Archiv des Autors: Manuela Schmidt

Monatsspruch Januar 2026

„Du sollst den HERRN, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft“

Liebe Schwestern und liebe Brüder,

„alle Jahre wieder“…nein, damit meine ich diesmal nicht das bekannte Weihnachtslied. Sondern das, was ganz viele Menschen zum Jahreswechsel tun: Sich Dinge für das kommende Jahr vornehmen. Der Eine will endlich aufhören mit rauchen, der Nächste soundso viele Kilos abnehmen und der Dritte auf Schockolade verzichten. Einige können das auch noch eine Zeitlang nach dem ersten Januar durchhalten, doch andere merken schon nach kurzer Zeit: „Der innere Schweinehund ist doch stärker.“
Alles in allem merken wir: Die Gewohnheiten abzugelegen, Neues im täglichen Ablauf einzubauen oder auf die ein oder andere, liebgewohnene Seelentröstung zu verzichten, fällt doch arg schwer. Und so gibt es wohl kaum Jemanden unter uns, der ein zum Jahreswechsel selbst „verordnetes“ Vorhaben über Monate, Jahre oder gar für immer beibehält.

Von einem Vorsatz der ganz anderen Art hören wir im Monatsspruch für den Monat Januar. Dieser ist kein typischer Jahreswechsel-Vorsatz. Er steht im fünften Buch Mose: „Du sollst den HERRN, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft“

Dieses 5. Buch des Propheten Mose, auch Deuteronomium genannt, ist voll von Zusagen und auch von Ermahnungen. Mose will das Volk Israel noch einmal an alles erinnern, damit sie auch ja nichts vergessen. Sie sollen sich daran erinnern, was Gott getan hat auf ihrer langen Reise durch die Wüste. Sie sollen sich daran erinnern, was Gott ihnen an Segnungen zugesagt hat. Sie sollen sich daran erinnern, mit wem sie unterwegs waren, sind und auch sein werden: mit dem HERRN, ihrem Gott.

All die Zusagen sind eng verbunden mit der Ermahnung, diesem Gott unbedingt treu zu bleiben, ihn zu ehren und nicht auf die Verlockungen der anderen Völker hereinzufallen. 
Doch hierbei geht es nicht allein um blinden Gehorsam. Mose sagt: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben!“ Aber nicht irgendwie sondern voll und ganz. Um das besser verstehen zu können, müssen wir uns die 3 wichtigen Punkte des Verses anschauen:
Mit ganzem Herzen (lebab): Im biblischen Verständnis ist das Herz nicht nur der Sitz der Gefühle, sondern auch des Denkens, Wollens und Entscheidens. Es fordert eine bewusste Ausrichtung des Willens und der Absichten auf Gott.

Mit ganzer Seele (nefesch): Hier ist das gesamte Leben bzw. die Lebenskraft gemeint. Es impliziert die Bereitschaft, Gott mit dem gesamten Sein und notfalls unter Einsatz des eigenen Lebens treu zu bleiben.

Mit ganzer Kraft (me’od): Das hebräische Wort bedeutet wörtlich „Sehrheit“ oder „Vielheit“. Es umfasst alle Ressourcen eines Menschen: physische Stärke, Besitztümer, Zeit und soziale Stellung. 

Wir merken: Das ist ne ganz schöne gewaltige Aufgabe, die der Prophet da von den Gläubigen verlangt. Ein unlösbare?
Auch wir Christen heute, tausende Jahre später, stellen uns sicher das eine oder andere Mal die Frage: Wie ist das eigentlich mit meinem Glauben? Bin ich zwar noch in der Kirche Mitglied, aber so wirklich intensiv „glaube“ ich nicht mehr? Oder ist da schon noch so ein Gefühl, dass die Glaubensflamme zwar in mir zwar flackert, aber doch nicht mehr so intensiv wie vor Jahren? Kann ich wirklich sagen, ich liebe Gott mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele, mit ganzer Kraft?

Vielleicht kann uns dabei auch die Losung für das Jahr 2026 helfen: “Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu!”. Wir finden sie in Offenbarung 21,5. Sie bildet quasi einen Bogen zur Schöpfungsgeschichte. Als Gott die Welt schuf. Wir merken, Gott ist immer wieder darauf bedacht, seinen Weg mit uns Menschen zu gehen. Auch wenn wir selbst diesen aus den Augen verlieren, uns verirren. Verzetteln im großen Ganzen. Er lässt uns nicht „im Stich“.
Dann merken wir, gerade am Übergang von einem Jahr zum anderen: Manchmal ist es gar nicht so schlimm und schlecht, sich zuerst mit dem eigenen Glauben zu beschäftigen und dann mit dem, an den man glaubt. Wir sind damit auch nicht allein auf weiter Flur. Sondern Gott wird uns helfen. Immer und immer wieder.

Ich wünsche Ihnen und euch von Herzen einen gesegneten Januar,
eure Manuela Schmidt.

Monatsspruch November 2025

Gott spricht: Ich will das Verlorene wieder suchen und das Verirrte zurückbringen und das Verwundete verbinden und das Schwache stärken.

Hesekiel 34,16

Liebe Schwestern und Brüder,

es ist schon ein paar Jahr her, als das letzte Mal ein Schäfer mit seiner Herde hier durch Hasenthal zog. Auch sonst sieht man im Landkreis Sonneberg keinen Schäfer mehr, der mit einer hunderte Tiere – umfassenden Herde über die Wiesen und Felder zieht. Eigentlich schade, dass dieser Berufszweig nicht mehr so „in Mode“ ist. Schließlich kümmerten sich viele Jahrzehnte und Jahrhunderte Schafe auch um die natürliche Pflege ganzer Landschaften. Schön anzusehen war es allemal, wenn da diese wolligen Tiere gemütlich auf den Wiesen standen.


