Kategorie-Archiv: Veranstaltungen

Geadanken zum Monatsspruch im Juni 2021

Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.
Apostelgeschichte 5,29

Liebe Schwestern und Brüder,

wer Kinder hat – ob klein, in der Pubertät oder auch schon erwachsen – weiß, dass nicht immer auf einen gehört wird. Manchmal, so scheint es, geht es zum einen Ohr hinein und zum anderen hinaus. Doch nicht nur Kinder hören selten. Bittet man den Mann oder die Frau dieses oder jenes zu tun, so wird man nicht selten auf später vertröstet und die Bitte dann einfach vergessen. Auch Kollegen und Vorgesetzte folgen oft lieber ihrem eigenen Kopf als einem gut gemeinten Rat. Selbst bei gut erzogenen Haustieren wie Hunden, klappt es nicht immer mit dem Gehorsam. Kaum wird eine Katze, ein anderer Hund oder ein Hase erspäht, vergisst der Schützling alles um sich herum und dann kann man noch so laut rufen. Doch nicht nur andere hören selten. Wenn man sich und sein Verhalten selbstkritisch und ehrlich betrachtet, so muss man sich eingestehen, dass es auch hier nicht immer weit her ist mit dem Hören. Der innere Schweinehund ist meist stärker oder auch der Widerwille, etwas zu tun. Gehorsam klingt ja auch ziemlich nach Zwang und hat im Blick auf die Geschichte der Menschheit einen ziemlich negativen Hintergrund, wurde doch so manches Verbrechen allzu schnell mit Gehorsam entschuldigt. Vielleicht rührt daher auch der innere Zweifel und so manche Skepsis an den Entscheidungen unserer Regierenden und selbsternannter Experten, die uns zu einem veränderten Verhalten anhalten wollen. Bei manchen geht es so weit, dass man alles in Frage stellt, was andere einem sagen. Man hat schließlich einen gesunden Menschenverstand, auch wenn der bisweilen in die Irre führen kann.

Wie also ist der Monatsspruch für Juni zu verstehen, in dem es heißt, man müsse Gott mehr als den Menschen gehorchen?“ Wenn es doch bei Menschen schon nicht funktioniert und das Wort „gehorchen“ ohnehin negativ klingt, wie soll das dann gegenüber dem gehen, dem man nicht sieht?

Gehorchen lässt sich ableiten von horchen, also einem alten Wort für hören, wobei horchen noch eine etwas andere Bedeutung inne wohnt. Man horcht in sich hinein oder man horcht in die Stille des Waldes. Horchen klingt aus diesem Verständnis eher etwas abwartend, etwas passiver als hören. Gehorchen ist dann noch passiver. Das passt irgendwie nicht zu dem Drang, den viele verspüren, gerade jetzt nach Monaten der erzwungenen Pause, die Dinge lieber aktiv anzugehen. Man will schließlich selbst der Herr im eigenen Körper, im eigenen Haus, in der eigenen Welt sein. Wir wollen frei sein, frei auch in unserem Tun. Da passt Gehorsam irgendwie nicht. Selbst unsere katholischen Glaubensgeschwister, die sonst so erprobt sind im Umgang mit Gehorsam gegenüber ihren geistigen Oberhirten, wagen sich derzeit an mehr Ungehorsam gegenüber den Regeln aus Rom. Wir Protestanten ja seit Luther sowieso.

Was also soll uns der Monatsspruch sagen? Wir wissen und haben es in den letzten Monaten wieder deutlich lernen müssen, dass unsere Freiheit endet, wo die Freiheit eines anderen anfängt. Jede Freiheit ist beschränkt. Allein unser endliches Leben in einer Welt mit beschränkten Ressourcen schränkt unsere Freiheit ein. Freiheit muss auch beschränkt sein, wenn Menschen miteinander leben wollen. Das wissen wir. Ohne die Einschränkungen, die wir in den letzten Monaten ertragen mussten, hätten wir wahrscheinlich noch mehr unserer Lieben gefährdet, selbst auch Erkrankungen und Folgeschäden hinnehmen müssen. Menschliches Miteinander braucht Regeln, am besten welche, die alle nachvollziehen können. Denn genau darin lag und liegt ja auch ein Kritikpunkt an den aktuellen Maßnahmen. Dass nicht immer nach-vollziehbar ist, wozu welche Regel konkret dienen soll, dass sich Regeln zum Teil auch widersprechen. Die Regeln unseres Zusammenlebens stellen meist andere auf. So unser Eindruck. Manche können wir nachvollziehen, andere weniger.

