Archiv für den Autor: Manuela Schmidt

Monatsspruch September 2022

Gott lieben, das ist die allerschönste Weisheit.
Sirach 1,10

Liebe Schwestern und Brüder,

hin und wieder stolpert man im Alltag darüber, dass man Wörter oder Sprichwörter verwendet, ohne genau zu wissen, was sie eigentlich bedeuten. Oft wird kritisiert, dass man zu viele englische Wörter im Alltag verwendet oder Phrasen nutzt, deren Grundinhalt man gar nicht versteht oder die man in dem Moment nur so dahin spricht. Auch in unserer Monatslosung für den September sind zwei Worte maßgeblich, die wir kennen und nutzen, die zu erklären uns aber schwerfällt: Liebe und Weisheit.

Liebe ist für uns Christen ja ein entscheidender Begriff und wir kennen viele Arten davon. Liebe ist ein Gefühl tiefer Zugehörigkeit, getragen von Vertrauen. Liebe verbinden wir mit vielen positiven Aspekten und sehen in ihr oft das band, was alles zusammenhält. Nächsten- und Feindesliebe sind uns wichtige Grundsätze unseres Lebens.

Bei Weisheit ahnen die meisten, dass dieser Begriff mehr beinhaltet als reines Wissen. Manche sagen, Weisheit sei das Wissen unserer Ältesten, z.B. wo die besten Blaubeergründe zu suchen sind, wie man anhand von Naturbeobachtungen Wetter vorhersagen kann oder ob Krisen wie die derzeitigen gemeistert werden können. Wenn man darüber nachdenkt, in welchen Situationen man das Wort Weisheit nutzt, kann man feststellen, dass Weisheit die Fähigkeit ist, Wissen in schwierigen Situationen anzuwenden, um gewünschte Ergebnisse zu erzielen. Weisheit kommt also aus Lebenserfahrung.

Mit diesem Verständnis von Weisheit und Liebe ließe sich unser Monatsspruch also so umformulieren und leichter verstehen lassen, dass es die beste Erfahrung im Leben sei, Gott zu vertrauen und ihn und seine Gebote wertzuschätzen.

Nun ist es mit Superlativen wie „die beste“ oder „die allerschönste“ so eine Sache. Wer legt denn fest, was das Beste und Schönste ist? Was ist wem wichtig im Leben? Bei Geburtstagwünsche hört man oft Gesundheit sei das allerwichtigste. Zweifelsohne sind das Wohlbefinden und das Fehlen schlimmer Erkrankungen wesentlich. Keiner will gern krank sein oder unter anhaltenden Schmerzen leiden. Aber wir wissen auch, dass Gesundheit wie Glück ein scheues Reh ist, was schnell verschwindet, egal, wie man sich mit gesunder Ernährung und Sport bemüht, es zu halten.

Was also ist das Wichtigste im Leben und was das Schönste? In vielen biblischen Stellen heißt es, dass es Gottes Liebe und seine Begleitung durch das Leben sei. Viele Propheten, Psalmbeter und auch Jesus selbst machen deutlich, dass ihnen die Liebe Gottes mehr wert sei als ihr Leben und damit auch ihre Gesundheit. Würden sie die Liebe Gottes verlieren, wäre das für sie furchtbar. Gottes Liebe war und ist für Gläubige wie eine sprudelnde Quelle im Leben. Sie gibt Kraft und Sinn für echtes Leben. Was den Menschen in der Bibel so selbstverständlich ist, erscheint uns aufgeklärten Menschen mittlerweile manchmal recht fremd.

Wir suchen nach Selbstverwirklichung, nach jugendlicher Frische, nach Spaß und Frieden, heiler Familienwelt. Häufig erleben wir solche glücklichen schönen Momente, aber irgendwie hälft die Freude nie lange an. Schnell sind Sorge und Kummer zurück und der Alltag hat die Freude erstickt. Kann es also wirklich die Liebe Gottes sein, die mich im Leben ausfüllt? Wenn ja, wo finde ich diese Liebe Gottes in meinem Leben?