In der Matthäuskirche in Spechtsbrunn finden wir auch Worte über einen guten Hirten. Sie stammen aus dem Psalm 23. Was verbinden nun wir mit dem Hirten? Seien wir ehrlich, als erstes kommt uns da ja schon das romantische Bild vor Augen, dass ein Schäfer mit seinem Hütehund auf einer frischen, saftigen Wiese steht, von morgens bis abends, bei Wind und Wetter. So stellen wir Laien uns das sicherlich oft vor. Die Realität schaut mittlerweile sicherlich anders aus. Wenn Zuchtpläne am Computer erstellt werden, es dank Statistiken einfach nur noch um die Rentabilität geht usw. Doch ein wenig dürfen wir ja sicherlich noch unseren nostalgischen Vorstellungen hinterherträumen, oder?

Auch im Monatsspruch für den Monat November lesen wir von einem Hirten. Auch da keimt so ein „Ideal-Bild“ in uns auf: Da hat sich so ein niedliches Schäfchen, warum auch immer, von der Herde entfernt. Irgendwie hat es sich dann an einem Strauch verletzt. Der Schäfer geht auf die Suche, sucht solange, bis er es findet, kümmert sich. Und bringt es zurück zur Herde.

Kann das Bild jetzt nicht einfach so stehen bleiben? Irgendwie hoffen wir doch insgeheim ganz sehr es uns. Doch ich muss euch enttäuschen. Denn vor dem Vers, der uns für den November gegeben ist, klagt Hesekiel die miserablen Hirten an. Er meint damit nicht die, die Schafherden vorangehen und sie weiden.
Gemeint sind die Führer des Volkes, die ihre Macht missbrauchen.


Die Herrschenden damals ließen sich nämlich gerne ‘Hirten’ nennen, auch die Despoten, denn das klingt gut. Hirten, die scheinbar fürsorglich für ihre Herden eintreten, in Wirklichkeit aber nichts anderes treiben als ihre Macht auszunutzen.

Wenn wir uns so auf dieser Welt umschauen, dann fallen sicherlich auch uns ein paar Menschen ein, die sich insgeheim null darum kümmern, wie es jedem Einzelnen in ihrem Volk geht. Denen es nur wichtig ist, dass sie gut dastehen. Das sie durch unnötige Kriege so viel wie möglich an Land wieder für sich einnehmen können , ohne Rücksicht darauf zu nehmen, wieviele Opfer diese Kriege fordern. Oder sich, in völliger Selbstüberschätzung, im Vorfeld schon als Gewinner des Friedensnobelpreises sehen.

Wir merken, so sehr unterscheiden sich die Themen damals und heute nicht.

Doch der Prophet stellt den politischen Machthabern jemanden entgegen: Gott. Er ist derjenige, der sich um die Menschen kümmert. Gott wird dabei auch mal etwas schärfer im Ton, wenn er den Machthabern droht: ‭So spricht GOTT, der Herr: Siehe, ich komme über die Hirten, und ich will meine Schafe von ihren Händen fordern und will ihrem Schafeweiden ein Ende machen, und die Hirten sollen nicht mehr sich selbst weiden; denn ich will meine Schafe aus ihrem Maul erretten, dass sie ihnen künftig nicht mehr zum Fraß dienen sollen. Aber er will sich eben nicht nur um das Körperliche, sondern auch um ihre Seele kümmern. Wenn er da schreibt mit Worten Gotts: ‭Ich selbst will meine Schafe weiden und sie lagern, spricht GOTT, der Herr. Ja, Gott selbst möchte uns Ruhe schenken. Zeiten, in denen wir wirklich zur Ruhe kommen können. Auszeiten für die Seele.

Gerade in diesen Tagen jetzt im November, wo die Tage eh schon trüb und regnerisch oft sind. Der ein oder andere sich innerlich auch schon auf die beiden Sonntage vorbereitet, in denen es um das Gedenken Verstorbener oder der Opfer der weltweiten Kriege geht. Da ist es wichtig, dass auch wir uns immer wieder daran erinnern und erinnern lassen, das es da Jemanden in unserem Leben gibt, der „das Verirrte zurückbringt auf den richtigen Weg, die Wunden verbindet und das Schwache stärkt“.

Ich weiß, es fällt uns oft nicht leicht, runterzukommen. Aber vielleicht sollen auch wir uns immer mal wieder die Zeit geben, uns einzulassen. Auf Gott, auf sein Wirken in unserem Leben. Einen Schritt dahin habt ihr jetzt eben schon getan – indem ihr euch diese Zeilen bis zu Ende durchgelesen habt.

Ich wünsche uns allen einen gesegneten November,

Ihre und eure Manuela Schmidt

Gedanken zum Monatsspruch Mai 2025

Zu dir rufe ich, HERR; denn Feuer hat das Gras der Steppe gefressen, die Flammen haben alle Bäume auf dem Feld verbrannt. Auch die Tiere auf dem Feld schreien lechzend zu dir; denn die Bäche sind vertrocknet.

Joel 1,19-20

Liebe Schwestern und Brüder,

kennt ihr den Spruch „Alles neu macht der Mai“? Eigentlich wird er als Sinnbild dafür verwendet, dass der Mai den Sommer einläutet. Die Natur ein „neues Kleid anzieht“. Das kann man auch auf uns Menschen beziehen, wenn sich etwas plötzlich im Leben oder auch in den Einstellungen ändert. Deshalb möchte ich euch, um beim Spruch zu bleiben, mal einen neuen Beginn der Auslegung schreiben. Diesmal mit einer Betrachtung zu einem kirchlichen Lied. Ihr fragt euch sicherlich: „Was sollen wir denn nun damit? Normalerweise lesen wir in unserem Gemeindeblättle doch immer ein paar Worte zu dem Spruch, der da auf der ersten Seite steht. Was will sie denn diesmal von uns?“

Ich verrate es euch gleich zu Beginn. Jeder Mensch geht mit Situationen, die ihn im Inneren bewegen, anders um. So hat zum Beispiel jeder eine „Strategie“ für den Umgang mit schlimmen Nachrichten: Der eine braucht dann erstmal Zeit für sich, geht vielleicht raus in die Natur. Macht einen Spaziergang, um den Kopf frei zu bekommen. Der nächste braucht erstmal Schokolade als Nervennahrung. Wieder ein anderer geht irgendwohin, wo ihn niemand sieht und hört und schreit seine Gefühle hinaus.