Gehorchen kommt von horchen. Ich horche hinein in den anderen. Ich versuche zu verstehen, was seine Regeln bringen sollen, was er damit bei mir bewegen will. So wie ein Kind begreifen lernt, dass es die Mutter oder der Vater nicht böse meint, wenn er etwas verbietet oder um etwas bittet. Es geht den Eltern um den Schutz des Kindes und um seine Entwicklung. Genauso wie es unserem himmlischen Vater um unsere Entwicklung geht, um unser Zusammenleben. Wenn also in der Apostelgeschichte davon die Rede ist, dass man Gott mehr als den Menschen gehorchen soll, dann spricht das davon, dass man gegenüber Gottes Geboten mehr Vertrauen haben sollte. Dass seine Regeln und Gebote sinnvoller sind als die von Menschen. Menschliche Gebote sind wie Menschen. Unvollkommen. Ihnen zu gehorchen heißt, auch große Fehler zu begehen, andere einzuschränken, ihnen etwas aufzuzwingen. Gottes Gebote, wie das von der Nächstenliebe oder die bekannten zehn Gebote versuchen, uns eine Richtschnur zu sein, damit wir uns entwickeln können – in unserem Glauben, aber auch unserem Zusammenleben. Klar, auch sie schreiben uns etwas vor, auch sie verlangen, dass man sich an sie hält. Aber sie suchen unser bestes. Darauf dürfen wir vertrauen. Horchen wir also hin, wenn uns jemand einen Rat gibt und wir einen Bibeltext lesen, eine Predigt hören, was er uns eigentlich damit sagen will

Eine schöne Sommerzeit wünscht Ihnen Chris Schönefeld

Gedanken zum Monatsspruch Dezember 2020

Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut!“
 
Jesaja 58,7
 
Liebe Schwestern und Brüder,
 
der Monatsspruch Dezember trifft mich an einer wunden Stelle. Dabei ist er ganz klar in seiner Forderung. Nicht immer wird so klar gesagt, was man tun soll. Hier schon. „Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut!“ Dieser Satz ist einfach zu verstehen und leicht zu befolgen. Trotzdem tue ich mich im Alltag schwer damit, das entsprechend umzusetzen. Vor kurzem klingelte es an unserer Tür. Ein ungepflegter Herr stand davor und bat genuschelt um eine Spende für seinen Zirkus, mit dem er in Stadtsteinach gastiert. Ich überlegte sehr lang, ob ich ihm etwas geben solle. Zu stark die Bedenken, dass es sich um einen Betrüger handelt. Dieselbe Situation ereilt mich regelmäßig in großen Städten. Dort stehen an jeder Ecke Bettler und bitten um Geld. Gehören die zu irgendwelchen Banden und müssen das Geld an Hintermänner abgeben? Zweifel über Zweifel, die mich hindern, Geld vorurteilsfrei und aus freiem Herzen zu spenden. Ich gebe gern, aber es macht nicht so glücklich wie es sollte. Geben ist seliger als nehmen – aber glücklich macht es nicht immer.
 
In der Adventszeit wird für gewöhnlich überall um Spenden gebeten. Die Menschen sind offener und großzügiger. Viele Organisationen sind auch auf die Spenden angewiesen. Sie unterstützen damit, ob aus christlichen oder anderen Motiven, Menschen in Not. Gewiss, ein Teil der Spende wird für Verwaltung und Werbung, also sachfremd, investiert werden, aber der Großteil kommt, zumindest bei den zertifizierten Organisationen, bei den Bedürftigen an.
 