Meine Glaubensgewissheit und die Sicherheit, von Gottes Liebe umgeben zu sein, ist nicht jeden Tag gleich. Manchmal wird mein Glaube auch erschüttert. Doch meist wurde mir im Nachhinein bewusst, wie stark mich Gottes Liebe durch schwierige Zeiten getragen hat. Manchmal muss ich mich selbst am frühen Morgen zu Gottesdiensten oder zum abendlichen Gebet überreden und werde doch immer wieder überrascht, wie beides meiner Seele Kraft geben. Ich weiß mich von Gottes liebender Hand umgeben und bin in ihr geborgen, auch wenn manchmal Fragen bleiben.

Natürlich treffen wir auch auf Menschen, die uns das Leben schwermachen, die andere Lebensstile pflegen oder andere Einstellungen haben. Hier wird es oft schwierig, nach Gottes Liebe zu handeln. Lieblosigkeit scheint oft weit verbreitet, in den bürokratischen Mühlen, im Arbeitsalltag, bei Streitigkeiten. Dabei ist sie keine Bagatelle, wie uns Jesus immer wieder gezeigt hat. Für Jesus steht und fällt unsere Liebe zu Gott damit, wie liebevoll wir mit anderen Menschen, insbesondere mit schwierigen Menschen, umgehen. Nach Auseinandersetzungen mit anderen denke ich oft, ich sollte die Hand zur Versöhnung reichen, aber mein Stolz lässt es nicht zu. Wie oft hindern mich tausend Gründe, meinen Glauben umzusetzen und Gottes Liebe an andere weiterzugeben. Wie oft nehme ich mir vor, heute noch den versprochenen Krankenbesuch zu absolvieren oder für diesen oder jenen kranken oder verzweifelten Menschen zu beten, doch die Arbeit nimmt mich in Beschlag und ich denke, es auf morgen verschieben zu können.

Liebe kann und lässt sich natürlich nicht auf Knopfdruck herstellen. Jesus geht es aber auch um ein bewusstes Verhalten mit einer liebevollen Einstellung. Diese Liebe kommt von Herzen, ist ehrlich und voller Kraft. Diese Liebe muss geübt werden, damit sie sich nicht selbst in den Vordergrund schiebt, sondern Andere ermutigt und das Gute von ihnen erwartet. Gottes Wort hält uns den Spiegel vor und zeigt uns mögliche Wege der Vergebung. Sie nimmt Streitigkeiten die Verbissenheit auf die eigene Position und öffnet den Blick für die Sicht des anderen oder eine ganz andere Perspektive. Dann fällt es leichter, Gottes Geboten nach Nächsten- und Feindesliebe besser umzusetzen.

Die Lebenserfahrung so vieler Menschen zeigt uns, dass es wirklich etwas sehr Schönes ist, Gott lieben zu dürfen und dabei zu erkennen, dass es keine Phrase, keine schwierig zu verstehende Begrifflichkeit ist, sondern etwas tief mit Sinn erfülltes, das Leben tragendes sein kann.

In diesem Sinne wünsche ich uns allen einen guten Herbstanfang.

Chris Schönefeld

Monatsspruch August 2022

Jubeln sollen die Bäume des Waldes vor dem HERRN, denn er kommt, um die Erde zu richten.
1.Chronik 16,33

Liebe Schwestern und Brüder,

wenn ich aktuell aus dem Fenster von unserem Wohnzimmer schaue, dann sind da zwei Stimmen in mir: Die eine freut sich, dass es da draußen endlich grünt und blüht. Nach dem Winter habe ich mich gesehnt nach frischem Grün. Nach dem Bunt der Blumen. Ich konnte es gar nicht erwarten, dass es im Garten endlich los geht. Voller Vorfreude habe ich dann schon im Februar die ersten Samen ausgesät. Dieses Jahr hab ich mich an der Aussaat von Geranien probiert. Sie sind geworden und blühen nun in weiß und ganz unterschiedlich rot und rosa Tönen.