Bei schönen Momenten wiederum möchte manch einer die ganze Welt umarmen. Ein anderer gönnt sich vielleicht was Schönes, kauft sich etwas, was er oder sie schon länger haben wollte. Oder möchte einfach das Gute mit lieben Menschen teilen.

Für uns Christen gibt es noch ein paar andere Dinge, die wir in solchen Momenten tun können. Manch einer nimmt sich die Bibel zur Hand. Ein anderer betet zu Gott, entweder, um ihm zu danken oder ihn um Hilfe zu bitten. Für andere ist aber auch der Gesang ein Mittel, die Gefühle auszudrücken.

Da komm ich nun zu einem Lied, was mir über den Weg quasi diesmal gelaufen ist: „Wie lieblich ist der Maien“. In der ersten Strophe beschreibt es recht schön, wie Viele von uns den Monat Mai empfinden: „Wie lieblich ist der Maien aus lauter Gottesgüt, des sich die Menschen freuen, weil alles grünt und blüht. Die Tier sieht man jetzt springen mit Lust auf grüner Weid, die Vöglein hört man singen, die loben Gott mit Freud.“ Und irgendwie wollen wir ja dem Dichter des Liedtextes recht geben, da draußen ist jetzt im Mai ganz viel los. Unsere Herzen könnten doch eigentlich vor „Freude überquellen.“

Doch dann schauen wir hier in unseren Täler um uns herum. Die Berge hoch, wo noch vor einigen Jahren tiefdunkle Fichtenwälder standen. Irgendwie hatten sie ja doch auch etwas Beruhigendes, hatten im Sommer Schatten gespendet und an stürmischen Tagen einem Schutz geboten vor dem Wind. Wenn wir da heute lang gehen, auf altbekannten Wegen, wird manch einem ganz arg traurig im Herzen. Teilweise erinnern die Flächen an Mondlandschaften.

Irgendwie sind diese Flächen dann auch ein Sinnbild für so viele andere Ängste, die uns aktuell, trotz schönstem Mai, bewegen. Bekommen wir, in unserem einst so sicher geglaubtem Deutschland, irgendwann doch noch Krieg? Was wird aus unserer Wirtschaft, wenn Trump, Putin und Co. ihre Macht eines Tages völlig maßlos zur Geltung kommen lassen? Da stellt man sich die Frage: „Was hilft uns“? Der Schreiber unseres Textes für die Monatslosung hat für sich den Weg des hilfesuchenden, verzweifelten Rufes zu Gott gewählt.

Auch in unserem am Anfang noch so leicht klingenden Lied hören wir dann in der dritten Strophe von der Bitte, dass Gott doch helfen möge:

„Herr, lass die Sonne blicken ins finstre Herze mein, damit sich’s möge schicken,
fröhlich im Geist zu sein, die größte Lust zu haben allein an deinem Wort,
das mich im Kreuz kann laben und weist des Himmels Pfort.“

Wir merken: Manchmal kommen wir alleine nicht weiter. Da brauchen wir etwas oder jemanden, der uns hilft, Situationen zu meistern. Weil sie einfach zuviel für unsere Seele sind. Vielleicht ist dann gerade der Mai wiedermal eine Gelegenheit, unsere „Beziehung zu Gott“ zu pflegen. Das mag, wenn man es jetzt schon länger nicht mehr getan hat, vielleicht etwas schwierig sein. In unseren beiden Kirchgemeinden gibt es im Lauf des Monats verschiedene Angebot, Glaube in Gemeinschaft zu leben und zu erleben. Wie wärs…?

Ich wünsche uns allen einen gesegneten Mai,

Ihre und eure Manuela Schmidt

Gedanken zum Monatsspruch Februar 2025

Du tust mir kund den Weg zum Leben.

Psalm 16,11

Liebe Schwestern und Brüder,

gleich zu Beginn möchte ich euch ein paar Fragen stellen: „Wie erging es euch mit den selbst auferlegten Vorsätzen fürs neue Jahr?“ „Ist es euch gelungen, sie noch einzuhalten? „Oder gab es schon erste: „Ach, dass ist doch nichts jetzt am Jahresanfang, ich probiere es dann im Laufe des Jahres nochmal“-Momente?

Oder erinnert ihr euch noch daran, wie ihr im Jahr 2024 ein längere Strecke mit dem Auto vor euch hattet? Vielleicht auf dem Weg zum Urlaubsort oder auf einer Dienstreise. Ja, ihr habt bewusst schon ein wenig mehr Zeit für die Fahrt geplant, um auch mal eine Pause einlegen zu können. Doch dann, nach einer Stunde auf der Landstraße, plötzlich das berühmt- berüchtigte Schild mit dem großem U auf gelbem Grund: Umleitung. Was ihr da noch nicht wusstet: Die „kurze“ Umleitung kostete dann doch etwas mehr als eine halbe Stunde Zeit. Was in dem Moment zwar irgendwie ärgerlich war, euch aber durch einen Ort führte, den ihr eigentlich schon länger mal besuchen wolltet.

Da sind sie, die ersten Erkenntnisse des neuen Jahres: Schon allein das Feststellen, dass es mit unseren gut gemeinten Vorsätzen oft nicht auf Dauer gelingt, sie einzuhalten, zeigt uns, wie schwer es doch ist, immer „schnurgeradeaus durchs Leben zu gehen“. Auch die ein oder andere Umleitung – ob nun auf der Straße oder in unserem Leben- kommt uns bekannt vor. Ein weiterer Spruch, der in die selbe Richtung geht- lautet: „Es kommt immer anders als man denkt.“

Dann lesen wir den Spruch für den Monat Februar 2025: „Du tust mir kund den Weg zum Leben“.