Oft denken wir und beruhigen uns mit dem Wissen, dass es genügend staatliche und gemeinnützige Organisationen gibt, die sich kümmern, die das mit der Nächstenliebe und Gastfreundschaft schon erfüllen. Dafür bekommen sie schließlich Steuermittel. Doch ein wenig beschleicht mich dabei auch immer das Gefühl, dass ich mich aus der Verantwortung stehle. Ich persönlich bin aufgefordert, gastfreundlich zu sein und Menschen in der Not zu helfen. Mit einer Spende oder meinen Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen kann ich mich nicht freikaufen.
Vor Gott und meinem Gewissen befreit das meine Seele nicht und wenn ich ehrlich bin, belegen meine Zweifel das. Natürlich weiß ich, dass es vor Gott nicht auf meine Werke ankommt. Sie könnten auch niemals ausreichen. Egal, wie sehr ich mich anstrenge, es wird nicht die Probleme der Welt lösen. Trotzdem ist praktisches Handeln im Sinne der Nächstenliebe von mir gefordert. Ich soll Augen und Ohren aufhalten und wahrnehmen, wo Not ist. Doch wie würde es bei uns praktisch aussehen, wenn man tun würde, was Jesaja im Auftrag Gottes verlangt? – Mit Hungrigen das Brot teilen? – Menschen ohne Obdach ein Dach über den Kopf bieten? – Nackten mit Kleidung aushelfen? – Sich nicht abwenden von Menschen, denen man begegnet und die einen brauchen?
 
Im Monatsspruch für Dezember sagt Jesaja, was Gott von seinem Volk erwartet: Mitmenschlichkeit, Barmherzigkeit, Nächstenliebe. Liest man den Text, aus dem der Spruch stammt, begründet Jesaja auch, weshalb man das tun soll. Die Menschen sollen so handeln, damit die Gesellschaft wieder heil wird. An den Aufforderungen im Monatsspruch ist abzulesen, woran es der Gesellschaft in Jerusalem um 520 v. Chr. mangelt: Hunger, Wohnungsnot, Kleidung, Gemeinschaft. Wir merken, dass das recht aktuelle Themen sind. Was Jesaja fordert, begleitet auch uns heute noch und fordert uns das ganze Jahr heraus Kinder- und Alltagsarmut, Löhne, die nicht einmal den Mindestbedarf decken, steigende Arbeitslosigkeit im Rahmen der Epidemie, Vereinsamung, das Elend der Geflüchteten in den Notunterkünften, Naturkatastrophen – das sind nur einige Themen, bei denen unsere kleine Kraft unheimlich ohnmächtig erscheint.
 
Ohnmächtig kann man sich in dieser Zeit wahrlich fühlen. Doch uns wird an Weihnachten Hoffnung geschenkt. Jesus kommt als armes Kind in die Welt. Seine Möglichkeiten scheinen gering und doch verändert er als Erwachsener später vor allem durch kleine Gesten, die die Bedürftigkeit seiner Mitmenschen in den Blick nehmen, die Welt. Das kann auch uns Ermutigung und Ansporn sein, einander ohne Zweifel zu begegnen und ohne Vorurteile aufeinander zu zu gehen. Gerade in dieser schwierigen und unsicheren Zeit voller Mistrauen und Ängsten sollte uns das ein wichtiger Leitfaden für unser Handeln bleiben.
 
Kommen Sie gut durch den Dezember, genießen Sie trotz allem frohe Feiertage und starten Sie gesund in ein glückliches und hoffentlich besseres neues Jahr! Frohe Weihnachten wünscht Ihnen Chris Schönefeld im Namen des Lektorenteams und der Kirchgemeinde

Friedensgebet am 16. März 2020

Mit Wirkung vom heutigen Tag hat das Landratsamt Sonneberg alle Veranstaltungen im Landkreis untersagt. Unser monatliches Friedensgebet in Haselbach konnte nicht stattfinden. Deshalb wird der Text der Predigt hier veröffentlicht.