Das Alles tut meinem Herzen so gut. Aber dann ist da leider auch die andere Seite. Als Kind und auch noch als Erwachsene habe ich auf dem Berg gegenüber große, stattliche Fichten gesehen. Es war wie eine Wand. Dunkle, starke und kräftige Bäume standen da. Als könne ihnen höchstens der Förster ein Ende bereiten. Doch dann begann diese Wand an kräftigem Grün immer mehr braune Stellen zu bekommen. Der Forst ist dann rein und hat die ersten Borkenkäferfichten raus. Nun sieht man erst, wie doch recht klein der Berg eigentlich ist. Das tut schon arg weh im Herzen.

Wir selbst haben auch ein Stück Wald auf unserem Grundstück. Ich habe es damals mit der Oma angepflanzt. Jede einzelne Fichte. Ganz klein waren sie da noch. Heute sind es doch recht große Fichten. Wenn man dann neben einer noch gesunden steht und hoch schaut zu ihrem Wipfel, da wird einem bewusst, wie massiv so ein Baumstamm ist. Nur der Wind schafft es, ihn zu bewegen.

Dann lese ich den Anfang des Spruchs aus der Bibel, der uns für den Monat August als Losung gegeben ist. Zu finden sind sie im ersten Buch der Chroniken im 16. Kapitel

„Jubeln sollen die Bäume des Waldes…“.

Ich weis, dass diese starken, kräftigen Bäume nicht jubeln können. Auch die dürren, ausgetrockneten Borkenkäferfichten nicht. Nach menschlichem Verstand unmöglich.

Aber ich weis, was dieser Spruch uns sagen will: Gott kann so viel mehr bewirken, als wir es uns vorstellen können.

Er schafft es jedes Jahr aufs neue, dass die Bäume, die im Herbst ihre bunten Blätter verloren haben, und dann im Winter oft gespenstisch erschienen, im Frühjahr frisch austreiben.

Das aus einem kleinen Samen, den wir im Frühjahr in die Erde geben im Sommer dann blühende Geranien oder wohlschmeckende Tomaten werden.

Das mitten auf den immer kahler werdenden Berghängen wieder neue Bäume wachsen. Teilweise ganz ohne unser Zutun.

Ja, dann wird der Spruch auch für mich verständlich, der ja weitergeht: „…vor dem HERRN, denn er kommt, um die Erde zu richten.“ Gott hat die Macht, unsere Welt zu richten. Nicht über die Welt wird er richten, sondern er wird sie wieder zurechtrücken. So, wie er sie einst erschaffen hat.

Das macht Hoffnung. Wirft aber sicher auch die Frage auf: Wie soll das denn geschehen. Darauf geben uns die zwei Verse, die gleich darauf folgen eine Antwort: 34 Preist den HERRN, denn er ist gut, und seine Gnade hört niemals auf. 35 Betet zu ihm: Rette uns, Gott, du allein kannst uns helfen!

Ich weis, viele von uns machen sich Sorgen, wie es mit Deutschland weitergehen soll. Wenn aber Gott schon die Macht hat, Bäume zum Jubeln zu bringen. Was kann er dann erst recht in unserem Herzen bewegen?

Ich wünsche uns allen von Herzen, das auch wir im August Grund zum Jubeln haben werden.

Eure Manuela Schmidt

Gedanken zum Monatsspruch Juni 2022

Gedanken zur Monatslosung

„Lege mich wie ein Siegel auf dein Herz, wie ein Siegel auf deinen Arm. Denn Liebe ist stark wie der Tod.“