Was hat es nun damit auf sich? König David, dem dieser Psalm zugeschrieben wird, erkennt sehr deutlich, dass es viele Lebensmodelle gibt, die die Menschen um ihn herum leben. Viele Wege, ihr Glück zu finden. Besonders erwähnt er die Götterbilder und Opfer.  Doch David erkennt für sich selbst, dass er diese Wege nicht gehen will. Sein Lebensweg ist auf Gott ausgerichtet und er sagt: „Große Freude finde ich in deiner Gegenwart und Glück an deiner Seite für immer.“

Wie ist das nun bei uns? Den „klassischen“ Lebensweg als Christ gibt es wohl nicht. Manche Eltern lassen ihr Baby schon kurz nach der Geburt taufen, andere erst 1-2 Jahre später. Wieder andere überlassen es ihrem Kind, diese Entscheidung dann mit 11 oder 12 Jahren selbst zu treffen. Und auch wenn der junge Mensch dann 2 Jahre lang voller Begeisterung den Vorkonfirmations-Unterricht besucht und sich vor der Gemeinde zu Gott bekennt, kann es immer wieder Momente geben, in denen sie oder er sich dann erstmal oder für immer für ein Leben „ohne Gott“ entscheidet.

Da ist es dann manchmal gar nicht so schlecht, wenn man, um beim Navi zu bleiben, immer mal wieder im Laufe des Lebens Menschen kennenlernt oder Situationen erlebt, die einen wieder näher zum Glauben bringen. Wo wir merken: Ja, es tut gut und ist für mich wichtig. Das ich etwas habe, dass mir Halt gibt. Wenn mein Leben haltlos erscheint.

Wenn ich dann irgendwann wirklich fest meinen Glaubens-Weg beschreite ist es im Umkehrschluß auch gar nicht mehr so schwer, wenn das Leben mir Steine in den Weg legen will.

Unser Monatsspruch aus dem 16. Psalm hat noch eine kurze Fortsetzung. Der biblische König David ruft dann aus: „Ich kann mein Glück nicht fassen, nie hört es auf!“ Was ist der Grund für diese Freude – Euphorie: der Erfolg als König Israels, Sieg über seine Feinde? All das könnte man vermuten. Doch wenn man den Zusammenhang liest, erkennt man, dass etwas ganz anderes David in solchen Jubel versetzt – es ist seine persönliche Beziehung zu Gott „Darüber freue ich mich so sehr, dass ich es nicht für mich behalten kann.“, schreibt er – dankbar für die Hilfe Gottes in seinen persönlichen Entscheidungen; für die Sicherheit die er ihm gibt; für ein Leben, das bis in die Ewigkeit hält; dafür, nicht einen der vielen Götzen, sondern den wahren Gott als seinen Herrn gefunden zu haben.

Nun komme ich wieder auf die guten Vorsätze zurück. Wie wäre es damit, dass wir uns jeden Monat einmal fragen: Sind wir noch auf dem Weg, der gut für uns ist? Auch wenn er manchmal steinig ist?

Ich wünsche uns allen einen gesegneten Februar,

Ihre und eure Manuela Schmidt

Gedanken zum Monatsspruch Dezember 2024

„Mache dich auf, werde licht; denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des HERRN geht auf über dir!“ Jesaja 601

Liebe Schwestern und Brüder,

Adventszeit und Weihnachten – das heißt für viele Weihnachtsmarkt mit Glühweinduft, Lebkuchen und vielerlei Gebäck, Kerzenschein und Geschenke. Für viele ist es einfach eine schöne Zeit. Eine Zeit, in der Wunder möglich scheinen und selbst größte Feinde zumindest Waffenstillstand schließen können, Probleme gute Lösungen finden oder zumindest in den Hintergrund treten. Manche fürchten die emotional aufgeladene Zeit mit dem scheinbar verordneten Frieden aber auch, tragen vielleicht Trauer um geliebte Menschen oder zerbrochene Lebensträume in sich und wünschen sich, dass der Advent und die Feiertage recht schnell vorüber gehen und ein neues Jahr mit neuen Möglichkeiten anbrechen möge.

In der Adventszeit- und Weihnachtszeit spielt Licht eine große Rolle. Anders als noch im tristen November erhellen nun fast überall Lichterketten in allen Formen und Größen Vorgärten und Häuser. Selbst wer es schlichter mag, erhellt mit Kerzen, mindestens den vieren am Adventskranz, seine Wohnung. Licht ist für uns Menschen enorm wichtig, das merken wir, wie bei allen Dingen, vor allem dann, wenn es fehlt. Wenn es jetzt im Winter draußen dunkel ist und die Tage kurz und immer kürzer werden, sehnen wir uns nach Helligkeit, nach Wärme und eben nach Licht. Viele wünschen sich in den Sommer zurück, in dem es lang hell war. Wie fast alle Lebewesen brauchen wir Licht – biologisch, damit sich Vitamin D bilden kann und auch unser Hormonhaushalt im Schwung bleibt, aber auch seelisch, damit man so manchen dunklen Gedanken bestehen kann. Im übertragenen Sinne wünschen wir uns, dass es hell in uns wird, dass sich unsere Stimmung aufhellt, dass positive Gedanken in unsere Gedankenkarusselle eindringen, sie anhalten und sei es nur für einen Moment. Vielleicht bewegt uns die Advents- und Weihnachtszeit auch deshalb so sehr, weil es eben fehlt das Licht und wir kleine Lichter deutlicher sehen, als es an lichtdurchfluteten langen Sommertagen möglich wäre. So, wie wir auch in allem Kummer, in allem Leid und aller Ungerechtigkeit in dieser Welt immer wieder wunderbare, glückliche Momente gibt, die wir allzu leicht übersehen, weil wir eigentlich alles im Überfluss haben, weil es eben immer zu hell ist, wenn auch nicht leuchtend, sondern für viele eher gedimmt.

“Mache dich auf, werde licht, denn Dein Licht kommt.” Licht ist ein zentrales Bild der christlichen Botschaft zu Weihnachten und ein zentrales Motiv in der Bibel. Auch der Monatsspruch greift das auf. Gott schenkt uns Hoffnung, schenkt uns seinen Sohn und wie könnte man das schöner ausdrücken, als mit dem Bild des Lichtes. Das verstehen weltanschauungsübergreifend alle Menschen, ob nun Christen, Juden, Muslime, Atheisten. Das sind Botschaften, die wir brauchen, gerade in schwierigen, eben in dunklen Zeiten, wie sie nun anzubrechen scheinen.