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Amen

Liebe Brüder und liebe Schwestern!

Es war im Jahre 1948 als die Vollversammlung der Vereinten Nationen eine Resolution annahm, die zum ersten Mal in der Menschheitsgeschichte Standards zu den Rechten der Menschen festlegte.

30 Artikel umfasst das Werk und beschäftigt sich mit Freiheitsrechten, Gleichheitsrechten, Eigentumsrechten.

18 Jahre  später wurde der Internationale Pakt über bürgerliche und politische Rechte und der Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte geschlossen.

Alles zusammen wird heute als die Internationale Menschenrechtscharta bezeichnet und  sollte Normen und Wegweiser für das Zusammenleben der Menschen und Nationen sein.

So heißt es im Artikel 1: Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geist der Brüderlichkeit begegnen. In weiteren Artikeln heißt es:

  • 3: „Jeder hat das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person.“
  • 5: „Niemand darf der Folter oder grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe unterworfen werden.“
  • 18: „Jeder hat das Recht auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit;
  • 20, Absatz 1: „Alle Menschen haben das Recht, sich friedlich zu versammeln und zu Vereinigungen zusammenzuschließen.“
  • 22: „Jeder hat als Mitglied der Gesellschaft das Recht auf soziale Sicherheit.“
  • 23: „Jeder hat das Recht auf Arbeit, auf freie Berufswahl, auf gerechte und befriedigende Arbeitsbedingungen sowie auf Schutz vor Arbeitslosigkeit.“
  • 24: „Jeder hat das Recht auf Erholung und Freizeit und insbesondere auf eine vernünftige Begrenzung der Arbeitszeit und regelmäßigen bezahlten Urlaub.“
  • 25: „Jeder hat das Recht auf einen Lebensstandard, der seine und seiner Familie Gesundheit und Wohl gewährleistet, einschließlich Nahrung, Kleidung, Wohnung, ärztliche Versorgung und notwendige soziale Leistungen,

72 Jahr liegt die Annahme der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte zurück. Es gibt bis heute keine Instanz, die die Einhaltung dieser Rechte überwacht. Aber ihre moralische Verbindlichkeit gehört zum Grundgerüst vieler Verfassungen.

Dagegen haben die oben genannten Pakte Rechtsstatus und werden von den Vereinten Nationen überwacht. Unterzeichner dieser Abkommen unterliegen der Kontrolle. Kommt es zu Verletzungen der Konventionen kann über den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Strasbourg geklagt werden. Für den Doppelkontinent Amerika gibt es den Interamerikanischen Menschenrechtsgerichtshof und für Afrika ist der Afrikanische Gerichtshof für Menschenrechte zuständig.

Was da international in harter Arbeit aufgebaut wurde, klingt positiv und aufmunternd. Aber wir wissen, dass die internationale Gemeinschaft meilenweit davon entfernt ist, Gerechtigkeit und Freiheit für alle Menschen in allen Ländern durchzusetzen. Es ist ein zähes Ringen mit den immer gleichen Verhinderern.

Wir kennen die Staaten, die die Menschenrechte mit Füßen treten und in denen Menschen nicht frei leben können. Dazu zählen: Eritrea, Saudi- Arabien, Nordkorea, Katar, Türkei. In manchen Ländern sind Menschenrechte ständig eingeschränkt wie in Kuba, den Philippinen, China oder in den islamischen Ländern mit ihrem uneingeschränkten Scharia- Rechtssytem.

Liebe Brüder, liebe Schwestern!

Wir alle hier sind in dieses Leben gestellt.  Jeder von uns hat das Recht auf ein erfülltes und freies Dasein, auf Wertschätzung und Würdigung.

Diesen Anspruch sollen wir haben. Und dort, wo Menschenwürde in den Schmutz getreten wird, sollte es unsere Pflicht sein, unser Veto einzusetzen. Auch hier in unserem Land, in unserem Umfeld werden Menschen ausgegrenzt, diskriminiert, kriminalisiert, weil sie eben anders sind, nicht meine Sprache sprechen, nicht meine Religion pflegen.