Hohelied 86

Liebe Schwestern und Brüder,

welche ausdrucksstarken, welche inhaltsschweren und wunderschönen Worte sind uns da als Monatsspruch für den Juni gegeben. Inmitten der Kriegsgefahr, der wirtschaftlichen Sorgen und Ohnmacht hinein, wird uns gesagt: „Denn Liebe ist stark wie der Tod“. Ja, das wünschen wir uns an so vielen Stellen in unserem Leben. Bei der Geburt eines Kindes, die vielleicht schwieriger war als erhofft. Bei Beziehungskrisen und Streit mit uns nahen Menschen oder am Sterbebett und am Grab geliebter Freunde und Angehöriger. Liebe, die überwindet, was wir nicht abschließend verstehen, den Tod, der immer noch und für viele unserer Mitmenschen vielleicht auch immer stärker ein unheilvolles Mysterium ist – trotz des Sieges unseres Herrn Jesus Christus mit seiner Auferstehung. Ja, die Liebe, die innige Zuneigung zu einem Menschen soll stärker wiegen als all das, was an Leid und Sorgen auf uns lasten. Sie soll gewinnen oder zumindest dieselbe Kraft ausüben wie der übermächtige Tod. Der Monatsspruch für den ersten Sommermonat Juni verspricht uns genau das – „Denn Liebe ist stark wie der Tod“.

Diese so kraftvollen Worte stammen aus dem Hohelied. Ein Liebespaar verspricht sich in diesem biblischen Buch auf sehr poetische Weise, einander verbunden und in alle Ewigkeit zusammen zu bleiben – komme, was wolle. Schönste Liebesverse aus uralter Zeit sind dort im Hohelied versammelt. Über acht Kapitel lang beschreiben ein Mann und eine Frau in bildreichen Vergleichen ihre Liebe. Sie besingen die Schönheit des Lebens, wie wir sie vermutlich nur erleben, wenn wir verliebt sind. Eine Schönheit, die im Alltagsgrau meist untergeht, aber bei so manchem Spaziergang in der Natur aufleuchtet, im Sonnenstrahl, im saftigen Grün, im Geruch von frischem nassem Gras.

Vielleicht erscheint uns manche der Worte der beiden Verliebten übertrieben. Vielleicht haben uns schlechte Erfahrungen auch abgestumpft. Aber wer selbst verliebt ist und dem Ausdruck verleihen möchte, kann in diesem Bibelwort leicht fündig werden. Vielleicht bietet uns dieser Monatsspruch jetzt im Juni auch einmal Gelegenheit, um unsere Liebsten zu Hause einmal mit schönen Gedanken zu überraschen. Lieder und Poesie drücken oftmals viel besser aus als lange nüchterne Beschreibungen, was wir Menschen fühlen, wie es uns geht, was uns bewegt. Solche blumigen Worte allein hätten aber wohl kaum ausgereicht, um als Liebesbrief über Jahrtausende den Weg in das Buch der Bücher zu finden.

Mit der Liebe der Beiden verbinden wir heute natürlich noch mehr. In der wunderschönen Atmosphäre, die in den Geschichten ausgemalt wird, die paradiesischen Gärten, die hier besungen werden, klingt immer auch das Liebeslied der Schöpfung mit. Gottes Liebe und Freude an seiner Schöpfung findet hier einen einmaligen Ausdruck.

Der ein oder andere mag sich fragen, wie Gott denn seine Schöpfung noch so tief lieben kann, wie er immer noch zu uns Menschen stehen kann, wie die beiden Verliebten zueinander. Bieten wir ihm nicht eher Grund zur Sorge, zu Kummer und großer Klage? Sind wir nicht die widerspenstigen Kinder, die einfach nicht hören wollen, nicht Frieden halten? Ja, vielleicht sind wir unvollkommen, aber wenn man verliebt ist, dann sieht man die negativen Seiten nicht. Man erfreut sich am Schönen und man betrachtet den anderen so, wie Gott ihn gemeint hat. So hat es zumindest der russische Dichter Dostojewski einmal gedichtet. Vielleicht betrachtet uns Gott genauso. So, wie er uns gemeint hat, nicht so, wie wir geworden sind.

Wir betrachten uns, unser Gegenüber, aber auch uns selbst ja meistens mit einer sehr kritischen Sicht. Wir sehen eher das, was nicht mehr so schön ist, was sich an Unarten eingeschlichen hat oder auch an äußerlichen Veränderungen. Wir verlieren schnell den Blick für das Schöne und dann können Sorgen und Ängste die Oberhand gewinnen und wir verlieren uns in Klagen und Jammern. Darum ist es wichtig, wenn wir einander wie Verliebte lobende, stärkende Worte mitgeben, liebevoll unsere schönen Seiten bezeugen, ja auch bisweilen mit blumigen Worten, mit Poesie. Liebkosungen sind wichtig und verfehlen ihre Wirkung nicht. Sie zaubern uns ein Lächeln ins Gesicht, machen uns schöner, stärken uns für die schweren Zeiten.