Zeiten, in denen gesellschaftliche Spaltung zunimmt, wirtschaftlicher Abstieg herauf-beschworen wird oder eine Ausbreitung von aktuellen Kriegen auch zu uns droht. “Mache dich auf, werde licht, denn Dein Licht kommt.” Dieser Appel des Propheten Jesaja scheint da umso dringender. Jesaja richtet seine Worte an das Volk Israel im babylonischen Exil, also in der Fremde, in die sie fliehen mussten, als man ihre Tempel, all das, was ihnen lieb und teuer war, zerstört hatte. Seine Botschaft ist eine Verheißung an das Volk Israel, das es in seine geliebte Heimatstadt Jerusalem zurückkehren wird, in der noch vieles am Boden liegt. Der Prophet verheißt der Stadt und ihren Menschen inneren und äußeren Frieden, Gerechtigkeit und Wohlstand, auch wenn sie davon noch wenig spüren können. In der Fremde geht es ihnen gut, aber es bleibt eine Leere, seine Sehnsucht nach Hause. Gott verheißt seinem Volk durch den Propheten, dass als Erweis für die Wiederherstellung der Stadt die Völker der Welt nach Jerusalem kommen und dort Frieden und Orientierung finden werden – welch eine tröstende Vision, auch für uns heute, vor allem für die Menschen im Nahen Osten, in der Ukraine und auch für die, die persönlich an innerer Dunkelheit leiden.

„Werde Licht“ – Werde „lebendig”, könnte man es auch formulieren. Es ist eine Aufforderung an uns, sich nicht von dunklen Kräften, auch nicht aus dem eigenen Inneren beherrschen zu lassen, sondern sich aufzurichten und aufzumachen. Im Lichte oder bei Tag betrachtet, heißt es, lassen sich Heraus-forderungen und Sorgen angehen, die im Dunklen oft übermächtig schienen. Das ist oft leicht gesagt und doch unendlich schwer. Aber und das ist die tröstende Komponente aus der Botschaft von Jesaja, man muss es nicht krampfhaft allein, aus sich selbst herausschaffen, sondern es wird möglich, weil Gott selbst zu uns kommt, als kleines Kind im Stall, klein und doch wirkmächtig. Nicht, weil das Volk Israel selbst über Strahlens- und Lebenskraft verfügte, sondern weil die “Herrlichkeit des Herrn” über der Stadt aufgin“, konnten sie nach Jerusalem zurückkehren und ihren Tempel wieder aufbauen. Es ist der Gott Israels, der dem Volk und der Stadt immer wieder neues Licht und Leben bringt. Er selbst ist es, der es auch hell um uns machen und Licht in unser Leben (zurück)bringen kann, oftmals und vor allem in den dunklen Momenten, wenn uns nichts mehr von seinem Licht ablenken kann. Es ist schwer begreiflich, dass es oft harter Situationen bedarf, um das schöne bewusster zu erleben, aber es ist zugleich ein Geschenk, was uns gegeben wird, vielleicht, um das Leben besser auszuhalten. Daher bleibt es wichtig, dass wir jedes Jahr aufs Neue in der Adentszeit- und Weihnachtszeit viel von Licht sprechen, Kerzen anzünden, uns anrühren lassen, unsere Herzen immer wieder neu füreinander öffnen und Gottes Licht in uns hineinlassen, seine Botschaften hören, singen und Kraft tanken für das kommende Jahr.

In diesem Sinne wünscht Euch und Ihnen eine schöne Adventszeit, ein gesegnetes Weihnachtfest und einen behüteten Jahreswechsel,

Chris Schönefeld im Namen des Lektorenteams und der Kirchgemeinden

Gedanken zum Monatsspruch November 2024

Wir warten aber auf einen neuen Himmel und eine neue Erde nach seiner Verheißung, in denen Gerechtigkeit wohnt.“

2. Petrus 3,13

Liebe Schwestern und Brüder,

„herzlich willkommen im herrlich kühlen November.“ So könnte man es sagen, wenn man zu der zugegeben recht kleinen Gruppe von Menschen gehört, die sich im für sie viel zu warmen Sommer den kühlen November herbei gewünscht haben Für andere ist der November eher mit trübem Grau verbunden. Bei manch einem schleichen sich dann dunkle Momente in die Gedanken ein. Denn bevor die besinnliche Adventszeit anbricht, kommen erstmal noch Volkstrauertag und Ewigkeitssonntag.

Doch nicht nur bei uns Menschen ist der November ein Monat der Veränderungen. Auch die Natur stellt sich nun um. Die schönen bunten Blätter, die wir noch im Oktober bestaunen konnten, sind nicht mehr. Viele Dinge in unseren Gärten sind schon längst abgeerntet. Aber es ist auch noch nicht wirklich so, dass ein sanftes winterliches Kleid alles zudeckt.

Wir merken, der Monat November hat in den Köpfen vieler Menschen etwas mit Sehnsucht zu tun. Wir sehnen uns nach Wärme, nach ersten Schneeflocken, nach dem nächsten Urlaub und suchen ja auch irgendwie nach etwas – nach Geborgenheit, nach Halt in unsicheren Zeiten. Auch in diesem Jahr mussten wir wieder von Ereignissen hören, die Menschen in ihrer Existenz und ihrem Leben bedrohen. So die anhaltenden Kriege in der Ukraine oder Israel. Oder den Überschwemmungen oder Dürren in aller Welt. In Äthiopien wurden die Lebensgrundlagen durch drei aufeinanderfolgende Dürrejahre und zahlreiche Konflikte vernichtet. Aufgrund von Sicherheits- und Wirtschaftskrisen sind 6,2 Millionen Menschen in Mali auf humanitäre Hilfe angewiesen. Das Krankenhaus in Neuhaus am Rennweg schließt seine Porten, wieder etwas Vertrautes, was es nicht mehr geben wird,

