Archiv des Monats: März 2026

Gedanken zum Monatsspruch März 2026

Da weinte Jesus Joh. 1135

Liebe Schwestern und Brüder,

wir sind mitten in der Fastenzeit. Viele nutzen die Zeit und verzichten auf Dinge, die sonst so selbstverständlich sind, aber auch viel Zeit und Energie kosten. Sie wollen sich stärker auf sich besinnen, auf das, was im Leben wirklich zählt. Doch was zählt wirklich im Leben? Jeder setzt da seine eigenen Prioritäten. Der eine betont Familie und Freundschaften, dem anderen sind Bildung, moralische Werte und ein gutes Auskommen wichtig, dem dritten ist die eigene Fitness und Gesundheit das Wichtigste. Was es auch sein mag, es tut gut, sich hin und wieder zu hinterfragen, neu auszurichten. Dafür ist es sinnvoll, dass es solche Vorbereitungszeiten wie die Fastenzeit immer wieder gibt.

Für uns Christen sollten Nächstenliebe, ein barmherziger Blick aufeinander und die Hoffnung auf Gottes Wirken wichtige Dinge sein, die uns im Leben Sinn und Halt geben. Im Alltagsstress mit all seinen Verpflichtungen geht das leider oft unter und wir messen ihm keine Bedeutung bei. Geschehnisse aus aller Welt verunsichern uns genauso wie unsere Mitmenschen, obwohl uns die Zusage Gottes gegeben ist, da nicht allein durchkommen zu müssen. Wir sind oft getrieben zwischen Terminen, dem jahreszeitlichen Wechsel, zwischen Arbeit und Freizeitaktivitäten. Für Freunde, Familie und den Menschen neben uns bleibt meistens nur wenig Zeit. Selbst wenn man bestimmte Aufgaben für andere macht, so fühlt es sich manchmal so an, dass man einander aus den Augen verliert. Meist merkt man erst, wie getrieben man ist, wenn man durch Krankheit oder Schicksalsschlag zum Innehalten gezwungen wird. Das kann aus der Bahn werfen, obwohl wir wissen, dass wir von Gott getragen sind. Darum ist es gut, sich die Fastenzeit zu hinterfragen, ob man das richtige Maß an Zeit und Liebe für sich und den Nächsten aufbringt, ob man den richtigen Dingen nachgeht oder ob man vielleicht etwas ändern sollte. Man kann zum Schluss kommen, dass alles gut ist, wie es ist und man vielleicht nur ein wenig barmherziger auf sich selbst und andere schauen sollte. Dann darf man dankbar sein und mit fröhlichem Herzen den Frühling genießen. Vielleicht traut man sich aber auch nicht, wirklich in sich hinzuhören, weil manche Erkenntnis weh tut, weil Veränderungen schmerzen, mühsam und die Konsequenzen nicht absehbar sind. Eine Zeit lang kann man dem entgegen, es ignorieren, aber oft holt es einen ein.

Die Zeit vor Ostern, die Passionszeit, ist für unseren Glauben aber nicht nur deswegen entscheidend, weil wir in uns aufräumen, Frühjahrsputz machen. Als Christen nutzen wir die 40 Tage vor Ostern in besonderer Weise, um den Weg von Jesus nachzugehen. Konsequent trat er für seine Botschaft der Nächstenliebe und der Liebe zu Gott ein. So konsequent, dass er damit die eingefahrenen Wege der Mächtigen seiner Zeit herausforderte und sie ihn schließlich loswerden wollten und töteten. Er hat Prioritäten gesetzt, die wir heute vielleicht nur noch schwer nachvollziehen können. Die Prioritäten waren sein liebender himmlischer Vater und seine Nächsten und hier vor allem die, die es gebraucht haben: Kranke, Schwache, Ausgestoßene.

Für sie hat er sich eingesetzt, damit sie wieder Anteil haben an der Gemeinschaft, an Gottes Plan eines gelingenden Miteinanders hier auf Erden und der gemeinsamen Ewigkeit.

Auch unser Monatsspruch für März 2026 „Da weinte Jesus.“ trägt in diesem Sinne eine tiefe Bedeutung. Es ist übrigens der kürzeste Vers in der Bibel. Aber gerade in der Kürze liegt die Würze. Er verdichtet viel von dem, was Jesus ausgezeichnet hat. Jesus zeigt Mitgefühl und Anteilnahme am Leid seiner Freunde Maria und Martha, nachdem ihr Bruder Lazarus gestorben war. Obwohl Jesus wusste, dass er Lazarus bald auferwecken würde, ließ er sich von der Trauer der Schwestern bewegen und weinte mit ihnen. Der Vers verdeutlicht, dass Gott die menschlichen Gefühle ernst nimmt und Anteil am Schmerz der Menschen hat. Er zeigt auch, dass Trauer und Mitgefühl natürliche Reaktionen sind und dass selbst Jesus, der Sohn Gottes, diese Emotionen teilt. Für uns kann das eine Ermutigung sein, unsere eigenen Gefühle zuzulassen und zu wissen, dass wir im Leid nicht allein sind.

Früher war es üblich, dass man Nachbarn und anderen Dorfbewohnern bei einem Trauerfall zur Seite stand, ihre Trauer gemeinsam aushielt, an Trauerfeiern teilnahm, gemeinsam weinte. Spätestens seit und vor allem durch die Pandemie 2020 bis 2022 muss man feststellen, dass sich die Trauerkultur grundlegend verändert hat. Trauerfeiern werden immer mehr zu rein familiären Angelegenheiten im engsten Kreis. Man meint, den Schmerz allein besser aushalten zu können, andere nicht damit belasten zu wollen. Ist das wirklich so? Schafft man so, besser auszuhalten, dass wir endlich sind und nacheinander erst andere und schließlich selbst loslassen zu müssen? Gleichzeitig scheinen sich viele nicht mehr zu öffentlichen Verabschiedungen hingehen zutrauen oder den einfachen Weg zu nehmen, das Thema einfach zu ignorieren. Sei es aus Scham, aus Unsicherheit vor dem richtigen Umgang, aus Gleichgültigkeit oder weil Alltagsaufgaben wichtiger sind. Auch zum gemeinsamen Gedenken am Volkstrauertag oder am Ewigkeitssonntag, an dem nochmal allen Verstorbenen gedacht wird, kommen nur noch wenige. Es hat an Bedeutung verloren, gemeinsam zu tragen, was wir allein nur schwer schultern können. Dabei könnte es durchaus helfen, auch gegen die viel beschworene Vereinsamung. Gott hilft tragen – diese Erfahrung haben jahrhundertelang Menschen gemacht, davon handeln unzählige Trauerlieder. Gott hilft auch dadurch, dass sein Sohn dazu auffordert und vorlebt, als Christen das Leben gemeinsam zu tragen. Das schöne und das schwere, Freude und Kummer.

Es ist auch nicht übergriffig, Interesse aneinander zu haben, am Leben anderer Anteil zu nehmen, Interesse zu zeigen. So wichtig Privatsphäre ist, keiner lebt sich selber. Daher ist dieser kurze Satz der Monatslosung eine Einladung, jetzt in der Fastenzeit darüber nachzudenken, ob wir vielleicht wieder mehr Mitgefühl füreinander haben und wie Jesus auch miteinander weinen sollten, wenn es sein muss. Tränen können das Wischwasser sein, dass beim Frühjahrsputz unserer Seele hilft. Gereinigt und befreit können wir dann mutig angehen, was dieses Jahr noch auf uns wartet.

In diesem Sinne eine gesegnete Fastenzeit

Chris Schönefeld