Wenn Verliebte zueinander sagen: „Lege mich wie ein Siegel auf dein Herz, wie ein Siegel auf deinen Arm; denn Liebe ist unwiderstehlich wie der Tod“, dann verbindet sich damit auch die schöne Botschaft Gottes an uns Menschen: Ich liebe Euch und darauf habt ihr Brief und Siegel, also etwas offizielles, etwas von höchster Stelle. Ihr seid meine geliebten Kinder. Für Euch habe ich meinen Sohn sterben und auferstehen lassen, weil ich Euch liebe.

Geben wir das doch einmal weiter in diesem Monat Juni, in der uns die Natur mit dem Gezwitscher der ausfliegenden Jungvögel und sanften Winden auffordert, das Schöne zu sehen: Dass wir geliebt sind, dass wir schön sind.

Kommt gut durch den Juni!

Euer Chris Schönefeld

Gedanken zur Monatslosung Mai 2022

Ich wünsche dir in jeder Hinsicht Wohlergehen und Gesundheit, so wie es deiner Seele wohlergeht.
3. Johannes 2

Liebe Schwestern und Brüder,

erinnert Ihr Euch noch? Wie jedes Jahr starteten wohl die meisten von uns mit guten Vorsätzen ins neue Jahr. Der eine wollte nach mehr als 20 Jahren endlich mit dem Rauchen aufhören. Der nächste hat sich vorgenommen, mehr Sport zu treiben oder sich sogar im Fitnessstudio anzumelden. Wieder ein anderer hatte den festen Willen, die 10 Kilo-gramm, die in den letzten Monaten des Lockdowns und Homeoffices dazugekommen sind, bis zum Sommer wieder abzutrainieren. Auch in der Fastenzeit vor Ostern haben sich viele Verzicht und gute Absichten vorgenommen, z.B. verzichteten einige wieder auf Alkohol oder Süßigkeiten.

Ihr merkt, da ging es bei den meisten in erster Linie um körperliche Dinge, die man an sich ändern wollte. Diese Dinge sind auch wichtig, damit man gesund bleibt.

Aber reicht das? Oder brauchen wir, damit es uns, wie wir es im Spruch für den Monat Mai lesen, „wohl ergeht“, mehr? Mehr als körperliche Fitness, mehr als gesunde Ernährung?

Der Schreiber zeigt uns einen wichtigen Punkt auf, der leider oft vernachlässigt wird – seelisches Wohlergehen.

Dabei ist das sehr wichtig. Manch einer merkt es leider erst, dass es seiner Seele nicht gut geht, wenn auch der Körper rebelliert. Wenn wir keinen ruhigen Schlaf mehr finden, den ganzen Tag unter Strom stehen und gar nicht mehr „runter kommen“. Selbst dann sucht man dann erst einmal nach anderen Ursachen und Lösungen. „Wenn ich nur mehr Sport mache, dann geht das wieder vorbei“. Die eigentliche Ursache ist damit aber nicht behoben.

In einem bekannten Spruch heißt es „in einem gesunden Körper steckt ein gesunder Geist.“ So kennen wir ihn zumindest. Ursprünglich geht die Redewendung aber wie folgt:

„orandum est, ut sit mens sana in corpore sano“. Auf Deutsch heißt das, man sollte darum beten, dass sich ein gesunder Geist mit einem gesunden Körper verbinden möge. Es heißt also eben nicht, dass nur in einem gesunden Körper eine gesunde Seele sich befinden kann, sondern dass es wichtig ist, so wie es Johannes seinem Freund Gaius schon schreibt, dass es beidem gut geht – Leib und Seele.

