Liebe Schwestern und liebe Brüder,
nun ist es schon wieder Oktober. Für die einen „der Monat“ schlechthin. Denn nicht umsonst heißt er manchmal auch „goldener Oktober“. Wie ich finde, völlig zurecht. Wenn ich da an die schönen Tage denke, an denen die Sonne auf die dann bunten Blätter scheint. Man bei einem Spaziergang das raschelnde Laub unter den Füßen hört. Vielleicht bei der Gelegenheit als Dekoration für daheim ein paar Kastanien oder Eicheln sammelt. Herrlich.
Doch für Andere ist er ein Graus. Weil es eben auch die Tage gibt, die von Regen, Nebel, Kälte und stürmischem Wind geprägt sind. Da ist dann auch die Laune manchmal nicht ganz so froh und unbeschwert. Die Gedanken etwas schwerer, auch und vor allem, wenn man dann an die kommenden, kalten Wintertage denkt. Obwohl auch die ja ihre schönen Seiten haben können. Der eine oder andere Wintersportfreund wird schon jetzt darauf warten, endlich wieder eine Runde mit den Skiern in den Loipen oder auf den Pisten drehen zu können.
Wir merken, schon allein das Wetter kann Einfluss auf unsere Gedanken haben. Die letzten Wochen mit den Wahlen in Sachsen-Anhalt, Berlin und Mecklenburg – Vorpommern haben gezeigt, dass Menschen sich auch, was ihre politischen Ansichten angeht, schon auch darum Sorgen machen, wie es mit ihrer Stadt, ihrem Landkreis oder Bundesland weitergeht. Lassen sich dabei manchmal auch von Wahlversprechen leiten – wo niemand im Vorfeld weiß, wie diese dann umgesetzt werden. Manche haben auch schon vor der Wahl Angst gehabt, was dann auf sie zukommen wird, wenn diese oder jene Partei an die Macht kommen sollte.
Ein Ereignis, dass auch im Oktober stattfand und das wir jedes Jahr am Dritten desselben feiern, ist der Tag der Deutschen Einheit. Im Vorfeld hatten damals Tausende für ihre Freiheit demonstriert. Weil sie manche Dinge, die ihnen ein freies Leben, aus ihrer Sicht, verboten, nicht mehr hinnehmen wollten.
Auch da merken wir: das mit der Freiheit ist so ne Sache. Nicht jedem kann man es immer recht machen.
Dann hören wir die Worte für den Monat Oktober, die Paulus damals an die Gemeinde in Galatien schrieb:
Zur Freiheit hat uns Christus befreit! So steht nun fest und lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen!
Das klingt doch auf den ersten Blick schon fast paradiesisch. Freiheit pur. Keine Regeln, keine Zwänge, niemand, der sagt, was man zu tun und zu lassen hat.
Sind wir ehrlich, so viele religiöse Gesetze wie das jüdische Volk haben wir nicht. Man geh davon aus, dass es damals 613 Gebote waren, die jüdische Lehrer aus dem Gesetz Mose ihren Gläubigen aufzählten.
Doch, irgendwas regt sich doch da auch heute trotz oder eben gerade mit Blick auf komplette Freiheit in uns. Dieses „wie jetzt, so ganz und gar nichts, woran ich mich orientieren kann? Kein Gerüst, dass mir den Weg weist? Hilfe, das geht doch nicht, ich bin verloren.“
Ganz so schlimm ist es nun auch nicht. Denn Paulus lässt uns nicht ganz ohne Orientierung völlig alleine. Er gibt uns einen Hinweis: Jesus Christus hat euch befreit.
Wir sollen uns schon orientieren. Nur eben auch immer mal wieder auch hinterfragen, wenn wir einem neuen Trend, einer politischen Meinung oder anderen Dingen gegenüberstehen: „Ist das jetzt im Sinne von Jesus? Würde er auch so und so tun oder hat das mit Nächstenliebe und allem, was er schon damals seinen Jüngern gelehrt hat, gar nichts zu tun?“
Ich denke, wenn wir diese Fragen uns ab und zu stellen, dann können auch wir relativ frei und fest in unserem Glauben durchs Leben gehen. Ohne uns anderen Meinungen immer und ständig unterzuordnen.
Wenn wir einmal im Monat in Haselbach für den Frieden beten, dann hören wir auch Worte aus dem Bekenntnis von Dietrich Bonhoeffer. Er hat das, was ich euch gerade versucht habe zu erklären, in noch andere Worte verfasst: „“Ich glaube, dass uns Gott in jeder Notlage so viel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht im Voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen.“
Vielleicht nutzen wir die etwas regnerischen Tage jetzt im Oktober, ums zu schauen, wie es denn bei uns so ist mit der Freiheit. Und dem fest stehen.
Ich wünsche Ihnen und euch von Herzen einen gesegneten Oktober
eure Manuela Schmidt.