Wir empfinden vieles, was da auf dieser Welt geschieht, als ungerecht. Genau darum geht es auch in dem Spruch, der uns für November gegeben ist. Wir finden ihn im 2. Brief an Petrus:

Wir warten aber auf einen neuen Himmel und eine neue Erde nach seiner Verheißung, in denen Gerechtigkeit wohnt.“

Um das verstehen zu können, stellt sich die Frage, was Gerechtigkeit eigentlich ist. Mit dem markanten Spruch: „Gleiches Recht für Alle“ ist es wahrscheinlich nicht ganz erfasst. Auch die folgende wissenschaftliche Definition trifft das, um was es in dem Monatsspruch geht, immer noch nicht ganz. „Gerechtigkeit ist die ethische, philosophische  Idee, dass die Menschen vom Gesetz und von  den Schiedsrichtern  des Gesetzes unparteiisch, fair, angemessen und vernünftig behandelt werden müssen, dass die Gesetze sicherstellen sollen, dass keinem anderen Schaden zugefügt wird, und dass, wenn ein Schaden behauptet wird, Abhilfemaßnahmen ergriffen werden – sowohl der Ankläger als auch der Angeklagte erhalten die moralisch richtigen Konsequenzen, die ihren Handlungen entsprechen.“

Versuchen wir es also mit folgender Definition: „Gerechtigkeit ist bei Gott mehr als eine ausgewogene Rechtsprechung. Es geht darum, dass alle Geschöpfe zu ihrem Recht kommen. Dabei kommt es zum Beispiel nicht darauf an, dass der, der mehr tut, auch mehr bekommt. Es geht um die Güte Gottes. Sie ist radikal, sie macht keinen Unterschied. Bei Gott ist zum Beispiel egal, ob man als Erstes kommt und viel arbeitet oder ob man der Letzte ist und weniger arbeitet als die anderen.“

Zugegeben klingt das alles sehr theoretisch. Doch jetzt kommen wir zu dem Punkt unseres Textes, der uns Menschen wohl am schwersten fällt: Dem Warten. Die meisten von uns sind wohl nicht gerade gut darin, sich in Geduld zu üben. Vor allem und gerade dann nicht, wenn es uns nicht gut geht, wenn Sorgen oder Trauer, die Angst vor der eigenen Zukunft oder der Nächsten einen umtreiben.

Genau in diesen Momenten brauchen wir Halt und Vertrauen, wie wir sie in Gott finden können. Einer unserer ehemaligen Pfarrer hat einmal zu mir gesagt: „Es ist sinnvoll, sich in guten Zeiten ein Geländer aufzubauen. Das einem Halt in schlechten Zeiten gibt.“ Warum nutzen wir nicht die Zeit jetzt im November dazu, in denen sich unsere Seele eh nach so vielen Dingen sehnt? Vielleicht findet sie dann im Glauben einen Weg, der das Warten auf den neuen Himmel und die neue Erde nicht mehr ganz so schwer macht. Versuchen wir es einfach.

Ich wünsche uns allen einen gesegneten und hoffnungsvollen November.

Ihre Manuela Schmidt

Gedanken zum Monatsspruch August 2024

Der HERR heilt, die zerbrochenen Herzens sind, und verbindet ihre Wunden.

Psalm 147,3

Liebe Schwestern und Brüder,

jetzt ist er endlich da, der August – so mögen die Einen es sagen. Der Sommer hat seinen Höhepunkt erreicht. Alles blüht in den schönsten Farben, ettliche Beeren, Früchte und Gemüse sind reif. Man kann sich ans Einfrieren, Gelee- oder Marmelade- Zubereiten oder Einkochen machen. Manch Bauer nutzt die hoffentlich schönen Tage für eine zweite Heuernte. Oder zumindest dazu, nochmal Silage einzufahren.

Für die Kinder im benachbarten Bayern stehen die Sommerferien auf dem Plan. Für sie bricht nun die Zeit ohne Schule, Hausaufgaben oder Klassenarbeiten an. Mit den Eltern oder Großeltern in den langersehnten Sommerurlaub fahren oder fliegen. Und einfach mal abzuschalten. Für die Größeren sind auch endlich die Prüfungen vorbei. Mit Ausbildung oder Studium bricht ein neuer, spannender Lebensabschnitt an.

Nun könnte man doch sagen: Alles schick, alles beim Besten. Oder etwa doch nicht?

Denn ja, es gibt auch die andere Seite. Die nicht so schön ist. Manche Eltern können sich keinen Urlaub leisten, weil sie nicht genug Geld haben. Oder ein Familienmitglied ist gerade erst arbeitslos geworden. Für manch einen ist es jetzt im August auch die Zeit, in der er oder sie an einen, vielleicht schon vor Jahren, in diesem Monat Verstorbenen denkt. Genau jetzt wieder all die Trauer wieder sich ausbreitet tief im Inneren und wie ein dunkler Schatten sich über alles legt.

Dann merken wir: nein, der August hat nicht nur schöne Seiten. Das Herz, das angesichts des Sommers bei Vielen vor Freude springt, das ist bei Einigen eher mit traurigen Gedanken gefüllt. Bei Wenigen sogar gebrochen. So, wie wir es im Spruch für diesen Monat lesen.

Da hilft es dann auch nicht, wenn nahe Angehörige, gute Freunde oder Bekannte uns mit ihren Ratschlägen kommen: „Schau nach vorne, es kann nur besser werden“. Oder: „Geniess doch die warmen Tage.“ Nein, das Herz ist nun mal gebrochen und so schnell und einfach geht das jetzt nicht.

Wie ist das nun mit der Heilung und dem Verband, von dem wir da hören, im 147. Psalm? Ich fange erstmal bei etwas „Einfachem“, besser Nachvollziehbarem, an.

Wenn man eine Wunde hat, dann braucht es Zeit. Kleinere Schürf- oder Schnittwunden heilen meist von allein. Bei Größeren braucht es dann schon einen Verband, der sie vor Dreck und weiteren Reizungen schützt. Bei ganz Großen muss ein Arzt ran. Vielleicht sie sogar nähen. Weil nur er weis, was da am Besten ist.