Da scheint auch etwas dran zu sein. Denn wir merken, wir können noch so viel Sport machen, uns gesund ernähren, an der frischen Luft spazieren gehen. Wenn es unserer Seele nicht gut geht, dann geht es auch unserem Körper nicht gut. Dann helfen auch die teuersten Nahrungsergänzungsmittel, Cremes oder Shakes nichts.

Der Mai bietet uns ganz viele Möglichkeiten, für beides, den Körper UND die Seele etwas zu tun. Wer sagt uns eigentlich, dass wir uns nur am Jahresanfang Vorsätze nehmen sollten? Wie wäre es denn mit guten Vorsätzen für den Mai?

Sie könnten wie folgt aussehen:

Bei einem Spaziergang in der Natur können wir jetzt den Kreislauf in Schwung bringen und mit unseren Augen ganz viel entdecken, was im Alltag oft untergeht. Gottes wunderbare Schöpfung einfach wahrnehmen und genießen.

Oder bei einer Tasse Tee oder Kaffee in einem Buch mal wieder lesen. Die Seele baumeln lassen. Vielleicht sogar im Buch der Bücher, der Bibel.

Oder bei einem Sonntagsausflug mal wieder eine Kirche besuchen und dort zur Ruhe kommen.

Durch solche Dinge kann der Wunsch des Johannes dann hoffentlich Wirklichkeit werden – dass es uns in JEDER Hinsicht gut geht.

In dieser Hoffnung wünsche ich uns allen einen gesegneten Mai.

Ihre Manuela Schmidt

Gedanken zum Monatsspruch März 2022

Hört nicht auf, zu beten und zu flehen! Betet jederzeit im Geist; seid wachsam, harrt aus und bittet für alle Heiligen.
Epheser 6,18

Liebe Schwestern und Brüder,

oft hat man den Eindruck, dass die Welt immer unruhiger, komplizierter und gewaltvoller wird. Vielleicht täuscht man sich, aber wenn man die Bilder aus der Ukraine oder anderen Kriegsgebieten der Welt oder von den zahlreichen Naturkatastrophen wie den Stürmen der vergangenen Wochen oder den Hoch-wassern aus dem letzten Jahr sieht, da kann einem schon Angst und bange werden. Unsere Möglichkeiten, einzugreifen und etwas Grundlegendes zu verändern, scheinen klein und oft wirken getroffene Maßnahmen gegenteilig. Manchmal mag man am liebsten schreiend davon-laufen oder die Augen verschließen und sich ablenken. Nur davon wird es nicht besser. Eine andere Möglichkeit, mit unserer Welt wie sie ist und mit uns, unseren Gefühlen und unseren Grenzen umzugehen, ist es, es dem zu bringen, der uns geschaffen hat, in dem wir beten und manchmal vielleicht sogar flehen.

Da kommt mir die Frage in den Sinn. Betet ihr eigentlich noch oder habt ihr heute schon gebetet? Eine scheinbar leichte Frage, aber wo fängt Beten eigentlich an? Ist es schon ein Gebet, wenn ich auf dem Weg zur Arbeit gestresst zum Himmel schaue und bitte: „Nicht schon wieder so eine Schnarchnase (oder schon wieder so ein Drängler)!“‘ oder nach einer brenzligen Situation sage: „Gott sei Dank bin ich da heil rausgekommen!“? Oder ist es bereits ein Gebet, wenn ich den ganzen Tag einen Liedvers vor mich hinsumme, wie z.B. „Danke für diesen guten Morgen“?