Gesetze sind hilfreich, aber wenn viele dafür sorgen, dass in ihrem Umfeld ein Klima der gegenseitigen Wertschätzung herrscht, so reflektiert sich das förderlich für das eigene Leben.

Ich lese jetzt dazu Auszüge aus Psalm 8:

HERR, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name in allen Landen, der du zeigst deine Hoheit am Himmel! 

Wenn ich sehe die Himmel, deiner Finger Werk, den Mond und die Sterne, die du bereitet hast:  was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, und des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst? 

Du hast ihn wenig niedriger gemacht als Gott, mit Ehre und Herrlichkeit hast du ihn gekrönt. Du hast ihn zum Herrn gemacht über deiner Hände Werk, alles hast du unter seine Füße getan

Was ist der Mensch, fragt der Psalmbeter und er findet die Antwort. Gott hat ihn zu seinem Bilde gemacht und hat ihm die Fähigkeit und die Aufgabe gegeben, die Erde, Gottes Schöpfung und Eigentum, zu nutzen, zu pflegen, zu gestalten.

Eine hohe Ehre ist das und eine große Verantwortung. Gott setzt den Wert des Menschen hoch an.

Wertvoll bist du! Hast du darüber in der letzten Zeit nachgedacht? Gott hat dir Gaben verliehen, die du unbedingt nutzen solltest. Womöglich schlummern sie noch in dir drin und wollen entdeckt werden, damit dein Leben erfüllter und glücklicher wird.

Dein Wert ist in den Augen Gottes unendlich groß, du bist genau richtig, so wie du bist.

Du brauchst dir deinen Wert nicht zu verdienen, denn er wurde dir von Gott bereits verliehen.

Niemand ist wertlos, auch derjenige nicht, der krank oder behindert ist, oder alt und pflegebedürftig.

Gott selbst wohnt auch in den schwächsten und kleinsten Menschen.

Und wer sich der Schwachen und Kleinen annimmt, begegnet dem Allmächtigen auf ganz eigene Weise.

Ob aus ethischer oder christlicher Sicht, das Menschenleben ist ein hohes Gut und das gilt es zu schützen.

In diesem Zusammenhang müssen wir akzeptieren, dass die Verwaltungen unseres Landes, unserer Kirche restriktive Maßnahmen anordnen, um das Coronavirus am raschen Ausbreiten zu hindern.

Herr, plötzlich ist in unsere Welt große Angst gekommen. Wir sind verunsichert und wissen nicht, was wir tun sollen. Deshalb legen wir unsere Sorgen vor dich. Herr hilf, dass besonders die am Coronavirus Erkrankten wieder gesund werden, stoppe diese Pandemie und lass uns dir vertrauen. Amen

Und der Friede Gottes, der höher ist, als wir denken und verstehen können, der bewahre eure Herzen und Sinne in Jesus Christus.

Amen

Gedanken zum Monatsspruch Dezember 2019

Wer im Dunkel lebt und wem kein Licht leuchtet, der vertraue auf den Namen des
Herrn und verlasse sich auf seinen Gott.
Jesaja 50,10

Liebe Gemeinde,

sicher kennt ihr das Gefühl, dass die Dunkelheit im Winter ganz schön belastend sein und einen ziemlich herunterziehen kann. Läuft dann auch noch das eine oder andere im Alltag schief, macht das fehlende Sonnenlicht einem noch mehr zu schaffen. Dunkel kann es auch in uns werden, wenn wir in schwierige Lebenssituationen geraten, z.B. arbeitslos oder krank werden, eine Beziehungskrise erleben oder einen geliebten Menschen verlieren. Solche Krisen empfinden wir gerade in der Vorweihnachtszeit und an Weihnachten als besonders schlimm. Alles soll friedlich sein und doch ist es das oft nicht. Mich hat ein wenig die Nachricht heruntergezogen, dass der Oberlandkurier eingestellt wird. Ich kann die Entscheidung der Herausgeber teilweise nachvollziehen. Bei so viel Kritik und Anfeindungen verliert man schnell die Lust an der gemeinnützigen Arbeit. Und doch finde ich es sehr schade, weil wieder etwas verloren geht, etwas, was allen Vereinen ein gutes Medium war, andere Dorfbewohner über das doch in Teilen noch aktive Dorfleben zu informieren. Schade, dass dieses wichtige Medium durch Bedenken weniger und durch unbarmherzigen Streit nun enden muss.