Doch da geht es ja nun um unser Herz. Das ist nicht mit einer Wunde auf der Haut zu vergleichen. Da können wir nicht mal eben schnell einen Verband drum machen. Ja, ich weis, es gibt gute Herzchirurgen, die das Herz als Organ wieder heilen können. Doch ein gebrochenes Herz, sprich, wenn die Seele leidet, dass bekommen auch sie nicht wieder gesund.

Da braucht es mehr. Einen, den wir nicht sehen können. Der für viele nicht greifbar und fassbar ist. Der aber helfen kann. Der am Besten weiß, was dieses Herz braucht. Wenn die Gedanken zu dunkel geworden sind, um es alleine zu schaffen. Wenn auch der schönste Sommertag kein Licht mehr ins Herz oder besser gesagt, die Seele, bringt: Gott.

Wohl nur er kann eben die gebrochene Seele wieder heilen. Das braucht Zeit.

Was er alles bewirken kann, sehen wir, wenn wir uns auch einmal die Verse vor und nach dem Monatsspruch anschauen: „1 Lobet den HERRN! / Denn unsern Gott loben, das ist ein köstlich Ding, ihn loben ist lieblich und schön. 2 Der HERR baut Jerusalem auf und bringt zusammen die Verstreuten Israels. 3 Er heilt, die zerbrochenen Herzens sind, und verbindet ihre Wunden. 4 Er zählt die Sterne und nennt sie alle mit Namen. 5 Unser Herr ist groß und von großer Kraft, und unermesslich ist seine Weisheit. 6 Der HERR richtet die Elenden auf und stößt die Frevler zu Boden.“

Doch wie auch im Leben hier auf Erden geht das nicht ohne uns. Wir gehen ja auch nicht zu jedem x-beliebigen Arzt und begeben uns blindlinks in seine Hände. Sondern auch da brauchen wir Vertrauen in dessen Können. So ist es auch bei Gott. Wir sollen ihm schon vertrauen, dass er weis, wie er uns helfen kann.

Ich wünsche uns allen einen gesegneten und heilenden August,

Ihre Manuela Schmidt

Gedanken zum Monatsspruch Mai 2024

Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles dient zum Guten. Alles ist mir erlaubt, aber nichts soll Macht haben über mich.

1. Korinther 6,2

Liebe Schwestern und Brüder,

erinnert ihr euch noch an die Zeilen des Liedes „Freiheit“ von Marius-Müller Westernhagen? Da geht es um die Freiheit, die einerseits fehlt, aber die eben auch zählt.

Ja, Freiheit, dass klingt immer nach was ganz Tollem. Aber was bedeutet eigentlich Freiheit und kann die auch zu etwas nicht so Gutem führen?

Schauen wir uns also zunächst einmal eine Definition von Freiheit an: Freiheit (lateinisch libertas) wird in einem weiten Sinn als die Möglichkeit verstanden, ohne Zwang zwischen unterschiedlichen Optionen auszuwählen und entscheiden zu können.

Wie kann man sich das mit der Freiheit nun vorstellen? Tiere, die jahrelang in einem Käfig gehalten wurden, können es kaum erwarten, dass sie endlich in die Freiheit entlassen werden. Sie zögern dann aber.

Ähnlich ging es nach der Grenzöffnung wohl vielen Menschen hier in unserer Region. Man wusste, „da drüben“ wohnen noch Verwandte. Die man evtl. noch nie in seinem Leben gesehen hatte. Man hatte auch gehört, dass es dort Waren zu kaufen gab, von denen man höchstens mal im Weihnachtspäckchen etwas erfahren hatte.

Die Lust, die ehemalige Grenze mit dem Trabbi oder Wartburg zu passieren war schon groß. Doch da waren auch Fragen: Wie reagiert die Verwandtschaft auf uns? Was wird aus der Sicherheit, die wir hier im Grenzgebiet doch über Jahrzehnte hatten?

Nach der ersten Fahrt in den „Westen“ war man dann auch wieder froh, im gewohnten Umfeld zu sein. Die Zeit danach war turbulent. Straßen, in denen zuvor vielleicht frühs und nachmittags mal ein Bus fuhr, der die Arbeiter zu den Fabriken brachte, waren plötzlich voll von Autos.

Dann fing auch recht schnell der Geldumtausch statt. Die erste Barbie, Jeans oder so unbekannte Früchte wie Kiwis, Orangen, Bananen wurden gekauft. Alles war neu, unbekannt, aufregend.

Warum ich euch davon schreibe? Nun, wir hören in unserem Spruch für den Monat Mai auch von etwas Ähnlichem, wenn Paulus an die Gemeinde in Korinth schreibt:

Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles dient zum Guten. Alles ist mir erlaubt, aber nichts soll Macht haben über mich.

Um verstehen zu können, warum der Paulus diesen Vers in seinem Brief an die Gemeinde in Korinth schreibt, muss man sich zunächst mit den damaligen Gepflogenheiten auseinandersetzen:

Korinth zur Zeit des Apostels Paulus war, wie die Geschichtsforschung vielfach bestätigt, eine Stadt, in der “alles möglich war“. Aufgrund ihrer zentralen maritimen Lage war die Stadt zu einem machtvollen Wirtschaftsknotenpunkt herangewachsen, der Menschen aus allen Teilen des römischen Reiches und darüber hinaus anzog. So wurde die Stadt auch ein Schmelztiegel vieler Kulturen und Religionen. Zahllose Tempel der verschiedensten Götter prägten das Bild der Stadt.

„Alles ist mir erlaubt!“ war ein korinthischer Slogan, der dem Lebensgefühl dieser Stadt Ausdruck verlieh. Der Apostel greift diesen Slogan zweimal nacheinander auf und versieht ihn mit einem korrigierenden Zusatz. Die Korinther kannten den Apostel als Verfechter der christlichen Freiheit (vom jüdischen Gesetz). Beeinflusst von ihrem unmoralischen Umfeld und verschiedenen griechischen Philosophien dachten sie, dass für sie nun eine grenzenlose “Freiheit“ gelten würde. Paulus macht jedoch deutlich, dass dieses falsche Verständnis christlicher Freiheit zum Bösen und zu Bindungen führt.