Wenn Paulus uns im Monatsspruch aus dem Epheserbrief schreibt, „Betet jederzeit im Geist“, dann meint er damit, im Alltag ständig mit Gott in Verbindung zu sein und Gott über das Gebet – egal, in welcher Form oder Länge – in das eigene tägliche Leben mit einzubeziehen. Beten heißt, sich Gott zuzuwenden. Was mich gerade bewegt, kann ich vor ihn bringen. Natürlich kann man überall ein Gebet sprechen, doch wenn es ruhig um einen ist, fällt es leichter, innerlich still zu werden. Ein Gebet kann manchmal nur einen Augenblick dauern. Gerade so lange wie man braucht, um „Danke“ und „Bitte“ zu sagen. Natürlich ist es wie bei jedem Gespräch besser, wenn man sich mehr Zeit dafür nimmt. Zumindest so viel, um sich zu sammeln und zunächst das Gedankenkarussell im Kopf abzustellen. Oder um sich in Ruhe zu überlegen, wofür genau man Gott danken oder worum konkret man ihn bitten möchte. Ein guter Rat ist auch, dass ich beim Beten meinen Blick öffne, von mir selbst weg, hin zu den Themen und der Perspektive meiner Mitmenschen.

Wenn ich bei vielen Dingen schon nicht selbst aktiv etwas tun kann, dann kann ich sie zumindest in mein Gebet miteinschließen. Dann kann ich einfach los reden, frei von der Leber weg. Zum Glück schreibt mir Gott keine Floskeln vor. Ich kann ihm direkt und geradeheraus sagen, was mich beschäftigt. Auch Klagen und Schimpfen sind erlaubt. Gelegentlich gleicht Beten einem Ringen mit Gott. Immer wieder bringe ich meine Bitte vor ihn wegen dieser einen Sache, die mich so sehr und schon so lange beschäftigt und die mir so viel bedeutet. Ich darf mir sicher sein, Gott hört mir zu. „Des Gerechten Gebet vermag viel, wenn es ernstlich ist.“

Aber Gott ist kein „Wunscherfüllungsautomat“. Wir legen unsere Anliegen in seine Hände und vertraue darauf, dass er es gut machen wird. Wir wissen, er handelt oft anders als wir wollen. Er handelt auf eine Weise, die ganz anders ist als der Weg, den wir in unserem „Tunnelblick“ als einzig wahren sehen. „Der Mensch denkt und Gott lenkt“, so beschreibt es der Volksmund treffend. Manchem fällt es leichter, in Gemeinschaft zu beten. Gedanklich die Worte nachzuvollziehen, die jemand stellvertretend an Gott richtet. So kann man sich an den Dank für Dinge anschließen, an die wir gar nicht gedacht hatten oder in Bitten für andere mit einstimmen.

Was aber, wenn einem wegen unangenehmer Situationen, z.B. bei einer Trauerfeier oder an einem Sterbebett, oder auf Grund der eigenen Ohnmacht angesichts der vielen Probleme und Ungerechtigkeiten in der Welt die Worte fehlen und man nicht weiß, was man beten soll. Auch die Jünger Jesu scheinen manchmal nicht gewusst zu haben, wie sie beten sollten und baten Jesus daher: „Herr, lehre uns beten!“ Jesus gab ihnen mit dem Vaterunser ein Gebet, das heute rund 2,3 Milliarden Menschen auf der ganzen Welt verbindet. Ein Gebet, das man selbst in vielen fremden Sprachen schon am Sprechrhythmus erkennt. Ein Gebet für alle Lebenslagen. Mit seinen sieben Bitten deckt es alle Aspekte des Lebens ab. Es ist gut, dieses Gebet zu kennen, um es alleine oder gemeinsam zu sprechen. Spontan, wann immer sich eine Situation ergibt, in der wir Gott dankbar sind oder Gott um etwas bitten möchten. Im Grunde ist es aber auch egal, wann und wie wir beten. Wichtig ist, dass wir es tun, denn so geben wir Gott Raum in unserem Leben und eine Chance, bei uns auch zu wirken. Nur wer bittet, dem kann gegeben werden und nur wer anklopft, dem kann Gott öffnen

Nutzen wir die Fastenzeit, den Verzicht auf irgendeine Angewohnheit oder ganz konkret auf bestimmte Lebensmittel, um die gewonnene Zeit zum Gespräch mit Gott zu nutzen. Unsere Welt, unsere Gesellschaft und auch wir selbst haben es nötig, dass wir für sie beten.

Eine gesegnete Fastenzeit wünscht Ihnen Chris Schönefeld