des HERRN und verlasse sich auf seinen Gott!“

Was für eine tolle Zusage! Wenn ich „im Dunkel lebe“ und mir „kein Licht leuchtet“, dann kann ich mich trotzdem auf den „Namen des Herrn“, also auf Gott, verlassen. Dabei bin ich auch nicht zum Abwarten verdammt – nach dem Motto: Die Tage werden ab Weihnachten wieder länger und vielleicht wird alles im Frühling wieder erträglicher. Nein, ich muss das Schwere nicht passiv durchleiden, weil es zum Leben gehört und niemand mir helfen kann. Der Monatsspruch zeigt mir eine Alternative auf. Es geht darum, dass ich etwas tue und dass ich aktiv werde, dass ich auf Gottes Hilfe vertrauen und mich auf ihn verlassen kann. Auch wenn ich gerade das Gefühl habe, in Angst und Pein zu ertrinken. Das drückt der Monatsspruch sehr schön aus. In der Aufforderung, mich aktiv auf Gott zu verlassen, steckt nämlich zugleich die Zusage, dass Gott da ist. Das kann ein Trost sein. Selbst wenn ich gar nichts spüre von Gottes Verlässlichkeit, gibt es sie dennoch. Gott ist anwesend und auf ihn ist Verlass. Dann kann ich es auch wagen, mich ihm anzuvertrauen und zu ihm zu kommen, z. B. im Gebet.

Wenn mir dafür die Worte fehlen, kann ich Worte anderer nutzen, z.B. aus den biblischen Psalmen oder Gesangbuchliedern. Ein typisches Adventslied ist „Die Nacht ist vorgedrungen, der Tag ist nicht mehr fern“. Es wurde 1938 von Jochen Klepper gedichtet. Er schrieb es in einem Jahr, als er seine jüdische Ehefrau kirchlich heiratete. Angesichts der beginnenden Judenverfolgung lebte er mit seiner Familie in ständiger Gefahr. Als Theologe kannte Klepper unseren Monatsspruch aus Jesaja 50 vermutlich auch und sicher rechnete er damit, dass Gott mit seiner Weihnachtsbotschaft vor allem zu denen kommt, die im Dunkel leben. „Noch manche Nacht wird fallen auf Menschenleid und -schuld. Doch wandert nun mit allen der Stern der Gotteshuld. Beglänzt von seinem Lichte, hält Euch kein Dunkel mehr, von Gottes Angesichte kam euch die Rettung her.“

In diesem Sinne geben wir nicht auf und bleiben fair zueinander! Lassen wir uns nicht durch Bedenkenträger in Angst und Schrecken versetzen, sondern gehen wir es an, gemeinsam – denn anders wird es bei immer weniger Menschen in unserer Region nicht gehen. Gott hat diese Welt auch nicht aufgegeben, sondern uns seinen Sohn geschenkt – als Hoffnungszeichen, als Retter, als Friedensstifter für unsere Welt – für uns alle.

Ich wünsche Euch im Namen des Lektorenteams und des Gemeindekirchenrates eine trotz so mancher Sorge besinnliche Adventszeit, ein gesegnete Weihnachtszeit und einen guten Start ins neue Jahr!

Chris Schönefeld

Gedanken zum Monatsspruch November 2019

Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt.
Hiob 19,25

Wann bitten Menschen um Erlösung?

Die Antwort auf diese Frage ist gar nicht mal so leicht. Denn da gibt es verschiedene Gründe: Sicher kennen Sie diese Momente, wo man voller Ungeduld und gleichzeitig mit großer innerer Anspannung auf etwas wartet. Ob nun auf ein Prüfungsergebnis, auf einen Befund. Da ist man dann froh, wenn man endlich von der Ungewissheit erlöst ist. Es gibt dann aber eben auch die Dinge im Leben, wo Erlösung vom Betroffenen manchmal ganz sehr herbeigesehnt wird. Auch da gibt es verschiedene Gründe: Die einen bitten um Erlösung von ihren manchmal wochen-, monate – oder sogar jahrelang andauernden Schmerzen. Andere bitten darum, das sie endlich von einer Krankheit erlöst werden. Und dann gibt es wohl noch eine Gruppe von Menschen, die wir in unserem Alltag nur selten im Blick haben. Die Menschen in den Kriegsgebieten. In welcher ständigen Angst müssen diese Menschen leben? Sie bitten wohl um eines ganz sehnlichst: Das endlich es Frieden wird in ihrem Land.

Ihr merkt, ganz unterschiedliche Gründe. Aber sie eint eben dieses Eine: Sie wollen, das ihr Leid endlich vorbei ist. Endlich Gewissheit haben, keine Schmerzen mehr, nicht mehr alle paar Wochen zu einem Arzt fahren müssen. Oder eben endlich keine Angst mehr haben, das wieder eine Bombe in der Nähe niedergeht.

Nun gibt es Menschen, die ertragen ihr Schicksal, ohne Murren. Dann gibt es wohl auch die, die keine Hoffnung mehr haben. Und die, die nach dem „Warum“ fragen.

So ging es lange auch dem Hiob. Viel musste er durchleiden. Und immer war da dieses „Warum?“ Er könnte ja nun aufgeben. Nein. Irgendwann merkt er, das er mit all seinem Leid nicht allein ist. Das es noch vielen Menschen so geht. Und dann kommt die Wende in seinem Denken. Und genau da sagt er: „Aber ich weis, das mein Erlöser lebt“.

Und das soll auch uns Hoffnung geben. Wir sind nicht allein.

Ihre Manuela Schmidt