Wir merken, schon damals war das mit der Freiheit so eine Sache. Wie schaut es nun aber für uns aus?

Durch Jesus Christus, der für uns die Schuld am Kreuz überwunden hat, sind wir Christen frei. Eigentlich ist uns alles erlaubt. Doch auch da merken wir, dass es doch gut und vor allem wichtig ist, dass wir uns an gewisse Gesetze und Dinge halten.

Wir haben heute, auch durch die Grenzöffnung, ganz viele Möglichkeiten. Können uns frei bewegen, frei unsere Meinung äußern.

Aber auch da ist es wichtig, dass wir immer mal wieder selbst prüfen, ob Das, was wir da reden und tun eigentlich gut ist. Für uns selbst aber auch unsere Mitmenschen. Oder ob wir durch unsere Handeln uns und andere in Gefahr bringen. Oder das Recht des anderen gefährden.

Ich wünsche uns allen einen gesegneten Mai,

Ihre Manuela Schmidt

Gedanken zur Monatslosung Februar 2024

Alle Schrift, von Gott eingegeben, ist nütze zur Lehre, zur Zurechtweisung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit.“

2. Timotheus 316

Liebe Schwestern und Brüder,

auch diesmal möchte ich die Auslegung des Monatsspruchs mit einer Frage an euch beginnen: Wie oft habt ihr in eurem bisherigen Leben schon Momente gehabt, dass ihr etwas getan habt und im Nachhinein dachtet: „Mist, hätte ich da vorher mal lieber nochmal drüber nachgedacht und wäre in mich gegangen. Da wäre garantiert nichts falsch gelaufen.“ Oder nach einem Streit: „Hätte ich mal lieber, bevor ich was gesagt habe, kurz einmal tief und ausgeatmet, dann wäre das alles nicht so eskaliert.“ Aber hinterher ist man immer schlauer. Auch das lässt sich natürlich leicht daher sagen bzw. schreiben, wenn man nicht gerade mitten in der Situation ist.

Diese Momente, dass man im Nachhinein denkt: „Hätte ich es mal lieber anders gemacht.“ gibt es aber noch öfter im Leben. Es sind nicht immer die kurzfristigen Dinge. Manchmal fasst man auch Entscheidungen, die sich in ihrer Tragweite über Monate oder gar Jahre, oder ein ganzes Leben hinziehen. Häuslebauer und Grundstücksbesitzer, Eltern, Ehepaare, Lehrer usw. werden da ein Lied von singen können….

Wir Christen sind dann immer schnell versucht, den Satz: „steht doch schon in der Bibel“ zu sagen. Die jüngeren Christen haben eine Zeit lang Armbänder mit „W.W.J.D.“ getragen. Das steht für What would Jesus do? (auf Deutsch: Was würde Jesus tun?).

Ganz ehrlich: Nehmen wir uns denn zumindest im Nachgang, wenn „das Brühle bereits verschütt ist“ die Zeit, mal wieder in die Bibel zu schauen? Die Antwort wird leider bei vielen von uns lauten: eher nicht.

Die Monatssprüche können und wollen uns im Laufe des Jahres immer mal wieder neue Impulse geben, uns anstupsen, unser Tun zu überdenken und dann auch zu ändern. Schauen wir uns also mal den Bibelvers für den Monat Februar an. Zu finden ist er im 2. Brief an Timotheus im 3. Kapitel: „Alle Schrift, von Gott eingegeben, ist nütze zur Lehre, zur Zurechtweisung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit.“

Man könnte es umformulieren zu: Sie lehrt Wahrheit, sie deckt Sünde und Irrtum auf, sie verändert das Verhalten und übt uns in der Gerechtigkeit.

Fangen wir mit dem „Nützlich zur Lehre an“. Das griechische Wort für Lehre meint nicht in erster Linie das Tun. Also es geht nicht darum, die Schrift zu lehren. Sondern vielmehr darum, dass die Schrift für uns eine Lehre sein soll. Die Bibel ist also so etwas wie Gottes Handbuch für die Wahrheit, das unsere Gedanken und Taten prägen soll.

Was wir dann mit dem „Handbuch“ machen sollen und vor allem, was dieses „Handbuch“ dann mit uns macht, steht in den folgenden Worten: zur Zurechtweisung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit. Wir sollen und dürfen anhand der Lehre der Bibel immer wieder unser Handeln prüfen, ob wir das Richtige getan haben oder etwas nicht so Gutes. Wir haben dann auch wieder aufs Neue die Möglichkeit, unsere Gewohnheiten zu ändern. Auch mit Blick darauf, ob unser Tun gerecht ist.

Um noch ein anderes Bild aufzumachen. Früher gab es große Truhen, in denen eine Familie alle ihre Habseligkeiten aufbewahrte. Man kann also die Bibel mit einer großen Truhe vergleichen, in der einer alles aufbewahrt, was für sein Leben wichtig ist. Je nachdem, was er gerade in der jeweiligen Situation braucht, holt er es nun aus der Truhe heraus. Ein Messer, einen Teller, einen Topf, einen Korb, Geld, Bücher oder einen Mantel.

Ist das nicht ein guter Gedanke? Dass wir Bibel wieder mehr Raum in unserem manchmal doch so chaotischen Leben geben. Sie nicht mehr als das große dicke, schon etwas angestaubte Buch ansehen, was vielleicht schon seit Generationen sich in unserem Haus befindet. Sondern es als relativ topaktuellen Ratgeber sehen. In dem auch immer etwas von Gottes Geist zu finden ist. Nun eine letzte Frage: Wisst ihr eigentlich, wo sie aktuell in eurem Haus zu finden ist, die Bibel?

Ich wünsche uns allen einen gesegneten Februar,

Ihre Manuela Schmidt