An trüben, dunklen Tagen und auch bei Trauer hilft man sich oft, in dem man eine Kerze anzündet, einen Hoffnungsschimmer in dunkler Nacht, entzündet. Für mich war der Monatsspruch ein solcher Lichtanker. „Wer im Finstern wandelt und wem kein Licht scheint, der hoffe auf den Namen des HERRN und verlasse sich auf seinen Gott!“

Was für eine tolle Zusage! Wenn ich „im Dunkel lebe“ und mir „kein Licht leuchtet“, dann kann ich mich trotzdem auf den „Namen des Herrn“, also auf Gott, verlassen. Dabei bin ich auch nicht zum Abwarten verdammt – nach dem Motto: Die Tage werden ab Weihnachten wieder länger und vielleicht wird alles im Frühling wieder erträglicher. Nein, ich muss das Schwere nicht passiv durchleiden, weil es zum Leben gehört und niemand mir helfen kann. Der Monatsspruch zeigt mir eine Alternative auf. Es geht darum, dass ich etwas tue und dass ich aktiv werde, dass ich auf Gottes Hilfe vertrauen und mich auf ihn verlassen kann. Auch wenn ich gerade das Gefühl habe, in Angst und Pein zu ertrinken. Das drückt der Monatsspruch sehr schön aus. In der Aufforderung, mich aktiv auf Gott zu verlassen, steckt nämlich zugleich die Zusage, dass Gott da ist. Das kann ein Trost sein. Selbst wenn ich gar nichts spüre von Gottes Verlässlichkeit, gibt es sie dennoch. Gott ist anwesend und auf ihn ist Verlass. Dann kann ich es auch wagen, mich ihm anzuvertrauen und zu ihm zu kommen, z. B. im Gebet.

Wenn mir dafür die Worte fehlen, kann ich Worte anderer nutzen, z.B. aus den biblischen Psalmen oder Gesangbuchliedern. Ein typisches Adventslied ist „Die Nacht ist vorgedrungen, der Tag ist nicht mehr fern“. Es wurde 1938 von Jochen Klepper gedichtet. Er schrieb es in einem Jahr, als er seine jüdische Ehefrau kirchlich heiratete. Angesichts der beginnenden Judenverfolgung lebte er mit seiner Familie in ständiger Gefahr. Als Theologe kannte Klepper unseren Monatsspruch aus Jesaja 50 vermutlich auch und sicher rechnete er damit, dass Gott mit seiner Weihnachtsbotschaft vor allem zu denen kommt, die im Dunkel leben. „Noch manche Nacht wird fallen auf Menschenleid und -schuld. Doch wandert nun mit allen der Stern der Gotteshuld. Beglänzt von seinem Lichte, hält Euch kein Dunkel mehr, von Gottes Angesichte kam euch die Rettung her.“

In diesem Sinne geben wir nicht auf und bleiben fair zueinander! Lassen wir uns nicht durch Bedenkenträger in Angst und Schrecken versetzen, sondern gehen wir es an, gemeinsam – denn anders wird es bei immer weniger Menschen in unserer Region nicht gehen. Gott hat diese Welt auch nicht aufgegeben, sondern uns seinen Sohn geschenkt – als Hoffnungszeichen, als Retter, als Friedensstifter für unsere Welt – für uns alle.

Ich wünsche Euch im Namen des Lektorenteams und des Gemeindekirchenrates eine trotz so mancher Sorge besinnliche Adventszeit, ein gesegnete Weihnachtszeit und einen guten Start ins neue Jahr!

Chris Schönefeld